Arbeitsblatt: Machtergreifung Hitlers
Material-Details
Die Zwischekriegszeit wird beschrieben.
Geschichte
Neuzeit
9. Schuljahr
30 Seiten
Statistik
5723
1088
74
28.03.2007
Autor/in
Marco Kälin
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Pädagogische Hochschule Zürich Modul GS 220 06 Semester Dozent: Stephan Hediger Fachdidaktische Arbeit Die Machtergreifung des Nationalsozialistischen Regimes GERST 1989, S. 55 Verfasser: Marco Kälin, Feldeggstrasse 36, 8008 Zürich Abgabedatum: 05.12.2005 Inhaltsverzeichnis Einleitung . 3 Relevanz und Zugänglichkeit des Themas . 5 Struktur der Unterrichtseinheit im Überblick 6 Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen 6 Anknüpfungsmöglichkeiten in den anderen Fächern. 9 Feinplanung einer Lernsituation . 10 Reflexion 12 Quellenverzeichnis . 14 Anhang 15 Materialien. 16 2 Einleitung In meiner Jugend hatte ich gegenüber dem Fach Geschichte gemischte Gefühle. Einerseits fand ich das Fach faszinierend (nicht zuletzt wegen der überschwänglichen Berichterstattungen meines Grossvaters), andererseits schien mir diese Materie fern meiner Lebenswelt zu sein. Für mich waren die historischen Ereignisse zu abstrakt, zu weit weg von meiner persönlichen Realität. Ich habe nie begriffen, inwiefern die Vergangenheit meine eigene Gegenwart beeinflusst, da mir, so glaube ich, die Zusammenhänge nicht kommuniziert wurden. Auch in meinen Praktika habe ich feststellen müssen, dass sich das Interesse der SchülerInnen für den Geschichtsunterricht in engen Grenzen hält. Wieso ist das so, obwohl ich den Inhalt genau dieses Faches als sehr interessant betrachte? Es mag an der Art der Vermittlung von Geschichte liegen, dass sich diese nicht grösserer Beliebtheit erfreut. Es ist mir aus den genannten Gründen ein grosses Anliegen, den SchülerInnen vor Augen zu führen, dass Geschichte unmittelbar mit ihrer Realität zu tun hat, ihre Lebensumstände auch ein Resultat in der Vergangenheit angesiedelter Ereignisse sind. Im Lehrplan habe ich Folgendes gelesen: „Die Einsicht, dass der Mensch einerseits von seiner Umwelt geprägt wird, aber andererseits mit seiner Lebensweise auch seine Umwelt beeinflusst, fordert von verantwortungsbewussten Mitgliedern unsere Gesellschaft, dass sie sich mit den Wechselwirkungen zwischen menschlichem Verhalten und Umwelt auseinander setzten (BILDUNGDIREKTION DES KANTONS ZÜRICH 2002, S. 27). Dieser Satz ist von grosser Bedeutung, da er die Wechselwirkung Umwelt Mensch zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig kann er als Hinweis verstanden werden, was der Geschichtsunterricht zu vermitteln hat: Die Schule soll die Jugendlichen dafür sensibilisieren, dass sie in einer Demokratie leben und in dieser ab dem 18. Lebensjahr Entscheide mit beeinflussen können und sollen. Um dies zu erreichen, ist es an mir, Inhalte so zu wählen, dass diese zum gewünschten Ziel führen. Doch wie soll dies geschehen, wie bestimme ich die Relevanz eines bestimmten Unterrichtgegenstandes? Wenn der Unterrichtsinhalt anhand der Analyse von Klafki (vgl. HEDIGER 2005) relevant erscheint, kann dieser Inhalt, auch vor den SchülerInnen, gerechtfertigt und für wichtig erklärt werden. Ich denke, dass die SchülerInnen ein Recht darauf haben zu wissen, was das Thema mit ihnen zu tun hat. Meine wichtigsten (exemplarischen) Ziele im Geschichtsunterricht sind: 3 1. Den SchülerInnen bewusst zu machen, dass historische Ereignisse immer im Kontext der Zeit, das heisst der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Umstände betrachtet werden müssen. 2. Dass geschichtliche Ereignisse multikausal erklärbar sind oder in einer kausalen Kette stehen (können) und es deshalb wichtig ist, die Zusammenhänge bzw. vorangegangenen Gegebenheiten zu beleuchten. 