Arbeitsblatt: Andorra

Material-Details

Erläuterungen zum Begriff "Vorurteil"
Deutsch
Leseförderung / Literatur
9. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

56247
656
7
04.03.2010

Autor/in

Roland Kissling
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

LESEVERSTEHEN Komplexer Sachtext Vorurteil 1.Ein Vorurteil ist ein im Voraus wertendes Urteil, das eine Handlung leitet und in diesem Sinne endgültig ist. Es ist eine meist wenig oder gar nicht überlegte und hinterfragte Meinung – ohne sachliche Betrachtung aller wichtigen Eigenschaften des gewerteten Sachverhaltes oder der Person. 2.Vorurteile sind notwendig: Ohne Vorurteile kämen Menschen vor lauter Nachdenken und Prüfen nicht zum Handeln. Vorurteile werden unbewusst erstellt aufgrund bisheriger Erfahrungen. Es baut sich eine Modellvorstellung auf, die sich nach weiterer Prüfung ändern kann. 3.Ein Vorurteil im ursprünglichen Sinne ist ein vorläufiges Zwischenergebnis während der Entwicklung eines Urteils. 4.Umgangssprachlich wird Vorurteil auch als Synonym (anderes Wort) für Vorliebe oder Bevorzugung benutzt. Im Unterschied zum Vorurteil sind diese nicht endgültig, können aber ein entsprechendes Vorurteil bestätigen und dauerhaft festlegen. Der Ausdruck „Vorurteil in der Alltagssprache ist meist abwertend und bezeichnet oft jede Art von negativer Kritik, die an einer Sache geübt wird. Die klassische Definition des „Vorurteils stammt von Gordon Allport aus seiner Arbeit The nature of prejudice („Die Natur des Vorurteils) von 1954. Nach ihm hat der Ausdruck die beiden Komponenten Einstellung und Überzeugung. Beispiele sind: „Süßigkeiten sind ungesund. „Die Technik zerstört die Kunst. Menschen ändern ihre Einstellungen am wahrscheinlichsten, wenn sie sonst Nachteile erleiden. Ein Vorurteil kann ein Mensch sein Leben lang ohne Nachteile aufrechterhalten, ausser er wird deswegen ausgegrenzt oder ändert seine vorgefasste Meinung aufgrund von persönlichen Erfahrungen. Historisch bedeutsam kritisierten die Aufklärer durch Vorurteile getrübtes Denken. So forderte der Aufklärer Christian Thomasius dazu auf, überkommene Urteile und Denkweisen eigenständig zu prüfen und gegebenenfalls abzulegen. Hierin wurzelt der spätere Wahlspruch der Aufklärung: Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (Sapere aude). Vorurteile sind nicht notwendigerweise abwertend. Zu den aufwertenden Vorurteilen können die Sicht des Verliebten auf die Geliebte, der Blick auf die eigene Nation oder das Vertrauen eines kleinen Kindes in die unbegrenzten Fähigkeiten und Kräfte der Eltern gezählt werden. Vorurteile sind jedoch oft negative oder ablehnende Einstellungen gegenüber einem Menschen, einer Menschengruppe, einer Nation oder generell einem Sachverhalt. Vorurteilsbildung wird als „Generalisierung interpretiert, bei der unzulässigerweise von einzelnen Eigenschaften eines Individuums auf Eigenschaften aller Individuen einer Gruppe geschlossen wird. Vorurteile besitzen einen emotionalen Gehalt können zu Intoleranz und Diskriminierung führen. Das Vorurteil wird durch folgende Merkmale charakterisiert: 1.Es ist ein voreiliges Urteil, also ein Urteil, das überhaupt nicht oder nur sehr ungenügend durch Realitätsgehalt, Überlegungen oder Erfahrungen gestützt wird, oder es wird sogar vor jeglicher Erfahrung oder Überlegung aufgestellt. 2.Es ist meist ein verallgemeinerndes Urteil, d. h. es bezieht sich nicht nur auf einen Einzelfall, sondern auf viele Urteilsgegenstände. 3.Es wird häufig vorgetragen, als sei es selbstverständlich oder zumindest unwiderlegbar. 4. Weitere Gründe von Vorurteilen: Gruppendruck: Vorurteile werden auf Grund eines wahrgenommenen Gruppendrucks akzeptiert, so werden sie auch leichter übernommen Sündenbocksuche: Die Sündenbocktheorie besagt, dass sich unsere Vorurteile gegen Ersatzobjekte oder -personen richten, wenn die wahren Ursachen unserer Frustration entweder unbekannt oder nicht erreichbar sind. Kategorisierung: Menschen neigen dazu, ihre Umwelt in Kategorien einzuteilen. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen, z.B. dass dieses Verhalten uns hilft, unsere Handlungsplanung zu vereinfachen.