Arbeitsblatt: Interviews Kindersoldat/innen

Material-Details

Aussagen in Form von Interviews von Kindersoldat/innen
Geschichte
Neuzeit
9. Schuljahr
4 Seiten

Statistik

51750
224
3
04.01.2010

Autor/in

Sarah Hauswirth
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

„Ich will zurück. nicht mehr Wie heisst du? Mein Name ist Hitler Killer, aber mein echter Name ist Abraham. Warum heisst du Hitler Killer? Das ist mein Kämpfername, ein Name, den sie mir im Busch gegeben haben. Wer hat ihn dir gegeben? Mein Boss. Wer ist Hitler? Ich weiss nicht. Weisst du, ich bin dorthin gegangen, weil sie meinen Vater umgebracht haben. Ich bin hingegangen und hab mich denen angeschlossen, weil meine Freunde auch hingegangen sind. Ich bin eben mit meinen Freunden hingegangen, um mitzumachen. Weil du den Mann finden wolltest, der deinen Vater umgebracht hat? Ja. Kennst du ihn? Ja. Und was hast du gemacht? Ich habe ihn gesehen, er hat mich angegriffen und ich habe ihn umgebracht. Und ich bin in den Busch gegangen und hab mich den Leuten angeschlossen, ich habe für sie gekämpft. Sie haben gesehen, was ich mache; sie haben mir ein Gewehr gegeben. Hast du viele Menschen sterben sehen? Ja. Wie viele? Weisst du, viele Menschen – viele, viele Menschen sind gestorben. Leute, die nicht gekämpft haben, Leute, die keine Rebellen sind – der Rebellenboss hat sie umgebracht. Hast du auch andere Menschen getötet? Ja. Warum? Weil sie mich angegriffen haben. Also hab ich sie auch bekämpft, weil sie mich töten wollten. Und wie hast du das gemacht? Sie kamen mit Waffen und ich bin vorgerückt, und als alle von ihnen kamen und Wolf schoss, haben wir ihn erschossen. Ich will ein Soldat sein, weil sie meinen Vater getötet haben, also bin ich hingegangen, um ein Soldat zu sein. Es war alles in Ordnung. Es gab keinen Krieg. Trotzdem, der Krieg ist gekommen. Wir haben verloren, und mein Vater war tot. Meine Schwester und meine Mutter sind fortgegangen. Daher bin ich selber gegangen. Was hast du mit deiner Familie vorher gemacht? Ich habe bei ihr gewohnt, ich bin in die Schule gegangen. Was möchtest du jetzt machen? Ich möchte in die Schule gehen – jemand Offiziellen um mich haben. Was möchtest du machen, wenn du ein erwachsen bist? Ich möchte in einem Büro arbeiten. Vermisst du das Kämpfen? Möchtest du wieder zurück? Jemals wieder zurück? Nein, ich will dort nicht mehr zurück. Aber dein Colonel, Abu Bakar – er sagt, wenn er dir befiehlt, mit ihm in den Kampf zurückzukehren, dann musst du. Ja, ich muss gehen, aber wenn er mir sagt, dass ich wieder hin muss, werde ich nicht gehen, weil ich nicht mehr zurück will. Aber er sagt, wenn du seinem Befehl nicht gehorchst, wird er dich hinrichten. Ja, aber wenn er mir sagt, ich soll zurück, und ich sage nein, dann kann er mir nichts antun, weil wir nicht im Busch sind – und tut er mir etwas an, dann wird man ihn fangen. Und was wirst du jetzt machen? Nichts – ich weiss nicht. Wenn du wegläufst, machen wir dich auch tot. Eine Woche nachdem ich entführt wurde [139 Mädchen aus Susans Schule wurden entführt], hat man mich einem Mann übergeben. Er war 30 Jahre alt. Zwei andere Mädchen wurden ihm auch überlassen. Als ich im Lager angekommen war, hatte ich Syphilis. Ein Junge hat versucht zu flüchten, aber sie haben ihn wieder eingefangen. Sie ha ben uns gezwungen, ihn mit Stöcken zu erschlagen. Ich habe mich geweigert, ihn zu töten, und sie haben mir gesagt, sie würden mich erschiessen. Sie haben eine Waffe auf mich gerichtet und ich musste es tun. Sie haben uns gezwungen, uns sein Blut auf die Arme zu schmieren. Sie haben gesagt, wir müssten das machen und dann würden wir uns vor dem Tod nicht mehr fürchten. Es belastet mich so sehr, dass ich andere Menschen getötet habe. Ich träume noch immer von dem Jungen aus meinem Dorf, den ich getötet habe. Ich sehe ihn in meinen Träumen und er spricht zu mir und sagt mir, ich habe ihn grundlos getötet, und ich weine. Susanne, 12, Sierra Leone „Wir standen unter Drogen (Myo Win, 11 Jahre, Asien) Wir wurden unter Drogen gesetzt, um auf dem Schlachtfeld vorzurücken. Wir haben nicht gewusst, was für Drogen oder Alkohol sie uns gegeben haben, aber wir haben davon getrunken, weil wir müde, sehr durstig und hungrig waren. Wir sind zwei ganze Tage in der brennenden Sonne marschiert. Auf