Arbeitsblatt: Fotokurs

Material-Details

Grundlagenkurs für gelungene Digitalfotos
Bildnerisches Gestalten
Fotografie
klassenübergreifend
16 Seiten

Statistik

28955
2739
74
14.11.2008

Autor/in

Daniel Oberli
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Grundkurs Fotografie Bildkomposition Anvisieren, Auslöser drücken und fertig ist das perfekte Bild – mehr oder weniger. Kameras mit Programmautomatik errechnen optimale Blendenwerte und Verschlusszeiten in Sekundenschnelle und ersparen Ihnen so hochkomplizierte Kalkulationen. Die Wahl des Bildausschnitts obliegt jedoch immer dem Fotografen. Kreativität und Können sind gefragt, wenn ein aussergewöhnliches Porträt oder eine grandiose Landschaft auch auf dem Foto die Aufmerksamkeit des Betrachters wecken sollen. Es ist also wichtig, neben dem eigentlichen Hauptmotiv immer auch den Hintergrund, den Aufnahmewinkel und zusätzliche Nebenmotive im Blick zu haben, um interessante Bildkompositionen entstehen zu lassen. Wie das Auge über ein Foto wandert, wohin der Blick des Betrachters zuerst fällt – das lässt sich gezielt durch Komposition und Aufbau des Bildes lenken. Wichtig: Bevor der Auslöser betätigt wird, sollte das Bild also zunächst im Kopf existieren: Welche Farben dominieren? Welcher Bildausschnitt wirkt am interessantesten? Welcher Aufnahmestandort ist geeignet? Woher kommt das Licht, wo sind Schatten? Tipps für die Komposition Ihrer Aufnahmen • In Bildgestaltungsbüchern heisst es oft, dass das Auge des Betrachters eine Bildfläche immer von der linken oberen Bildecke nach rechts unten hin abliest. Doch Versuche mit Augenkameras scheinen das zu widerlegen: Der Betrachter eines Bildes schaut zuerst auf den Gegenstand, der ihm am meisten ins Auge sticht. Dann sucht er das Bild nach weiteren interessanten Details ab. • Farben haben auf den Betrachter unterschiedliche Wirkungen: Es lohnt sich, bei Aufnahmen gezielt mit zwei bis vier Farben zu arbeiten denn das Auge liebt die Ordnung. Zum Beispiel sind so genannte komplementäre Farben, die sich im Farbkreis gegenüberstehen, für plakative Bilder besonders reizvoll. 1 • Ausdrucksstark sind auch einzelne Farben, denn jede Farbe verleiht dem Bild einen eigenen Charakter. Kühle Blautöne vermitteln Weite, Ruhe, Frieden und strahlen Harmonie aus. • Rot hat Signalwirkung und zieht das Auge stark an. Es ist als Dominante ideal. Doch aufgepasst: es kann auch als störende Farbe im Hintergrund empfunden werden. Das Rot der Flagge dominiert das Bild eindeutig. • Grün ist fast allgegenwärtig. Achten Sie aber zum Beispiel bei Naturfotos auf die verschiedenen Farbnuancen. Oft gibt es in der Natur nämlich verschiedene Grüntöne. Das Licht ist entscheidend und muss im Auge behalten werden. • Linien und Formen schaffen Dynamik oder strahlen Ruhe aus. Hier wirken sowohl die Farben als auch die Linien, die in unterschiedliche Richtungen verlaufen. • Je näher man an ein Objekt herangeht, umso kleiner wirkt der Hintergrund. Bestimmen Sie zuerst einen geeigneten Standort, um zwischen nahen und fernen Objekten geeignete Grössenverhältnisse herzustellen und legen Sie dann den Bildausschnitt mit Hilfe der Zoom-Funktion fest. • Jede Aufnahme sollte ein Hauptmotiv enthalten. Ein solcher Blickfang sollte sorgfältig gewählt werden, denn er entscheidet, wie der Blick des Betrachters geleitet wird und ob ihn das Bild anspricht. 