Arbeitsblatt: Emilia Galotti

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Zusammenfassung und Interpretation
Deutsch
Leseförderung / Literatur
11. Schuljahr
4 Seiten

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2951
1877
12
20.11.2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Emilia Galotti Personen Emilia Galotti Hauptperson der Geschichte (man weiss aber nicht so viel über sie), Schönheit, will ihre Unschuld nicht verlieren (Ehre retten) brave, artige Tochter, unfähig sich im öffentlichen Leben zurechtzufinden Odoardo Galotti, Vater Familienoberhaupt, klug (misstraut Prinz), streng aber gutmütig, will nur das Beste für die Familie, bestimmt Ehepartner für Emilia, Claudia Galotti, Mutter ist Vater unterstellt, Vertrauensperson von Emilia, will nur das Beste für Emilia, nicht so „hell, unkritisch, naiv, anfällig für den Glanz des Hofes Der Prinz wenig verantwortungsbewusst da er verliebt ist, blind, absolutistisch Marinelli, Kammerherr des Prinzen hinterhältig, gescheit, will wahrscheinlich selbst Anspruch auf Macht des Prinzen Conti, Maler Kommt nur im ersten Aufzug vor. Wichtig, dass Zuschauer Dinge erfahren: Vorgeschichte, Emilia ist schön, Charakter des Prinzen Graf Appiani Sollehemann von Emilia keine weitere Angaben: wahrscheinlich gescheit, nett) Gräfin Orsina Aufgeklärte Frau, die Mut hat ihren Verstand zu benutzen, denkt selber und lässt sich nicht täuschen, kritisch, kann kombinieren, mutig, nicht faul bzw. feige Inhaltszusammenfassung Emilia soll verheiratet werden mit dem Grafen Appiani. Doch der Prinz ist in Emilia verliebt und will die Heirat erhindern. Er zieht Marinelli zu Hilfe. Dieser plant einen Hinterhalt auf die Kutsche der Galottis, wobei der Graf Appiani getötet wird. Da dieser Überfall in der Nähe des Schlosses des Prinzen geschieht, rettet sich Emilia auf dieses Schloss. Hierher kommt schliesslich auch ihr Vater Odoardo. Odoardo trifft da auf Orsina, der Ex des Prinzen. Diese durchschaut gleich das Spielchen und erklärt es Odoardo. Dieser bringt mit Hilfe eines Dolches, den Orsina ihm gegeben hat, seine Tochter Emilia um. Inhalt Erster Aufzug Kabinett des Prinzen) 1. Auftritt Prinz sitzt am Arbeitstisch und jammert über die vielen Bittschriften und Klagen. Er liest eine Bittschrift von einer Emilia. Unterschreibt, weil sie Emilia heisst. Hier sieht man zum ersten Mal eine Zuneigung zu Emilia. Danach schickt er nach Marinelli. Conti kommt. 2. Auftritt Conti sagt, er habe das Porträt von Orsina gemahlt und noch ein anderes. Dieser Malauftrag ist lange her, der Prinz liebt Orsina unterdessen nicht mehr. 3. Auftritt Monolog des Prinzen während Conti das Porträt holt: Das Bild sei nicht Orsina selber. Vielleicht werde er im Bild wieder finden, was er in der Person nicht mehr sieht. usw. Als er sie liebte, war er fröhlich und ausgelassen, nun ist er das Gegenteil. Er findet sich aber so wie er jetzt ist, besser. 4. Auftritt Gespräch zwischen Conti und Prinz über das Porträt. Der Prinz motzt über das Bild, hat allerlei Dinge auszusetzen. Conti zeigt dem Prinz auch noch das andere Bild: Es ist Emilia Galotti. Der Prinz ist ganz verliebt ins Porträt. Conti bekommt soviel Geld für die Bilder wie er will. 5. Auftritt Monolog des Prinzen: Möchte Emilia auch in Natur kaufen. Sagt, die Mutter soll nur fordern, er würde alles bezahlen. Er hört Marinelli. 6. Auftritt Marinelli und der Prinz sprechen über die Gräfin. Prinz erklärt ihm, dass er nichts mehr von Orsina will. Der Prinz will auch wissen, was in der Stadt so vor sich geht. Marinelli sagt, dass die Hochzeit des Grafen Appianis heute vollzogen werde, mit Emilia. Sie sei ein Mädchen ohne Rang und Vermögen. (- Kluft zwischen Adel und Bürgertum) Der Prinz kann es kaum glauben. Er gesteht Marinelli die Liebe zu Emilia. Er fleht ihn an ihm zu helfen. Marinelli will freie Hand und verspricht die Hochzeit zu verhindern. Er sagt dem Prinzen er solle nach Dosalo, dem Lustschlosse fahren. Und er solle den Grafen Appiani als Gesandten nach Massa (unwichtig) schicken, damit er weg vom Fenster sei. 7. Auftritt Monolog des Prinzen: Entschliesst sich Emilia aufzusuchen in der Kirche. 