Arbeitsblatt: Kinderrechte
Material-Details
Lese- und Lerntexte zum Thema "Kinderarbeit"
Deutsch
Anderes Thema
8. Schuljahr
25 Seiten
Statistik
54045
742
11
04.02.2010
Autor/in
Andrea Gamper
Land: andere Länder
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Wie viele Kinder arbeiten Von Kinderarbeit spricht man, wenn Menschen Zwischen 5 und 17 Jahren mindestens eine Stunde pro Woche einer bezahlten oder unbezahlten Tätigkeit nachgehen. Die Zahl der weltweit arbeitenden Kinder wird auf über 350 Millionen geschätzt. Wie viele Kinder es genau sind, lässt sich nicht sagen, weil Kinderarbeit häufig versteckt wird, wie z.B. die Arbeit von Dienstmädchen. Über 70% der arbeitenden Kinder auf der Welt arbeiten in der Landwirtschaft. Etwa zwei Drittel der weltweit arbeitenden Kinder besuchen gleichzeitig auch die Schule. Anteil der weltweit arbeitenden Kinder Nach Altersgruppen: 5- bis 9-jährige 21% 10- bis 14-jährige 39% 15- bis 17-jährige 40% Gut ein Drittel der arbeitenden Kinder besucht auch die Schule!!! Was ist Kinderarbeit? Kinderarbeit ist ein weit gefasstes Wort. Es reicht von Kindern, die einmal in der Woche Zeitungen austragen oder zwei Stunden Babys sitten, bis hin zu Kindern, die den ganzen Tag schwer arbeiten müssen, ohne freie Zeit zum Spielen oder für die Schule zu haben. Kinderarbeit ist nicht immer schlecht In vielen Ländern wird die Arbeit der Kinder als wichtig angesehen. Durch sie lernen Kinder und Jugendliche viel und werden erwachsen. Wenn die Arbeit die Kinder jedoch schädigt, weil sie nichts lernen können oder die Arbeit sie krank macht, spricht man von ausbeuterischer Kinderarbeit. Kinder werden ausgebeutet, wenn zum Beispiel: die arbeitenden Kinder zu jung sind. Die Arbeit weder Zeit noch Kraft für den Schulbesuch lässt. Die Arbeitszeiten zu lang sind. Die Arbeit zu gefährlich ist. Die Kinder einen nur sehr geringen Lohn oder gar nichts bekommen. Die Kinder eingeschüchtert werden. Die Internationale Arbeitsorganisation unterscheidet drei Gruppen von Kinderarbeit: 1.Ökonomisch aktiv sind alle Kinder, die arbeiten. Damit meint man sowohl bezahlte als auch unbezahlte Arbeiten. 2.Ausbeuterische Arbeit gefährdet die Entwicklung der Kinder. 3. Die „schlimmsten Formen der Kinderarbeit schaden den Kindern sehr stark. Dazu zählen zum Beispiel die Prostitution, die Arbeit als Kindersoldaten und alle Arten der Sklaverei. Warum arbeiten Kinder Besonders häufig müssen Kinder arbeiten, deren Eltern krank oder gar nicht mehr da sind. Deren Eltern extrem arm sind und die Kinder deswegen nicht zur Schule gehen können. Die aus Randgruppen kommen, wie z.B. Flüchtlinge, religiöse und ethnische Minderheiten, Straßenkinder. Die Ursachen, warum Kinder arbeiten, sind sehr vielfältig. Wir nennen hier die wichtigsten davon: 1. Armut: Wenn Eltern nicht genügend Einkommen haben, um alle ihre Kinder zu ernähren und zur Schule zu schicken, müssen die Kinder mithelfen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Kinderarbeit, schlechter Arbeit und Armut: Die Kinder gehen zu Wenig oder gar nicht zur Schule. Ihre Kinder arbeiten, weil Sie nicht genügend Geld verdienen. Als Erwachsene haben diese Kinder keine Ausbildung. Ohne Ausbildung bekommen sie nur schlecht bezahlte Arbeit. Durchbrochen werden kann der Teufelskreis nur, wenn auch arme Familien ihre Kinder zur Schule schicken können! 