Arbeitsblatt: Die Schweiz und der Erste Weltkrieg

Material-Details

Handout zu CH und der Erste Weltkrieg
Geschichte
Schweizer Geschichte
9. Schuljahr
7 Seiten

Statistik

44290
372
8
17.08.2009

Autor/in

Raoul Pinto
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Schweiz und der Erste Weltkrieg 1. Allgemeine Situation seit Jahrhundertwende unlösbare internationale Spannungen anfänglich Lokalisierung der Konflikte Initialzündung: Sarajewo 1914 Schweiz am Vorabend des Weltkrieges zuversichtlich (z.B. Landesausstellung Bern, 1914) keine oder falsche Vorstellung vom Krieg weder militärisch, geistig noch wirtschaftlich auf einen Grosskrieg vorbereitet viele Mängel während des Krieges unter erschwerten Umständen behoben einige waffentechnische Anpassungen: MG, Artillerie, Festungen Mobilmachung 31.7.1914: Pikettstellung der Armee (Einsatzbereitschaft v. Militär und Feuerwehr) 03.8.1914: Mobilmachung: 25000 Mann 8% der Gesamtbevölkerung (mit 4500 Pferden) Aufmarschpläne und Grenzsicherung Grossteil in Nordostfront zw. Basel und Les Rangiers Reserve zwischen Biel und Bern Schwache Sicherungskräfte an der Grenze CH – (CH orientiert über deutsche Einmarschpläne im Raume Belgien und Luxemburg) vorübergehend operative Massnahmen an der Südfront Neutralitätserklärung (3. August 1914) Formelle Neutralitätserklärung an D, F, GB, USA, Russland und andere Staaten im allg. positive Reaktionen USA unverbindliche, später auch GB, und Wahl des Generals Bundesversammlung (und besonders Westschweiz) für Sprecher Druck des Bundesrates auf Parlament zugunsten von Wille Graben zwischen Parlament und Regierung ( Beginn des „Röschtigrabens) Ausbildungstechnischer Stand und Ausrüstung ausbildungsmässig grosse Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Jahrgängen (45d) Wille: „Für mich steht fest, dass ein Krieg im August 1914 das frühere oder spätere Versagen vor dem Feind gebracht. im Vordergrund Drill und Gefechtsübung Wille: „Die ungeheure Bedeutung des Drills kennt niemand besser als ich Verbesserung der persönlichen Ausrüstung (Feldgrau, Stahlhelm), des Korpsmaterial und der Waffen Fliegerabwehr mit Gewehren, MG und Kanonen allmählicher Aufbau der Flugwaffe 2. Strategische Lage 1914 1915 Gefahr: Umfassungsoperationen der kriegsführenden Staaten durch die Schweiz Vogesen – Schweizer Jura als Entlastung der Nordoffensive – – Nordfrankreich Schlieffen (deutscher Generalstabschef 1891 – 1907) „Ich ziehe es vor, ein Volk in Ruhe zu lassen, dessen Militärorganisation auf einer soliden Grundlage beruht. rechnete mit deutschem Angriff über Belgien, traute aber der CH nicht ganz und erwog Entlastungsoffensive im Raum Elsass – Basel Misstrauen der Entente – Mächte: Kommt die CH ihren Neutralitätsverpflichtungen konsequent nach? 1915 – 1918: erwog zeitweise Zusammenarbeit mit CH und evtl. präventive Umfassungsoperationen durch CH Plan (Helvétie) Brief des General Willes an den Bundesrat: „Nach dem bisherigen Verlauf des Krieges auch auf wirtschaftlichem Gebiete darf man annehmen, dass aus diesem Krieg siegreich hervorgehen werdeIch glaube, wenn wir im jetzigen Moment sehr verständlich andeuten, dass wir, zum Äussersten getrieben, davor nicht zurückschrecken, für unsere Unabhängigkeit und für die Zufuhr der Bedürfnisse unseres Volkes zu den Waffen greifen, dass dies ganz wirkungsvoll sein könnte Bei dieser Lage der Dinge wäre es F, GB, wie sehr unangenehm, wenn wir uns nicht anders helfen könnten, als ebenfalls zu den Waffen zu greifen Ich habe eben vorher darauf aufmerksam gemacht, dass etwas mit dem Säbel rasseln im gegenwärtigen Moment uns vorteilhaft sein könnte. Ich möchte beifügen, dass ich nach wie vor die Erhaltung des Friedens für eine unserer obersten Aufgaben erachtte, aber dass ich, wenn die Erhaltung unserer Selbständigkeit und Unabhängigkeit dies erfordert, den gegenwärtigen Moment für das Eintreten in den Krieg als vorteilhaft erachte. Geostrategische