Arbeitsblatt: Dilemmadiskussion zu Genetik

Material-Details

Bindet die Ethik mithilfe einer Dilemmadiskussion in den Biologieunterricht ein. Eine ganze Unterrichtssequenz.
Biologie
Genetik
11. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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757
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19.08.2009

Autor/in

Andrea Brügger
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

OV8, Ethik und pädagogisches Handeln Andrea Brügger Leistungsnachweis Dilemmadiskussion im Biologieunterricht Thema: Gentechnik Nachdem mit den Lernenden die wissenschaftliche Theorie der Gentechnik erarbeitet wurde, sollen sie sich mit Hilfe einer Dilemmadiskussion aktiv mit dem ethischen Aspekt dieses Themas auseinandersetzen. Die dazu entworfene Dilemmadiskussion beschäftigt sich mit der grünen Gentechnik, nämlich mit dem Thema „Golden rice. Dieses Thema bietet sich sehr gut an, weil es einerseits sehr aktuell ist (Im November 08 erschien dazu ein spannender Artikel in der NZZ) und andererseits sehr gut die ethische Problematik in der grünen Gentechnik aufzeigt. Ablauf der Unterrichtssequenz: Die Lernenden lernen das Dilemma kennen und es werden gemeinsam die „DilemmaKerne herausgearbeitet. Die Lernenden sollen erkennen, dass hier folgende Prinzipien miteinander in Konflikt geraten: Man muss alles tun, um den Menschen zu helfen, welche an Vitamin – Mangel leiden und somit den „Golden rice schnellstmöglich anpflanzen. Man muss aber auch die Umwelt schützen und da „Golden rice hierbei ein unkalkulierbares Risiko darstellt, sollte man ihn nicht anpflanzen. Der Umwelt zuliebe sollte man also zuerst weitere Studien durchführen, währenddessen sterben aber in den betroffenen Ländern jährlich tausende von Menschen. Es entsteht also sozusagen ein Konflikt „Menschenrechte vs. „Umweltschutz. Allgemeiner Konflikt: Einerseits sollte man den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln helfen und neue Erkenntnisse der Wissenschaft einsetzen. Man sollte aber nicht mit der Natur „herumspielen wenn man die Risiken dabei nicht einschätzen kann. Es wird nun eine Abstimmung gemacht: Wer wäre dafür, „Golden rice sofort und ohne weitere Untersuchungen anzupflanzen? Wer wäre dagegen? Im Idealfall bilden sich nun zwei kontroverse Gruppen (Pro- und Anti-Gentechniker), ansonsten könnte man auch zwei kontroverse Gruppen „Entwicklungsland vs. „Wissenschaftler bilden. Die kontroversen Gruppen besprechen nun ihre Argumente, welche ihre Einstellung begründen, danach wird im Ping-Pong-Prinzip diskutiert. Voraussetzung hierfür ist, dass die Lernenden Hilfen zur Argumentfindung erhalten haben und wissen, wie sie ihren Standpunkt effektiv begründen können. Wichtige Argumente werden stichwortartig an die WT notiert Zum Schluss folgt eine abschliessende Abstimmung und ein Feedback zur Diskussionsrunde OV8, Ethik und pädagogisches Handeln Andrea Brügger Dilemmadiskussion Goldener Reis gegen Vitamin – Mangel Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation besteht in über der Hälfte aller Länder – als Beispiele seien hier nur Indien, die Philippinen oder Bangladesh genannt die Problematik, dass sich die Bevölkerung praktisch aussschliesslich von Reis ernährt und diese Menschen deshalb an lebensgefährlichem Vitamin – Mangel leiden. Vor allem bei Kindern kommt es dadurch zu Erblindung und zur Schwächung des Immunsystems – Krankheiten wie Masern können dann tödlich enden. Die WHO geht davon aus, dass weltweit 250 Millionen Kinder im Vorschulalter unter Vitamin – Mangel leiden. Jährlich erblinden dadurch bis zu einer halben Million Kinder, von denen schätzungsweise die Hälfte innerhalb eines Jahres stirbt. Die grüne Gentechnik ermöglicht es nun, transgene Reissorten herzustellen, welche grosse Mengen einer Vorstufe von Vitamin enthalten, das so genannte -Carotin. Beim Verzehr dieses Gentech-Reises wird das -Carotin im menschlichen Körper dann zu Vitamin umgewandelt. Eine solche gentechnisch entwickelte Reissorte ist der so genannte „Golden rice. Würde man diesen Reis in den genannten Ländern anpflanzen, könnte die Problematik der Vitamin – Unterversorgung laut den Wissenschaftlern erfolgreich bekämpft und allein in Indien jährlich 40 000 Menschenleben gerettet werden. Es bestehen allerdings einige Unsicherheiten bezüglich des „Golden rice. Zum einen betreffen diese die ökologische und gesundheitliche Biosicherheit. So ist beispielsweise nicht endgültig geklärt, ob sich die Herbizidresistenz des transgenen Reises nicht auf andere Organismen übertragen könnte und auch mögliche allergische Reaktionen, sowie die Risiken einer Überdosierung und andere Nebenwirkungen beim Verzehr des „Golden rice sind nicht vollständig geklärt. Weiterführende Studien dazu sind sehr aufwändig und zeitraubend da sie meist über mehrere Jahre hinweg durchgeführt werden müssen. Zum anderen befürchten „Golden rice – Gegner, dass hinter dieser Gentech-Pflanze weniger menschliche sondern vielmehr industrielle Bedürfnisse stehen. Kritikpunkt ist hierbei die Rolle des Agromultis Syngenta, welcher die Rechte am „Golden rice besitzt und somit über die Lizenzen zum Anbau in allen Ländern verfügt. Laut den Kritikern wird dadurch eine wirtschaftlich unabhängige Landwirtschaft in den Entwicklungsländern unmöglich gemacht und der „Golden rice dient hauptsächlich dem Profit grosser Unternehmen wie eben Syngenta. Radikale Gentechnik-Gegner wie Greenpeace behaupten sogar, dass der „Golden rice von Anfang an nichts anderes als ein PR-Gag des Agrobusiness war. „Golden rice sei nichts anderes als ein „trojanisches Pferd der Industrie, um auf Kosten von Tausenden hungriger Kinder den indischen Markt für Gentech-Pflanzen zu öffnen, lautet das vernichtende Urteil von Greenpeace Indien. Sollte der „Golden rice trotz aller Unsicherheitsfaktoren schnellstmöglich ausgesät werden um damit die Problematik des Vitamin – Mangels so schnell wie möglich zu entschärfen oder sollte man doch besser noch abwarten? Könnte man alle diese Unsicherheitsfaktoren bezüglich „Golden rice ausschliessen, sollte die Reissorte dann sofort in den Entwicklungsländern angepflanzt werden? Sollte es allgemein erlaubt sein, Grundnahrungsmittel mittels Gentechnik nach Belieben zu verändern, wenn die Absicht dahinter sinnvoll begründet werden kann?