2 Dabei sollte man wissen, dass übliche Formen schneller erfasst werden als ungewohnte. Und je enger Gegenstände beieinander liegen, desto mehr scheinen sie zusammenzugehören. Das gilt auch für Gegenstände, die durch Linien optisch verbunden sind. • Bei vielen Fotos wird neben dem Hauptelement noch mit einem Nebenelement gearbeitet. Der Betrachter des Wüstenbildes entscheidet selber, ob für ihn die Dünen oder die Karawane das Hauptmotiv darstellen. Um nicht ein drittes Bildelement zu zeigen, wurde bei dieser Aufnahme bewusst auf das Abbilden des Horizonts verzichtet. • Achten Sie darauf, dass Sie keine störenden Nebenelemente übersehen: Bei einer schönen Nahaufnahme einer Blume würde ein Zigarettenstummel im Gras das Bild verschlechtern. Besonders unangenehm kann zum Beispiel auch ein roter Gegenstand im Hintergrund sein: Rot wirkt dominant. • Viele Bildgestaltungsregeln wurden aus der Malerei übernommen. So ist es auch mit dem Goldenen Schnitt. Damit soll das aufgenommene Motiv harmonisch gestaltet werden. Die Faustregel für unser Beispiel: Der Himmel macht etwa 2/3 des Bildes aus, das Wasser zirka 1/3. • Das Hauptmotiv wird oft in der Bildmitte platziert. Versuchen Sie einmal ein asymmetrisches Bild. Der Sonnenuntergang wirkt somit spannender, weil die Sonne und das Schiff am Rand und der Horizont nicht in der Mitte platziert wurden. Hauptmotiv Wenn wir die Augen offen halten, erfassen wir die ganze Welt um uns herum, das Nahe und das Ferne. Wenn uns etwas besonders interessiert, «fassen wir es ins Auge» und vergessen alles drum herum. Genauso sollten Sie auch beim Fotografieren vorgehen! Überlegen Sie sich vor jeder Aufnahme, was Sie mit Ihrem Bild zeigen wollen! 3 Auf diesem Bild ist kaum etwas richtig zu erkennen. Es hat kein klares Hauptmotiv. Hier ist der Knabe das Hauptmotiv. Zudem sieht man, wo er sich befindet und was er tut. Hier ist klar, wer im Rampenlicht steht. Reduzieren Sie den Bildinhalt auf das Wichtige. Wenn der Fingerring zum Hauptmotiv wird, gehen Sie nah ran. Trauen Sie sich, Ihr Hauptmotiv aus der Bildmitte zu rücken. Wenn Sie es näher an den Rand platzieren, erzielen Sie oftmals eine dynamischere Wirkung. Es muss nicht immer alles eingemittet sein. Aufnahmen, die zu viel Leere zeigen, können unter Umständen langweilig wirken. Vielleicht erzielen Sie ein besseres Ergebnis, wenn Sie einen engeren Bildausschnitt wählen oder zusätzliche Details ins Bild rücken. Dieses junge Kätzchen steht eindeutig im Mittelpunkt. Falsch: Der Schmetterling ist kaum erkennbar. Das Zoom-Objektiv hilft Ihnen dabei, den richtigen Bildausschnitt zu wählen, ohne den Standort zu verändern. 4 Tipps für eine gute Inszenierung des Hauptmotivs • Vor jeder Aufnahme unbedingt überlegen: Was will ich zeigen? Was ist das Aussergewöhnliche, Beeindruckende daran? Was stört diesen Eindruck? Schade, dass man hier die einzelnen Personen kaum erkennt. • Hier sind die Personen gut erkennbar. Reduzieren Sie den Bildausschnitt auf dieses Hauptmotiv: Gehen Sie vor dem Auslösen noch ein paar Schritte näher. Wenn Ihre Kamera ein Zoomobjektiv besitzt, zoomen Sie das Hauptmotiv heran. • Nützen Sie das Sucherformat voll aus. • Achten Sie auf störende Linien oder ablenkende Details im Hintergrund. Vielleicht lassen sich diese durch das Verändern des Aufnahme-Standorts oder das Zoomen eliminieren. • Ein Trick, damit Sie sich von kräftigen Farben nicht ablenken lassen: Kneifen Sie die Augen zu, überprüfen Sie Hauptmotiv und