Arbeitsblatt: Märchen Werkstatt 11

Material-Details

Die Geiss und die sieben Wölflein
Deutsch
Anderes Thema
8. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

44713
409
12
25.08.2009

Autor/in

Rudi Ruppen
Unnerdorf 10
3940 Steg

Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Deutsch Die Geiss und die sieben Wölflein Name: Blatt 11 Iring Fetcher Märchen Datum:_ Es war einmal eine glückliche und zufriedene Wolfsfamilie; Vater Wolf, Mutter Wolf und sieben kleine Wolfskinder, die als Siebenlinge zur Welt gekommen waren und noch nicht allein in den Wald gehen durften. Eines Tages, als Vater Wolf schon auf Arbeit gegangen war, sagte Mutter Wolf zu ihren Kindern: »Kinder, ich muss heute zum Bettenhaus ›Moos und Flechte‹ gehen, um für euch neue Betten zu kaufen, denn die alten sind ganz durchgelegen und nicht mehr bequem, von anderen Mängeln ganz zu schweigen. Seid schön brav und geht nicht aus der Höhle, während ich weg bin, man weiss nie, wer durch den Wald kommt; Jäger, Polizisten, Soldaten oder andere bewaffnete Leute, die es mit jungen Wölfen nicht gut meinen. Gegen Mittag werde ich wiederkommen und allen, die brav gewesen sind, etwas Schönes mitbringen. « »Ja, ja, natürlich, natürlich«, antworteten die sieben kleinen Wölflein ungeduldig, denn sie wollten, dass die Mutter endlich gehen sollte, damit sie ungestört toben und Moosschlachten veranstalten konnten. Sobald die Mutter Wolf gegangen war, begannen die kleinen Wölflein ausgelassen zu spielen. Als aber vielleicht eine Stunde vergangen war, scharrte es am Höhleneingang, und eine Stimme rief. »Kommt heraus, ihr lieben Kinderchen, eure Mama ist wieder da und hat jedem etwas Feines mitgebracht. Kommt nur schnell, damit ihr es an der hellen Sonne auch gut sehen könnt. « Aber, während sie dies sagte, klang die Stimme so scheppernd und meckernd, dass die Wölflein laut riefen: »Nein, wir kommen nicht heraus, – du bist nicht unsere Mama, du bist die alte Meckerziege! Unsere Mama hat eine tiefe, schöne Stimme! « Da ärgerte sich die böse Geiss und überlegte, wie sie es anstellen sollte, dass ihre Stimme so tief und wohltönend würde wie die von Mama Wolf. In ihrer Ratlosigkeit ging sie – wie das viele Tiere im Walde tun – zu einem alten Uhu, der überall als das weiseste Tier bekannt war. »Lieber Uhu«, sagte die Geiss, »wie kann ich es nur anstellen, dass meine Stimme so tief und wohltönend wird wie die einer Wolfsmutter? « Der alte Uhu legte den Kopf auf die Seite und dachte einen Augenblick nach, dann sagte er: »Am besten wird es sein, wenn du bei mir Gesangunterricht nimmst, aber ich kann nicht umsonst machen. « »Das lass nur meine Sorge sein«, meinte die Geiss, »du kannst von mir einen Liter feinster, vollfetter Ziegenmilch haben, aus der man echten Ziegenkäse machen kann. « »Ein Liter ist nicht genug«, meinte der alte Uhu, »aber für zwei will ich wohl machen. « »Nun gut«, meinte die Geiss, »wenn du dir unbedingt den Magen mit so viel Käse verderben willst, sollen es meinetwegen auch zwei Liter sein«, und sie begannen die Gesangstunde. Der alte Uhu aber war ein so guter Lehrer und die Geiss wegen ihres Interesses an der Täuschung der Wolfskinder eine so aufmerksame Schülerin, dass sie in einer halben Stunde eine schöne, tiefe Bassstimme bekam, mit der sie in jedem Kirchenchor hätte auftreten können. Nachdem sie den Uhu bezahlt hatte, ging sie zurück zu der Höhle der kleinen Wölfe. Abermals rief sie: »Kommt heraus, ihr lieben Kinderchen, eure Mama ist wieder da und hat jedem etwas Feines mitgebracht. Kommt nur schnell, damit ihr es an der hellen Sonne auch gut sehen könnt. « Und diesmal klang die Stimme so tief und schön, dass die kleinen Wölflein vollkommen getäuscht wurden und blinzelnden Auges hinausliefen in die strahlende Vormittagssonne. Kaum aber waren sie draussen, da wurden sie auch schon von der bösen