Arbeitsblatt: Unterrichtsstörungen
Material-Details
Publikation zu Unterrichtsstörungen
Administration / Methodik
Hilfen
klassenübergreifend
15 Seiten
Statistik
27069
1465
61
16.10.2008
Autor/in
widder (Spitzname)
Land: Deutschland
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Marc Böhmann 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer Der nächste Schultag ist nicht mehr der schwerste Inhaltsverzeichnis 3 Inhalt Warum gibt es dieses Buch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 1. Die eigene Lehrer-Persönlichkeit erkunden . . . . . . . . . . . 9 2. Kinder und Jugendliche heute sind anders als früher . . . . . . 19 3. Lernen können nur die Schüler selbst, aber auch die Lehrer . . . 25 4. Belastungen bearbeiten – Entlastungen entdecken – Ressourcen pflegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 5. Seine Klasse klasse leiten – Milchgeld, Sitzordnung und viel mehr 41 6. Unterricht planen und durchführen . . . . . . . . . . . . . 47 7. Unterrichts-Gespräche führen . . . . . . . . . . . . . . . . 57 8. Unterricht schrittweise differenzieren und öffnen . . . . . . . 61 9. Mit Unterrichtsstörungen umgehen . . . . . . . . . . . . . 71 10. Hausaufgaben sinnvoll einsetzen . . . . . . . . . . . . . . 81 11. Beurteilen, benoten, strafen . . . . . . . . . . . . . . . . 87 12. Mehr als Unterricht – Lerngang, Ausflug, Klassenfahrt und Co. . . 97 13. Gewalt, Bullying und Mobbing – was kann man tun . . . . . . 101 14. Elternarbeit gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 15. Im Kollegium kooperieren . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 16. Mit der Schulleitung kooperieren . . . . . . . . . . . . . . 121 17. Kindergarten, Betriebe und Presse – mit außerschulischen Partnern zusammenarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . 125 18. Schule entwickeln und Schulprogramme erarbeiten . . . . . . 129 19. www.professionellarbeiten.de – Das Internet als Ideenbörse nutzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 20. Sich im Schulrecht kundig machen . . . . . . . . . . . . . 143 21. Service: Verlage, Verbände, Tipps zum Weiterlesen . . . . . . 145 22. Ein paar Gedanken zum Schluss: Lehrerberuf, Lehrerprofessionalität und Lehrerbiografie . . . . . . . . . . 151 Warum gibt es dieses Buch 5 Warum gibt es dieses Buch? Liebe Kollegin, lieber Kollege, vielleicht denken Sie ähnlich: In Bezug auf die schulpädagogische und auch die fachdidaktische Literatur gibt es einen auffälligen Widerspruch. Auf der einen Seite werden viele relativ abgehobene Ideale und Unterrichtsmodelle publiziert. Und auf der anderen Seite steht jede Lehrerin und jeder Lehrer an jedem Schultag vor einer Praxis, die nur selten in Büchern und Zeitschriften-Beiträgen vorkommt. Diese ganz normale Praxis, d.h. der rasche Verbrauch von Zeit in mühsam stabilisierten Situationen bei unsicheren, mitunter gegenteiligen Effekten und wenig Bestätigung, das ist das, was den Lehrerberuf zwar im Kern ausmacht, aber auch so erschwert und belastet. Und wofür es auch wenig brauchbare Literatur gibt. Um sich für diese alltägliche Praxis Rat, Hilfe und Tipps zu holen, gehen Sie sicherlich verschiedene Wege: Sie setzen sich nachmittags in Ruhe hin und planen besonders gewissenhaft den nächsten Schultag. Oder Sie treffen sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen und versuchen, sich gegenseitig zu helfen. Oder Sie besuchen eine Supervisionsgruppe. Oder aber Sie gehen schwimmen, verabreden sich mit guten Freunden und kochen etwas Tolles, um Kraft zu tanken für Ihre schulische Arbeit. Vielleicht haben Sie aber auch die ganze Zeit nach einem Buch gesucht, das Ihnen kurz und präzise für die wichtigsten Arbeitsfelder Ihres Berufsalltags