dem Hügel, dem Schlachtfeld, gab es keinen Schatten. Die Bäume waren verbrannt und Granaten explodierten überall um uns herum. Wir hatten solche Angst, waren so durstig. Einige von uns sind vor Übermüdung umgefallen. Aber wir wurden von hinten von unseren Offizieren geschlagen, um vorzurücken. Einer von uns wurde dabei sogar getötet und uns anderen wurde gesagt, dass man mit uns dasselbe machen würde, wenn wir nicht augenblicklich weitermachen würden. Sylvain normal» (11): «Töten wurde Sylvain ist elf Jahre alt und stammt aus dem Kongo. Er schloss sich im Alter von neun Jahren der bewaffneten Oppositionsgruppe «Union des patriotes congolais» an. Als er an einem Sonntag vom Gottesdienst in der örtlichen Kirche zurückkam, hatten Milizen sein Dorf überfallen und seine Eltern waren «verschwunden». Ohne seine Eltern sah Sylvain nur eine Möglichkeit, zu überleben und Schutz zu finden: Er musste sich der UPC anschliessen. Er verbrachte sieben Monate in einem militärischen Ausbildungslager. Danach wurde er in die Kampfgebiete geschickt. Sylvain kämpfte im März 2003 gegen die ugandische Armee. Davor war er gegen verschiedene bewaffnete Gruppen im Einsatz. Stolz auf seine Taten Zunächst habe er keine Angst gehabt zu kämpfen, weil ihm nicht bewusst gewesen sei, dass er getötet werden könnte, erzählt Sylvain. Seine ersten Kampferfahrungen machte er in Komanda, wo die gegnerischen Soldaten seinen Truppen überlegen waren und seine Einheit in die Flucht geschlagen hatten. Der Kommandant seiner Einheit war gefangen genommen und getötet worden, der Rest der Gruppe konnte fliehen. Nachdem die Kämpfer zu ihrem Stützpunkt zurückgekehrt waren, wurden sie sofort wieder ins Feld geschickt. «Als ich das erste Mal tötete, schoss mir das Blut in den Kopf, und ich hatte Angst. Danach wurde das Töten normal und ich war stolz auf meine Taten.» Gesundheitliche Schäden und schwierige Rückkehr Nachdem Sylvain aus seiner Kampftruppe entlassen worden war, vermisste er das Militärleben zunächst sehr. Nur langsam gewöhnt er sich wieder ans zivile Leben. Gerne würde er bei seiner Mutter leben, die inzwischen ausfindig gemacht werden konnte. Über einen langen Zeitraum konnte er nicht einmal an seine Eltern denken, weil allein diese Gedanken zu schmerzlich für ihn waren. Gerne möchte Sylvain auch zur Schule gehen und einen Beruf erlernen. Lernen ist wichtig für ihn, «denn im Leben kommt es auf Intelligenz an, und nur durch Lernen kannst du intelligent werden.» Sylvain leidet an den Folgen der Kampferlebnisse, und sein Gesundheitszustand ist sehr instabil. Häufig hat er Kopfschmerzen verbunden mit Schwindelanfällen und Atembeschwerden. Trotzdem wurde er von seinem Kommandanten immer wieder in den Kampf geschickt. Samuel (16): «Wenn Dir ein Feind gegenübersteht, musst Du töten» Samuel stammt aus Kisangani in der Demokratischen Republik Kongo. Mit elf Jahren schloss er sich einer bewaffneten Gruppierung an. Damals wurden die Menschen in Kisangani ständig drangsaliert, und Samuel glaubte, in der Armee geschützt und besser aufgehoben zu sein. Er wurde zunächst nach Lubumbashi im Südosten der DRC geschickt. Dann schloss er sich den Soldaten der bewaffneten Gruppe «Rassemblement congolais pour la démocracie Mouvement de Libération» an und kämpfte im Nordosten des Landes an der Front. Vor den Kämpfen rauchten die Soldaten oftmals Drogen. Im Dezember 2002 erlitt er eine Knieverletzung und wurde von seiner Einheit zurückgelassen. Er gelang ihm jedoch aus eigener Kraft, sich in Sicherheit zu bringen. Töten ohne zu zögern Samuel erzählt, dass er ohne Zögern tötete. «Wenn dir der Feind gegenübersteht, dann, glaub ich, musst du töten». Wenn er einen Gegner getötet hat, stiess er einen Siegesschrei aus, durchsuchte die Leiche und nahm Geld und Waffen an sich. Nach seiner Verwundung wurde er aus der RCDML entlassen und in ein Umerziehungslager geschickt. Doch nach einem feindlichen Angriff im März 2003 tauchte ein Kommandant der RCDML mit Uniformen und Waffen auf und nahm Samuel wieder mit. Auf die Frage, warum er kämpfe und gegen wen, antwortete Samuel: «Der Feind ist jeder, der dich angreift. Sie sagen dir, du sollst in ein Auto einsteigen, sie sagen dir aber nicht warum. Wenn du wieder aus dem Auto aussteigst, sagen sie dir, dass du jetzt dem Feind gegenüberstehen wirst.»