Situation der Schweiz im 1. Weltkrieg 3. Kriegswirtschaft Mangelhafte wirtschaftliche Vorsorge nur vage Vorstellung von wirtschaftlichen Auswirkungen praktisch keine wirtschaftliche Kriegsvorsorge kaum Vorräte an Rohstoffen und Lebensmitteln Aug. 1914: Ansturm auf Lebensmittelgeschäfte „Wucherverordnung des Bundesrates Aufruf der Regierung gegen Hamsterei und Angstkäufe Kontrolle des Nahrungsmittel – und Metallgeldhandels Sicherung der Zufuhr nach Kriegsausbruch Kontakt mit F, USA und bezüglich Getreideeinfuhr Bedingung: nur Eigenbedarf Neuregelung der Lebensmittel – und Rohstoffabkommen und fordern spezielle Überwachung gesamter Aussenhandel unter Kontrolle: Einfuhrabkommen mit Ausland Ausfuhrverbot für Lebensmittel und zahlreiche Rohstoffe und Fabrikate bittere Erfahrung der Regierung: „Wer konnte in den Augusttagen des Jahres 1914 ahnen, dass neben dem blutigen Krieg in Waffen ein zweiter, wirtschaftlicher Krieg () von gleicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit entbrennen werde und dass in diesem Krieg die neutralen Staaten mit hineingezogen werden? machte die Handelslieferungen abhängig von den KompensationsLeistungen der CH, was die Entente misstrauisch machte Die schweizerische Neutralität war militärisch und politisch ausgerichtet 1915/16 Erhebung einer einmaligen Kriegs – und einer Kriegsgewinnsteuer Zuspitzung der kriegswirtschaftlichen Situation vermehrt kriegswirtschaftliche Massnahmen: Einschränkung des Kohle – und Gasverbrauches und der Lebensmittel diverse Versenkungen der Versorgungsschiffe Protest gegen USA forderte von CH kriegerische Massnahmen gegen und erschwerte den Handel Einführung der Kriegswirtschaft: Rationalisierung der wichtigsten Lebensmittel (Brot, Mehl, Milchprodukte) spürbare Verteuerung Not der Arbeiter: 1917 ca. 30% Lohnverlust Forderungen Gewerkschaften bezüglich: Lebensmittel und Ernährungsfürsorge Wohnungsnot und Mietzinssteigerungen Arbeitslosigkeit Unterstützung für Wehrmänner Massnahmen: verbilligte Lebensmittel Steigerung der Lebensmittelproduktion Mietpreiskontrolle Erhöhung des Soldes 4. Soziale Unruhen zunehmend soziale Spannungen grosse Unzufriedenheit und Verbitterung Sommer 1917: Aufruf zu ersten Warstreiks Radikalisierung der Arbeiter gewisse Zustimmung für den Kommunismus Arbeiter fordern mehr Rechte insgesamt aber zu wenig Anhänger für radikale Änderungen 5. Verschärfung und Zuspitzung der Lage 1918 Grippe Epidemie Teuerung, Lebensmittelknappheit, wirtschaftliche Einschränkungen schleppende Regierungspolitik Notlage der Wehrmänner geisttötender Exerzier – und Drillbetrieb geplanter Hilfs – und Zivildienst für Nichtmilitärpflichtige Landesstreik allgemeine Situation: Zusammenbruch der Zentralmächte revolutionäre Aufstände in Truppenaufgebote in Zürich gegen kommunistische Kreise Ausweisung der Sowjetbotschaft aus der Schweiz Proteststreiks in verschiedenen Städten Unbefristeter Landesstreik 11.11.1918, ab 24.00Uhr Forderungen: 1. Sofortige Neuwahl des Nationalrates 2. Aktives und passives Frauenwahlrecht 3. 48 – Stundenwoche für Arbeiter 4. Allgemeine Arbeitspflicht 5. Reorganisation der Armee 6. Sicherung der Lebensmittelversorgung 7. Alters – und Invalidenversicherung (AHV, IV) 8. Staatsmonopole für Export und Import 9. Tilgung der Staatsschulden Uneinigkeit der Streikführer und mangelhafte Organisation Regierung: Truppenaufgebot von total 9500 Mann Bundesbeamte sind den Militärgesetzen unterstellt Täuschung des Streikkomitees: nur ein Teil der Arbeiter streikte konsequente Haltung des Bundesrates Bundesversammlung genehmigt Truppeneinsatz Kapitulation des Streikkomitees Streikabbruch Gründe: 1. von 80000 Arbeitern ca. 24000 im Streik 2. geringer Anteil in der Westschweiz und Tessin 3. Bauern gegen Streik 4. Ungenügende Organisation 5. Mangelhafte Infrastruktur Auswirkungen des Streikes: 48 – Stundenwoche (1919) Proporzwahlrecht des Nationalrates (1919) Arbeitslosenversicherung (1924)