konkrete Tipps bietet, das Ihnen Hinweise gibt, wo Sie weiter lesen und lernen können, wichtige Ergebnisse der schulpädagogischen Forschung verständlich nahe bringt und das Ihnen auch ein bisschen Mut macht und Motivation gibt, sich jeden Tag aufs Neue wieder den Herausforderungen dieses schwierigen Berufs zu stellen. Genau mit diesen Absichten habe ich dieses Buch geschrieben. Ich stelle Sie mir als Leserin oder Leser so vor: Sie sind Lehrerin an einer ganz normalen Schule. Sie haben sich für diesen Beruf entschieden, weil Sie Kinder und Jugendliche ein Stück auf deren Weg in die Selbstständigkeit begleiten wollen und weil Sie überzeugt sind, dass es Dinge gibt, die sie auf diesem Weg erfahren und kennen lernen sollten. Sie sind schulerfahren und innovati- 6 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer onsfreudig zugleich. Sie schätzen die Herausforderungen des Lehrer-Berufs und leiden zuweilen an seinen belastenden Seiten. Sie haben einen zeitgemäßen Begriff von Lehrerprofessionalität. Und Sie möchten alles – nur nicht stehen bleiben, haben Lust, selbst zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Für Sie wird dieses Buch, so hoffe ich, ein Gewinn sein. Einige Tipps werden Ihnen vielleicht, zumal wenn Sie schon längere Zeit im Schuldienst sind, banal vorkommen oder als pädagogisches Allgemeingut erscheinen. Wer noch nicht so viel Berufserfahrung hat, ist dafür vielleicht dankbar. Aber möglicherweise entdecken auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen den ein oder anderen Gedanken oder Hinweis, der sie weiter bringt. „10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer – klingt da der Titel nicht zu sehr nach fertigen Rezepten und 08/15-Ratschlägen? Vielleicht. Andererseits bringt er das Anliegen dieses Buches auf den Punkt. 10 Minuten – so lange könnte es dauern, bis Sie ein Kapitel, das Sie gerade besonders interessiert, durchgelesen haben und bis Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu gemacht haben. Wenn das mit dem Nachdenken länger dauern würde, wäre das durchaus im Sinne des Buches. In jedem Kapitel finden Sie – grundlegende Impulse und Gedanken, – einige Anmerkungen zum schulpädagogischen Forschungsstand, – konkrete Tipps für Ihren Schulalltag und – Literatur-Tipps zum Weiterlesen. Einige Kapitel beinhalten auch Materialien, die Sie schon morgen verwenden können. Bei den Literatur-Angaben habe ich versucht, mich zu beschränken. Die aus meiner Sicht besonders empfehlenswerten Bücher sind mit einem Stern gekennzeichnet. Dieser Band ist auch das Ergebnis zahlreicher Gespräche mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus allen Schularten und Schulstufen. Stellvertretend danke ich ganz herzlich für die (teilweise) Durchsicht des Manuskriptes Warum gibt es dieses Buch 7 Manuela Bach, Thorsten Bohl, Johannes Budjan, Steffi Dalhäuser, Michael Hirn, Sonja Lulay, Wiebke Maack, Sabine Pflüger, Franziska Reif, Verena Weiß, Sabine Welsch und natürlich Frieda Reif. Besonders herzlichen Dank an Reinhold Miller für seine klugen Hinweise. Alles Gute für Ihren Schulalltag wünscht Ihnen PS. Noch einen Satz zur geschlechtsspezifischen Sprache: Manchmal benutze ich die weibliche Form, manchmal die männliche Form, manchmal beide Formen. Sollte es nicht ausdrücklich vermerkt sein, sind damit immer beide Geschlechter gemeint. PS 2. Alle in diesem Buch in Rahmen gefasste Tipps, Wochenplanformulare, goldene Regeln, Protokolle und Schemata sind mit weiteren Kopiervorlagen zu einem Organisationshandbuch zusamengefasst: „Die pädagogische 5-Minuten-Terrine. Der Erste-Hilfe-Koffer für alle möglichen und unmöglichen Situationen in Unterricht und Schule (AOL Verlag, Nr. A695). Mit Unterrichtsstörungen umgehen 