Arbeitsblatt: Im Schatten des Galiäers

Material-Details

Eine Analyse des Buches Im Schatten des Galiläers vom Gerd Theissen
Diverses / Fächerübergreifend
Anderes Thema
klassenübergreifend
5 Seiten

Statistik

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07.02.2010

Autor/in

Désirée Holenstein
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Der Schatten des Galiläers Jesus und seine Zeit in erzählender Form Désirée Holenstein Leistungsnachweis Religion Holenstein Désirée, 4s Kritische Auseinandersetzung mit den Grundlinien des Buches Was ist denn eigentlich die Grundlinie dieses Buches? Geht es darum, Jesus und seine Zeit in erzählender Form darzustellen oder geht es vielleicht darum, mögliche Antworten auf viel gestellte Fragen zu finden? Gerd Theissen meint, dass es keine Geschichte an sich, sondern nur perspektivisch wahrgenommene Geschichte gibt. Hat seine Einstellung zu diesem Thema nicht einen enormen Einfluss auf den Inhalt des Buches ausgeübt? Darüber lässt sich nur spekulieren. Da dieses Buch als Prosa-Text geschrieben wurde, konnte sich der Leser sehr gut in die Figuren und in die Situation allgemein hineinversetzen. Bekanntes sowie Unbekanntes wurde erzählt. Dabei war es sehr schwierig, Realität (wenn man es so nennen will) und Fiktion auseinander zu halten. Mythos vs. Logos. Es gibt keinen Mythos ohne Logos-Anteil und keinen Logos ohne Beteiligung des Mythos. Aber allein die Tatsache, dass Andreas in seiner Form so nie wirklich existiert hat, war manchmal verwirrend oder blieb auch mal völlig unbeachtet. Klar könnte es gut sein, dass eine Person wie Andreas in jener Zeit wirklich gelebt hat, da uns aber der Autor bereits am Anfang des Buches mitteilt, dass „sein Andreas nur der Ausdruck seiner Fiktion sei, wussten wir sofort, dass er der „erfundene Teil der Geschichte sein würde. In einem Brief an Herr Kratzinger, der eine weitere Fiktion ist, schreibt der Autor, dass er in erzählender Form ein Bild von Jesus und seiner Zeit entwerfen wolle, das sowohl dem derzeitigen Stand der Forschung entspreche als auch für die Gegenwart verständlich sei. Ich denke dieses Vorhaben ist ihm sicher gelungen. Warum wohl kommen nicht sehr viele Menschen auf den Gedanken die Bibel zu lesen? Sicher, einige interessiert ihr Inhalt nicht, aber wieder andere fühlen sich dazu einfach nicht in der Lage, solch hochkomplexe Texte zu lesen und sie dann auch noch richtig interpretieren zu können. Gerd Theissens Buch kann jeder lesen, ob er nun mit dem Christentum vertraut ist oder nicht. Falls er es nicht ist, kann er nachher von sich behaupten, ein paar wesentliche Dinge aus der Zeit Jesu gelernt zu haben. „Der Schatten des Galiläers ist eine Geschichte über Glauben, Freundschaft und die Suche nach der eigenen Identität. Diese Grundlinie wird durch das ganze Buch gezogen. Ich denke dabei an die vielen Menschen mit verschiedenen Glaubensrichtungen, an Andreas‘ Freundschaft zu Barabbas oder an seine Suche nach der wahren Identität. Vermutlich waren damals viele Menschen auf der Suche nach ihrer Identität, da ihnen zu lange eingetrichtert wurde, was sie denken und wie sie handeln sollten. 