Arbeitsblatt: Der Wolf

Material-Details

Vortrag über den Wolf
Biologie
Tiere
6. Schuljahr
6 Seiten

Statistik

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25.08.2009

Autor/in

Kathrin Eastline
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Steckbrief: Der Wolf ist ein Raubtier von der Familie der Canidae (der hundeartigen). Fachleute (Zoologen, Wildbiologen) nennen den Wolf auf Lateinisch Canis Lupus. Männliche Wölfe werden Rüden genannt. Sie werden durchschnittlich 120cm lang, dazu kommt ein 30 bis 50cm langer Schwanz. Ihre Schulterhöhe beträgt 70 bis 90cm. Weibliche Wölfe heissen Fähen. Sie sind etwas kleiner als die Rüden. Rüden wiegen 43 46kg, Fähen 36 39kg. Der Wolf besitzt 42 Zähne (im Gegensatz zum Menschen mit 32 Zähnen). Er erreicht ein Alter von ca. 17 Jahren in der Natur (in Gefangenschaft bis 20 Jahren). Abstammung und Verwandtschaft: Vor ca. 30 Millionen Jahren kam bereits ein erstes hundeartiges Wesen vor, Hesperocyon genannt. Dieses war ein eher kleines, marderartiges Raubtier. Daraus entwickelte sich ein massiges, grosses, wolfsähnliches Tier, der Tomarctus. Man nimmt an, dass der Tomarctus der Stammvater aller hundeartigen Raubtiere, der sogenannten Caniden, ist. Der Tomarctus lebte vor 5 Millionen Jahren. Zu den Caniden und somit zu den Verwandten des Wolfes gehören auch der Kojote, der Schakal, der afrikanische Wildhund und der Fuchs. Unsere heutigen Haushunde stammen direkt vom Wolf ab. Vorkommen: Früher war der Wolf auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet: In Amerika von Alaska bis Mexiko, in Europa und Asien vom Polarmeer bis nach Indien. In Europa lebt der Grauwolf. Je nach Wolfsart sind Grösse und Gewicht verschieden: Je weiter man nach Norden geht, desto grösser und schwerer sind die Wölfe. Der Wolf kann sich an fast jeden Lebensraum anpassen. Er braucht zum Überleben aber genügend Wasser und Tierarten, von denen er sich ernähren kann. Die Menschen haben diese wunderschönen und intelligenten Tiere beinahe ausgerottet. Heute leben nur noch zwischen ca. 15500 und 1800 Wölfen in Europa. 1 Auf der ganzen Welt gibt es noch knapp 30000 Wölfe, die meisten von ihnen leben in der ehemaligen Sowjetunion. Wie viel Platz Wölfe brauchen, hängt stark davon ab, wie viele Beutetiere in einem Gebiet leben: Gibt es viele Beutetiere, sind die Reviere der Wölfe kleiner. In Italien lebt ein Rudel auf 120 bis 200 km2, in Kanada hingegen leben Wolfsrudel in Revieren, die bis 3000 km2 gross sind. Verhalten: Wölfe leben wie die Menschen im Familienverband (Rudel). Ein typisches Wolfsrudel besteht aus ca. 10 Tieren, selten bis 30. An der Spitze des Rudels stehen zwei erwachsene Wölfe: Die Leitwölfin und der Leitwolf, man nennt sie Alphatiere. Sie haben breite, dunkle Fellpartien am Körper und im Gesicht. Zusammen mit der sind selbstbewussten sie leicht Körperhaltung als Alphawölfe erkennbar. (Alpha ist der 1. Buchstabe des griechischen Alphabets). Unter dem Alphapaar stehen die Betatiere (Beta ist der 2. Buchstabe im griechischem Alphabet), zu diesen gehören die meisten Wölfe des Rudels. Die Omegawölfe befinden sich zuunterst in der Hierarchie, doch sie sind anerkannte Mitglieder des Rudels. Sie sorgen oft dafür, dass nicht gekämpft wird, indem sie sich einmischen und mit ihrem unterwürfigen Verhalten die Spannungen im Rudel entschärfen. Jungtiere und Welpen stehen etwas ausserhalb der Rangordnung. Vor allem die Welpen dürfen als einzige zuerst mit den Alphatieren an der Beute fressen. Nur das Alphapaar hat das Recht, Junge zu bekommen. Auch entscheidet es, wann das Rudel in ein neues Gebiet abwandert und ob neue Wolfsmitglieder aufgenommen werden. Damit das Zusammenleben im Rudel funktioniert, brauchen die Wölfe eine hoch entwickelte Körpersprache. Mit Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Blicken, Winseln und Heulen können sie sich verständigen. Jeder Wolf hat seinen typischen Ruf, so können ihn die anderen gut erkennen. Heulen stärkt den Zusammenhalt im Rudel. Wenn Wölfe heulen, markieren sie damit auch ihr Revier. Welche Aufgabe ein Wolf im Rudel übernimmt, hängt von seinem Charakter ab. Ein guter Beobachter eignet sich besonders zum Aufspüren der Beute. Ein grosser und starker Wolf ist wichtig, um das Rudelrevier zu schützen. 