Arbeitsblatt: Märchen Werkstatt 10

Material-Details

Die weisse Schlange
Deutsch
Anderes Thema
8. Schuljahr
5 Seiten

Statistik

44712
313
9
25.08.2009

Autor/in

Rudi Ruppen
Unnerdorf 10
3940 Steg

Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Deutsch Blatt 10 Die weisse Schlange Märchen Name: Datum:_ Es ist nun schon lange her, da lebte ein König, dessen Weisheit im ganzen Lande berühmt war. Nichts blieb ihm unbekannt, und es war, als ob ihm Nachricht von den verborgensten Dingen durch die Luft zugetragen würde. Er hatte aber eine seltsame Sitte. Jeden Mittag, wenn von der Tafel alles abgetragen und niemand mehr zugegen war, musste ein vertrauter Diener noch eine Schüssel bringen. Sie war aber zugedeckt, und der Diener wusste selbst nicht, was darin lag, und kein Mensch wusste es, denn der König deckte sie nicht eher auf und ass nicht davon, bis er ganz allein war. Das hatte schon lange Zeit gedauert, da überkam eines Tages den Diener, der die Schüssel wieder wegtrug, die Neugierde, dass er nicht widerstehen konnte, sondern die Schüssel in seine Kammer brachte. Als er die Tür sorgfältig verschlossen hatte, hob er den Deckel auf, und da sah er, dass eine weisse Schlange darin lag. Bei ihrem Anblick konnte er die Lust nicht zurückhalten, sie zu kosten; er schnitt ein Stückchen davon ab und steckte es in den Mund. Kaum aber hatte es seine Zunge berührt, so hörte er vor seinem Fenster ein seltsames Gewisper von feinen Stimmen. Er ging und horchte, da merkte er, dass es die Sperlinge waren, die miteinander sprachen und sich allerlei erzählten, was sie im Felde und Walde gesehen hatten. Der Genuss der Schlange hatte ihm die Fähigkeit verliehen, die Sprache der Tiere zu verstehen. Nun trug es sich zu, dass gerade an diesem Tage der Königin ihr schönster Ring fortkam und auf den vertrauten Diener, der überall Zugang hatte, der Verdacht fiel, er habe ihn gestohlen. Der König liess ihn vor sich kommen und drohte ihm unter heftigen Scheltworten, wenn er bis morgen den Täter nicht zu nennen wusste, so sollte er dafür angesehen und gerichtet werden. Es half nicht, dass er seine Unschuld beteuerte, er ward mit keinem bessern Bescheid entlassen. In seiner Unruhe und Angst ging er hinab auf den Hof und bedachte, wie er sich aus seiner Not helfen könne. Da sassen die Enten an einem fliessenden Wasser friedlich nebeneinander und ruhten, sie putzten sich mit ihren Schnäbeln glatt und hielten ein vertrauliches Gespräch. Der Diener blieb stehen und hörte ihnen zu. Sie erzählten sich, wo sie heute Morgen alle herumgewackelt wären und was für gutes Futter sie gefunden hätten, da sagte eine verdriesslich: Mir liegt etwas schwer im Magen, ich habe einen Ring, der unter der Königin Fenster lag, in der Hast mit hinuntergeschluckt. Da packte sie der Diener gleich beim Kragen, trug sie in die Küche und sprach zum Koch: Schlachte doch diese ab, sie ist wohlgenährt. Ja, sagte der Koch, und wog sie in der Hand, die hat keine Mühe gescheut, sich zu mästen, und schon lange darauf gewartet, gebraten zu werden. Er schnitt ihr den Hals ab, und als sie ausgenommen ward, fand sich der Ring der Königin in ihrem Magen. Der Diener konnte nun leicht vor dem König seine Unschuld beweisen, und da dieser sein Unrecht wieder gutmachen wollte, erlaubte er ihm, sich eine Gnade auszubitten, und versprach ihm die grösste Ehrenstelle, die er sich an seinem Hofe wünschte. Der Diener schlug alles aus und bat nur um ein Pferd und Reisegeld, denn er hatte Lust, die Welt zu sehen und eine Weile darin herumzuziehen. Als seine Bitte erfüllt war, machte er sich auf den Weg und kam eines Tags an einem Teich vorbei, wo er drei Fische bemerkte, die sich im Rohr gefangen hatten und nach Wasser schnappten. Obgleich man sagt, die Fische wären stumm, so vernahm er doch ihre Klage, dass sie so elend umkommen müssten. Weil er ein mitleidiges Herz hatte, so stieg er vom Pferde ab und setzte die drei Gefangenen wieder ins Wasser. Sie zappelten vor Freude, streckten die Köpfe heraus und riefen ihm zu: Wir wollen dir gedenken und dir vergelten, dass du uns errettet hast! Er ritt weiter, und nach einem Weilchen kam es ihm vor, als hörte er zu seinen Füssen in dem Sand eine Stimme. Er horchte und vernahm, wie ein Ameisenkönig