Arbeitsblatt: Kindersoldat/innen
Material-Details
Informativer Text zum Thema Kindersoldat/innen und Aussagen von solchen
Geschichte
Neuzeit
9. Schuljahr
5 Seiten
Statistik
51749
475
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04.01.2010
Autor/in
Sarah Hauswirth
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Kinder im Krieg ein Überblick KindersoldatInnen weltweit «Als sie in unser Dorf kamen, fragten sie meinen älteren Bruder, ob er bereit sei, der Rebellengruppe beizutreten. Er war erst 17Jahre alt und sagte nein. Daraufhin erschossen sie ihn und fragten mich. Was hätte ich machen sollen, ich wollte nicht sterben.» Das Schicksal dieses dreizehnjährigen Jungen aus der Demokratischen Republik Kongo teilen weltweit Tausende von Kindern. Auf der ganzen Welt werden über 250 00 Kinder in rund 20 bewaffneten Konflikten eingesetzt, entweder als Angehörige regulärer Streitkräfte oder als Mitglieder von bewaffneten Gruppen. Am meisten KindersoldatInnen gibt es in Afrika und in Asien. Alleine in Myanmar (Burma) stehen Zehntausende von Kinder im Dienste der Armee. In ganz Afrika dienen mehr als 100 00 Kinder unter 18 Jahren in bewaffneten Konflikten. Die meisten Kriege, in denen heute Kinder eingesetzt werden, finden in Asien statt. Manche Regierungen und bewaffnete Gruppen geben an, dass sie Kinder einsetzen, um einen Mangel an erwachsenen Soldaten auszugleichen. In Tat und Wahrheit werden Jungen und Mädchen als SoldatInnen missbraucht denn sie sind billig, «entbehrlich», leichter zu Gehorsam zu erziehen und leichter zu manipulieren als Erwachsene. «Kinderleichte» Waffen Die meisten KindersoldatInnen sind zwischen 15 und 18 Jahre alt, einige werden aber schon als Sechsjährige rekrutiert. Dank der unkontrollierten Verbreitung von «kinderleichten» Kleinwaffen können schon die Jüngsten in Kriegen eingesetzt werden. Viele von ihnen werden zum Kriegsdienst gezwungen. Andere schliessen sich bewaffneten Gruppen an, nachdem sie Zeugen oder Opfer staatlicher Übergriffe wurden. Manche befinden sich in einer so ausweglosen Situation, dass sie sich freiwillig für den bewaffneten Kampf melden. Sie hoffen auch, mit dem Sold ihre Not leidenden Angehörigen ernähren zu können. Viele Mädchen schliessen sich den Truppen an, um einer Zwangsheirat oder dem Schicksal als Sklavin der eigenen Familie zu entkommen. Opfer von Misshandlungen und Vergewaltigungen KindersoldatInnen opfern ihre Kindheit für das politische oder militärische Weiterkommen ihrer Anführer. Viele dieser Kinder und Jugendlichen müssen an vorderster Front kämpfen und töten. Andere werden als Minenlegerinnen, Spione, Botinnen, Träger, Köchinnen, Diener oder Sexsklavinnen missbraucht. Körperliche Misshandlungen und Vergewaltigungen sind weit verbreitet. Die Kinder werden gezwungen, zu töten und schlimmste Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Die Zahl der Opfer ist unter KindersoldatInnen besonders hoch, weil sie unerfahren, unerschrocken und ungeübt sind. Oft werden sie für besonders gefährliche Einsätze herangezogen, wie z.B. das Auskundschaften der feindlichen Linien oder das Auslegen von Landminen. Und sie werden mit Alkohol und anderen Drogen vollgepumpt, um über die Angst vor dem Kampf hinwegzukommen. Schwierige Rückkehr ins zivile Leben Zahllose Kinder werden in bewaffneten Auseinandersetzungen verletzt, verstümmelt, zu Waisen gemacht oder gar getötet. Auch