8. Auftritt Camillo Rota (einer der Räte des Prinzen) kommt zum Prinz. Der Prinz gibt ihm die Bittschriften. Rota sagt es sei noch ein Todesurteil zu unterschreiben. Der Prinz will es ohne Zögern unterschreiben. (- hier sieht man, dass der Prinz seinen Kopf verloren hat, durch die Liebe, dass er verantwortungslos umgeht mit seinen „Untertanen) Zweiter Aufzug (Saal im Haus Galotti) 1. Auftritt Claudia Galotti erfährt von Pirro (Diener), dass ihr Gemahl nach Hause kommt. 2. Auftritt Odoardo kommt und will nach Emilia sehen. Doch die ist in der Kirche. Odoardo hat Angst, weil sie alleine gegangen ist. 3. Auftritt Angelo besticht Pirro und fragt ihn aus über die Galottis. Denn diese fahren mit der Kutsche zur Hochzeit. Angelo will alles wissen, wie viele Begleiter, wer alles, um welche Zeit. 4. Auftritt Odoardo und Claudia sprachen über die Vermählung. Claudia trauert, denn sie wird ihre einzige Tochter verlieren. Doch Odoardo ist stolz, bald so einen würdigen Schwiegersohn zu haben. Sie diskutieren über die Stadt, die Nähe des Hofes, in welcher Claudia und Emilia bis dahin gelebt haben. Denn Claudia wollte Emilia eine Stadterziehung geben. Sie sagt Odoardo auch, dass Emilia kürzlich mit dem Prinzen gesprochen hatte, und dass er ihr Komplimente machte. Odoardo missbilligt dies und nennt den Prinzen einen Wolllüstling. (- Hier kommt zu Ausdruck, dass Claudia viel vom Hof hält, etwas besseres sein will, als sie ist. Odoardo dagegen hält gar nicht viel vom Prinzen) 5. Auftritt Monolog Claudias 6. Auftritt Emilia kommt verwirrt hereingestürzt. Die Mutter fragt sie aus. Emilia kann nicht klar denken, zittert, hat Angst. Sie erzählt schliesslich, dass sie in der Kirche war und der Prinz ihr ein Liebesgeständnis machte. Das einzige vor was ihre Mutter Angst hat, ist, dass Odoardo von dem erfahren könnte. Emilia will diesen Vorfall dem Grafen Appiani erzählen, doch ihre Mutter hält sie davon ab. 7. Auftritt Appiani kommt. Sie sprechen über das, was Emilia anziehen soll. Sie will aber die Perlenkette, die sie von Appiani bekam, nicht tragen. Perlen würden Tränen bedeuten. (- Vorahnung auf Unglück) 8. Auftritt Gespräch zwischen Appiani und Claudia: Claudia findet, dass Appiani heute ungewöhnlich finster und trübe dreinschaut. Er gibt es zu und sagt, dass ihn bedrücke, dass seine Freunde von ihm verlangen, dem Prinzen von seiner Heirat zu erzählen. 9. Auftritt Marinelli kommt und erkundigt sich nach Appiani. 10. Auftritt Marinelli sagt, dass der Prinz den Grafen als Bevollmächtigter nach Massa schicken wolle. Appiani müsse noch heute abreisen. Dieser sagt jedoch, er könne nicht, da er heute heirate. Marinelli wird wütend, so wie auch der Graf. Schliesslich fordert Appiani Marinelli zum Duell heraus. 11. Auftritt Claudia kommt besorgt herein und will wissen was los war. Der Graf sagt, sie können nun früher abfahren. Er müsse nun nicht mehr zum Prinzen. Dritter Aufzug Vorsaal auf dem Lustschloss des Prinzen) 1. Auftritt Marinelli erzählt dem Prinzen, dass Appiani nicht als Gesandter nach Massa fahren will. Marinelli prahlt vor dem Prinzen, wie er Appiani herausgefordert hätte. Doch der Prinz ist wütend weil die Hochzeit nicht verhindert werden konnte. Er entlässt Marinelli. Marinelli hat die Idee, Emilia in ihre Gewalt zu bringen. Der Prinz glaubt ihm nicht, dass er dazu fähig ist. Plötzlich hört man von weitem einen Schuss. Marinelli erklärt, dass der Überfall auf die Kutsche soeben geschieht. 2. Auftritt Angelo kommt zu Marinelli. Er sagt, dass der Graf tot sei und dass man Emilia bald herbringe. 3. Auftritt Der Prinz und Marinelli sehen aus dem Fenster. Sie sehen, dass Emilia und ihre Diener in Richtung Schloss eilen. Der Prinz will, dass Marinelli sie empfängt. 4. Auftritt Emilia will sofort wieder gehen, um nach dem Grafen und ihrer Mutter zusehen. Marinelli hält sie zurück. Der Prinz erscheint. 5. Auftritt Der Prinz schmeichelt sich bei Emilia ein. Er entschuldigt sich fürs sein Verhalten in der Kirche. Er führt sie hinaus. 6. Auftritt Battista (Diener von Marinelli) meldet, dass die Mutter komme. Marinelli überlegt, ob er sie nicht hineinlassen soll. Doch schliesslich will er sie empfangen. 7. Auftritt Battista lässt Claudia hinein. 8. Auftritt Claudia wird Marinelli vorgestellt. Diese erkennt ihn wieder und sagt, dass Marinelli das letzte Wort des sterbenden Grafen war. Claudia denkt, dass er damit sagen wollte, dass Marinelli der Feind ist. Doch Marinelli beteuert, dass er sein Freund war. Claudia will nun aber ihre Tochter sehen. Als Marinelli sagte, dass sie beim Prinzen ist, hat die Mutter wieder nur Angst, dass der Vater sie verfluchen wird. (- wiederum Naivität der Mutter ersichtlich, auch Patriarchismus kommt zum Vorschein) Vierter Aufzug (Lustschloss des Prinzen) 1. Auftritt Der Prinz befürchtet, dass der Verdacht den Grafen Appiani ermordet zu haben auf ihn fällt, deshalb macht er Marinelli einen Vorwurf, den ihn aber zurückweist. 