2. Schlechte Politik: Kinderarbeit entsteht nur dort, wo es nicht genügend Sozialschutz und nicht genügend kostenlose Schulen gibt! Sozialschutz bedeutet, dass Familien, die in Not geraten, weil z.B. ein Elternteil arbeitslos wird, Hilfe bekommen, wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe. 3. Wertvorstellungen: Eine weitere Ursache sind die Einstellungen, die Menschen zu Kinderarbeit haben. Viele Menschen finden es normal, wenn arme Kinder hart arbeiten und die eigenen Kinder zur Schule gehen. Andererseits gehen viele Kinder arbeiten, weil sie die Schule nicht wichtig finden und lieber Geld verdienen. 4. Katastrophen: Alle Arten von Katastrophen verursachen, dass viele Kinder ihre Eltern verlieren oder dass die Eltern kein Einkommen mehr haben. So sind die betroffenen Kinder oft gezwungen zu arbeiten, um zu überleben. Katastrophen sind z.B. Erdbeben, Kriege, Seuchen. Arbeit in der Landwirtschaft Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft. Dabei reicht ihre Tätigkeit von kurzem Mithelfen nach der Schule bis hin zu schwerster körperlicher Arbeit von früh morgens bis spät abends. Manche Kinder werden sogar zu Sklaven gemacht. Fast überall ist es üblich, dass Kinder im landwirtschaftlichen Familienbetrieb ihrer Eltern helfen. Sie kümmern sich um Tiere und um ein Stück Land und lernen so viele Dinge, die sie als Erwachsene brauchen. Solange dadurch der Schulbesuch nicht behindert wird und die Arbeit nicht zu schwer und gefährlich ist, ist diese Arbeit gut. Andererseits nimmt die Ausbeutung von Kindern in der Landwirtschaft immer mehr zu, weil die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe (z.B. Kakao, Baumwolle, Reis) extrem niedrig sind. So können es sich kleine Familienbetriebe nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Und besonders auf den großen Plantagen müssen Kinder zu Hungerlöhnen arbeiten. Gefährlich ist die Arbeit in der Landwirtschaft außerdem auch: Es gibt viele giftige Chemikalien (Dünger, Pflanzenschutzmittel). Es müssen schwere Lasten getragen werden. Die Unfallgefahr ist groß. (Verletzungen durch Geräte und Maschinen) Nicht nur in armen Ländern arbeiten Kinder in der Landwirtschaft. Auch in den reichen Ländern sind die meisten der arbeitenden Kinder in der Landwirtschaft tätig. Kiko erntet Orangen „Guten Tag, ich bin Kiko und lebe in Brasilien, im Bundesstaat Sao Paulo. Wusstest du, dass fast der gesamte Orangensaft (90%) in Deutschland von hier kommt? Hier gibt es riesige Flächen nur mit Orangenbäumen. Insgesamt sind die Flächen größer als ganz Belgien. Und die vielen Orangen, die hier wachsen, müssen natürlich auch gepflückt werden. Ich arbeite als Orangenpflücker. Drei Jahre bin ich zur Schule gegangen, dann habe ich auf einer Plantage angefangen Orangen zu pflücken, denn damit konnte ich meiner großen Schwester helfen, bei der ich wohne. Auch mein großer Bruder arbeitet auf der Plantage, aber er und mein Schwager verdienen allein nicht genug Geld. Heute bin ich fast 14 Jahre alt. Morgens um 7 Uhr fahren wir mit dem Bus auf die Plantage. Nachdem wir dort gefrühstückt haben, beginnen wir mit dem Pflücken und hören nicht eher auf, bis die Sonne untergegangen ist. Zum Pflücken benutzen wir große Beutel, die wir uns um die Schulter hängen. Da passen bis zu 25 Kg Orangen hinein. Für jede Kiste, die wir am Abend abgeben, erhalten wir umgerechnet 16 Cent. In eine Kiste passen