wenn Jugendliche körperlich unversehrt aus den Bürgerkriegen zurückkommen, ist ihre Kindheit zerstört. Die demobilisierten KindersoldatInnen sind meistens schwer traumatisiert und haben es schwer, ins zivile Leben zurückzukehren. Sie sind besonders verletzlich, weil sie keine andere Lebensweise als die Kultur der Waffengewalt kennen gelernt haben. Sie fühlen sich entfremdet von der Gesellschaft und sind für einen Neuanfang schlecht gerüstet. Die Gefahr eines Rückfalls ist gross. Oft können sie nicht mehr in ihr Dorf zurück, weil sie von der Familie verstossen wurden. Stimmen von Kindersoldat/innen Afrika «Ich bereue sehr, was ich getan habe. Ich komme nicht darüber hinweg, dass ich andere Menschen getötet habe. Wenn ich nach Hause zurückkehre, werde ich Riten machen, um mich von meiner Schuld zu reinigen. Ich träume noch immer von dem Jungen aus meinem Dorf, den ich umgebracht habe. Ich sehe ihn in meinen Träumen, er spricht zu mir und sagt mir, dass ich ihn umsonst getötet habe, und ich weine. » 16jähriges Mädchen nach der Demobilsierung (Quelle: U.S. State Departement Bericht 2005) «Als sie in unser Dorf kamen, fragten sie meinen älteren Bruder, ob er bereit sei, der Rebellengruppe beizutreten. Er war erst siebzehn Jahre alt und sagte nein. Daraufhin schossen sie ihm in den Kopf und fragten mich, ob ich bereit sei mitzukommen. Was hätte ich machen sollen – ich wollte nicht sterben» Ehemaliger Kindersoldat, der mit 13 Jahren rekrutiert wurde (Quelle: BBC) «Sie gaben mir eine Uniform und sagten mir, dass ich jetzt in der Armee sei. Sie gaben mir sogar einen neuen Namen: Pisko. Sie sagten mir, dass sie zurückkommen und meine Eltern töten würden, wenn ich nicht gehorche.» Ausschnitt aus einem Interview mit einem ehemaligen Kindersoldaten (2006) «Ich war neu und konnte die schwierigen Übungen nicht, die wir hätten machen sollen. Deshalb wurde ich jeden Morgen geschlagen. Zwei meiner Freunde starben wegen dieser Schläge. Die Soldaten verscharrten sie in der Latrine. Ich denke noch immer an sie.» Interview mit einem ehemaligen Kindersoldaten (2002) «Ich trat der SPLA (Sudan People Liberation Army) bei als ich 13 Jahre alt war. Sie demobilisierten mich 2001 und brachten mich nach Rumbek, doch sie gaben mir keine Bestätigung, dass ich demobilisiert wurde. Nun kann ich nicht mehr weg von hier, weil meine Eltern bei einem Regierungsangriff umgebracht wurden und weil die SPLA mich wieder einziehen will. Manchmal frage ich mich, warum ich nicht zur SPLA zurückkehre. Fast die Hälfte meiner Freunde haben das getan und es geht ihnen besser als mir». Interview mit einem ehemaligen Kindersoldaten im Südsudan (2004) «Als meine Brüder und ich von der LRA (Lord Resistance Army) gefangen wurden, erzählten sie uns, dass wir nicht alle bei der LRA dienen konnten, weil wir so nicht gut kämpfen würden. Sie ketteten unsere beiden jüngeren Brüder an und zwangen uns, dabei zuzusehen. Dann schlugen sie sie mit Stöcken, bis einer von ihnen starb. Sie sagten uns, dass uns das Kraft geben würde für den Kampf. Mein jüngster Bruder war damals neun Jahre alt.» Ehemaliger Kindersoldat, 13Jährig «Niemand bewachte unsere Schlafräume und wir wurden jede Nacht vergewaltigt. Die Männer und Jungen kamen, wenn es schon dunkel war und vergewaltigten uns sie lagen auf uns, ohne dass wir wussten, wer es war. Wenn wir danach weinten, schlugen sie uns mit einem