2 Beutefang: Ein erwachsener Wolf frisst etwa 4 kg Fleisch pro Tag. Er kann aber bis zu 9 kg Fleisch aufs Mal verschlingen. Er frisst auf Vorrat, um die Zeit ohne Nahrung zu überstehen. Wölfe haben verschiedene Jagdmethoden, die sie der Grösse der Beute anpassen. Meistens jagen sie grosse Beutetiere: Büffel, Elche, Hirsche, Rehe und Wildschweine, die vor allem alt, schwach oder krank sind. So helfen sie, die Bestände der Beutetiere gesund zu erhalten. Bei der Jagd teilen die Wölfe die Arbeit auf. Während ein Teil des Rudels die Beute aufscheucht, warten die anderen Wölfe im Versteck und schlagen im geeigneten Moment zu. Sie verfolgen ihre Beutetiere nicht über lange Strecken. Oft ist die Jagd für die Wölfe nicht erfolgreich. Fortbewegung: Wölfe legen weite Strecken (bis zu 50 km in einer Nacht) zurück. Sie sind gute Ausdauerläufer. Bei lockerem Trab erreichen sie ca. 8 km/h Bei der Verfolgung eines Beutetieres können bis zu 50 km/h erreicht werden. Sie sind auch sehr gute Schwimmer. Die Wölfe sind sogenannte Zehengänger. Das heisst, sie laufen auf den Zehen und treten nicht mit dem ganzen Fuss auf. In ihrem Pfotenabdruck sind die Krallen und die 4 Zehen zu erkennen. Das Fell: Das Wolfsfell zeigt viele Farbtönungen. Schwarz-weiss, grau- und braungefärbte Haare vermischen sich zu einem Gesamtton, der sich auf Rücken und Rute (Schwanz) verdunkelt. Alte Wölfe sind grauer als jüngere, und ganz schwarz gefärbte Wölfe wurden auch schon beobachtet. Der Wolf besitzt ein Doppelfell, welches aus Deckhaar und Unterfell besteht. Das bis zu 10cm lange Deckhaar bildet eine Art Schirm, der Regenwasser und Schnee wie ein imprägnierter Regenmantel abfliessen lässt. Das dichte Unterfell wärmt den Wolf im Winter, fällt im Frühling aus und wächst viel dünner nach. Im Herbst wächst dem Wolf wiederum eine dichte, wärmende Winterwolle. 3 Fortpflanzung, Entwicklung und Lebenszyklus: Die Paarungszeit der Wölfe liegt zwischen Januar und März. Weibliche Wölfe sind nur einmal im Jahr paarungsbereit. Nach der Paarung graben die Weibchen einen Bau oder suchen sich ein geschütztes Versteck wie eine Baumhöhle oder einen alten Fuchsbau, in welchem sie die Jungen aufziehen werden. Nach einer Tragzeit von 61 bis 63 Tage kommen 3 bis 8 Welpen zur Welt. Sie sind blind und taub. Darum bleiben sie die ersten 8 bis 10 Wochen geschützt im Bau. Bei der Geburt wiegen sie etwa 500 Gramm. Wenn die Welpen nach 10 bis 15 Tagen ihre Äuglein öffnen, lässt die Mutter die anderen Rudelmitglieder zu den Kleinen. Einige von ihnen helfen von jetzt an bei der Aufzucht und der Erziehung der Welpen. Nach gut 6 Wochen werden die Welpen von allen Rudelmitgliedern mit Fleisch gefüttert (Nahrung wird vorgekaut und als Brei hervorgewürgt). Sobald die Jungen laufen können, verlassen sie ab und zu den Bau, um die Umgebung zu erkunden und zu spielen. Diese Zeit wird sie für ihre zukünftige Stellung im Rudel prägen. Die Wolfwelpen wachsen schnell. Bis zum nächsten Winter müssen sie gross und fit genug sein, dem Rudel auf seinen Wanderungen und auf der Jagd zu folgen. Mit etwa zehn Monaten beginnen sich die Jungen an der Jagd zu beteiligen. Die meisten Wölfe bleiben ihr Leben lang bei dem Rudel, in dem sie geboren wurden. Einige verlassen es, weil sie ihre Position im Rudel nicht festigen können oder eine neue Familie gründen wollen, und spielen solange Weltreisende, bis sie in einem neuen Revier einen Gefährten gefunden haben. Die Wahl des richtigen Partners ist sehr wichtig, denn ein Paar bleibt ein Leben lang zusammen. Mit der Geburt der ersten Welpen wird ein neues Rudel gebildet. Ab hier beginnt ein neues Leben in der Gemeinschaft, und der Kreislauf und Lebenszyklus beginnen von vorn. Gebiss: Das Wolfsgebiss besteht aus 42 Zähnen. Die