2. Auftritt Die beiden hören, dass Orsina angekommen ist. Der Prinz will sie nicht empfangen. Marinelli muss sie begrüssen. 3. Auftritt Orsina will den Prinzen sprechen. Sie flucht über den Schnickschnack des Hofes und über das höfische Getue. Marinelli sagt ihr, dass der Prinz keine Zeit für sie hat. Es sei Zufall, dass er hier sei. (Orsina hatte dem Prinzen einen Brief geschrieben, worin sie ihn um eine Besprechung bittet, auf dem Lustschloss. Doch der Prinz hatte den Brief nicht gelesen.) (- über die Bedeutung des Zufalls siehe Interpretationen) 4. Auftritt Der Prinz kommt ins Zimmer, wimmelt die Gräfin aber ab. 5. Auftritt Die Gräfin ist enttäuscht und wütend, dass der Prinz sie einfach so stehen lassen hat. Sie glaubt ihm die Ausreden nicht. Sie will wissen, wer bei ihm ist. Marinelli erklärt ihr, dass der Graf Appiani erschossen worden war, seine Braut Emilia und ihre Mutter nun auf dem Schloss seien. Orsina denkt sofort, dass der Prinz der Mörder war. Denn sie weiss, dass der Prinz mit Emilia in der Kirche gesprochen hatte. 6. Auftritt Auch Odoardo kommt aufs Lustschloss, trifft auf die Gräfin und Marinelli. Marinelli sagt Odoardo, dass Orsina nicht mehr richtig im Kopf sei. Er geht hinaus, um dem Prinzen die Ankunft Odoardos zumelden. 7. Auftritt Orsina erzählt Odoardo, dass der Prinz den Grafen Appiani umgebracht hätte. Seine Tochter sei schlimmer als tot. (- Sie meint, Emilia habe die Keuschheit, die Ehre verloren) Orsina gibt Odoardo einen Dolch. 8. Auftritt Claudia kommt zu ihnen. Odoardo befiehlt ihr mit Orsina mitzufahren. Emilia käme mit ihm. Fünfter Aufzug (gleiche Szene) 1. Auftritt Der Prinz und Marinelli stehen am Fenster und sprechen über Odoardo. Sie überlegen was er machen wird. 2. Auftritt Monolog Odoardos: Keine Ahnung um was es geht, sorry! S. 71) 3. Auftritt Odoardo diskutiert mit Marinelli, ob Emilia nach Guastalla (in die Stadt zurück zu ihrer Mutter) gehen soll, oder nicht. (- Auch hier sieht man wieder die starke väterliche Macht zu dieser Zeit) Marinelli geht den Prinzen holen, er solle entscheiden. 4. Auftritt Monolog Odoardos: Er will sich nichts vorschreiben lassen. Nur er darf über seine Tochter entscheiden. 5. Auftritt Sie diskutieren zu dritt was mit Emilia geschehen soll. Der Vater will sie in ein Kloster schicken. Doch Marinelli hält ihn davon ab. Er erzählt Odoardo, dass er ein Freund war vom Appiani und dass er von einem Nebenbuhler getötet worden sei. Nun erkennt Odoardo, dass der Prinz den Grafen getötet hatte. 6. Auftritt Monolog Odoardos: Denkt über das nach, was er tun will (Emilia töten). 7. Auftritt Kann ich nicht zusammenfassen. Am besten lest ihr das nochmals durch. Hat ziemlich wichtige Aspekte drin. (Religion, Verführung. Sichtweise von Emilia) S.79-82 8. Auftritt Der Prinz sieht die tote Emilia und verjagt Odoardo. Er erkennt seine Schuld, beschuldigt aber Marinelli. Interpretationen und Hintergründe Gattung Drama: Trauerspiel Das in Prosa geschriebene Stück nimmt ein häufig gestaltetes Dramenmotiv auf: Die junge, unschuldige Römerin Virginia wird von ihrem Vater Virginius getötet, weil er sie nur so von den Nachstellungen des Appius bewahren kann. Ihr Tod ist der Anlass zu einem Volksaufstand. Emilia Galotti wurde eines der ersten politischen Dramen der neueren dt. Literatur, das die folgende Generation der Stürmer und Dränger beeinflusste. Zeit Aufklärung Handlung die Handlung spielt zwischen dem frühen Morgen und dem Abend eines einzigen Tages. Struktur • • • • • 5 Akte 1-3 steigende Handlung 4 Peripetie (Wendepunkt) 5 Katastrophe wenig Schauplätze Themen • • • Konflikt zwischen Adel und Bürgertum Grund: Liebe und Eifersucht Übersteigertes Ehrgefühl führt zum Tod Interpretationen Die Liebesbeziehungen des Prinzen zu Orsina und Emilia werden von der tief eingewurzelten Vorstellung der Käuflichkeit und der Beherrschbarkeit durch Macht bestimmt. Der Prinz ist der absolute Herrscher. Diesem feudalistischen Prinzip steht das erwachende, in Emilia und ihrem Vater verkörperte Bürgertum gegenüber, das