etwa 48 Kg Orangen. Wenn ich schnell bin, schaffe ich 70 Kisten am Tag, das sind dann über 11 € Tageslohn. Aber danach bin ich natürlich fix und fertig und habe Rückenschmerzen. Dann dusche ich nur noch und lege mich hin. Natürlich können wir nur während der Erntezeit Geld verdienen. Mein Bruder hat einen Hautausschlag bekommen. Der Arzt sagt, das läge an den vielen Pflanzenschutzmittel, die auf den Orangenschalen sind. Eigentlich ist es hier in Brasilien sowieso verboten, dass Kinder bei der Orangenernte mithelfen. Aber wer soll das kontrollieren? Vielleicht kann ich nächstes Jahr wieder zur Schule gehen, wenn mein Bruder und mein Schwager genug Geld verdienen. Am liebsten würde ich LKW-Fahrer werden, da kann ich die Orangen herumfahren und sehe etwas von der Welt. Dienstboten: Arbeit in fremden Haushalten Viele Mädchen und auch einige Jungen arbeiten in Haushalten anderer Familien. Wie viele Dienstboten es weltweit gibt, weiß niemand, denn die Kinder, die als Dienstmädchen in privaten Haushalten arbeiten, sieht man nicht. Kinder als Dienstboten sind sowohl in armen als auch in reichen Ländern ein Problem. Manche helfen nach der Schule ein paar Stunden lang in fremden Haushalten, andere wiederum werden schlimm ausgebeutet. Diese Kinder haben dann extrem lange Arbeitstage (bis zu 15 Std) und keinerlei Freizeit. Als Lohn bekommen sie manchmal sogar nur Essen, alte Kleidung und eine Unterkunft. Einige Kinder haben keinen Kontakt zu ihrer eigenen Familie und leben vollkommen isoliert von der Außenwelt. Von ihren Arbeitgebern erhalten viele nur Befehle, die liebevolle Zuwendung fehlt völlig. Manchmal werden sie geschlagen oder sogar sexuell missbraucht. Arbeitsunfälle, wie das Verbrühen mit heißem Wasser gehören zum Arbeitsalltag. Dazu kommt die weit verbreitete Meinung, Hausarbeit sei gar keine richtige Arbeit. Durch die gesellschaftliche Missachtung ihrer Arbeit verlieren viele dieser Kinder ihr Selbstvertrauen. Rosmari arbeitet als Dienstmädchen Rosmari aus Guatemala: „Ich bin 13 Jahre und wohne und arbeite seit 2 Jahren bei einer Familie in Guatemala-Stadt. Mein richtiger Name ist Rosmari, aber hier rufen mich nur alle Muchacha. Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf und mache das Frühstück. Wenn die Kinder in der Schule sind, putze ich das ganze Haus und wasche im Hof die Kleider der Leute. Das ist sehr anstrengend, weil ich schwere Wassereimer tragen und die ganze Zeit gebückt stehen muss. Ich selbst gehe nicht zur Schule, dafür habe ich gar keine Zeit. Vor dem Mittagessen, das ich zubereite, müssen von mir noch die Einkäufe für die ganze Familie erledigt werden. Obwohl ich da immer viel schleppen muss, gehe ich gern einkaufen. Das ist die einzige Zeit am Tag, an der ich mal das Haus verlassen kann. Aber kennen tu ich hier in dieser großen Stadt keinen. Am Nachmittag sind öfters Gäste im Haus. Die versorge ich dann mit Getränken, Essen und so weiter. Am Schlimmsten ist es, wenn die jüngste Tochter, sie ist neun, Freundinnen mitbringt. Die verlangen dann ständig nach mir und lachen mich aus. Das ganze Haus ist danach auf den Kopf gestellt. Doch sagen kann ich nichts, da würde sie böse werden. Bis zum Abend habe ich, wie du siehst, viel zu tun. Nachdem alle zu Abend gegessen haben und ich alles aufgeräumt und selbst etwas gegessen habe, kann ich normalerweise auf meiner Bastmatte in einem kleinen