Hintergrund, indem Sie durch die Wimpern blinzeln. Dieser «Vorhang» dämpft die Farben störende Linien fallen besser auf. Hochformat oder Querformat? Ist der Eiffelturm mehr breit als hoch? Eben. Warum nur fotografieren trotzdem die meisten Menschen den grössten Teil ihrer Bilder im Querformat? Weil bequemer ist? Versuchen Sie einmal übungshalber durch den Kamerasucher die Welt im Quer- und im Hochformat zu betrachten. Einen Baum zum Beispiel. Oder einen Kirchturm. Merken Sie den Unterschied? Der Baum wirkt im Verhältnis zum Bauernhof noch grösser. 5 Es gibt viele Motive, für die das Hochformat geeigneter ist. Sie müssen nur die Kamerahaltung etwas üben und darauf achten, dass nicht der Tragriemen dem Objektiv in die Quere kommt. Und dass Sie nicht mit den Fingern das Infrarot-Auge (den Distanzmesser, der meist neben dem Objektiv ist) verdecken. Tipps zur richtigen Formatwahl • Bilden Sie mit Daumen und Zeigfingern ein Rechteck ( Filmformat) und prüfen Sie durch diesen „Sucher das Motiv: Wirkt es besser im Quer- oder im Hochformat? • Achten Sie bei Hochformataufnahmen auf die richtige Kamerahaltung (genau senkrechte und vertikale Vergleichslinien im Sucher beachten, ohne mit den Fingern wichtige Elemente an der Kamerafront zu verdecken). • Machen Sie im Zweifelsfall je eine Aufnahme im Hoch- und eine im Querformat. • Beim Fotografieren von Gebäuden ist es einem oft nicht möglich, das ganze Haus im Bild zu erfassen. Denn der Standort kann nicht so gewählt werden, dass das ganze Haus ideal ins Bild passt. Manchmal ist deshalb der Kauf einer Postkarte die bessere Lösung als ein ungenügendes Foto. Wenn Sie das Gebäude aber trotzdem fotografieren wollen, beschränken Sie sich auf Detailaufnahmen. • «Stürzende» Linien (perspektivische Verzerrung) bei Architekturaufnahmen lassen sich vermeiden, wenn Sie auf genügende Distanz gehen (Teleobjektiv verwenden), einen erhöhten Standort wählen (z. B. Dachterrasse eines Hauses) und darauf achten, dass die Filmebene ( Kamerarückwand) genau parallel zum Gebäude verläuft. Gutes Beispiel für räumliche Tiefe einer Architekturaufnahme. 6 • «Stürzende» Linien können aber auch bewusst eingesetzt werden, um einem hohen Gebäude mehr Dynamik zu verleihen: Gehen Sie nahe heran, fotografieren Sie von unten. Stürzende Linien sind bei Architektur-Aufnahmen manchmal kaum zu vermeiden. • Gerade bei Architektur-Aufnahmen sollten Sie immer beide Formate prüfen. Oft lässt sich die Bildwirkung verbessern. Landschaftsaufnahmen Egal ob Sie in den Ferien in fernen Ländern fotografieren oder heimische Landstriche erkunden: Durch schöne Landschafts-Fotos bleiben besuchte Orte in bester Erinnerung. Tipps für tolle Landschafts-Aufnahmen • Oft ist es besser statt alles auf ein Bild zu bringen, mehrere unterschiedliche Fotos von derselben Szenerie zu machen. So werden mehr Details erkennbar. 7 • Kombinieren Sie Vorder- und Hintergrund. Das bringt räumliche Tiefe und macht das Bild interessanter. • Fotografieren Sie früh morgens oder kurz vor dem Sonnen-Untergang. Die Sicht ist dann klarer und die Farben sind „wärmer. Meiden Sie für das Fotografieren von Landschaften wenn möglich die Mittagszeit. • Am Meer bieten sich einem oft imposante Sonnenauf- und -untergänge. Die Spiegelungen auf dem nassen Sand oder auf dem Wasser ergeben einen spektakulären Effekt. • Plazieren Sie den Horizont nicht immer in der Bildmitte. Als Faustregel eignet sich 1/3 zu 2/3. Betonen Sie also je nach Wahl entweder die Weite des Himmels oder der Landschaft. 