sich nicht länger beherrschen lassen will, den Gegensatz aber nicht revolutionär, sonder durch ein Selbstopfer (Tod Emilias), aufhebt. Die Familie (dargestellt durch Odoardo und des Grafen Appiani) fällt dem Herrscher zum Opfer (Hauptvorwurf des Stückes), obwohl sie sich der Welt des Hofes schon weitgehend entzogen hat. (Odoardo und Appiani wohnen auf dem Land) Aber auch innerhalb der Familie gibt es „Probleme. Odoardo repräsentiert ganz den herkömmlichen Patriarchen, der alle Macht über seine Familie hat. Funktion der bürgerlichen Familie: Der Eigenwille des Kindes soll gebrochen und der ursprüngliche Wunsch nach freier Entwicklung seiner Triebe und Fähigkeiten durch den inneren Zwang zur unbedingten Pflichterfüllung ersetzt werden. Der Schluss des Dramas ist umstritten. Einige sehen darin eine Vertröstung auf eine jenseitige Erlösung, andere eine Kritik Lessings an der unpolitischen Haltung des dt. Bürgertums. Textstellen und Fragen • S.49, 26f „Er wird den Tag ihrer Geburt verfluchen. Er wird mich verfluchen (Claudia) Hier wird gezeigt, dass Odoardo keine gute Haltung zum Hof hat. Claudia hat ein schlechtes Gewissen, weil sie ja von Anfang an gewusst hat, dass der Prinz mit Emilia liebäugelt. Sie hat nun Angst vor Odoardos Wut. Denn er ist das Oberhaupt, er bestimmt über seine Familie, welche ihn nun sozusagen hintergangen hat. • S.75, 29-39: Was bezweckt Marinelli mit seinem Verdacht, den er vor dem Prinzen und Odoardo äussert? Inwiefern verändert sich jetzt die Situation für Odoardo? war mal Prüfungsfrage) Marinelli will Verdacht auf Prinzen lenken - will sich ins gute Licht rücken - er möchte gerne selber an die Macht kommen • Welche Faktoren führen auf die Tat Vater tötet Tochter hin? Innerlich: zerstreuter Odoardo wütend auf Prinz Selbstbeschuldigung von Emilia Odoardo muss/will Ehre retten Emilia seht vor der Verwahrung: Sie will die Sache abschliessen Übertriebenes Tugendbedürfnis Kontrast zu Adel Äusserlich: Vorhandensein eines Dolches sie sind alleine Geschichte braucht ein tragisches Ende Tochter erpresst Vater: du bist ein Weichei • S. 58, 15-31: Thema Zufall Orsina sagt dass Zufall Gotteslästerung sei, nichts sei Zufall!! Marinelli betrachtet Vorfall (Tod des Grafen) als Zufall - will Unschuld beweisen Doch Orsina glaubt ihm nicht, dass der Tod Zufall sei. Für jedes Geschehen gäbe es Gründe, Ursachen. Sie hat die Absicht von Marinelli herausgefunden. Zufall: Wer den Zufall leugnet glaubt an Gründe, Pläne, Absichten, denkt mit, ist kritisch - braucht Verstand (wie Orsina) • S.82 Sie trifft ihren Vater an seinem einzig wunden Punkt, nämlich an seiner Ehre und seiner tugendhaften Wertevorstellung. Odoardo handelt wie vorausgesehen und tötet seine Tochter. Dies darf nun natürlich nicht zu der irrigen Schlussfolgerung führen, Lessing habe in seinem Drama die Moral- und Tugendlehre seiner Zeit angreifen wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Lessing geht es als führendem Denker seiner Zeit durchaus darum, auf das Ideal einer moralischen Welt hinzuarbeiten, indem zunächst „die eigene sittliche Vervollkommnung als Bedingung bürgerlicher Emanzipation angestrebt wird. Nur sah Lessing in dem Streben nach dem Ideal eben auch die Gefahr, dass der Strebende, das Bürgertum also, dabei den Bezug zur Realität verlieren könne. Vielmehr betrachtete er diese Werte als notwendige Grundlage für eine bessere Gesellschaft, die wiederum – und hier liegt der eigentlich politische Charakter von Lessings Werk – zu jener Zeit praktisch nur vom Bürgertum geschaffen werden konnte, weil der Adel als zu dekadent angesehen wurde, um als Träger einer zukünftigen besseren Gesellschaft betrachtet werden zu können. Dass Lessing dennoch auch Adligen grundsätzlich die Möglichkeit zugestand, zukunftsbildend zu wirken, zeigen Figuren wie z. B. Appiani. Emilia Galotti, 1772. Von Gotthold Ephraim Lessing. «Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt. Ich habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als eine. Auch meine Sinne sind Sinne. Ich stehe für nichts. Ich bin für nichts gut.» Der Inhalt Hettore Gonzago, Prinz von Guastalla, hat für Emilia Galotti, Tochter des Obersten Odoardo Galotti, die er in seiner Gesellschaft gesehen, eine so heftige Leidenschaft erfasst, dass er des schönen Mädchens wegen die wichtigsten Staatsgeschäfte vernachlässigt oder leichtfertig