Arbeitsblatt: Pepe der Clown, Text

Material-Details

Texterständnis
Deutsch
Textverständnis
5. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

43290
665
22
31.07.2009

Autor/in

Doris Willmann-Schaber
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Textverständnis Pepe, der Clown Eines windigen Oktobertages schiffte sich eine spanische Zirkustruppe von Barcelona aus nach den Kanarischen Inseln ein, um dort ihre Kunststücke und Tiere vorzuführen. Ausser der kleinen Zirkustruppe waren etwa vierzig Fahrgäste an Bord. Am fünften Tage der Reise schlug der Wind um, der Himmel verdunkelte sich von einer Stunde auf die andere, das Wasser wurde gröber von Minute zu Minute, Sturm kam auf, Regenböen kündigten ein Gewitter an, und das Schiff begann zu schlingern. Es wurde hochgehoben, knallte in ein Wellental, hob sich erneut, legte sich seitwärts und war plötzlich steuerlos dem Wind und den Wellen preisgegeben. Pepe, der Clown, dem die Luft in Salon und Kabine zu stickig geworden war, klammerte sich gerade triefend von oben bis unten an das Holzgeländer des Steuerhauses, als er den Steuermann ins Sprachrohr schreien hörte Kapitän, das Steuer gehorcht mir nicht mehr, die Anlage muss zertrümmert sein: In seiner Stimme war solches Entsetzen, dass es Pepe kalt über den ohnedies eiskalten Rücken rieselte. Er hörte auch: Passagiere . Panik . beruhigen . Pepe stemmte sich irgendwie in die Höhe, hängte sich an eine Stange und rief den zwei Verdutzten zu: Ich gebe eine Vorstellung, ich bin Clown. Mit Hilfe der Mannschaft setzten sich die gesunden Passagiere in den Salon, auf festgeschraubte Stühle. Plötzlich sprang die Türe auf. Jemand Buntes kugelte herein und richtete sich breit grinsend langsam auf. Es war Pupe, mit fachgerecht geschminktem Gesicht, Pluderhosen, schlotterndem Kittel und viel zu grossen, weissen Handschuhen. Das kam für die verängstigten Passagiere, selbst für die kleine Zirkustruppe, so unerwartet, dass sie mitten im Lärm der Elemente und Maschinen mit einem Schlage loslachten. Zwei Stunden lang grinste Pepes roter Mund in weissem Rahmen, zwei Stunden lang war er als Clown besser als je zuvor. Da kam der Kapitän und flüsterte ihm zu: Wir haben Wasser im Kahn. Meine Leute stehen an den Pumpen. Ich weiss nicht, wie lange wir es noch aushalten. Wie lange halten Sie es noch aus? Den erschöpften Pepe traf die schlimme Nachricht stärker, als der Kapitän ahnte. Ich weiss nicht, aber ich fahre weiter. Und bald wieder hatte Pepe seine Zuschauer in der Hand. Fast eine Stunde lang fesselte er sie an seine Geige, an ein Spielzeugding, ein Nichts von Instrument. Als er eben mit einem virtuosen Doppelgriff sein Konzert beendete, verkündete der eintretende Kapitän: Das Rettungsboot ist da! Pepes Mundwinkel zogen sich bei dieser Nachricht derart in die Höhe und Breite, dass sie beinahe die Ohren berührten. Dann aber fielen ihm plötzlich baumelnd die Arme herunter, eine winzige Geige und ein winziger Bogen purzelten auf den Teppich, und Pepe sank dem Kapitän, der ihn erschrocken bei den Schultern packte, ohnmächtig an die Brust. Der grosse rote Mund im weissen Gesicht grinste dabei immer noch.