Abstellraum schlafen gehen. Nur manchmal werde ich nachts aufgeweckt, um dem ältesten Sohn noch etwas zu essen zu machen, wenn er spät nach Hause kommt. Meine Familie lebt weit entfernt in einem kleinen Dorf. Ich lege jedes Geldstück, das ich bekomme, in einen Beutel. In einem Jahr habe ich genug Geld für meine Heirat gespart. Dann kann ich wieder zurückgehen, um den Mann zu heiraten, den mein Vater für mich ausgewählt hat. Arbeit in Industrie und Gewerbe Kinderarbeit ist sowohl in der Heimproduktion, Manufakturen, in Handwerksbetrieben als auch Exportfabriken verbreitet. in in In der Regel erledigen Kinder eintönige Arbeit, für die sie nur kurz angelernt werden müssen. Die Bandbreite reicht von Kleidung, Teppichen, Bällen, Feuerwerkskörpern und Streichhölzern bis hin zum Schleifen von Edelsteinen. Gerade in den kleinen Handwerksbetrieben gehören die Arbeitgeber meist auch zur armen Bevölkerung. Durch die Beschäftigung von Kindern sparen sie sich einige Cent an Lohnkosten. Anders ist die Situation in den größeren Fabriken, die für den Export produzieren. Sie sind wegen der internationalen Kritik vorsichtiger geworden, Kinder zu beschäftigen. Stattdessen vergeben sie Unteraufträge an kleinere Firmen oder an einzelne Familien, die die Ware in Heimarbeit herstellen. Die Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen und damit auch die Kinderarbeit lässt sich in kleinen Betrieben und in der Heimarbeit fast gar nicht kontrollieren. So hat insbesondere die Heimarbeit weltweit zugenommen, auch in den reichen Industrieländern. Gefahren für die arbeitenden Kinder entstehen z.B. durch schlecht belüftete Räume, Belastung durch Staub und Chemikalien sowie durch mangelhafte Technik. Die stundenlange, eintönige Arbeit behindert die Kinder in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung. Razia näht Fußbälle „Ich heiße Razia Kubra und bin 13 Jahre alt. Ich wohne mit meiner Mutter und meinen drei Schwestern in einem kleinen Dorf in Pakistan. Seit zwei Jahren nähe ich Fußbälle. Ein Mann bringt uns die Fußbälle nach Hause. Wir müssen 32 Teilstücke zusammennähen. Meine kleinen Schwester wachst die Fäden, damit die Bälle wasserdicht sind. Eine Blase mit Ventil ist an einem Teilstück angeklebt. 690 Stiche sind zu machen, dann ist der Ball fertig! Am Schluss kommt der komplizierte „blinde Stich, um den Ball zu schließen. Das kann nur meine Schwester. Dann pumpen wir den Ball auf und überprüfen, ob er dicht ist. Wenn ich schnell arbeite, nähe ich drei Bälle in 7 Std und verdiene für jeden Ball 15 pakistanische Rupiah (ca. 0,33 €). Vor drei Jahren starb mein Vater bei einem Verkehrsunfall. Meine ältere Schwester fing mit dem Fußball Nähen an, und ich lernte es von ihr. Jeden Tag gehe ich nach der Schule sofort nach Hause und fange mit dem Nähen an. Oft tun mir der Rücken und die Knie weh, weil ich den Ball beim Nähen zwischen die Knie klemmen muss. Manchmal habe ich auch Blasen an den Händen. Das ist hart, aber wir können nur so überleben. Ich würde gerne in eine gute Schule, aber das ist zu teuer. Später möchte ich Lehrerin werden. Arbeit auf der Straße Rund 100 Millionen Kinder kämpfen auf den Straßen der Städte um ihr Überleben. Sie gehen den verschiedensten Tätigkeiten nach, um genug Geld für sich und ihre Familie zu verdienen: Sie verkaufen Essen und Getränke, tragen Leute die Einkaufstüten, putzen Passanten