71 9. Mit Unterrichtsstörungen umgehen Denken Sie mal genau nach: In welcher Unterrichtsstunde, die Sie bisher gehalten haben, gab es keine einzige Unterrichtsstörung? Fällt Ihnen eine solche Stunde ein? Dann können Sie sich glücklich schätzen. In jedem Fall werden Ihnen zahllose Stunden einfallen, in denen Sie mit Unterrichtsstörungen, kleinen, mittleren und großen, zu kämpfen hatten. Das liegt daran, dass Unterricht voll von offenen und versteckten Konflikten ist. Unterrichtsstörungen sind struktureller Teil des Unterrichts. Das sich zu vergegenwärtigen, kann zwar entlastend sein, hilft aber auch nicht groß weiter. Schließlich ist damit noch längst nicht die Frage beantwortet, wie man als Lehrerin mit der Vielzahl an Störungen des Unterrichts effizient und professionell umgeht. Das heißt auch: Wer als Lehrerin sagt: „Bei mir ist alles ganz toll – Unterrichtsstörungen gibt es bei mir nicht, lügt sich in die eigene Tasche. (Allerdings sollen hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen tatsächlich solche Lehrer gesichtet worden sein: Es gibt sie schon, die heile pädagogische Welt, aber das sind wirklich die Ausnahmen). Unterrichts-Störungen von Schülerinnen und Schülern kommen in jedem Unterricht vor. Mal weniger, mal mehr. Mal übersieht man sie als Lehrerin, mal sind sie nicht mehr zu übersehen, geschweige denn zu tolerieren. Mal reicht es, sie zu ignorieren, mal genügt ein ermahnender Blick, manchmal benötigen sie ein abgestimmtes Instrumentarium von Ermahnungen, Strafen und auch Verweisen. Zum einen sollte man nach den möglichen Ursachen fragen. Störungen Ihres Unterrichts können zum einen besonders durch Schüler verursacht sein, die äußerst schwer zur Konzentration fähig sind, die also an einem „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) leiden. Solche Kinder werden häufig auch als hyperaktiv oder „Zappelphilipp (in Anlehnung an Heinrich Hoffmanns Bildergeschichte) bezeichnet. Das Erscheinungsbild dieser Aufmerksamkeitsstörung ist vielschichtig: Das Kind bearbeitet Aufgaben nachlässig und fehlerhaft, es bringt angefangene Tätigkeiten kaum zu Ende, es handelt unüberlegt und sucht schnell verkürzte Problemlösungen. Oder es 72 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer hat Schwierigkeiten, bei einer Aktivität zu bleiben, erscheint den Eltern, Lehrern und auch Mitschülerinnen „wie aufgezogen und ist durch die wachsende Bewegungsunruhe Quelle vielfältiger Konflikte im Unterricht oder auch außerhalb des Unterrichts, z.B. im Pausenhof, beim Ausflug oder beim Museumsbesuch. Die Ursachen dafür, dass Kinder ein Aufmerksamkeits-Defizit haben, dass sie hyperaktiv und überaus impulsiv sind, sind vielfältig. Die Fachliteratur geht mittlerweile von einem mehrfaktoriellen, integrativen Erklärungsmodell aus. Das heißt: Je nach individuellem Fall sind biologisch-somatische Faktoren (Hirnschädigungen, Reizüberflutungen, Ernährung, Aktivierungsmangel oder eine gestörte Immunregulation bzw. allergische Krankheiten) und zugleich psychosoziale Faktoren (erlerntes Verhalten, Konflikte mit Eltern und Geschwistern, ungüstige Sozialisationsbedingungen) als mögliche Ursachen ins Auge zu fassen. Offenbar spielen aber in jedem Fall die Umweltreaktionen, z. B. durch Eltern und Lehrerin auf das aufmerksamkeitsgestörte Kind, eine beträchtliche Rolle. Mit Unterrichtsstörungen umgehen ADS – was Lehrer beachten sollten • Denken Sie daran, dass ADS-Kinder prinzipiell in die Regelschule gehören. • Unterstützen Sie alle Anstrengungen, zusätzliche Hilfe für die Arbeit in der Klasse zu erhalten. Mehr Erwachsene im Klassenraum sind vorteilhaft für alle Kinder, besonders aber für die ADS-Kinder, die oft mehr Aufmerksamkeit und unmittelbare Rückmeldungen