Arbeitsblatt: die Psychologie des Kindes

Material-Details

Die Psychologie des Kindes
Diverses / Fächerübergreifend
Gemischte Themen
12. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

51947
638
1
06.01.2010

Autor/in

romina Gregorini
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Psychologie des Kindes – Jean Piaget/Bärbel Inhelder Schlussfolgerung: Die Faktoren der geistigen Entwicklung Die geistige Entwicklung des Kindes erscheint insgesamt als eine Folge von drei grossen Konstruktionen: jede führt die frühere weiter, indem sie zunächst auf einer neuen Ebene neu konstruiert und sie dann immer umfassender überholt. Die Integration von aufeinander folgende Strukturen, von denen jede die nächste aufbaut, macht es möglich, die Entwicklung in grossen Perioden oder Stadien und in Unterperioden oder Unterstadien zu unterteilen, die den folgenden Kriterien genügen müssen: 1.) Ihre Reihenfolge ist konstant, obwohl sich das durchschnittliche Alter von einem Individuum zum anderen je nach Intelligenzgrad oder von einem gesellschaftlichen Milieu zum anderen ändern kann. Der Ablauf der Stadien kann somit beschleunigt oder verzögert sein. 2.) Jedes Stadium ist durch eine Gesamtstruktur gekennzeichnet, durch die man die wichtigsten einzelne Reaktionen erklären kann. 3.) Diese Gesamtstrukturen sind integrativ und lösen einander nicht ab: jede geht aus der vorhergehenden hervor, indem sie sie als untergeordnete Struktur integriert, und bereits die nächste vor, indem sie sich früher oder später in sie integriert. Das grosse Problem, das die Existenz einer solchen Entwicklung und die integrative Richtung, die man in ihr erkennen kann, posteriori stellen, ist dann, ihren Mechanismus zu erkennen. Man kann nur sagen, dass wir erst vorläufige Lösungen vorlegen und dass die zukünftigen Erklärungen nur befriedigen können, wenn es ihnen gelingt, die Interpretationen der Embryogenese, des organischen Wachstums und der geistigen Entwicklung zu einer harmonischen Ganzheit zusammenzufassen. Bis dahin müssen wir uns mit der Erörterung der vier allgemeinen Faktoren begnügen, die bis jetzt der geistigen Entwicklung zugeschrieben werden: 1.) Das organische Wachstum und bes. die Reifung des Komplexes Nervensystem-Hormonsystem. Es kann tatsächlich nicht daran gezweifelt werden, dass einige Verhaltensweisen mehr oder weniger direkt von der einsetzenden Funktionstüchtigkeit bestimmter Apparate und Nervenbahnen abhängen. (Sehen, Greifen) Die Reifung spielt während des ganzen geistigen Wachstums eine Rolle. Doch welche? Wir wissen über die Einzelheiten wenig, und die Reifungsbedingungen kennen wir sozusagen gar nicht. Das was wir wissen ist, dass die Reifung im Wesentlichen darin besteht, neue Möglichkeiten zu schaffen, und eine notwendige Bedingung für das Auftreten bestimmter Verhaltensweisen darstellt. Jedoch ist die Reifung immer weniger alleine am Werk und die Einflüsse des physischen oder sozialen Milieus gewinnen an Bedeutung. 2.) Ein zweiter wichtiger Faktor, ist die Rolle der Übung und der Erfahrung, die in der auf die Gegenstände ausgeübten Aktion erworben werden. Dieser Faktor ist bis zur Ausbildung der logisch-mathematischen Strukturen ebenfalls wesentlich und notwenig. Er ist komplex weil es zwei Arten von Erfahrung gibt: a.) die physische Erfahrung, die darin besteht auf Gegenstände einzuwirken um ihre Eigenschaften abzuleiten. (Bsp. Zwei Gewichte unabhängig vom Volumen zu vergleichen) b.) die logischmathematische Erfahrung, die darin besteht, auf Gegenstände einzuwirken, aber um das Ergebnis der Koordinierung der Aktionen kennen zu lernen. 3.) Ein weiterer Grundlegender Faktor, welcher allein aber auch wieder nicht genügt, sind die sozialen Interaktionen und Übermittlungen. Einerseits ist die Sozialisierung eine Strukturierung, zu der das Individuum ebensoviel beiträgt, wie es erhält. Andererseits ist die soziale Aktion sogar im Falle von Übermittlungen, bei denen den Subjekt noch am meisten als aufnehmend erscheint, (zB. In der Schule) unwirksam ohne eine aktive Assimilation des Kindes. 