2 Leistungsnachweis Religion Holenstein Désirée, 4s Darlegung wichtiger, neu gewonnener Einsichten Da gibt es viele. Zuerst einmal fand ich es äusserst spannend, die Zeit um Jesu einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Nicht jene des Religionsunterrichts oder der Bibel, sondern eine wesentlich neutralere. Mir war wohl bekannt, dass das Land zur Zeit Jesu von den Römern beherrscht wurde, jedoch gewann ich durch das Lesen dieses Buches einen ganz anderen und neuen Einblick in jene Zeit. Normalerweise wird immer nur aus der Sicht Jesu berichtet, was in etwa heisst: Jesu wurde von den Römern (genauer gesagt von Pontius Pilatus) gefangen genommen, gefoltert und gekreuzigt. Eine überraschende Stelle fand ich beispielsweise auf der S. 27 wo Pontius Pilatus sagt: „Unsere Politik, wird auch weiterhin sein: Respekt vor eurer Religion, eurem Gott, euren Bräuchen, euren Empfindlichkeiten. War das damals wirklich so? Obwohl er später dann auch noch erwähnt, dass Respekt auf Gegenseitigkeit beruhen muss, wird an einer andere Textstelle erwähnt, dass er im Sinne des Friedens zu vielen bereit wäre. Hier vermischt sich meiner Meinung nach Mythos und Logos wieder ziemlich stark. Kann ich mich jetzt wirklich darauf verlassen, dass das so war, oder muss ich annehmen, dass das ebenfalls Teil der Fiktion des Autors sein könnte? An so einem Punkt wird es für mich dann etwas schwierig. Ich würde mich gerne 100% auf eine Quelle verlassen können, ohne annehmen zu müssen, dass das vielleicht gar nie so gewesen ist. Neu war für mich die Tatsache, dass es im Judentum verboten war, Menschen oder Tiere abzubilden. Den Gedanken, den die Juden dazu verfolgen, finde ich einleuchtend: Sie werden nie verehren, was Menschen geschaffen haben, denn Gott sei unsichtbar. Sie sind davon überzeugt, dass man sich kein Bild von ihm machen kann. Auch hatte ich mir vorher noch nie überlegt, dass es vielleicht, noch eine andere Version vom Auszug der Juden aus Ägypten geben könnte. Als ich die Textstelle las: „er erhielt die Auskunft, er solle sein Reich von euch gottverhassten Juden säubern, , da musste ich automatisch an die Judenverfolgung im 2. Weltkrieg denken. Völlig neues Terrain betrat ich auch im Bezug auf die verschiedenen Völker und Widerstandsgruppen, die es während der Zeit Jesu gab. Vor dieser Lektüre habe ich noch nie etwas von Essenern oder Zeloten gehört. Man spürt in diesem Buch deutlich das Verlangen der Menschen jener Zeit sich der Unterdrückung durch die Römer zu entziehen, vor der Armut zu fliehen, und sich diversen Gruppen anzuschliessen, die ihnen neue Hoffnung schenken konnten und bei denen sie einen 3 Leistungsnachweis Religion Holenstein Désirée, 4s Neuanfang machen konnten. Da gab es die Essener, bei denen die Mitglieder all ihren Besitz abgeben und unter absolutem Gehorsam in der Wüste leben mussten, oder die Zeloten, die gewalttätig gegen die Römer vorgegangen sind. Ich war fasziniert, was für eine unheimliche Macht solche Gemeinschaften auf Menschen ausgeübt haben. Im Buch wird Jesus von Nazareth als Nachfolger des Täufers bezeichnet, der ebenfalls unter Pontius Pilatus exekutiert wurde. Stimmt das wirklich? Vielleicht rührt meine Kritik auch nur daher, dass ich mich vorher niemals gefragt habe, um welche Zeit Johannes der Täufer gelebt hat, geschweige denn, wie und wann er gestorben ist. Dass Pontius Pilatus Angst vor Jesus hatte, war mir bekannt. Weniger bekannt war mir die Tatsache, dass es gar nicht nur um Jesus ging. Es ging um die Gesamtheit verschiedenster Widerstandsgruppen, die sich gegen die Römer zusammenschliessen hätten können und vielleicht von der Bevölkerung auch noch unterstützt wurden. Dann wäre es für Pontius Pilatus wahrscheinlich erst recht ungemütlich geworden. Ich habe mich bisweilen nie gefragt, wer die 2 Männer waren, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Heute weiss ich: es waren Zeloten. Es ist mir auch noch nie vorher