die Schuhe, waschen die Windschutzscheiben stehender Autos, reparieren Reifen, sammeln Müll Ihrem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Manchmal kommt es vor, dass ein Junge morgens Körbe und Kisten auf den Markt trägt, nachmittags Schuhe putzt und abends Autos bewacht. Dabei sind diese Kinder großen Gefahren ausgesetzt. Verkehr und Abgase, schlechtes Wetter und Gewalt gehören zu ihrem Alltag. Die Mehrheit dieser Kinder lebt bei ihrer Familie und arbeitet nur auf der Straße. Viele gehen auch zur Schule. Doch für rund ein Drittel ist die Straße das einzige Zuhause. Diese Kinder werden Straßenkinder genannt. Weil viele Menschen die Kinder, die auf der Straße ihren Lebensunterhalt verdienen, unangenehm finden, werden sie oft verjagt. Manuel putzt Schuhe „Hallo Senora, Ihre Schuhe, ich putze sie Ihnen in fünf Minuten picobello. Wenn ich keine Kundschaft habe, laufe ich auf dem Marktplatz herum und spreche die Leute an. Manchmal kommen sie aber auch selbst auf mich zu. Dann setzen sie sich auf eine Bank und stellen einen Fuß auf meinen Schuhputzkasten. Ich setze mich vor sie auf meinen Schemel und los gehts. Erst bürste ich die Schuhe sauber, dann fette ich sie mit Schuhcreme ein und dann poliere ich den Schuh. Danach ist der Schuh wieder wie neu. Damit können meine Kunden sich sehen lassen. Ich heiße übrigens Manuel, bin 10 Jahre alt in lebe in La Paz, der Hauptstadt von Bolivien. Vor zwei Jahren sind meine Eltern mit mir und meinen drei Geschwistern hierher gezogen. Mein Vater arbeitet in einer Fabrik. Meine Schwester und ich gehen in die Schule, die beiden anderen Geschwister sind noch zu klein. Nachmittags arbeite ich als Schuhputzer auf dem Marktplatz. Mein Onkel hat mir einen Schuhputzkasten gebaut und gezeigt, wie man richtig Schuhe putzt. Am Anfang war das gar nicht leicht, denn ich hatte einen sehr schlechten Platz, da gab es nur wenige Kunden. Aber seit 10 Monaten arbeite ich auf dem Marktplatz, wo viel los ist. Meine Schwester ist jetzt auch schon 8 Jahre und verkauft nach der Schule selbstgebackene Maisfladen von meiner Mutter. Ich finde es toll, mein eigenes Geld zu verdienen. Damit kann ich meinen Eltern helfen, und ich kann mir auch mal etwas selbst kaufen. In meiner Klasse arbeiten viele Kinder. Die, die nicht arbeiten, sind irgendwie Mamasöhnchen, die haben keine Ahnung vom Leben. Mich haut so schnell keiner übers Ohr. Kinderarbeit im Bausektor Kinder arbeiten im Bau, in Minen und Steinbrüchen. Sie brechen Gestein, kneten Lehm, pressen ihn zu Ziegelsteinen und tragen die fertigen Ziegel zu großen Stapeln zusammen. Diese Arbeit ist sehr gefährlich, etwa jeder fünfte Mensch, der diese Arbeit den ganzen Tag macht, erleidet einen Unfall. Der Arbeitsschutz ist meist mangelhaft und Schutzkleidung ist selten vorhanden. Unfälle entstehen durch Abstürze, Steinschlag, splitternde Steine und den ungeschützten Einsatz von Schlagwerkzeugen, aber auch beim Gebrauch von Sprengstoff. Des Weiteren kommt es zu Lungenkrankheiten, durch Staub, Dämpfe und Gase. Durch das Tragen von schweren Lasten entstehen Rückenschäden. Die Kinder im Bergbau sind extremen Temperaturen, schwüler Luft, beißenden Gerüchen und Insektenstichen ausgesetzt. Sie arbeiten meist ebenso hart wie Erwachsene bei wesentlich geringerem Lohn. Im Durchschnitt sinkt die Lebenserwartung dieser Kinder um 15 Jahre! Luis arbeitet im