Arbeitsblatt: Häuptling Seattle

Material-Details

Brief des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika 1855
Geschichte
Anderes Thema
7. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

3069
1347
9
26.11.2006

Autor/in

Doris Sommer
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

BRIEF DES HÄUPTLINGS SEATTLE AN DEN PRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA IM JAHR 1855 Der grosse Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land kaufen will und wenn wir nicht verkaufen, kommt der weisse Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Der Saft, der in die Bäume steigt, trägt die Erinnerungen des roten Mannes. Die Toten der Weissen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie zu den Sternen gehen. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler sind unsere Brüder. Wir alle gehören zur gleichen Familie. Aber Gott hat seine roten Kinder verlassen. Er liebt die Weissen. Er schickt ihnen Maschinen, um bei der Arbeit zu helfen, er baut grosse Dörfer für sie. Er macht sie Tag für Tag stärker. Bald werden sie das ganze Land überfluten, wie Flüsse in Schluchten hinabstürzen nach einem plötzlichen Regen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, unsere Alten erzählen andere Geschichten. Der weisse Mann versteht uns nicht. Für ihn ist ein Land gleich dem anderen. Er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern sein Feind. Er behandelt sie wie ein Ding zum Kaufen und Plündern, und wenn er sie erobert und beraubt hat, geht er weiter. Er lässt die Gräber seiner Väter zurück. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und als Wüste zurücklassen. Es gibt keine Stille in der Stadt der Weissen. Das Klappern der Maschinen macht ihre Ohren taub. Sie hören nicht mehr den einsamen Schrei der Habichte oder das Streiten der Frösche am nächtlichen Teich. Ich bin ein Indianer, ein Wilder, ich kann das nicht verstehen. Der weisse Mann scheint die Luft nicht zu bemerken, die er atmet. Wie ein Sterbender ist er abgestumpft gegen den Gestank. Wir sind wilde Indianer und verstehen das nicht, die Luft ist uns kostbar. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt den letzten. Und die Tiere sind nicht die Brüder der Weissen. Ich habe tausend verwesende Büffel gesehen, erschossen aus einem vorüber fahrenden Zug. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Ohne sie stürbe er an grosser Einsamkeit. Was immer den Tieren geschieht, geschieht bald auch den Menschen. Könnt ihr denn mit der Erde tun, was ihr wollt nur, weil wir ein Stück Papier unterzeichnen? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen, könnt ihr sie von uns kaufen? Wir werden in die Reservate gehen. Unsere Kinder sehen ihr Väter gedemütigt und besiegt. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele. Aber warum soll ich trauern über den Untergang meines Volkes? Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer. Auch die Weissen werden vergehen. Fahret fort, euer Haus zu verseuchen, eines Nachts werdet ihr im eigenen Abfall ersticken. Bald sind alle Büffel geschlachtet, die wilden Pferde gezähmt, die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten. Wo ist das Dickicht? Fort. Wo der Adler? – Fort. Wir sind wilde Indianer. Wir können nicht verstehen, warum Gott euch solche Macht gegeben hat. Aber eines wissen wir: die Erde ist heilig. Auch der weisse Mann kann seiner Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder. Wir werden sehen. • Unterstreiche alle Aussagen, die Seattle über die Weissen macht, mit blauer Farbe. • Unterstreiche alle Informationen über die Indianer im Text mit roter Farbe.