Arbeitsblatt: das verschwinden der kindheit
Material-Details
das verschwinden der Kindheit
Lebenskunde
Persönlichkeitsentwicklung
klassenübergreifend
4 Seiten
Statistik
56087
603
3
03.03.2010
Autor/in
romina Gregorini
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Das Verschwinden der Kindheit –Neil Postman Die Indikatoren für das Verschwinden der Kindheit sind sehr unterschiedlich und stammen aus verschieden Quellen. Jedoch lässt sich die Hypothese nicht beweisen. Pubertät: Währen den vergangenen 130 Jahren hat sich der Beginn der Pubertät bei den Mädchen verschoben. Um 1900 lag das Durchschnittsalter, in dem die erste Menstruation eintrat, bei ca. 14 Jahren, im Jahre 1979 bei 12 Jahren. Familien: Heute besteht ein Haushalt im durchschnitt aus 2.8 Personen. Im Jahre 1930 waren es noch 4.1 Personen. Medien: Kinder sind aus den Medien und aus dem Fernseher verschwunden. Das heisst nicht, dass man keine Menschen mehr sieht, die in jungen Jahren sind. Aber wenn sie gezeigt werden, werden sie als kleine Erwachsene dargestellt. Kinder die in Familienserien oder in Seifenopern auftreten, unterscheiden sich kaum in ihren Interessen, ihrer Sprache, ihrer Kleidung und in ihrer Sexualität, von den Erwachsenen, welche in der gleichen Sendung erscheinen. Es gibt auch keine Kinderlieder mehr. Sie sind ausgestorben. Das Verschwinden unserer traditionellen Vorstellung von Kindheit lässt sich gut an Werbespots beobachten. Kinder machen Werbung für Würstchen, Zahnpasta, Versicherungen, Immobilen und für Restaurant-Ketten. Auch die Kinder in Filmen verwandeln sich zusehends in Erwachsene. In unterschiedlichsten Filmen erscheinen Kinder immer wieder als eine Person, die sich in ihrer sozialen Orientierung, ihrer Sprache und in ihren Interessen von Erwachsenen nicht unterscheiden. Jugendliteratur kommt am besten an, wenn sie die Thematik und Sprache der Erwachsenenliteratur simuliert. Kinderkleider: Auch sie existieren eigentlich nicht mehr. Es sind einfach „kleine Kleider. Weiter ist zu beobachten, dass Erwachsene ursprüngliche Kinderkleider tragen. (Bsp. Minirock und Lackschuhe) Dieser Vorgang kann man nicht nur in der Mode beobachten, sondern auch in den Essgewohnheiten. Schnellgerichte, die früher nur für den undifferenzierten Geschmack und die eisernen Mägen Jugendlicher geeignet schienen, sind heute für Erwachsene gebräuchliche Kost. Früher nahm man von Erwachsenen an, sie legten in der Frage, ob etwas essbar ist oder nicht, höhere Massstäbe an als die Kinder. Kinderspiele: Kinderspiele schwinden mehr und mehr. Ein weiteres Beispiel für die Verschmelzung der Wertvorstellungen und Stile von Erwachsenen und Kindern. Einrichtungen wie „Pee Wee Football und „Little League Baseball haben einen erstaunlichen Aufschwung. Die Spiele sind zusehen offiziell oder pseudo-professionell geworden und werden mit äusserstem Ernst betrieben. Dort gibt es kein Herumtrödeln und keine Sonderregeln die man spontan erfindet, wies es die Situation gerade erfordert. Bereits sechsjährige Kinder spielen ohne Spontaneität. Das Kinderspiel ist zu einer Hauptbeschäftigung der Erwachsenen geworden. In diesen Zusammenhang gehört auch das Vordringen von Kindern in den Spitzensport. Zusammen mit der Kindheit verschwindet auch die kindliche Auffassung vom Spiel. Sprache: Es ist bekannt, dass die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen, im Lesen und Schreiben „Grundschuleniveau zu erreichen, abnimmt. Auch die Befähigung, vernünftig zu argumentieren und logische Schlüsse zu ziehen, geht ebenfalls zurück. Das alles sind Indizien für einen Bildungsverfall bei jungen Menschen. Es könnt aber auch durchaus auf ein rückläufiges Interesse der Erwachsenen an Sprache hindeuten. Vielleicht ist sogar die Annahme zulässig, dass die Sprachbeherrschung der Erwachsenen die der Kinder in den meisten Fällen nicht erheblich übertrifft. Eine weitere Vermutung wäre, dass die Sprache der Jugendlichen die der Erwachsenen stärker beeinflusst, als dies umgekehrt der Fall ist. In der heutigen Welt, hat das Erwachsenenalter viel von seiner Autorität uns seiner Aura verloren, und die Idee des Respekts gegenüber Älteren wirkt schon fast lächerlich. Alle dies Dingen sind Indizien für den Verfall der Kindheit und gleichzeitig für die damit einhergehende Verkümmerung der Bedeutung von Erwachsenheit. Aber es stehen auch harte Fakten zur Verfügung, die in dieselbe Richtung zeigen. Zwischen 1950 und 1979 wuchs die Zahl der von Kindern verübten schweren Delikte um 11000 %! Die Zahl der von Kindern weniger schweren Verbrechen stieg um 8300%. Aber nicht nur als Täter sind Kinder an kriminellem Handeln beteiligt, sondern auch als Opfer. Angesichts der hohen Dunkelziffern darf man die Gesamtzahl der Fälle von Kindesmisshandlungen für dieses Jahr auf mehr als 2 Millionen schätzen. Was kann dies anders bedeuten, als dass das vorherrschende Bild des Kindes, seine besondere Stellung und seine Aura einem drastischen Verfall ausgesetzt sind? Dass Kinder geschlagen werden, weil sie klein sind, ist nur die halbe Erklärung. Die andere ist, dass sie geschlagen werden, weil man sie nicht als Kinder wahrnimmt. Was wiederum das Bild zeigt: Kinder sind kleine Erwachsene. Auch bei der Sexualität zeichnet sich dies Annahme weiter ab: die 15 bis 17 Jährigen bildet die einzige Altersgruppe, in der die Geburtenrate während der letzten Jahren angestiegen ist. Alkoholismus war früher ausschliesslich ein Problem der Erwachsene. Heute droht es auch für unsere Klein-Erwachsenen eine Realität zu werden. Für andere Drogen sind die Daten eindeutig: amerikanische Jugendliche konsumieren Kokain, Heroin und Cannabis ebensoviel wie Erwachsene. Die Tatsache, dass Altersheime in Amerika zu einer wichtigen sozialen Institution geworden sind, spricht dafür, dass immer mehr junge Erwachsene die Verantwortung für ihre Eltern nicht übernehmen wollen. Die Aufgabe, für ältere Menschen zu sorgen und sie in das Familienleben zu integrieren, wird offensichtlich als unerträgliche Last empfunden. Auch vielleicht der Umstand, dass die jungen Erwachsenen von heute sehr viel seltener heiraten und weniger Kinder haben als die Generation ihrer Eltern. Auch sind geschlossene Ehen minder dauerhaft. Das stärkst Argument gegen die Ehescheidung war stets ihre psychologische Wirkung auf die Kinder. Es ist offenkundig, dass heute mehr Erwachsene denn je dieses Argument für weniger ausschlaggebend halten als ihr eigenes Bedürfnis noch psychischem Wohlergehen.