Kohlebergbau „Hallo, ich bin Luis Fernando aus Bolivien. Als ich zwölf war, ist mein Vater gestorben. Das war vor zwei Jahren. Er hat in der Mine gearbeitet und ist von einem Stein getroffen worden. Seit dem muss ich in der Mine arbeiten. Angefangen habe ich in einer Kohleader, die vier Handspannen breit ist (das ist etwa 1 Meter). Wir müssen da ganz gebückt reinkriechen und durch Wasser waten. In der Mine gibt es kein Licht. Deswegen haben wir eine Lampe, die wir mit dem Mund halten. Manchmal können wir sie auch mit der Hand halten. Die Kohle schleppen wir auf einem langen Blech raus. Wir legen dazu den Strick um die Schultern und ziehen das Blech mit dem Kohlesack raus. Meistens arbeite ich von sechs Uhr morgens bis drei Uhr am Nachmittag. In der Zeit schaffe ich etwa 18 Säcke mit Kohle zu füllen und sie rauszutransportieren. Ein Sack wiegt ungefähr 67 Kg. Wenn ich von der Arbeit heimkomme, dann gehe ich erst mal baden. Und dann muss ich mich ausruhen. Kinderprostitution: Zu den grausamsten Arten der Kinderarbeit zählen die Kinderprostitution und die Kinderpornographie. Weltweit gibt es schätzungsweise 2 Millionen minderjährige Prostituierte. Die genaue Zahl lässt sich nicht feststellen, weil die Kinder versteckt werden, denn Kinderprostitution ist in den meisten Ländern verboten. Dabei werden nicht nur in den armen Ländern Kinder auf diese unmenschliche Weise missbraucht, auch in Europa findet man Kinder, die ihren Körper verkaufen müssen. Das Wort Kinderarbeit ist in diesem Zusammenhang eigentlich falsch. Auch wenn sie bezahlt werden, handelt es sich hierbei um ein Verbrechen an den Kindern, denn sie werden sowohl körperlich als auch seelisch für immer geschädigt. Als Sexobjekte sind meist Mädchen gefragt, aber auch Jungen müssen dafür herhalten. Die Männer, die die Kinder missbrauchen, kommen aus der ganzen Welt. Auch aus Europa fliegen viele Touristen in arme Länder, um dort billig Sex haben zu können. Die Touristen sind der Meinung, da sie die Kinder bezahlen, würden sie ihnen etwas Gutes tun. Die psychischen und gesundheitlichen Schäden, die sie bei den Kindern verursachen, beachten sie nicht. In vielen Ländern wächst großes Misstrauen und Hass. Dies führt dazu, dass diese Kinder später oft selbst zu Tätern werden. Gemma arbeitete als Prostituierte „Die dramatische finanzielle Lage meiner Eltern in der Provinz Negros (Philippinen) führte mich im Alter von 13 Jahren zu meiner Tante nach Olongapo City. Sie versprach meinen Eltern für Unterhalt und Schulkosten aufzukommen. Doch schon nach kurzer Zeit begann mein Onkel mich einzuschüchtern und sexuell zu missbrauchen. So floh ich aus dem Hause meines Onkels. Dann griff mich ein Barbesitzer auf und zwang mich zur Prostitution in seinem Nachtclub. Eines Nachts kamen zwei Fremde, die mich aus dieser Situation gerettet haben. Sie fragten den Barbesitzer, ob sie mich in ein nahe gelegenes Restaurant einladen könnten. Dort angekommen erklärten sie mir, dass sie von Preda kämen und mir helfen wollten. Natürlich ging ich mit ihnen mit, denn viel schlimmer konnte es nicht mehr werden. Bei Preda fand ich Schutz und Geborgenheit. Nun kann ich auch wieder über meine Vergangenheit reden. Gemma ist heute 18 Jahre alt. Seit 5 Jahren ist sie bei Preda, einer Organisation, die sich für die Rechte der Kinder einsetzt, wie z.B. mit eigenen Therapie- und Kinderschutzzentrum für