behandelt. Er vertraut sich seinem intriganten und geschmeidigen Kammerherrn Marinelli an, und dieser unternimmt es, Emilia für den Prinzen zu gewinnen. Emilia ist tugendhaft. Sie ist mit dem Grafen Appiani verlobt, und die Hochzeit soll heute stattfinden. Die Vermählung soll auf dem Landgute Sabionetta gefeiert werden. Dort weilt Emilias Vater Odoardo, der das Leben in der frivolen Residenz nicht liebt, auch nicht mit dem Prinzen zusammentreffen will, mit dem er auf feindseligem Fuße steht. Marinelli versucht nun, den Grafen Appiani für eine sofort zu übernehmende Gesandtschaft zu gewinnen, um zunächst Aufschub der Hochzeit zu erreichen. Der Graf schlägt das Anerbieten aus, worauf der nicht verlegene Marinelli schnell neue Vorkerhungen trifft. Er führt den Prinzen, den er nur halb in seinen Plan eingeweiht, nach dem Lustschloss Dosalo und dingt den Banditen Angelo zu einer meuchelmörderischen Tat. Der geschickte Bravo weiß es einzurichten, dass der Wagen, der Appiani mit Emilia und deren Mutter Claudia zu Odoardo bringen soll, ganz in der Nähe des Lustschlosses von ihm und seinen Genossen angefallen wird. Appiani wird dabei erschossen, und Diener des Prinzen eilen herbei, die entsetzten Frauen nach Dosalo in Sicherheit zu bringen. Marinellis Plan wäre nun auch gelungen, wenn nicht Claudia von den Lippen des sterbenden Grafen seinen Namen als den des Mörders vernommen, und wenn der Prinz nicht selbst den Verdacht dadurch verstärkt hätte, dass er gegen die Verabredung mit seinem Kammerherrn Emilia in der Messe aufgesucht und ihr während des Gebets glühende Liebesworte zugeflüstert. Emilia hatte ihrer Mutter davon Mitteilung gemacht. Wie sie von Marinelli empfangen werden und erfahren, dass sie sich auf dem Lustschlosse des Prinzen befinden, wird ihnen die Gewissheit schrecklich klar. Inzwischen hat Odoardo Galotti die Kunde von dem Überfall vernommen. Schnell eilt er nach Dosalo zu Frau und Tochter. Er trifft dort auf die Gräfin Orsina, die letzte Geliebte des Prinzen, die durch Späher die Vorgänge erfahren hat, eifersüchtig hierhergefahren ist, aber von dem Prinzen nicht vorgelassen wurde. Von der Gräfin hört nun der arglose Vater die ganze Kette der Ereignisse und im auflodernden Rachegefühl will er sich zum Prinzen Bahn brechen, ihn zu töten. Er beherrscht sich, um vor allem die Tochter zu schützen. Marinelli muss seinen Plan abermals ändern, und er tut dies, indem er sich als Freund und Rächer Appianis aufspielt, behauptet, dass ein glücklicher Nebenbuhler den Grafen getötet und um diesen zu entdecken, müsse man Emilia in Verwahrung nehmen, dem Gericht seinen Lauf lassen. Odoardo fügt sich und will seine Tochter in ein Kloster bringen. Liebenswürdig widerspricht man ihm. Emilia soll in das Haus des Kanzlers Grimaldi gebracht werden, denn dort so denkt Marinelli kann sie der Prinz jederzeit sehen und sprechen. Odoardo durchschaut diese Intrige, und als nun Emilia selbst kommt und ihm offen sagt, dass er sie nicht in der Verwahrung des Prinzen lassen solle, denn sie könne für sich nicht gut stehen, der Verführung zu trotzen, dass sie aber lieber sterben wolle, da greift der anfangs zaudernde Vater doch zum Dolche und durchsticht sie. Dankbar neigt sich Emilia auf seine Hand und tröstet den ob seiner Tat entsetzten Vater mit den Worten: Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert. Den Prinzen ergreift starrer Schrecken, als er diesen Ausgang wahrnehmen muss. Feige wälzt er alle Schuld auf die Schultern Marinellis und tröstet sich mit der hohlen Phrase des Bedauerns, dass Fürsten auch nur Menschen sind. Aus: Führer durch das Schauspiel von Leo Melitz und Geschichte der Weltliteratur von Carl Busse. Der Verfasser Aus einer ursprünglich slawischen, aber längst völlig germanisierten Familie stammend, ward Gotthold Ephraim Lessing am 22. Januar 1729 zu Kamenz in der Oberlausitz geboren. Der Vater ein in seiner Art bedeutender, schrifstellerisch eifrig tätiger, orthodoxer Pastor, dessen Vorfahren seit dem 16. Jahrhundert alle Theologie studiert hatten. Gotthold Ephraims Mutter eine Predigertochter ohne geistige Bedeutung. Der Knabe wird streng religiös erzogen, besucht von 1741 bis 46 die Fürstenschule zu St. Afra in Meißen und geht dann mit einem Stipendium dieser Anstalt zum Studium der Theologie nach Leipzig. Er hielt sich aber bald mehr an die Philosophen, als an die