8 • Experimentieren Sie mit verschiedenen Kamera-Standpunkten. Oft bieten sich Ihnen noch eindrücklichere Aufnahmen, wenn Sie sich einige Schritte zur Seite bewegen. • Beziehen Sie verschiedene geometrische Formen und Farbflächen in Ihre Aufnahmen ein. Spannung bringen zum Beispiel Diagonalen. • Experimentieren Sie bei fliessenden Gewässern (z.B. Wasserfall) mit Verschluss-Zeiten von über 1 Sekunde. Allerdings sollten Sie dann die Kamera auf eine stabile Unterlage (z.B. Stativ) stellen. • Auch ein Bild ohne Himmel kann sehr reizvoll sein. • Beleuchtete Strassen und Städte sehen in der Nacht oft viel spannender aus als bei Tageslicht. Testen Sie verschiedene Beleuchtungs-Situationen aus. • Spielen Sie mit verschiedenen Bild-Ausschnitten. Oft findet sich so ein zusätzliches Bildelement, welches das Bild wesentlich interessanter macht. 9 • Beobachten Sie den Stand der Sonne und die Schatten. Oft lohnt es sich ein Bild zu einer anderen Tageszeit zu wiederholen. • Nutzen Sie aussergewöhnliche, selten vorkommende Stimmungen des Himmels. Ein bedrohlicher, dunkler Gewitter-Himmel beinhaltet eine spezielle Dynamik. • Nutzen Sie die Vorteile eines Polarisations-Filters. Vor allem beim Fotografieren in den Bergen werden sie damit bessere Resultate erzielen. Porträt-Fotos Menschen sind eines der am meisten fotografierten Motive. Fotografien von Menschen sind fast immer faszinierend. Vor allem Porträt-Aufnahmen, denn der Ausdruck von verschiedenen Stimmungen schafft Spannung und Porträts können viel über die Person erzählen. Gefühle können aus Gesichtern gelesen werden. Ein spontanes Lächeln, ein fesselnder Blick, eine nicht ausgesprochene Botschaft. Die fotografische Auseinandersetzung mit Menschen ist bereichernd. FotoErinnerungen von Familienfesten machen allen Beteiligten immer viel Freude. Der zentrale Unterschied bei Porträt-Aufnahmen ist die Frage, ob die Person weiss, dass sie fotografiert wird, oder ob sie es nicht weiss. Probieren Sie beide Varianten aus. Sie werden überrascht sein. Gestellte Szenen Hier ist besonders wichtig, dass Sie Regie führen und dem „Fotomodell sagen, was das Modell tun soll, was Sie zum Ausdruck bringen möchten. Das setzt natürlich voraus, dass Sie sich schon vor dem Fotografieren Gedanken gemacht haben, in welchem Umfeld und wie Sie die Person am besten ins Bild rücken. Besonders aussagekräftige Bilder gelingen, wenn nicht einfach die Person gezeigt wird, sondern andere Bild-Elemente mithelfen, mehr über die Person auszusagen: Welche Hobbies hat die Person? z.B. Ball in der Hand, Weinglas Welche Gegenstände liebt sie? Wo hält sich die Person gerne auf? Typische Handbewegung/Eigenheit der jeweiligen Person festhalten z.B. Haustier, Kunst usw. z.B. in der Küche, im Wasser 10 Spielen Sie auf jeden Fall mit dem Bildausschnitt und machen Sie Bilder mit mehr oder weniger Hintergrund. Falls vorhanden setzen Sie dazu das Zoom-Objektiv ein oder gehen Sie näher ans Motiv ran. Dieser Aufwand lohnt sich. Spontane Momente Freude, Nachdenklichkeit oder Trauer: Es gibt unzählige Gefühlsstimmungen, die Sie beim Fotografieren von Menschen festhalten können. Solche Momente haben meist eine grosse Wirkung auf den Betrachter. Gefühle einzufangen erfordert ein grosses Einfühlungsvermögen und ein besonders wachsames Auge. Um auf Reisen die Besonderheiten eines Landes auf