benötigen. Lassen Sie sich beraten und versuchen Sie Methoden und Strategien zu praktizieren, die sich als günstig für unruhige Kindern erwiesen haben. • Berücksichtigen Sie, dass ADS-Kinder besser mit einer eher traditionellen Klassenraumstruktur zurechtkommen und auch erfolgreicher allein an einem Tisch arbeiten. • Akzeptieren Sie, dass ADS-Kinder in Ihrer Nähe sitzen, damit sie durch Sie optimal trainiert werden. • Ermöglichen Sie den ADS-Kindern eine 1:1 Betreuung so oft dies möglich ist. Berücksichtigen Sie immer wieder die Lernprobleme dieser Kinder und denken Sie nicht im Geheimen, dass alles nur mit Erziehung zu tun habe. • Fokussieren Sie sich nicht ausschließlich auf das Verhalten des Kindes und stellen Sie nicht immer wieder dramatisch dar, welche furchtbaren Entgleisungen dem Kind wieder unterlaufen sind. Reflektieren Sie lieber Ihr eigenes Trainerverhalten und überlegen sie, was verbessert werden kann. Akzeptieren Sie, dass es oft mit dem Kind schlecht klappt, weil der Trainer etwas falsch macht. • Übernehmen Sie nicht die Rolle dessen, der versucht, die Eltern von der Medikation zu überzeugen, nur weil Ihnen persönlich das Kind zu lebhaft zu sein scheint. Üben Sie hier keinen Druck aus. Aus: Dieter Krowatschek (2001). Alles über ADS. Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer. Patmos Verlagsgruppe: Düsseldorf 73 74 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer Unterrichts-Störungen – Was tun? Unterrichts-Störungen sind längst nicht immer durch ADS-Kinder verursacht oder Ausdruck von einem renitenten Charakter, Boshaftigkeit oder Hass gegen den Lehrer, sondern liegen beispielsweise auch an der Sitzordnung, im verbalen oder nonverbalen Verhalten des Lehrers oder sie sind zuweilen auch schlicht und einfach das Nebenprodukt von Langeweile oder auch nur der Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Das heißt umgekehrt auch: Gut geplanter, abwechslungsreicher Unterricht, – der die Sozialformen wechselt, – der differenziert gestaltet ist, – bei dem die Schülerinnen etwas lernen, – der ihnen auch die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen und miteinander in Kontakt zu treten, – der auch nonverbal von der Lehrerin gesteuert wird, – bei dem die Schüler gelobt und gemocht werden, – der sie weder unter- noch überfordert, der sie also da abholt, wo sie stehen, – der ihnen Erfolgserlebnisse vermittelt und – der sie mit ihren Interessen und Bedürfnissen ernst nimmt, ist die beste Möglichkeit, Unterrichts-Störungen präventiv zu verringern. Lieber ordentlich Zeit in eine gute Unterrichts-Planung stecken als sie mit Magenkrämpfen, unangenehmen Eltern-Telefonaten und dem Beaufsichtigen von Nachsitzern zu verbringen. Sehr verbreitet ist noch immer bei Lehrerinnen und Lehrern, unerwünschtes Verhalten besonders mit Beachtung zu würdigen, während erwünschtes Verhalten häufig weniger beachtet und gewürdigt wird. Der Effekt ist mitunter ein Teufelskreis: Störende Schüler erfahren so, dass sie stören müssen, um beachtet zu werden. Und jeder einzelne Konflikt mit dem Lehrer bzw. der Lehrerin, jede Ermahnung, ja sogar jeder Klassenbucheintrag oder Verweis ist ein Schritt weiter in diesen Teufelskreis. Was aber mit jenen Schülerinnen und Schülern tun, die dauerhaft den Unterricht so stören, dass nicht nur der Lehrer, sondern auch die Mitschüler Mit Unterrichtsstörungen umgehen 75 und der ganze Unterricht darunter leidet? Aus meiner Erfahrung haben sich drei unterschiedliche Maßnahmen bewährt. Mit der einen können Sie bereits morgen beginnen, die beiden anderen brauchen detaillierte Abklärung mit Ihrem Kollegium (anderen Kollegen geht es vielleicht mit einigen ihrer Schülern ganz ähnlich ). Pädagogische Verhaltensmodifikation Verfahren Sie nach den Methoden der Verhaltensmodifikation bzw. des Bekräftigungs-Lernens. Dieses Konzept hat das Ziel, das Verhalten der Schülerinnen im Hinblick auf ein gemeinsam definiertes Ziel mit Hilfe von positiven Verstärkern zu verändern. Diese Verstärker können vieles sein: ein einfaches Lob, ein Hausaufgaben-Gutschein, eine gute Note, LobesBriefe an die Eltern, Preise, vielleicht ein Eis oder ein gutes Buch. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, mit dem betreffenden Schüler eine klare Abmachung zu treffen, die er realistischerweise auch erfüllen kann und die für ihn eine Aussicht bietet, sein Verhalten zu verändern. Belohnen Sie ihn immer dann mit einem Punkt, wenn er ein erwünschtes Verhalten zeigt, wenn er sich meldet, einen guten Beitrag bringt, die Hausaufgaben macht, andere ausreden lässt oder auch nur eine Zeit lang nicht den Unterricht gestört hat. Wenn er einige Punkte gesammelt hat, kann er den Gutschein einlösen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbst ältere Schüler auf Lob und positive Verstärker reagieren (von uns Lehrern mal ganz abgesehen ). Bei ADS-Schülern ist es ganz wichtig, dass sie sich immer jeweils nur an eine Regel halten müssen, z.B. nicht in die Klasse hineinrufen. Erst wenn sie sich in diesem Punkt beherrschen und es fast schon automatisiert wird, bekommen sie eine positive Verstärkung. Und die nächste Regel. Klassenteam und Verhaltens-Protokoll Arbeiten Sie möglichst eng mit allen Lehrerinnen der Klasse zusammen, um gemeinsame und transparente Verhaltens-Regeln und Sanktionsmaßnah- 76 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer men sich zu überlegen. Ziehen Sie gegebenenfalls die Beratungslehrerin der Schule und externe Beratungskräfte (Schulpsychologen, Mitarbeiter der Bildungsberatungsstelle, Sozialarbeiterinnen, ) hinzu. Wichtig ist auch, im Laufe des Schultages ständig in Kontakt zu bleiben, besonders, wenn es wieder schwierig wird. Bei notorischen Störern, Zu-Spät-Kommern oder anderen schwierigen Schülern hat es sich bewährt, diese gegenseitigen Kurz-Informationen so zu gewährleisten, dass für den betreffenden Schüler ein Verhaltens-Protokoll erstellt wird, das im Laufe einer Schulwoche von allen beteiligten Lehrerinnen geführt wird. Darauf sind in aller gebotenen Kürze die Arbeits- und Verhaltensleistungen des Schülers pro Schulstunde vermerkt (s. Material 8). Auf nach Arizona! Versuchen Sie, sofern es das bei Ihnen in der Schule noch nicht gibt, in Ihrer Schule eine Anlaufstelle bzw. ein Zimmer („Trainingsraum für soziales Verhalten) einzurichten, bei der die betreffenden Schülerinnen und Schüler, die gerade den Unterricht massiv stören, freiwillig eine Auszeit nehmen können und den Unterricht zeitweise verlassen können, ohne „rausgeschmissen zu werden. Dieses Interventions Modell gibt es an vielen Schulen mit unterschiedlichem Namen, so z.B. als „Arizona-Modell (wurde in diesem Bundesstaat zum ersten Mal durchgeführt) oder „Time out. Es benötigt jedoch eine breite Unterstützung des Kollegiums und oft auch zusätzliche Lehrerstunden für die Schule. Mit Unterrichtsstörungen umgehen Tipps zum Thema Unterrichtsstörungen 1. Machen Sie sich bewusst, dass Sie als Lehrer immer einen Anteil an Störungen haben. Sie sind weniger Angriff als vielmehr Signale über guten bzw. weniger guten Unterricht. 2. Versuchen Sie, Unterrichts-Störungen präventiv zu bekämpfen: Mit einem ansprechenden Unterricht (s.o.), mit einer pädagogisch akzentuierten Klassenführung (s. Kap. 5) und mit einer gewissen Lockerheit im Umgang mit den Widrigkeiten des Unterrichts. Lob und Bekräftigung sind gute Mittel gegen gestörten Unterricht. 