3. Als Folgerung der beiden oben genannten Ziele möchte ich den SchülerInnen zeigen, dass es aktive Bemühungen unsererseits erfordert, dass sich ein Ereignis wie der 2. Weltkrieg nicht wiederholt. Das Bewusstsein, was ich mit meinem Geschichtsunterricht erreichen will ist von grosser Wichtigkeit, da Geschichte subjektiv ist und immer aus einer bestimmten Perspektive betrachtet wird. Das heisst, dass ich durch meine Themenwahl und deren Darstellung, die Wahrnehmung der SchülerInnen mitforme. Ich muss mir dabei meiner Verantwortung bewusst sein. Es ist, nach Lehrplan, meine Aufgabe, gewisse Wertvorstellungen zu vermitteln. Wie bereits angetönt, bin ich sicher, dass die Methodik der Geschichtsvermittlung von grösster Bedeutung ist. Hier muss ich mir zum Ziel setzten, das Interesse der SchülerInnen zu wecken, die Herausforderung annehmen, faszinierende und anschauliche Stunden zu gestalten. Ich habe deshalb in meiner Planung darauf geachtet, dass ich möglichst oft einen direkten Bezug zur Lebenswelt der SchülerInnen schaffe. Dabei schrecke ich nicht davor zurück, Medien wie Tondokumente, Filme und Bilder einzusetzen. Für diese Arbeit habe ich das Thema „Die Machtergreifung des Nationalsozialistischen Regimes gewählt, das ich als recht diffizil betrachte und deswegen eine gut überlegte Planung desselben für unabdingbar halte. Im Rahmen des Moduls GS 220 habe ich nun die Möglichkeit, diese Unterrichtssequenz sorgfältig zu planen. Da dieses Thema in geistiger wie emotionaler Hinsicht nicht einfach ist, und es zu dessen Behandlung geschichtliches Wissen erfordert, ist es wohl nur für eine 3. Sek geeignet. Um das genannte Thema Erfolg versprechend vermitteln zu können, müssen die SchülerInnen in groben Zügen wissen, was eine demokratische Staatsform ist und was die Versailler Verträge für das Deutsch Volk bedeuteten. In technischer Hinsicht ist es zudem hilfreich, wenn sie fähig sind, Graphiken und Tabellen zu interpretieren. Aus den oben genannten Gründen scheint mir eine 3. Sek das geeignetste Zielpublikum zu sein. 4 Relevanz und Zugänglichkeit des Themas Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass Hitler die Macht in den frühen dreissiger Jahren ergreifen konnte. Dabei denke ich an die Person Hitler selbst, die hohe Arbeitslosigkeit und der damit verbundene Wille zur Veränderung, die Weltwirtschaftskrise, die Kriegsschuld, die Schwächen in der Weimarer Verfassung und nicht zuletzt der geistig nachlassende von Hindenburg. Aus diesen Gründen finde ich Auseinandersetzung mit der Zwischenkriegszeit sehr sinnvoll: 1. Ich betrachte das Wissen, dass Hitler in einem demokratischen System wie der Weimarer Republik an die Macht kommen konnte, als wichtig. Dies ist von exemplarischer, Gegenwarts- sowie Zukunftsbedeutung. Von exemplarischer Bedeutung, da klar wird, dass gewisse Umstände eine Politik, wie sie Hitler machte, begünstigten und auch in Zukunft begünstigen könnten. Die Erkenntnis, dass die SchülerInnen durch ihr Verhalten das persönliche Umfeld mitgestalten und verändern können ist von Bedeutung, was ihre Gegenwart betrifft. Die Zukunftsbeutung sehe ich darin, dass die SchülerInnen einsehen, dass sie ihre Verantwortung StimmbürgerInnen als wahrnehmen mündige können Personen und und sollen. zukünftige In diesem Zusammenhang lässt sich durchaus eine Diskussion über die Schweizer Demokratie anknüpfen, was dem Anspruch des Gegenwartbezugs Rechnung tragen würde. 2. Den SchülerInnen soll bewusst werden, dass Leute in Not, die nichts mehr zu verlieren haben, tendenziell offen sind für eine extreme Politik. Oder wie es Brecht ausdrückt: Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral (WWW.ZIT.AT DIE GROßE ZITATE-SAMMLUNG 2005). Die SchülerInnen sollen wissen, dass die Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg ein idealer Nährboden für Hitlers Politik, die schliesslich in den 2. Weltkrieg führte, waren. 