4.) Doch drei ungleichartige Faktoren ergeben keine gelenkte Entwicklung mit so einfacher und regelmässiger Richtung wie die der drei grossen aufeinander folgenden Strukturen. Da die Rolle des Subjekts und der allg. Koordinierung der Aktion in dieser Entwicklung bekannt ist, könnte man an einen aprioristisch oder nach einer inneren Finalität zum voraus festgelegten Plan denken. Doch ein aprioristischer Plan kann sich biologisch nur durch die Mechanismen der Angeborenheit und der Reifung verwirklichen. Was die Finalität betrifft, so ist sie ein subjektiver Begriff, und eine gelenkte Entwicklung setzt nicht notwendig einen vorbestimmten Plan voraus. Im Falle der Entwicklung des Kindes gibt es keinen zum voraus festgelegten Plan, sondern einen fortschreitenden Aufbau, so dass jede Neuerung nur aufgrund der vorausgehenden möglich wird. Man könnte sagen, der zum voraus festgelegte Plan werde durch das Modell des erwachsenen Denkens nahe gelegt, aber der junge Mensch versteht dies nicht, bevor er es nicht rekonstruiert hat, und dieses Denken selbst stellt die Resultate eines ununterbrochenen Aufbaus während Generationen dar, die alle eine Kindheit durchlaufen müssen. Eine Erklärung der Entwicklung muss also diese beiden Dimensionen berücksichtigen, eine ontogenetische und eine soziale. Doch das Problem stellt sich zT. Analoger Weises, denn hier wie dort ist die zentrale Frage die nach den inneren Mechanismus eines jeden Konstruktivismus. Eie solcher inneren Mechanismus ist tatsächlich bei jeder Teilkonstruktion und bei jedem Übergang von einem Stadium zum anderen beobachtbar: Es ist ein Ausgleichsprozess, wie er in der Kybernetik bekannt ist, eine Selbstregulierung. Eine Folge von aktiven Kompensationen des Subjekts als Antwort auf die äussere Störung und einer gleichzeitigen rückwirkenden und vorausgreifenden Regulierung. Wir haben gesehen, die Affektivität ist die Energetik der Verhaltensweise, deren kognitiven Aspekt sich nur auf die Strukturen bezieht. Es gibt deshalb kein Verhalten, das nicht als Triebfedern affektive Faktoren enthalten würde. Es kann aber auch keine affektiven Zustände geben, ohne dass Wahrnehmung und Anschauungen mitwirken. Der affektive und der kognitive Aspekt sind weder voneinander zu trennen noch aufeinander zurückzuführen. Diese Einheit des Verhaltens zeigt, dass die Entwicklungsfaktoren für beide Aspekte dieselben sind und die Tatsache, dass sie nicht aufeinander zurückzuführen sind, schlisst in keiner weise eine funktionelle Parallelität aus. Die Gefühle haben unbestreitbar erbliche Wurzeln, die der Reifung unterliegen. Sie werden durch den sozialen Ausgleich grundlegend bereichert. Doch über diese drei Faktoren hinaus gehören zu ihnen auch Konflikte und Wiederausgleichungen, die die Persönlichkeitsbildung beherrscht wird vom Suchen einer Kohärenz und einer Organisation der Werte, die ein inneres Zerrissensein verhindert. Es ist ausgeschlossen, dass man Entwicklung des affektiven Lebens und der Motivierungen erklären kann, ohne die wichtige Rolle der Selbstregulation zu betonen. Diese Interpretation macht es möglich, die Gesamtheit der bekannten Tatsachen in den Griff zu bekommen, zunächst weil eine Ausgleichung nötig ist um die Beiträge der Reifung, der Erfahrung der Gegenstände und der sozialen Erfahrung in Einklang zu bringen. Die Ausgleichung durch Selbstregulierung stellt also den Prozess dar, der die beschriebenen Strukturen ausbildet. Die Psychologie des Kindes ermöglicht es, ihre Ausbildung zu verfolgen. Nämlich in der lebendigen und gelebten Dialektik der jungen Menschen, die sich in jeder Generation wieder den gleichen und neuen Problemen gegenübergestellt sehen, wobei sie alles in allem manchmal zu Lösungen kommen, die etwas besser als die der früheren Generationen sein können.