missbrauchte Kinder. Verbot von Kinderarbeit? Es ist nicht sinnvoll Kinderarbeit zu verbieten! Denn viele Kinder können nur durch ihre eigene Arbeit überleben. Verboten werden muss aber solche Arbeit, die Kinder schädigt. Deswegen gibt es zwei wichtige Übereinkommen zum Schutz von arbeitenden Kindern. Nach diesen Übereinkommen darf man erst mit 15 Jahren den ganzen Tag arbeiten. Außerdem werden die schlimmsten Formen der Kinderarbeit ganz verboten. Dazu zählen: Sklaverei und Zwangsarbeit, Arbeit als Soldat oder Soldatin, Kinderprostitution, Arbeit von Kindern im Bereich des organisierten Verbrechens und alle anderen Arbeiten, die schädlich sind für Gesundheit, Sicherheit und Sittlichkeit. Organisationen arbeitender Kinder Die arbeitenden Kinder haben begonnen, ihre Rechte einzufordern. Sie möchten die gleichen Rechte wie Erwachsene, etwa eine Krankenversicherung oder einen angemessenen Lohn. Deswegen haben sie sich zu Organisationen von und für arbeitende Kinder zusammengeschlossen. Einige ihrer Forderungen sind: Verbesserung der Arbeitsbedingungen Schutz vor Ausbeutung Zugang zu Bildung Recht auf Arbeit!!! Außerdem unterstützen diese Organisationen die arbeitenden Kinder. Sie schützen die Kinder vor Gewalt, machen Freizeitangebote und beraten sie in ihren alltäglichen Problemen. Organisationen von arbeitenden Kindern gibt es inzwischen in vielen Ländern und sie arbeiten weltweit zusammen, um die Rechte der arbeitenden Kinder durchzusetzen. Hilfsorganisationen Weltweit gibt es viele Hilfsorganisationen, die sich dafür engagieren, die Rechte arbeitender Kinder zu schützen und die Ausbeutung von Kindern abzuschaffen. Die Arbeit solcher Hilfsorganisationen besteht vor allem aus: direkter Hilfe für Kinder vor Ort (z.B. Gesundheit, Schule) Ausbildung für Kinder und Jugendliche sowie Einsatz dafür, dass die Rechte der Kinder in allen Ländern eingehalten werden. Bekannte Hilfsorganisationen sind: Global March, Kindernothilfe, Terre des hommes, UNICEF Dazu gibt es viele kleinere Organisationen und Vereine, die konkrete Hilfsprojekte unterstützen. Ein Beispiel: Don Bosco Don Bosco ist eine Ordensgemeinschaft. Ihre Mitglieder leben in 141 Ländern mit verlassenen Kindern und bedürftigen Jugendlichen. Don Bosco-Zentren haben immer eine offene Tür, ob für Straßenkinder, arbeitslose Jugendliche oder Heranwachsende aus zerbrochenen Familien. Die Brüder von Don Bosco helfen Jugendzentren, Schulen, Einrichtungen für Straßenkinder und Lehrwerkstätten zu errichten. Sie wollen, dass die Kinder und Jugendlichen menschenwürdig leben und arbeiten können. Fairer Handel- Weltläden Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Orangensaft, Gold, Kleidung, Blumen, Schuhe, Teppiche- in vielen Waren kann ausbeuterische Kinderarbeit stecken. Wir können Einfluss darauf nehmen, ob Menschen bei ihrer Arbeit ausgebeutet werden oder nicht. Eine Möglichkeit bietet der Faire Handel der Weltläden. Im Fairen Handel erhalten die Frauen und Männer, die die Waren herstellen, so viel Geld für ihre Arbeit, dass sie genügend zu essen, Kleider und Wohnung haben und ihre Kinder zur Schule schicken können. In Deutschland bekommt man in über 800 Weltläden Waren aus Fairem Handel. Beispiele für Fairen Handel Mangos gegen Sextourismus: Damit Kinder nicht in die Prostitution geraten, unterstützt die Organisation Preda auf den Philippinen die arme