Geiss auf die Hörner genommen und hoch hinauf in einen Tannenbaum geschleudert, an dessen Zweigen sie sich ängstlich festhielten, denn Wölfe können, wie ihr wisst, nicht klettern. Der Ausgang der Wolfshöhle war so klein, dass immer nur ein Wölflein auf einmal hinaus konnte, und da die anderen nachdrängten, konnten die vordersten auch nicht mehr zurück, als sie erkannt hatten, wer draussen stand. Nur das letzte und schwächste Wölflein, hinter dem niemand mehr drängte, konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, ehe die Geiss es gesehen hatte. Die Geiss aber, die immer schlecht im Rechnen gewesen war, glaubte schon, alle sieben Wölflein in die Tannenäste hinaufgeschleudert zu haben, und zog tief befriedigt ab. Wenn ihr mich fragen würdet, warum die Geiss überhaupt so böse auf die kleinen Wölfe war, so könnte ich nur sagen, dass sie den Wölfen das freie, ungezwungene Waldleben missgönnte und – genau wie ihre Besitzer, deren Haltung sie mit der Zeit angenommen hatte – allem, was von der bürgerlichen Lebensweise abwich, mit neidischem Hass begegnete. Genau genommen war es also gar nicht ihr eigener Hass, sondern der Hass der kleinbürgerlichen Ziegenbesitzer, der sich in ihr äusserte. Man hatte ihr diesen Hass auf alles Freie in jahrelanger Stallzucht eingeprügelt, und nun liess sie ihn natürlich an den Schwächsten – den Wolfs- und anderen Kindern – aus. Als Mama Wolf endlich, bepackt mit schönem, tiefen Betten-Moos, nach Hause kam. rief sie ihre Kleinen, aber nur ein einziges Wölflein kam aus der Höhle und erzählte ihr, was vorgefallen war. Bald hörte sie auch von den Tannenzweigen über sich das sechsstimmige Weinen der kleinen Wölfe, die schon ganz schwach waren vom langen Festhalten, Sie riefen: »Bitte, bitte, liebe Mama, hol uns herunter. « Aber natürlich konnte Mama Wolf auch nicht klettern, und genau so wenig Papa Wolf, der ohnehin nicht vor Abend zurückerwartet wurde. Da ging Mama Wolf in die Nachbarhöhle, in der ein alter Kletterbär schlief, weckte ihn und bat um Hilfe. Der alte Kletterbär wurde mitten aus seinen schönsten Honigträumen gerissen. Da er aber ein gutmütiger und obendrein vegetarisch lebender Bursche war, machte er sich sofort auf und holte die sechs kleinen Wölfe im Nu vom Baum herunter. War das eine Freude! Vor lauter Aufregung vergass Mama Wolf sogar, mit ihren Kindern zu schimpfen. Als aber am Abend Papa Wolf nach Hause kam und von dem Vorfall hörte, wurde er sehr zornig und sagte böse knurrend: »Na warte, der Geiss werde ich heimzahlen! « Vergeblich suchte Mama Wolf, ihn zu beruhigen. Am nächsten Morgen zog Papa Wolf zum Ziegenstall und zahlte Mama Geiss mit gleicher Münze heim. Auftrag 1: Auftrag 2: Auftrag 3: Lies die Geschichte gut durch. Erkläre mit Hilfe des Dudens die folgenden Wörter. Vergleiche Text und Bild. Was stimmt nicht? Wörter: 1. Mängeln, Mangel 2. ausgelassen: 3. scharrte: 4. scheppernd: 5. wohltönend: 6. getäuscht: 7. missgönnte: 8. kleinbürgerlich: 9. gutmütig: 10. obendrein: 11. vegetarisch: 12. im Nu: 13. Vorfall: 14. heimzahlen: 15. zahlte Mama Geiss mit gleicher Münze heim. Verbesserungen: Lösungen: Wörter: 1. Mängeln, Mangel Makel, Fehler, Schwäche, 2. ausgelassen: ungezwungen, unbesonnen, 3. scharrte: kratzte, grub, 4. scheppernd: klappernd, klirrend, krachend, 5. wohl tönend: schön klingend, klangvoll, 6. getäuscht: geprellt, übervorteilt, 7. missgönnte: vergönnen, neidisch sein, 8. kleinbürgerlich: spiessbürgerlich, schlicht, bieder, bürgerlich, 9. gutmütig: freundlich, gefällig, leutselig, 10. obendrein: ausserdem, überdies, desgleichen darüber, 11. vegetarisch: fleischlos, pflanzlich, 12. im Nu: 13. Vorfall: Ereignis, Umstand, 14. heimzahlen: vergelten, rächen zurückzahlen, 15. zahlte Mama Geiss mit gleicher Münze heim. sofort, direkt, Hat sich an Mama Geiss gerächt, indem sie ihr dasselbe angetan hat.