Arbeitsblatt: Text Detlev durfte nicht leben

Material-Details

Text (Kurzgeschichte aus Schwarz & Weiss, Thema Rassenhygiene/Euthanasie im 2. WK) zu den Fragen
Deutsch
Textverständnis
9. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

43876
303
6
09.08.2009

Autor/in

Ariffa (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Faschismus/Nationalsozialismus Text Deutsch Euthanasie Eugenik DETLEV DURFTE NICHT LEBEN Hans Georg Noack „Heute nicht, sagte Detlevs Mutter, als Karin ihren Schützling zur täglichen Ausfahrt abholen wollte. „Warum nicht? Es ist gar nicht so kalt. Ich werde ihn gut einwickeln, und wir brauchen ja nur eine halbe Stunde draussen zu bleiben. „Nein, es ist nicht zu kalt, gab die Frau zu und fing plötzlich an zu weinen. „Was ist denn? fragte Karin erschrocken. „Ist etwas mit Detlev? Ist er krank? „Er muss fort. In eine Anstalt. Ich weiss es schon seit vierzehn Tagen, aber ich habe immer noch gehofft, es liesse sich ändern. Zweimal bin ich beim Gesundheitsamt gewesen. Heute haben sie endgültig entschieden. Wir dürfen ihn nicht behalten. Dort kann er besser gepflegt werden, behaupten sie. Hier wäre er nur eine Belastung für die anderen. Als könnte ein krankes Kind den eigenen Eltern zur Last werden! Wir haben ihn doch lieb! Das Mädchen versuchte zu trösten. „Vielleicht ist es aber wirklich gut für ihn. Meinen Sie nicht auch? „Wir haben solche Angst, mein Mann und ich, dass sie ihn umbringen wollen! „Umbringen? „Euthanasie nennen sies. Ich habe im Lexikon nachgesehen. Euthanasie heisst soviel wie „schöner Tod. Aber der Tod kann gar nicht schön sein. Tod ist immer hässlich und grausam und immer zu früh. Was wissen wir denn eigentlich von Detlev? Nichts. Wir glauben nur, was wir sehen. Aber es ist doch möglich, dass er viel mehr fühlt, als wir meinen; dass er sein elendes, krankes Leben auf eine Weise liebt, die wir nicht kennen; auf seine Weise eben, die nicht so sein kann wie die unsere. „Aber warum glauben Sie denn etwas so Schreckliches? Niemand tut das. „Weißt du, Katrin, wir haben das Gesetz in der Zeitung gelesen. „Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes heisst es. „Und da steht darin, dass man die Kranken töten will? „Nicht so deutlich, aber wir haben von anderen gehört . „Nein, das glaube ich nicht. Das kann ich nicht glauben. Sie werden sehen, Detlev wird es gut haben. Sicher dürfen Sie ihn doch besuchen, und vielleicht darf er manchmal nach Hause kommen, nicht wahr? Die Frau weinte vor sich hin, Karin trat an den Krankenstuhl und streichelte dem Jungen das Haar und die Hände. Er sah sie an, als wäre er sehr traurig. Aber das schien wohl nur so. Am nächsten Morgen wurde er von einem Krankenwagen abgeholt. Vierzehn Tage später kam ein Brief. An einer Lungenentzündung sei der Kleine leider verstorben, wurde den Eltern knapp mitgeteilt. Er sei bereits eingeäschert, und da seine Kleidung keinen erheblichen Wert mehr dargestellt habe, sei sie vernichtet worden. Auch ein Päckchen kam an. Darin war das geringe Spielzeug des toten Jungen. Windisch, den 09.08.2009 1/1 S.Brügger Faschismus/Nationalsozialismus Text Deutsch Euthanasie Eugenik Den abgegriffenen, schmutzigen Plüschaffen, den sie so oft aufgehoben und in die ungelenken Hände zurückgelegt hatte, bekam Karin. Sie setzte ihn auf das Bücherbrett über ihrem Bett. Windisch, den 09.08.2009 1/1 S.Brügger