Gartenschlauch. Wir hatte so grosse Angst, dass wir niemandem von den Vergewaltigungen erzählten. Das jüngste Mädchen in unserer Gruppe war elf Jahre alt und wurde regelmässig vergewaltigt» 19jähriges Mädchen über ihre Erfahrungen in einem nationalen MilitärtrainingsCamp Asien «.wenn einer von uns versuchte, davonzulaufen, wurde er an den Händen und Füssen mit einem Stock geschlagen und angekettet und wieder und wieder geschlagen und gestossen und schliesslich eingesperrt.» Kindersoldat, mit 13 Jahren von der Regierungsarmee zwangsrekrutiert wurde (2003) «Ich rannte davon (zu einer bewaffneten Gruppe), um vor meiner Zwangsheirat zu fliehen.» Kindersoldatin in Sri Lanka Wir wurden unter Drogen gesetzt, um auf dem Schlachtfeld vorzurücken. Wir haben nicht gewusst, was für Drogen oder Alkohol sie uns gegeben haben, aber wir haben davon getrunken, weil wir müde, sehr durstig und hungrig waren. Wir sind zwei ganze Tage in der brennenden Sonne marschiert. Auf dem Hügel [dem Schlachtfeld] gab es keinen Schatten. Die Bäume waren verbrannt und Granaten explodierten überall um uns herum. Wir hatten solche Angst, waren so durstig. Einige von uns sind vor Übermüdung umgefal len. Aber wir wurden von hinten [von unseren Offizieren] geschlagen, um vorzurücken. Einer von uns wurde getötet. Myo Win, Kindersoldat Asien (2003) Europa «Russland hat uns zu Vieh gemacht. Es treibt unsere Jugend in die Arme des Erstbesten, der vorbeikommt und sagt komm mit uns.» Mutter eines Kindersoldaten in Tschetschenien Lateinamerika «Sie geben dir eine Waffe und du musst deinen besten Freund umbringen. Das machen sie, um zu sehen, ob sie dir trauen können. Wenn du ihn nicht tötest, befehlen sie deinem Freund, Dich zu töten. Ich musste es tun, sonst wäre ich umgebracht worden. Deshalb verliess ich die Paramilitärs. Ich hielt es nicht länger aus.» 17jähriger Junge und ehemaliges Strassenkind, der als Kindersoldat bei den Paramilitärs kämpfte. Er trat den bewaffneten Truppen bei, als er sieben Jahre alt war. «Ich ging zur Guerilla, um wegzukommen von meinem Leben . ich dachte, dass ich dort Geld verdienen würde und unabhängig bin.» 17jähriges Mädchen, die als Kindersoldatin bei einer GuerillaGruppierung in Kolumbien kämpft (2002) Naher Osten «Ich ging zur MahdArmee, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Letzte Nacht habe ich ein Raketengeschoss gegen einen Panzer geworfen.» 12jähriger Junge im Irak (2004) «Ich wurde am 18. März 2003 festgenommen . wir kamen in einen sehr kleinen Raum mit elf Leuten . wir durften die Toilette nur dreimal am Tag zu ganz bestimmten Zeiten benutzen. Einmal pro Woche durften wir für eine halbe Stunde Pause machen. Die Gefängniswärter zwangen uns in die habeh Position (Foltermethode): Sie banden unsere Hände und ein Bein hoch und zwangen uns, so die Wand anzustarren.» 15jähriger Junge, der von Israelischen Truppen gefangen genommen wurde, (2003) Ein Junge hat versucht zu flüchten, aber sie haben ihn wieder eingefangen. Sie haben uns gezwungen, ihn mit Stöcken zu erschlagen. Ich habe mich geweigert, ihn zu töten, und sie haben mir gesagt, sie würden mich erschießen. Sie haben eine Waffe auf mich gerichtet und ich musste es tun. Sie haben uns gezwungen, uns sein Blut auf die Arme zu schmieren. Sie haben gesagt, wir müssten das machen und dann würden wir uns vor dem Tod nicht mehr fürchten. 12jähriges Mädchen, Irak (2004)