Zähne sind verteilt in: 20 Zähne im Oberkiefer und 22 Zähne im Unterkiefer. Die Fangzähne können bis zu 6,5 cm lang sein! Diese langen scharfen und leicht gekrümmten Zähne erlauben es dem Wolf, sich in seiner Beute zu verbeissen und festzuhalten. Die Fangzähne des Ober, und die des Unterkiefers 4 bilden zusammen das sogenannte Scherengebiss. Dieses kann einen Druck von ca. 15 kg pro cm ausüben. Damit kann der Wolf Knochen zerbeissen Mit den Eck- und Backenzähnen kaut und zerkleinert er zähes Fleisch. Durch ihre selbstschärfende Funktion sind sie dafür sehr gut geeignet. Die grossen Mahlzähne dienen dem Zermalmen von Knochen. Innere Organe: Die meisten inneren Organe des Wolfes sind gleich wie bei einem Schäferhund, nur sein Gehirn ist um ca. 30% grösser als das des Hundes. Für das Überleben in der Wildnis braucht es besser ausgebildete Sinne und Fähigkeiten. Skelett: Die Wirbelsäule des Wolfes besteht aus 7 Halswirbeln, 13 Brustwirbeln, 7 Lendenwirbeln, 3. Kreuzwirbeln (die nach der Geburt zum Kreuzbein verwachsen), und 20-23 Schwanzwirbeln. Das Kopfskelett besteht aus 2 Schädelteilen: Hirnschädel-Knochen und Ansichtsknochen. In seinem geräumigen Brustkorb hat ein leistungsfähiges Herz Platz. Der Wolf besitzt (wie alle anderen Wild- und Haushunde) kein Schlüsselbein, so sind die Tiere wendiger. Da die Brust des Wolfes relativ schmal ist, ist es ihm dadurch möglich, sich im tiefen Schnee schneller fortzubewegen. Beziehung zum Menschen: Über die Domestizierung des Wolfes gibt es verschiedene Theorien: Einige glauben, dass schon die Steinzeitmenschen ihre Jagdtechniken von den Wölfen abgeschaut haben, (Gruppenjagd), und diese zähmten, um sie als Jagd- und Hütehunde einzusetzen. Andere behaupten, dass der Wolf selbst die Nähe der Menschen suchte, um von ihren Abfällen zu profitieren. Klar ist, dass die ersten Wölfe vor ungefähr 1500 Jahren oder schon früher gezähmt wurden und sich langsam durch Kreuzung von speziellen Merkmalen (helles Fell, lange Beine usw.) zu den heutigen Hunderassen entwickelt haben. Heute besitzen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Hunde und leben mit ihnen zusammen, oft als beste Freunde. Der Hund ist bestimmt einer der treusten und anhänglichsten Begleiter des Menschen. Obwohl der Hund den wölfischen Charakter nie abgelegt hat, ist es den meisten von uns und auch den Hunden gelungen, uns gegenseitig zu verstehen und zu respektieren. Nicht gelungen ist es den Menschen, den Wolf als wunderschönes, hochintelligentes und soziales Tier zu schätzen und zu schützen. Der Wolf stellt für den Menschen keine Gefahr dar, 5 und Viehherden können sicher gegen Wolfsangriffe geschützt werden. Trotzdem werden fast überall auf der Welt Wölfe immer noch missverstanden, verfolgt und getötet. Der Wolf in der Schweiz: Vor 200 Jahren war der Wolf in der Schweiz fast ausgerottet. Da die Wölfe in Italien aber seit 1976 geschützt sind, erholte sich der italienische Wolfbestand. Wölfe breiteten sich über Frankreich in die Schweiz aus. 1995 erreichte der erste Wolf das Wallis. Danach tauchten Wölfe im Tessin und im Graubünden auf. Es kommt vor, dass Wölfe Schafe oder Ziegen reissen, die nicht beschützt werden. Bei Gefahr sind die Schafe überfordert und rennen aufgeregt durcheinander. Wildtiere würden sofort flüchten, die Schafe nicht. Der Wolf beisst dann aus Jagdinstinkt immer wieder zu. Leider sind viele Nutztierhalter bei uns nicht bereit, spezielle Schutzmassnahmen wie Hütehunde einzusetzen oder Zäune aufzustellen, um ihre Herden vor den Wölfen zu schützen. Dabei hat Italien gezeigt, dass man seit Jahrhunderten in Frieden mit dem Wolf leben kann. Dort haben die Raubtiere gelernt, dem Menschen geschickt auszuweichen, und die Italiener haben den Willen gehabt, ihre Herden mit geeigneten Massnahmen zu schützen. Eigentlich hätten wir in unseren Alpen genug Lebensraum für etwa 100 Wölfe. Doch in der Schweiz wird fast jeder Wolf, der zu uns einwandert, abgeschossen. Wird die Schweiz den Wolf ein zweites Mal ausrotten? 6 7