Gottesgelehrten, verkehrte viel mit Chr. Mylius, einem unglücklichen deutschen Genie und ausgesprochenen Freigeist, und wandte den letzten Groschen an den Theaterbesuch. Der besorgte Vater, zu dem übertreibende Gerüchte gedrungen waren, berief Anfang 1748 seinen Sprößling unter einem wenig geschmackvollen Vorwande nach Hause, überzeugte sich aber bald, dass seine Befürchtungen grundlos waren, und erlaubte dem Sohn, das theologische mit dem medizinischen Studium zu vertauschen. So kehrte Lessing zum zweitenmal nach Leipzig zurück. Als er hier bald durch leichtsinnig für Schauspieler übernommene Bürgschaften in Verlegenheit geriet und von Gläubigern bedrängt ward, entwich er nach Wittenberg und ging von hier unter Abbtrechung seiner Studien nach Berlin, um sich eine literarische Existenz zu schaffen. Ohne Geld, in höchst dürftigem Aufzuge langte er im November 1748 in Berlin an, fristete durch Übersetzungen sein Leben, veröffentlichte mit Mylius eine bald wieder eingehende Vierteljahrsschrift, die Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters, näherte sich Voltaire, dessen Prozessschriften gegen den Juden Hirsch er deutsch umredigierte, und fand dauernde Beschäftigung bei der Vossischen Zeitung, als deren Beiblatt er seit April 1751 Das Neueste aus dem Reiche des Witzes herausgab. Im Dezember 1751 verließ er Berlin, um in Wittenberg seine Studien abzuschließen. Gleichzeitig geriet er, nicht unverschuldet, in eine erbitterte, lange nachwirkende Fehde mit Voltaire. Nach Erlangung der Magisterwürde kehrte er 1752 nach Berlin zurück, wieder an die Vossische Zeitung, befreundete sich mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai und schrieb Anfang 1755 in der Stille eines Potsdamer Gartenhauses Miss Sara Sampson. Ihre Aufführung in Frankfurt an der Oder (Juli 1755) weckte Lessings Theaterleidenschaft, die er in Berline nicht befriedigen konnte: er ging kurzerhand nach Leizig, verkehrte hier mit Ewald von Kleist und ließ sich von einem reichen jungen Kaufmann als Begleiter für eine europäische Bildungsreise engagieren. Der Kriegsausbruch (1756) nötigte die Reisenden schon in Amsterdam zur Umkehr, und 1758 wandte sich Lessing zum drittenmal nach Berlin. Er kam dem hier herrschenden patriotischen Aufschwung durch Herausgabe der Gleimschen Kriegslieder entgegen und ließ von 1759 ab seine Literaturbriefe bei Nicolai erscheinen. Aber der Unruhegeist ist des Literatenlebens bald müde, und schon 1760 folgt er in jähem Entschluss einem Rufe des Generalleutnants von Tanenziehn als Gouvernementssekretär nach Breslau, wo er es fünf Jahre lang in einem ganz militärischen Milieu aushielt und mit den Offizieren manche Nacht am Spieltisch verbrachte. Die schönste Frucht dieser Zeit ist Minna von Barnhelm. Dann, 1765, treibt es ihn von neuem nach Berlin. Um sich für die erhoffte Bibliothekarstelle zu empfehlen, schreibt er eifrig am Laokoon. Aber alle Bemühungen scheitern am Widerstande Friedrichs des Großen: zwischen den beiden Männern, die so ausgezeichnet zueinander gepasst hätten, stand Voltaire. Ein unfähiger und abergläubischer Franzose ward zum Königlichen Bibliothekar gemacht, und Lessing, der Eben am Markt stand und müßig war, mußte froh sein, als von Hamburg aus der Ruf an ihn erging, die mit 800 Talern dotierte Dramaturgenstellung an dem neugegründeten Nationaltheater anzunehmen. Anfang April 1767 übersiedelte er nach Hamburg und wenn das ungenügend vorbereitete und vom Publikum nicht unterstüzte Theaterunternhmen auch bald zusammenbrach: es hat in der Hamburgischen Dramaturgie (1767-69) eine unsterbliche Spur gezogen. Lessing aber sah sich wieder um alle seine Hoffnungen gebracht. So sympathisch ihm Hamburg war: es bot ihm nicht einmal des Sperlings Leben auf dem Dach, und deshalb griff er zu, als ihm vom Braunschweiger Erbprinzen die Bibliothekarstelle in Wolfenbüttel angetragen ward, die außer freier Wohnung und Heizung 600 Taler Gehalt brachte. Im April 1770 trat er sein Amt in dem stillen Winkel an; es sollte ihm die Möglichkeit geben, eine geliebte Frau heimzuführen: Eva König, die damals 34jährige verstandesklare und willenstarke Witwe eines Hamburger Kaufmanns. Aber es dauerte noch sechs Jahre, ehe er dieses Ziel erreichte, da seine Verlobte erst in mühevoller Arbeit zur Sicherstellung ihrer Kinder das schwer übersehbare Geschäft ihres verstorbenen Gatten