spezielle Art und Weise festhalten zu können, sollten Sie aufmerksam beobachten. Dann gelingen Ihnen Menschen-Bilder, die viel über das Land und die Mentalität der Leute erzählen. Der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung des nachfolgenden Herrn zeigen, dass er ein selbstsicherer und stolzer Uniformträger ist. Unbeobachtete Menschen Ganz besondere Aufnahmen von Menschen gelingen Ihnen garantiert mit einem Tele-Objektiv. Denn Personen, die aus der Distanz fotografiert werden, bleiben entspannt und wirken deshalb natürlicher. Auch an einem Familienfest oder einer Hochzeitsfeier gelingen Ihnen damit Momentaufnahmen, die vielleicht bei gestellter Szene nicht gelungen wären. 11 Licht Die Wahl des Lichts führt zu völlig unterschiedlichen Bildern. Deshalb kommt der Lichtwahl auch bei Bildern von Menschen die zentrale Rolle zu. Entscheiden Sie als erstes, ob Sie im Freien oder in Innenräumen fotografieren. Besonders bei Innenaufnahmen gilt es zu unterscheiden zwischen den folgenden Lichtquellen: Tageslicht Weiches Licht sorgt oft für besonders gute Fotos. Ein typisches Beispiel für solche Bilder sind Personen, die am Fenster stehen und vom einfallenden Licht angestrahlt werden. Die linke Gesichtshälfte im obigen Bild wird vom Tageslicht aufgehellt und die rechte Hälfte ist dunkler, weil auf sie weniger Licht aus dem Raum trifft. Ein gelungener Einsatz von Licht. Der Standort wurde bewusst am Fenster gewählt. Vermeiden Sie zu starkes Seiten- oder Gegenlicht. Ausser Sie möchten die Bildwirkung bewusst so. Verwenden Sie in gewissen Situationen auch im Freien den Blitz (vor allem bei Gegenlicht). Das kann das Resultat wesentlich verbessern. Kunstlicht Blitz Studiolampen Direktes Blitzlicht ist oft zu hart. Blitzen Sie für weicheres Licht indirekt oder benützen Sie einen Aufhellschirm (z.B. ein Tuch usw.). Nur die wenigsten Amateur-Fotografen verfügen über Studiolampen. Sie müssen mit einem eingebauten oder im Idealfall mit einem externen Blitzgerät fotografieren. Blitzaufnahmen bieten viel Spielraum für Experimente. Umgebung und zusätzliche Bildmotive, Blickwinkel Oft wird dem Hintergrund zu wenig Bedeutung zugemessen. Achten Sie jedes Mal genau darauf, vor welchem Hintergrund Sie eine Person ablichten. Denn auch der Hintergrund oder das Umfeld kann viel über die fotografierte Person aussagen. Dass die unten gezeigte Frau wahrscheinlich ein „Bücherwurm ist, kommt durch dieses Bild sicher zum Ausdruck. Das Buch erzählt mehr über die Person. Wenn die Hände im Bild sichtbar sind, entsteht oft ein gestellter Eindruck. Wenn sich jemand unsicher fühlt, hilft es oft, der Person einen Gegenstand in die Hand zu geben. Ein fussballbegeisterter Teenager mit einem Fussball in den Händen sagt doch viel mehr aus. Auch eine Kaffeetasse kann Wunder wirken. 12 Gehen Sie näher ran. Diese Reporter-Faustregel gilt im speziellen für Porträt-Aufnahmen. Wenn Sie den Fokus auf der Person haben wollen, verwenden Sie ein kurzes Tele-Objektiv oder zoomen Sie an die Person heran. So gelingt es Ihnen, den Fokus auf die Augen-, Nasen- und Mundpartie zu legen und alles andere auszublenden. Generelle Hinweise Sparen Sie nicht an Aufnahmen, denn aus einer Fülle von Bildern ergibt sich eher ein Superfoto, von dem Sie z.B. eine Vergrösserung machen können. Zeigen Sie Respekt gegenüber den Menschen, die Sie fotografieren wollen: Vor allem in fremden Kulturen ist es wichtig, Menschen