Arbeitsblatt: Gletscher im Stammertal

Material-Details

Informationen zu Gletschern allgemein, aber auch auf das Stammertal bezogen.
Geographie
Schweiz
5. Schuljahr
6 Seiten

Statistik

43774
332
3
07.08.2009

Autor/in

Stephan Vögeli
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

Das Stammertal ‐ eine Gletscherlandschaft        Das Stammerthal ist eine Gletscherlandschaft. Vor ungefähr 1200 Jahren formte  ein Gletscher dieses Gebiet. Um verstehen zu können, wie das ganze entstanden  ist, müssen wir zuerst einiges über die Gletscher erfahren.      Der Gletscher    Gletscher sind riesige Schnee‐, Firn‐ und Eismassen, die in der Natur vorkommen.  Sie sind so gewaltig, dass sie ganze Landschaften geformt haben. Auch das  Stammerthal wurde von vielen Tausenden von Jahren durch einen Gletscher  gebildet. Dieser hat sich aber aufgrund der immer wärmer werdenden  Temperaturen zurückgezogen.  Heute findet man diese Giganten nur noch in kalten Gebieten, wie zum Beispiel in  den Bergen oder polaren Gebieten. Kälte alleine genügt aber nicht, es braucht  auch regelmässigen und genügend Niederschlag. Obwohl die Gletscher immer  weiter schrumpfen, sind sie sind immer noch beeindruckende Erscheinungen.  Mark Twain, ein amerikanischer Schriftsteller, sagte 1878 folgendes über die  Gletscher:    „Ein Mensch, der den Gletschern Gesellschaft leistet, erhält allmählich das Gefühl,  dass er einigermaßen unbedeutend ist.              Aufbau eines Gletschers  1                                                           1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.                                                             8. Gletscherabbruch  9. Gletscherzunge  10. Geltschertor  11. Gletscherbach  12. Trogwand  13. Nährgebiet  14. Zehrgebiet  Schneefelder  Firnfelder  Randspalten  Längspalten  Querspalten  Seitenmoräne  Mittelmoräne    Trage die Nummern an der richtigen Stelle im Bild ein. Der Text hilft dir dabei, die  die verschiedenen Begriffe zu verstehen. 1 Bild aus Robert C. Bachmann, Gletscher der Schweiz Oberhalb des Gletschers, auf den umliegenden Gebirgsflanken, liegen die  Schneefelder (1). Aufgrund der tiefen Temperaturen wird der Schnee nur sehr  langsam in Firn umgewandelt. Unterhalb befinden sich die Firnfelder (2), wo der  Schnee sich bereits umgewandelt hat und sich weiter zu Eis wandeln wird. Aus  diesen Firnfeldern wird der Gletscher genährt. In diesem Gebiet bewegt sich der  Gletscher nicht talwärts, weil die Firnfelder am Fels angefroren sind.  Unterhalb der Firnfelder befindet sich der Gletscherabbruch (8), unterhalb dieses  ist der Gletscher immer leicht in Bewegung. Die Gletscherzunge (9) ist der Fortsatz  des Gletschers und fliesst sehr langsam Richtung Tal. Aufgrund dieser  Fliessbewegung entstehen auch Spalten. Randspalten (3) befinden sich am Rand  der Gletscherzunge und reissen als Folge der grossen Reibung auf. Längsspalten (4)  entstehen vor allem im oberen Teil des Gletschers wegen den Spannungen im Eis.  Die Querspalten (5) hingegen treten auf, wenn der Gletscher über einen Fels  fliesst. Da er über diese Schwelle schneller abfliesst, reisst das Eis auf.  Der Gletscher führt immer viel Gestein und Geröll mit sich. Dieses lässt er auf der  Seite der Gletscherzunge liegen. Diesen aufgeschichteten Wall nennt man  Seitenmoräne (6). Stossen zwei Gletscherzungen zusammen, so werden deren  Seitenmoränen zusammengelegt und es entsteht eine Mittelmoräne (7), die auf  der Gletscherzunge als Geröllband erkennbar ist.  Am Ende der Gletscherzunge entsteht das sogenannte Gletschertor (10), aus  welchem der Gletscherbach (11) hinaus fliesst. An dieser Stelle ist der  Gletscherbach weiss, da er ganz viel Gesteinsmehl führt. Dieses Wasser wird  deshalb als Gletschermilch bezeichnet.  