liquidieren musste. Für Lessing war diese Zeit von 1771-76, in der er neben gelehrten Arbeiten die Emilia Galotti vollendete, die unglückseligste Periode seines Lebens. Der Mangel an Zerstreuung und geistvoller Gesellschaft, die abgelegene Lage des Ortes, Stubenluft und Bibliothekstaub, Schulden und die zu lange Spannung einer ewigen Verlobung erzeugten eine so verzweifelte Stimmung in ihm, daß ihn manchmal der Ekel vor dem Leben packte. Seine bis zum 40. Jahr eiserne Gesundheit geriet ins Wanken, Herzbeklemmungen, rheumatische Beschwerden, Schwindelanfälle, ein Augenleiden stellten sich ein, und der Tapferste der Tapferen, der immer nur Dornen geerntet hatte, verlor in dumpfer Hoffnungslosigkeit zuzeiten schon alle Schnellkraft. Selbst eine seit Jahrzehnten ersehnte Italienfahrt musste ihn unter solchen Umständen enttäuschen, um so mehr, da er als prinzlicher Reisebegleiter wenig eigene Freiheit hatte. Am 8. Oktober 1776 fand endlich seine Hochzeit mit Eva König statt. Ein glückliches Jahr folgte der freie Atemzug vor der letzten und schwersten Wegstrecke. Am Weihnachtsabend 1777 gebar Eva Lessing einen Sohn, der nach 24 Stunden starb und dem die Mutter am 10. Januar 1778 folgte. Der Brief, den Lessing am 31. Dezember 1777 an Professor Eschenburg schrieb, ist für jeden, der ihn einmal las unvergesslich. Meine Freude war nur kurz. Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! Denn er hatte so viel Verstand! so viel Verstand! Glauben Sie nicht, dass die wenigen Stunden meiner Vaterschaft mich schon zu so einem Affen von Vater gemacht haben! Ich weiß, was ich sage. War es nicht Verstand, daß man ihn mit eisernen Zangen auf die Welt ziehen mußte? Daß er so bald Unrat merkte? War es nicht Verstand, daß er die erste Gelegenheit ergriff, sich wieder davon zu machen? Freilich zerrt mir der kleine Ruschelkopf auch die Mutter mit fort! Denn noch ist wenig Hoffnung, daß ich sie behalten werde. Ich wollte es auch einmal so gut haben wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen. Adolf Stahr hatte ein gutes Recht zu seinem Wort: Durch Lessings ganze letzte Lebensperiode ziehe sich eine gewisse dämonische Ironie des Schicksals, das ihm jeden großen Lebenswunsch nur deshalb zu erfüllen schien, um ihm durch solche Gewährung neue Leiden und Bitternisse zu bereiten. Noch im Todesjahr seiner Gattin ward Lessing in neue Kämpfe gezogen. Unter den Beiträgen zur Geschichte und Literatur, aus den Schätzen der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, hatte er auch die sogenanntenten Wolfenbüttler Fragmente veröffentlicht, die von dem Hamburgischen Professor Hermann Samuel Reimarus stammten, einem rationalitischen Deisten, der die Offenbarung, die Auferstehung Christi usw. leugnete. Orthodoxe und Liberale griffen Lessing dieserhalb heftig an, und besonders mit seinem schärfsten und bedeutendsten Gegner, dem Hauptpastor Goeze, ließ sich Lessing in eine erbitterte Polemik ein. Als er durch Denunziation bei seiner Regierung zum Schweigen gebracht war, verlegte er den Kampf auf einen Boden, wohin ihm seine Gegner nicht folgen konnten: Er bestieg seine alte Kanzel, das Theater, und hielt von dort aus seine große Toleranzpredigt, die, auf Subskription gedruckt, 1779 unter dem Titel Nathan der Weise erschien. Es folgten noch ein paar kleinere Arbeiten, aber die Kraft des Mannes war gebrochen. Selbst mitten in der Gesellschaft befiel den wachsten Geist Deutschlands die Schlafsucht. Die Hamburger Freunde hatten, als sie ihn 1780 wiedersahen, das Gefühl, als sei er eigentlich nie mehr wach. Anfang 1781 erblindete er auf einige Wochen, verwechselte die Worte, die Rede versagte ihm oft, die Feder wollte ihm nicht mehr gehorchen. Am 15. Februar 1781 vollendete er sein mühseliges, glückloses, großes Kämpferleben. Aus: Geschichte der Weltliteratur von Carl Busse Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti (1772) Das in Prosa geschriebene Drama Emilia Galotti gilt als eines der wichtigsten Bürgerlichen Trauerspiele. Lessing hat es nach den Vorgaben seiner Hamburgischen Dramaturgie geschrieben. Obwohl die Liebe das Zentralthema der Tragödie ist, gilt es in der Forschung als hochpolitisches Stück. Es stellt den willkürlichen Herrschaftsstil des Adels der neuen aufgeklärten Moral des Bürgertums gegenüber. Etwas konkreter betrachtet, treffen hier alte feudale Vorstellungen von Liebe und