nicht einfach zu fotografieren, sondern sie zuerst zu fragen, ob man sie fotografieren darf. Nahaufnahmen (Makroaufnahmen) Wenn Ihnen etwas wichtig ist machen Sie es wichtig: Gehen Sie mit Ihrer Kamera so nahe heran wie möglich! Schon ein Normalobjektiv erlaubt Aufnahmen ab etwa 50 cm. Und viele Kompaktkameras bieten heute eine spezielle Makroeinstellung für Nahaufnahmen. Wichtig dabei: Die Schärfe des Motivs muss möglichst genau eingestellt werden. Dabei sind ein Stativ und der Blitz nützlich (auch bei Tageslicht). Die Schönheit des Schmuckstücks kommt mit einer Nahaufnahme noch mehr zur Geltung. 13 Tipps für Nahaufnahmen • Setzen Sie die Kamera auf ein Stativ oder versuchen Sie, die Kamera so ruhig wie möglich zu halten. • Benutzen Sie entweder den Selbstauslöser oder die Fernbedienung zur Betätigung des Verschlusses. So vermindern Sie ebenfalls die Verwacklungsgefahr. • Verwenden Sie auch bei Tageslicht den Blitz. Wenn das Motiv aufgrund des geringen Kameraabstandes schlecht ausgeleuchtet ist, sollten Sie wenn möglich nicht den eingebauten Blitz verwenden. Versuchen Sie lieber mit dem Umgebungslicht zu arbeiten oder leuchten Sie das Objekt mit einem externen Blitzsystem aus. • Für Makro-Aufnahmen ist eine hohe Schärfentiefe ideal. Falls Sie an Ihrer Kamera die Blende manuell einstellen können, wählen Sie also die kleinstmögliche Blende ( grösste Zahl !). • Beachten Sie bei Kompaktkameras im Sucher den speziellen Bildausschnitt-Rahmen für Nahaufnahmen! Er berücksichtigt, dass Objektiv und Sucher nicht auf derselben Achse liegen (das heisst, das Objektiv sieht einen anderen Bildausschnitt als Sie durch den Sucher). • Bitte beachten Sie auch, dass es bei Nahaufnahmen zu leichten Verzerrungen kommen kann. Wenn Sie Dokumente fotografieren wollen, sollten Sie also nicht zu nah mit der Kamera an die Vorlage gehen. Das Normal-Objektiv (50 mm) ermöglicht keine MakroAufnahmen. Makro-Aufnahmen von Blumen sind besonders beeindruckend. Naturfotografie ohne Nahaufnahmen ist undenkbar. Gestochen scharfe Bilder Um in Zukunft nur noch gestochen scharfe Bilder zu erhalten, sollte man als erstes den Ursachen für unscharfe Fotos auf den Grund gehen. Meistens ist einer der drei folgenden Gründe die Ursache: 1. Kamera-Haltung Richtig: Um verwackelte Bilder zu vermeiden, sollte man die Kamera mit beiden Händen halten und beide Ellbogen am Körper anlegen. Richtig: Bei schlechten Lichtverhältnissen ist es ratsam, die Kamera auf einer stabilen Unterlage aufzustützen. Falsch: Die Kamera NIE nur mit einer Hand halten. 14 Beachten Sie also folgendes: Ruhige und unverkrampfte Körper- und Kamerahaltung Kamera immer mit beiden Händen halten und Ellbogen am Körper anlegen Auch bei Digital-Kameras immer durch den Sucher schauen (den Bildausschnitt also nicht durch den LCD-Monitor bestimmen) Sanftes und ruckfreies Betätigen des Auslösers (Achtung: um die Schärfe einzustellen den Auslöser zuerst bis zum Druckpunkt antippen und erst dann ganz durchdrücken) Bei wenig Licht die Kamera immer irgendwo aufstützen oder mit dem Blitz fotografieren 2. Verschmutztes Objektiv Unschärfe kann auch durch ein verschmutztes Objektiv entstehen. Deshalb sollten Sie unbedingt folgendes beachten: Prüfen Sie vor dem Fotografieren, ob das Objektiv sauber ist. Entfernen Sie allfälligen Schmutz als erstes mit einem Blasepinsel. Reinigen Sie die Linse des Objektivs anschliessend mit einem Mikrofasertuch oder