Die Gletscherzunge fliesst heutzutage meist in einem Bergtal. Auf der Seite gibt die  Trogwand (12) die Richtung vor. Der obere Teil, in dem sich die Schnee‐ und  Firnfelder befinden, wird als Nährgebiet (13) bezeichnet. Der untere Bereich, in  welchem der Gletscher gegen die Wärme ankämpft und an Substanz verliert,  nennt man Zehrgebiet (14).  Der Rückzug der Gletscher    Heute finden wir in der Schweiz nur noch in den Bergen Gletscher vor. Während  der Eiszeit aber waren die Gletscher überall. Die Schweiz, so wie wir sie heute  kennen, war zu grössten Teilen von „ewigem Eis zugedeckt.2    Grösste Ausdehnung der Gletscher während  der Eiszeit (vor ca. 2000 Jahren)    Heutiges vergletschertes Gebiet  Die Gletscher haben also die Landschaften in der Schweiz nachhaltig geformt. So  wurden zum Beispiel Berge und Hügel abgeschliffen oder Bäche von  Schmelzwasser, die Täler in die Landstriche zogen. Im Mittelland wurden Tonnen  von Geröll und Schutt abgelagert.    Heute erinnert auf den ersten Blick nicht mehr vieles an die Eiszeit und die  damalige Vergletscherung. Nur wer sich bewusst darauf achtet und das Wissen  darüber hat, kann die typischen Erscheinungen deuten. So auch im Stammertal.  Wie du auf der Karte siehst, war die Region um den Bodensee von Eis zugedeckt.  Ungefähr vor 1200 Jahren wurde es aber zu warm, so dass sich der Gletscher  langsam zurück zog. Dieser Rückzug dauerte wieder mehrere Hundert Jahre.    2 Karte aus Robert C. Bachmann, Gletscher der Schweiz             1        2   4   5   2              Der Gletscher, der von Osten her im jetzigen Stammertal lag, zog sich gleichmässig  zurück. Die Gletscherzunge ragte immer weniger weit nach Westen, obwohl die  Eismassen andauernd westlich flossen. Der Gletscher transportierte also stets  Geröll und Kies bis zum Ende seiner Zunge, wo er diesen schliesslich ablagern  konnte. Daher entstand eine sehr flache und regelmässige Ebene vor Ober‐ und  Unterstammheim (3), eine so genannte Schotterebene (1).  Der Rückzug geriet aber ins Stocken, so dass das Ende der Gletscherzunge über  mehrere Jahre hinweg an derselben Stelle war. Der Gletscher beförderte in dieser  Zeit aber immer weiter Geröll und Kies, welches er jetzt am gleichen Ort anspülte  und das sich langsam aufschichtete. So entstand eine Endmoräne (4), die das  Stammertal heute teilt.  Als sich der Gletscher wieder weiter Richtung Osten zurückzog, geschah dies so  schnell, dass er Mulden hinterliess. Diese füllten sich mit Wasser und es  entstanden die Seen, der Nussbaumer‐ und der Hüttwilersee. Diese Art von Seen  werden Zungenbeckenseen (5) genannt.  Begleitend während dem ganzen Rückgang des Gletschers wurde am Rande der  Gletscherzunge auch Gestein, Kies und Geröll abgelagert und es entstanden die  Seitenmoränen (2), die heute als ideale Rebhänge genutzt werden.  Ein weiteres landschaftliches Überbleibsel der Vergletscherung sind die so  genannten Drumlins. Es handelt sich dabei um relativ kleine, abgerundete Hügel,  die einen tropfenförmigen Grundriss haben. Wenn man sich darauf achtet, findet  man im Stammertal viele dieser Drumlins.    Die Gletscher heute    Auf der Karte hast du gesehen, dass es immer weniger Gletscher gibt. Vom  Festland sind gerade mal no 10% der Fläche mit Gletschern bedeckt, so zu sagen  alles, nämlich 98% davon befindet sich in den Polargebieten, also in der Antarktis  und auf Grönland.  Das Gebiet, das die Schweizer Gletscher abdecken, ist also verschwindend klein im  Vergleich zum restlichen Festland und leider schrumpfen die Eisgiganten immer  weiter. Folgende Bilder zeigen das auf eindrückliche und auch beängstigende  Weise. Der Trientgletscher zum Beispiel verliert pro Jahr etwa 20 bis 50 Meter an  Länge.3                        Trientgletscher, Wallis: 1922 und 2006       Bisgletscher Randa, Weishorn: 1939 und 2005 3 Bilder von