Landbevölkerung. Sie kauft Mangos von den Kleinbauern, trocknet diese und verkauft sie an Weltläden in Deutschland. Mit dem Verkauf dieser Mangos können mehrere tausend Bauernfamilien auf den Philippinen ihr Einkommen sichern und verhindern, dass Mädchen und Jungen in der Prostitution landen. Außerdem befreit Preda Kinder, die als Prostituierte arbeiten müssen. Im Preda-Zentrum können sie ihre körperlichen und seelischen Verletzungen heilen. Fußbälle ohne Kinderarbeit: In Weltläden gibt es Fußbälle, die in dem Unternehmen Talon Sports in Pakistan hergestellt werden. Die Näher erhalten für die fair gehandelten Bälle 40% mehr Lohn. So können ihre Familien auf die Mitarbeit ihrer Kinder verzichten und diese zur Schule schicken. Sobald genügend Kunden diese Bälle aus Fairem Handel kaufen, wird Talon Sports auch die gesamte Ballproduktion auf Fairen Handel umstellen. Gütesiegel für sozial gerecht Hergestellte Waren Mit dem Transfair-Siegel werden Lebensmittel aus Fairem Handel gekennzeichnet und können dann auch außerhalb der Weltläden in ganz normalen Supermärkten angeboten werden. Das Transfair-Siegel gibt es für Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Bananen, Orangensaft und Honig. Fragt in eurem Supermarkt nach dem Transfair-Siegel! Das Rugmark-Siegel kennzeichnet Teppiche, deren Hersteller handgeknüpfte keine Kinder unter 14 Jahren beschäftigen und die gesetzliche Mindestlöhne zahlen Die Rugmark-Stiftungen kontrollieren die Betriebe. Werden Kinder bei der Arbeit angetroffen, darf der Hersteller das Rugmark- Siegel nicht mehr benutzen. Diese Kinder werden von den Kontrolleuren mitgenommen und in die Kinderzentren von Rugmark gebracht. Dort können sie sich erholen und eine handwerkliche Ausbildung machen. Man hilft ihnen auch bei der Suche nach ihren Eltern. Siegel für Blumen Rosen aus Kolumbien, Orchideen aus Thailand, Nelken aus Kenia! Schnelle Flugverbindungen machen es möglich, dass wir zu jeder Jahreszeit Blumen kaufen können. In Afrika und Lateinamerika arbeiten rund 150.000 Menschen auf Blumenfarmen unter oft sehr schlechten Bedingungen. Das Siegel für Blumen aus menschen- und umweltschonender Produktion steht für gerechte Arbeitsbedingungen. Jede Farm, die das Gütesiegel führen will, garantiert: Existenz sichernde Löhne, Das Recht auf Versammlung, Das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit. Fragt in Blumengeschäften nach dem Blumensiegel! Was wir gegen die Ausbeutung von Kindern tun können: Ob wir es schaffen weltweit Kinder vor Ausbeutung zu bewahren,hängt davon ab, wie viele Menschen sich dafür einsetzen. Auch wir können etwas tun: Wir können in Weltläden einkaufen, denn alle Waren kommen dort aus Fairem Handel. Fairer Handel bedeutet, dass die Erwachsenen für ihre Arbeit fair bezahlt werden und deswegen ihre Kinder nicht arbeiten schicken müssen. Wir können beim Einkaufen auf soziale Gütesiegel achten, wie z.B. das Transfair-Siegel, das RugmarkSiegel und das Blumensiegel. Wir können in Geschäften fragen, ob sie Waren mit den entsprechenden Siegeln verkaufen. Wir können einen Brief an große Unternehmen schreiben und sie fragen, was sie gegen Kinderarbeit tun. Wir können PolitikerInnen in unserer Stadt anschreiben und sie auffordern, für die Stadt oder Gemeinde keine Waren aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu kaufen, sondern auf die sozialen Gütesiegel zu achten.