zu Ohren gekommen, dass das Volk auswählen durfte wer hingerichtet werden sollte und wer nicht. Warum haben sie sich nicht für Jesus entschieden? Hatten sie Angst vor ihm oder seiner Macht? Reflexion des Lernprozesses, welcher die Lektüre des Buches ausgelöst hat Mir ist wieder einmal klar geworden, dass man alles kritisch hinterfragen muss. Man muss sich bewusst sein, dass nicht jede Quelle zuverlässig ist, die Bibel ist das beste Beispiel dazu. Mir ist auch bewusst geworden, wie komplex Religion ist und wie breitgefächert sie wirklich ist. Dabei sprechen wir hier nur über eine Religion, nämlich das Christentum. Es ist sehr schwierig dabei den „objektiven Durchblick nicht zu verlieren. Fakt ist auch, dass ich noch nicht mal annähernd alles über Jesus und seine Zeit wusste und sicher auch heute noch nicht weiss. Abschliessende kritische Würdigung des Buches Sei es zum besseren Verständnis oder zur kritischen Analyse: Diese Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert. Trotzdem gab es während meiner Lektüre gewisse 4 Leistungsnachweis Religion Holenstein Désirée, 4s Textstellen, die mich stutzig machten, mich faszinierten oder bei denen ich nicht sicher war, ob der Autor das wirklich so gemeint hat, wie ich es interpretiert habe. So zum Beispiel die Textstelle: „Wenn die Leute erst einmal glauben, dass genügend Brot für alle da ist, verlieren sie die Angst vor dem Hunger. Auch heute ist dieses Phänomen noch zu beobachten. Für uns ist klar, dass wir immer genügend zu Essen haben werden. Ist das wirklich so klar oder könnte es nicht sein, dass wir plötzlich nicht mehr genug zu Essen haben? Auf der S. 266 wurde ich dann völlig aus der Bahn geworfen. Dort heisst es: „Drei Tage lang schwebte ich zwischen Leben und Tod. Aber nach drei Tagen und Nächten wurde ich ruhiger. Die Entscheidung war für das Leben gefallen. Sie war ohne mein Zutun gefallen. Findet an dieser Textstelle wirklich die Auferstehung Jesu in Andres statt? Falls ja, warum wurden hier die Tatsachen (oder besser gesagt die christlichen Auslegungen) verändert? Wunderschön finde ich die Gebetsstelle auf S. 110, bei der es heisst: „Ihr könnt nicht zugleich Gott dienen und dem Besitz. Weh euch Reichen, denn ihr habt euren Anteil schon empfangen. Bei dieser Stelle stellte ich unwillkürlich eine Verbindung zum heutigen Klosterleben her. Auch sie verzichten auf jeglichen Besitz, um Gott besser dienen zu können. Beim Geschichtenerzählen in Kapitel 11 habe ich mich meiner eigenen Kindheit erinnert. Auch mir wurden damals viele Geschichten erzählt. Auch über Jesus. Diese Textstelle ist meiner Meinung nach mehr als zutreffend: „Solange diese Geschichten erzählt wurden, würden sie sich nicht damit abfinden, dass Menschen hungern und dürsten, dass sie verstümmelt und behindert, dass sie krank und hilflos sind. Solange sie diese Geschichten hatten, würden sie Hoffnung haben. Auch heute ist es doch noch so, dass sich vor allem Menschen in schwierigen Lebenssituationen an Gott wenden, der für sie die Verkörperung der Hoffnung darstellt. Zum Abschluss: „Jede Gruppe braucht eben ein paar Lebenslügen, damit alle zusammenleben . Vielleicht sollte man sich daran erinnern, wenn man darüber nachdenkt, ob etwas nun wahr oder falsch ist. Vielleicht ist es nämlich nicht einfach wahr oder falsch, sondern eine Lüge in einem wahren, real existierenden Umfeld, denn vielleicht ist es nur die Vermischung von Mythos und Logos. Meiner Meinung nach bewegen wir uns alle im Schatten des Galiläers, ohne diesen jemals einholen zu können. 5