verwenden Sie eine Reinigungslösung und ein speziell für Linsen geeignetes Tuch. 3. Falsches Fokussieren Die Hauptursache für unscharfe Bilder ist das falsche Fokussieren. Falsch: Der Distanzmesser zielt in die Ferne. Richtig: Das Hauptmotiv anvisieren, den Distanzmesser aktivieren, die Messung speichern, dann schwenken und mit dem gewünschten Bildausschnitt auslösen. Kameras stellen üblicherweise das Objekt im Zentrum der Aufnahme scharf. Achten Sie also immer darauf, dass sich das Hauptmotiv in der Mitte des Aufnahmefeldes befindet, wenn Sie die Schärfe einstellen (Auslöser halb durchdrücken) und bestimmen Sie dann (ohne den Auslöser loszulassen) den von Ihnen gewünschten Bildausschnitt. Warum passieren hier oft Fehler? Das menschliche Auge sieht «automatisch» alles scharf, von etwa 70 cm bis unendlich. Unser Sehzentrum stellt sich dauernd auf das scharf ein, was wir anschauen. Da ist jede Kompaktkamera überfordert. Ihr Distanzmesser zielt auf die Mitte des Sucherfeldes: Was sich dort befindet, wird gemessen. Auch bei Kameras mit Handeinstellung ist die «Zielvorrichtung» für die Distanzmessung im Zentrum des Sucherfeldes. Scharf bildet der Fotoapparat nur ab, was er ausgemessen hat. Je näher das Motiv ist, desto genauer muss man messen. Das fotografische «Auge» ist allerdings grosszügig: Es bildet alles mehr oder weniger scharf ab, was im sogenannten Schärfentiefe-Bereich ist. Der ist um so grösser, je lichtempfindlicher der Film und je heller die Lichtverhältnisse sind. Trotzdem: Überlegen Sie sich bei jedem Foto, welches Bilddetail unbedingt scharf sein soll. Und richten Sie den Distanzmesser auf dieses Motiv. 15 Tipps für gestochen scharfe Bilder • Achten Sie vor dem Fotografieren darauf, dass das Objektiv sauber ist. • Halten Sie die Kamera immer mit beiden Händen und stützen Sie beim Auslösen die Ellbogen am Körper ab. • Schauen Sie auch bei Digital-Kameras beim Fotografieren durch den Sucher. • Zielen Sie bei Personenaufnahmen mit dem Distanzmesser (Zentrum des Suchers) immer auf das Gesicht! • Stellen Sie bei Gruppenbildern mit mehreren hintereinander stehenden Personenreihen nicht auf die vorderste und auch nicht auf die hinterste Reihe scharf, sondern lassen Sie den Autofokus auf einen Punkt zwischen der ersten und der hintersten Reihe scharfstellen. Auf keinen Fall darf der Distanzmesser bei Gruppenaufnahmen ins Unendliche (Hintergrund) zielen. • Verwenden Sie bei Belichtungszeiten von weniger als 1/60 Sekunde ein Stativ oder stützen Sie die Kamera irgendwo auf. Sie können dem Verwackeln während der Belichtung auch entgegentreten, indem Sie einen Drahtauslöser oder eine Fernbedienung verwenden. • Bei den meisten Digitalkameras ist es möglich, ein Bild nach der Aufnahme zu vergrössern. Verwenden Sie während der Aufnahme den LCD-Monitor der Kamera zum Vergrössern und um den Fokus zu überprüfen. Wenn der Fokus nicht korrekt ist, können Sie das Bild sofort noch einmal aufnehmen. Ob ein Bild gestochen scharf ist, können Sie jedoch meistens erst erkennen, wenn Sie es auf dem Computer anzeigen. • Vorsicht bei Nahaufnahmen: Im Nahbereich gelten andere Gesetze. Prüfen Sie, ob Ihre Kamera über eine spezielle Makro-Einstellung verfügt. Schauen Sie im Handbuch der Kamera nach, wie nahe Sie an ein Motiv herangehen können, um noch gestochen scharfe Fotos zu erhalten. Quellenverzeichnis Fotopick Express, Labor-Service, Sonneggstr. 24a, 9642 Ebnat-Kappel, 16