3. Geringe Unterrichts-Störungen können auch bewusst ignoriert werden. Bei gravierenden Störungen schreiten Sie ruhig, bestimmt und konsequent ein. 4. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Sanktionsspiralen, aus denen Sie nicht mehr herauskommen und die Sie zusätzlich Zeit und Nerven kosten, nach dem Motto: „Wer die Strafarbeit nicht gemacht hat, bekommt sie bis morgen doppelt auf. 5. Bei Schülern, die sich zu notorischen Störern entwickeln, ist es ratsam, gemeinsam mit allen beteiligten Kolleginnen nach Ursachen zu fragen und nach Auswegen zu suchen. 6. Bearbeiten Sie Unterrichts-Störungen mit Hilfe von Trainingsbausteinen in der einschlägigen Literatur, z.B. mit Hilfe des Konstanzer Trainings-Modells KTM (vgl. Kap. 9). 77 78 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer M7 Regeln für ein Konflikt-Gespräch mit einem Schüler oder einer Schülerin 1. Halten Sie gemeinsam die Basis Ihres Gesprächs fest: Welche Regeln galten? Wie war die Abmachung? Was war die Vorgabe? 2. Klären Sie die Fakten. Was ist passiert? Fahnden Sie auch nach subjektiven Motivationen bzw. Zielen der Schülerin. 3. Bewerten Sie die Differenz zwischen den getroffenen Abmachungen bzw. vereinbarten Regeln und den Fakten. 4. Stellen Sie Forderungen und äußern Sie Wünsche. Benutzen Sie dabei keine Modalverben. Also nicht: „Ich könnte dann auch deine Eltern anrufen !. Sondern: „Ich werde deine Eltern anrufen ! 5. Legen Sie die Konsequenzen offen. Was passiert konkret, wenn die Schülerin die Forderungen nicht einhält? 6. Vermeiden Sie Sanktionsspiralen, aus denen Sie nur mit Gesichtsverlust und/oder hohem bürokratischem Aufwand wieder herausfinden, zumal dann, wenn die Schüler den zu erwartenden Gesichtsverlust/Aufwand kennen und gezielt gegen Sie einsetzen. Böhmann, 10-Minuten-Tipps Mit Unterrichtsstörungen umgehen 79 M8 Verhaltensprotokoll Name: Klasse: Woche/Tag: Tag Std. Kurzbeurteilung Kurzbeurteilung Arbeiten und Lernen Verhalten Kurzbeurteilung Arbeiten und Lernen Kurzbeurteilung Verhalten Besondere Vorkommnisse Unterschrift Fachlehrer Besondere Vorkommnisse: arbeitete gut mit verhielt sich ordentlich k.HA keine Hausaufgaben arbeitete im Großen und Ganzen mit verhielt sich im Großen und Ganzen angemessen V.U. Verweis aus dem Unterricht arbeitete kaum mit störte zeitweise – arbeitete gar nicht mit – störte fortwährend und nachhaltig f.u. fehlte unentschuldigt, kam zu spät Selbsteinschätzung der Schülerin/des Schülers: Gesamtbeurteilung der Klassenlehrerin/des Klassenlehrers: Weiteres Vorgehen: Unterschriften: Schüler/in Böhmann, 10-Minuten-Tipps Klassenlehrer/in Schulleiter/in Erziehungsberechtigte/r 80 10-Minuten-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer Literatur-Tipps Stefan Balke; Andre Hogenkamp: Unterrichtsstörungen effektiv vermindern. Lernbereite Schüler/innen schützen – Störer/innen helfen. In: bildung wissenschaft, 5/2001, S. 29–32 Georg E. Becker: Lehrer lösen Konflikte. Ein Studien- und Übungsbuch. Weinheim und Basel: Beltz, 1997, 8. Auflage. (praxisnahes Handbuch, viele Beispiele, konkrete Hilfen) Norbert Golluch: Das Lexikon der Schülerstreiche. Frankfurt/Main: Eichborn, 1987. (man muss ja seine Gegner kennen ) Gerhard W. Lauth; Peter F. Schlottke; Kerstin Naumann: Rastlose Kinder, ratlose Eltern. Hilfen bei Überaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen. München: dtv, 1998. (Grundlagen und Interventionen zum Thema ADS) Reinhold Miller: Sich in der Schule wohl fühlen. Wege für Lehrerinnen und Lehrer zur Entlastung im Schulalltag. Weinheim und Basel: Beltz, 2000. (hält, was der Titel verspricht, anregend zu lesen) Rainer Winkel: Der gestörte Unterricht. Bochum: Kamp, 1998. 6. Auflage. (Klassiker zum Thema Unterrichtsstörungen) Bücher mit Stern werden vom Autor besonders empfohlen.