klagte: Wenn uns nur die Menschen mit den ungeschickten Tieren vom Leib blieben! Da tritt mir das dumme Pferd mit seinen schweren Hufen meine Leute ohne Barmherzigkeit nieder! Er lenkte auf einen Seitenweg ein, und der Ameisenkönig rief ihm zu: Wir wollen dir gedenken und dir vergelten. Der Weg führte in einen Wald, und da sah er einen Rabenvater und eine Rabenmutter, die standen bei ihrem Nest und warfen ihre Jungen heraus. Fort mit euch, ihr Galgenschwengel, riefen sie, wir können euch nicht mehr satt machen, ihr seid gross genug und könnt euch selbst ernähren. Die armen Jungen lagen auf der Erde, flatterten und schlugen mit ihren Fittichen und schrien: Wir hilflosen Kinder, wir sollen uns selbst ernähren und können noch nicht fliegen! Was bleibt uns übrig, als hier Hungers zu sterben! Da stieg der gute Jüngling ab, tötete das Pferd mit seinem Degen und überliess es den jungen Raben zum Futter. Die kamen herbeigehüpft, sättigten sich und riefen: Wir wollen dir gedenken und dir vergelten! 1 Er musste jetzt seine eigenen Beine gebrauchen, und als er lange Wege gegangen war, kam er in eine grosse Stadt. Da war grosser Lärm und Gedränge in den Strassen, und kam einer zu Pferde und machte bekannt, die Königstochter suche einen Gemahl, wer sich aber um sie bewerben wolle, der müsse eine schwere Aufgabe vollbringen, und könne er sie nicht glücklich ausführen, so habe er sein Leben verwirkt. Viele hatten es schon versucht, aber vergeblich ihr Leben darangesetzt. Der Jüngling, als er die Königstochter sah, ward er von ihrer grossen Schönheit so verblendet, dass er alle Gefahr vergass, vor den König trat und sich als Freier meldete. Alsbald ward er hinaus ans Meer geführt und vor seinen Augen ein goldener Ring hineingeworfen. Dann hiess ihn der König diesen Ring aus dem Meeresgrund wieder hervorzuholen und fügte hinzu: Wenn du ohne ihn wieder in die Höhe kommst, so wirst du immer aufs neue hinabgestürzt, bis du in den Wellen umkommst. Alle bedauerten den schönen Jüngling und liessen ihn dann einsam am Meere zurück. Er stand am Ufer und überlegte, was er wohl tun solle. Da sah er auf einmal drei Fische daherschwimmen, und es waren keine andern als jene, welchen er das Leben gerettet hatte. Der mittelste hielt eine Muschel im Munde, die er an den Strand zu den Füssen des Jünglings hinlegte, und als dieser sie aufhob und öffnete, so lag der Goldring darin. Voll Freude brachte er ihn dem König und erwartete, dass er ihm den verheissenen Lohn gewähren würde. Die stolze Königstochter aber, als sie vernahm, dass er ihr nicht ebenbürtig war, verschmähte ihn und verlangte, er sollte zuvor eine zweite Aufgabe lösen. Sie ging hinab in den Garten und streute selbst zehn Säcke voll Hirsen ins Gras. Die muss er morgen, eh die Sonne hervorkommt, aufgelesen haben, sprach sie, und darf kein Körnchen fehlen. Der Jüngling setzte sich in den Garten und dachte nach, wie es möglich wäre, die Aufgabe zu lösen; aber er konnte nichts ersinnen, sass da ganz traurig und erwartete bei Anbruch des Morgens zum Tode geführt zu werden. Als aber die ersten Sonnenstrahlen in den Garten fielen, so sah er die zehn Säcke alle wohl gefüllt nebeneinander stehen, und kein Körnchen fehlte darin. Der Ameisenkönig war mit seinen tausend und tausend Ameisen in der Nacht angekommen, und die dankbaren Tiere hatten den Hirsen mit grosser Emsigkeit aufgelesen und in die Säcke gesammelt. Die Königstochter kam selbst in den Garten herab und sah mit Verwunderung, dass der Jüngling vollbracht hatte, was ihm aufgegeben war. Aber sie konnte ihr stolzes Herz noch nicht bezwingen und sprach: Hat er auch die beiden Aufgaben gelöst, so soll er doch nicht eher mein Gemahl werden, bis er mir einen Apfel vom Baume des Lebens gebracht hat. Der Jüngling wusste nicht, wo der Baum des Lebens stand, er machte sich auf und wollte immerzu gehen, so lange ihn seine Beine trügen, aber er hatte keine Hoffnung, ihn zu finden. Als er schon durch drei Königreiche gewandert war und abends in einen Wald kam, setzte er sich unter einen Baum und wollte schlafen; da hörte er in den Ästen ein Geräusch, und ein goldener Apfel fiel in seine Hand. Zugleich flogen drei Raben zu ihm herab, setzten sich auf seine Knie und sagten: Wir sind die drei jungen Raben, die du vom Hungertod errettet hast; als wir gross geworden waren und hörten, dass du den goldenen Apfel suchtest, so sind wir über das Meer geflogen bis ans Ende der Welt, wo der Baum des Lebens steht, und haben dir den Apfel geholt. Voll Freude machte sich der Jüngling auf den Heimweg und brachte der schönen Königstochter den goldenen Apfel, der nun keine Ausrede mehr übrigblieb. Sie teilten den Apfel des Lebens und assen ihn zusammen; da ward ihr Herz mit Liebe zu ihm erfüllt, und sie erreichten in ungestörtem Glück ein hohes Alter. 