Ehe auf den neuen empfindsamen Liebesdiskurs der Bürger. Und diese Kombination ist hoch brisant. Der italienische Prinz Hettore Gonzaga plant seine Eheschließung mit der Prinzessin von Massa und will seine Geliebte Orsina verlassen. Er begründet die Trennung mit seiner bevorstehenden Heirat, aber Orsina sieht ihre Stellung nicht durch die baldige Vermählung ihres Geliebten in Gefahr, sondern durch eine neue Geliebte. Liebe und Ehe gehören folglich für den Prinzen und seine Höflinge keineswegs zusammen. Die Ehe ist politisch motiviert und führt nicht zu einer intimen Lebensgemeinschaft. Intimität findet in der außerehelichen Liebesbeziehung statt. Der Verdacht Orsinas, von einer neuen Mätresse verdrängt zu werden, ist nicht unbegründet, denn der Prinz hat sich in die bürgerliche Emilia Galotti verliebt. Von seinem Kammerherrn Marinelli erfährt er, daß Emilia noch am selben Tag den Grafen Appiani heiraten will und zwar aus Liebe. Emilia und der Graf haben weder Politik noch Ökonomie im Sinne, wenn sie vor den Traualtar treten. Der Graf riskiert sogar ganz bewußt seine Stellung in der Gesellschaft, wenn er die Ständeschranken mißachtet. Aber die beiden wollen den Hof verlassen und auf den Gütern des Grafen leben. Der Prinz ist schockiert und verzweifelt, denn ihm ist der neue Liebesdiskurs bekannt. Im Grunde weiß er, daß es unmöglich ist, als Prinz Liebe einzufordern. Sie muß ihm als Mensch gewährt werden. Aber wenn Emilia verheiratet ist, was noch am selben Tag geschehen soll, dann ist die Gewährung der Liebesgunst nicht nur insofern unmöglich, weil die Braut mit ihrem zukünftigen Gemahl außer Landes gehen will, sondern auch deshalb, weil die empfindsame Liebe den Ehebruch nicht duldet. Zum Verzicht ist der Prinz jedoch trotz seiner Einsicht in diese Regeln nicht bereit; außerdem hat er in seinem Kammerherrn Marinelli einen schlechten Ratgeber, der ihm suggeriert, daß die Erfüllung seiner Liebeswünsche mit einiger List im Bereich des Möglichen liege. Dieser Ratgeber kennt die Gesetze der empfindsamen Liebe nicht und setzt trotz der ablehnenden Haltung des Prinzen gegenüber dieser Möglichkeit ganz auf die fürstliche Gewalt. Zunächst versucht Marinelli den Grafen Appiani noch am selben Tage vor der Trauung als Gesandten nach Massa zu schicken, während gleichzeitig der Prinz Emilia seine Liebe erklärt. Aber weder Diener noch Herr haben Erfolg: Appiani lehnt die Reise ab, Emilia reagiert nicht auf die Liebeserklärung, denn sie weiß, daß den Prinzen eher Leidenschaften bewegen als wirkliche Neigung. Er begehrt sie als Geliebte auf Zeit, nicht als seine Frau. Doch Marinelli und der Prinz geben nicht auf: Emilia wird entführt, der Graf ermordet. Emilia befindet sich nun auf Gonzagas Lustschloß. Ihre Eltern Odoardo und Claudia Galotti sowie die Gräfin Orsina treffen kurz darauf im Schloß ein. Die Gräfin drängt dem Vater einen Dolch auf, um sich am Prinzen zu rächen. Aber sein bürgerliches Ehrgefühl hindert ihn an einer solchen Tat. Als er beschließt, Emilia in ein Kloster zu schicken, verweigert der Prinz ihre Herausgabe. Emilia ist verzweifelt, bittet ihren Vater, ihr den Dolch zu überlassen, um sich selbst zu töten. Sie fürchtet ihre Unschuld zu verlieren, wenn sie in der Einflußsphäre des Prinzen verweilt. Die Unschuld ist zwar über alle Gewalt erhaben, aber nicht über alle Verführung. Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt. Ich habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als eine. Auch meine Sinne sind Sinne. (S. 77) Angesichts dieser Gefährdung überläßt Odoardo Galotti seiner Tochter die tödliche Waffe. Sie erdolcht sich. Der Prinz gibt Marinelli die Schuld, obwohl er weiß, daß es seine eigene Regelverletzung war, seine an der alten höfischen Liebe orientierte Leidenschaft, die seinen Blick auf die Welt verzerrte und das Unglück hervorrief. Ursprünglich geht das Motiv des Dramas auf den antiken Historiker Livius zurück: Dort tötet der Römer Virginius seine junge, unschuldige Tochter Virginia, weil er sie vor den Nachstellungen des Decemvirn Appius Claudius bewahren will. Der Mord löst einen Volksaufstand aus. Werden hier die Handlungen von Einzelpersonen in ihrer politischen Wirkung vorgestellt, so sind die Protagonisten Lessings in dem Sinne politisch, als sie exemplarisch für die tyrannische Willkürherrschaft des Adels, wie Goethe es ausdrückte, stehen.