2 Deutsch Blatt 10 Die weisse Schlange Textverständnis Name: Datum:_ Note: Lernziele 1. Der Schüler erweitert anhand des Märchens Die weisse Schlange seinen Wortschatz. Er soll im Text Die weisse Schlange die typischen Merkmale eines Märchens nachweisen können. Er kann aus dem Text eine Lehre ziehen. Er soll die Symbole dieses Märchens erkennen. 2. 3. 4. Aufgaben 1. Lies den Text aufmerksam durch. 2. Erkläre kurz die Bedeutung der unterstrichenen Begriffe. [Wörterbuch] a) Jeden Mittag, wenn alles von der Tafel abgetragen b) und niemand mehr zugegen war, c) Der Genuss der Schlange hatte ihm die Fähigkeit d) „Ja, sagte der Koch, die hat keine Mühe gescheut, sich zu mästen. e) „Wir wollen dirs gedenken f) und dirs vergelten. g) und könnte er es nicht ausführen, so hätte er sein Leben verwirkt. h) Viele hatten es schon versucht, aber vergeblich ihr Leben daran gesetzt. 3. Gib die Bedeutung der unterstrichenen Begriffe mit einem anderen Wort wieder. [Duden] a) die Schüssel in seine Kammer brachte. b) drohte ihm unter heftigen Scheltworten, c) , er war mit keinem besseren Bescheid entlassen. d) und schlugen mit ihrem Fittichen und schrien: e) Die Königstochter suche einen Gemahl. 3 4. f) und sich als Freier meldete. g) Die stolze Königstochter aber verschmähte ihn. Erkläre folgende Begriffe! a) Was tun die Rabeneltern mit ihren Jungen? b) Den Ausdruck Rabeneltern (Rabenvater, Rabenmutter) braucht man auch für Menschen. Was meint man damit? c) Du kennst nun den Begriff Fittiche. Was heisst aber im übertragenen Sinn jemanden unter seine Fittiche nehmen? d) Die Schlange steht oft als Symbol für das Böse, für Verführung. Die weisse Schlange steht hier für etwas anderes. Was symbolisiert sie? e) Der goldene Apfel symbolisiert ? 5. Formuliere die Lehre, die sich aus diesem Märchen ziehen lässt. 6. Nenne die Merkmale des typischen Märchens, die auch im Text Die weisse Schlange vorkommen. Nenne mindestens 4 Total: 25 4 Die weisse Schlange 2. a) b) c) d) e) f) g) h) vom Tisch abgeräumt niemand mehr da (im Raum) war das Verspeisen des Schlangenfleisches sie hat sehr viel/ständig gefressen deine gute Tat nicht vergessen, daran denken dich dafür belohnen so hätte er sein Leben verloren nutzlos ihr Leben riskiert 3. a) b) Zimmer Schimpfworten 4. a) b) c) d) e) Sie werfen die Jungen aus dem Nest und überlassen sie ihrem Schicksal. Dieser Ausdruck gilt Eltern, die schlecht/nicht für ihre Kinder sorgen, sie grob behandeln. sich um jemanden kümmern Weisheit Symbol für Glück, Liebe, Reichtum 5. Wer Gutes tut, wird belohnt. Wer einem andern hilft, dem wird auch geholfen. 6. Vorhandene Merkmale: 1. Der Diener kann die Tiere sprechen hören, sie helfen ihm. 2. Es ist schon lange her, (keine genaue Zeit), . da lebte im Lande. (kein genauer Ort). 3. Durch die Wunderkraft aus dem Genuss des Schlangenfleisches kann der Diener die Gespräche der Tiere verstehen. 4. drei Fische, drei Raben 6. Tiere können sprechen wie Menschen, sie helfen dem Diener. 8. Der Diener darf sich vom König etwas wünschen. 9. Der Diener hilft den Tieren, dafür vollbringen sie für ihn bermenschliche Taten. 10. Die Königstochter heiratet den Diener; 11. Weisse Schlange als Sinnbild für Weisheit; goldener Apfel als Symbol für die Liebe, das Glück. 12. Der Diener ist mehrmals vom Tode bedroht, am Schluss gewinnt er die Königstochter und wird mit ihr glücklich. 13. Der Diener hilft den Tieren, die ihm die guten Taten vergelten. Die Gans verschluckte in ihrer Gier den Ring und landete deswegen im Kochtopf. 14. siehe 13 1. Teil; mögliche aktuelle Interpretation: Tragen wir Sorge zur Umwelt, sie wird es uns lohnen. c) Antwort d) Flügel e) f) Ehemann Bräutigam g) ablehnen 5