3. Die Forderungen, die das Nazi – Regime gestellt hat, also die Expansion nach Osten, den Weltmachtanspruch, ein Grossdeutsches Reich und das beseitigen der Reparationszahlungen haben massgeblich zum Kriegsausbruch beigetragen. Damit lässt sich zeigen, dass Expansionsansprüche einer Partei, die auf Kosten einer anderen gehen, zu Konflikt führen kann. 4. Das Thema, das ich gewählt habe, eignet sich gut, um über Wertvorstellungen zu diskutieren, um das Fremdverstehen zu üben. Da die Ereignisse in der Zwischenkriegszeit noch nicht so lange zurück liegen, ist eine Identifikation mit den Menschen von damals relativ einfach. 5 5. Am Beispiel des Versailler Vertrages lässt sich über Frieden diskutieren. Nach VON MURALT (1947, S. 28) war Friede „hergestellt, wenn eine Verständigung über das gegenseitige Machtverhältnis erzielt worden war [das] auch vom Besiegten anerkannt worden war. Man könnte den SchülerInnen in diesem Zusammenhang zeigen, dass sich Frieden nicht gewaltsam erzwingen lässt, sondern dass er ein Resultat von diplomatischen Verhandlungen sein sollte. Struktur der Unterrichtseinheit im Überblick Sequenz 1 Einstieg 1L Überblick über das bevorstehende Quartal. Wie konnte das Nazi – Regime die Macht ergreifen? Welche Faktoren waren Ausschlag gebend für eine solche Entwicklung? Könnte das heute wieder passieren? Wieso, bzw. wieso nicht? Sequenz 2 Voraussetzungen 1L 1L 1L 1L Versailler Verträge Weimarer Verfassung Weltwirtschaftskrise 1929 Die Stimmung im deutschen Volk nach 1919 Sequenz 3 Machtergreifung und erhaltung 1L 1L 1L 1L Politische Lage vor Hitlers Machtübernahme Hitler Wirtschaftspolitik Sozialpolitik Sequenz 4 1L 1L Prüfung Nationalsozialismus heute? Rückblick, Ausblick Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen L1 L2 Inhalt Was ist in dieser Zeit geschehen in Deutschland? Zeit zwischen den zwei Weltkriegen. Deutschlands missliche Lage. Viele Faktoren haben zu dieser Entwicklung geführt. (Vorentlastung) Inwiefern sind wir von diesen Ereignissen noch heute betroffen? Nazis heute? Deutsche wurden gezwungen, den Friedensvertrag zu unterschreiben. Deutschland musste Land abtreten. Feinziele S. 1 wissen, dass Deutschland den 1. Weltkrieg verloren hat. S. wissen, wo sie nachschauen können, was im 1. Weltkrieg passiert ist. S. verstehen, dass mehrere Faktoren dazu geführt haben, dass Hitler an die Macht kommen konnte. Zielbereich OW2 GA3 EZ4 S. können den Begriff OW Reparationszahlung erklären. S. verstehen die Symbolik des Ortes, an EZ S. steht für „Schülerinnen und Schüler OW steht für „Orientierungswissen 3 GA steht für „Grundlegende Arbeitsweise 4 EZ steht für „Einblicke in Zusammenhänge gewinnen 1 2 6 L3 L4 L5 L6 Deutschland hatte Reparationen zu bezahlen. Deutschland musste militärisch abrüsten. Deutschland musste eine demokratische Staatsform akzeptieren. Verträge sollen Frieden in Europa sichern. Weimarer Republik ist eine Konsequenz der Versailler Verträge. Graphik der Weimarer Verfassung6 besprechen und mit der Verfassung der Schweiz vergleichen. Schwachstelle Art. 48 der Weimarer Verfassung. Parteien waren gegen das „Friedensdiktat und wollten daher eine Veränderung Weltwirtschaftkrise begann 1929 mit einem Börsencrash in New York. Die Folge davon: Zerfall der Aktienkurse. Was ist eine Aktie? Kunden konnten Kredite nicht zurückzahlen, was einige Banken in den Bankrot trieb. Amerikanische Banken wollten Kredite aus Deutschland zurück. Deutschland hatte, um den Wiederaufbau nach dem Krieg voranzutreiben, viele Kredite aufgenommen und war deshalb von den Entwicklungen in den USA in besonderem Masse betroffen. Deutsche litten immer noch unter den Folgen des 1. Weltkrieges (Reparationen). Dazu kam noch die WWK, welche die Situation zusätzlich verschärfte. Graphik der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit erreicht um 1932 Höchststand von 30%. Durchschnittslohn eines Arbeiters reicht kaum zum Überleben. Müssen die Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung gewechselt werden, um aus der Krise zu kommen? Die demokratische Staatsform hat noch keine Tradition in Deutschland. Wer waren die Gegner der Demokratie? dem der Versailler Vertrag den Deutschen vorgelegt wurde. S. wissen, wieso der Grossteil der WK5 Deutschen Bevölkerung nicht einverstanden war mit dem Vertrag. S. können erklären, was der Sinn einer OW Demokratie ist. S. wissen, dass viele Leute gegen die WK neu eingeführte Demokratie waren. S. wissen, dass die WWK7 in den USA EZ ihren Ursprung hatte. S. können erklären, was einen Aktie ist. OW S. verstehen, wieso die WWK EZ Deutschland besonders hart getroffen hat. S. wissen, dass es in Deutschland eine OW Arbeitslosenquote von bis zu 30% gab. S. können nachvollziehen, dass die WK deutsche Bevölkerung bereit war für radikale Veränderungen. S. können Stichworte aus Quelltexten GA finden, welche die Stimmung ausdrücken. S. können dem Banknachbar den GA Begriff „ Konservative erklären. S. verstehen den Grundgedanken des OW Kommunismus. WK steht für „Wertvorstellungen klären Siehe GERST 1986, S. 35 7 WWK steht für „Weltwirtschaftskrise 5 6 7 Was wollen die Kommunisten? Was wollen die Konservativen? Wieso wählten schliesslich viele Leute für die NSDAP? Was brachte die Leute dazu, an der Demokratie zu zweifeln? L7 Hitler hatte keine Ausbildung und konnte keine Fremdsprache sprechen. Er bewährte sich im 1. Weltkrieg. Er war ein Psychopath ohne moralische Hemmungen, gesegnet mit einem guten Gedächtnis und seiner Rednergabe. Hitler überzeugte nicht sonderlich durch die Logik in seinen Reden, viel eher appellierte er an die Emotionen. Filmausschnitt einer Rede Hitlers. Hitler versprach den Leuten Arbeit und eine bessere Zukunft. Die Juden waren Hitlers Sündenböcke für die Misere. L8 Was können wir über die Graphik der Staatausgaben von 1932 – 1939 sagen? 1938 gab es praktisch keine Arbeitslosen mehr. Wieso war er für Hitler wichtig, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Wie erfolgte die Arbeitsbeschaffung? Wieso hatten die Menschen trotzdem keine grosse Kaufkraft? Hitler handelte antizyklisch, plünderte die Staatskasse, um die Wirtschaft anzukurbeln. L9 Viele Berufsleute waren in Vereinen organisiert. Wer nicht in der NSDAP war, wurde arg benachteiligt. Leute, die in keinen Vereinen waren wurden verdächtigt. Der Staat unter Hitler war streng hierarchisch durchorganisiert. Politische Diskussionen gab es keine mehr. Die Zeitungen wurden durch das Nazi-Regime kontrolliert und waren daher eintönig. Durch Massenveranstaltungen versuchte man, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln. Gleichzeitig waren diese eine Machtdemonstration. L10 Graphische Umsetzung der entscheidenden Faktoren auf der 8 9 S. verstehen, dass viele Menschen eher WK aus Protest gegen die bestehenden Umstände als aus Überzeugung für die NSDAP stimmten. S. können verstehen, dass Hitler die Masse faszinieren konnte. S. können erklären, wieso Hitler die EZ Juden als Feindbild wählte. S. wissen, dass Hitler den Leuten Arbeit OW versprach. S. können die Graphik über „Die GA Staatsausgaben des Deutschen Reiches 1933 398 interpretieren. S. verstehen, wie Hitler die EZ Arbeitslosigkeit bekämpfte. S. wissen, dass unter Hitlers Herrschaft OW fast die Vollbeschäftigung erreicht wurde. S. verstehen, wieso Ärzte, Lehrer und EZ Rechtsanwälte in Berufsverbänden engagiert waren. S. können 2 Anlässe nennen, an denen OW Spendeaktionen durchgeführt wurden. S. können anhand der Graphik „Junge GA Menschen im nationalsozialistischen Deutschland 9ausformulieren, wie die typische Karriere eines Mädchens im Nazi – Deutschland aussah. S. können Inhalte des Überthemas GA graphisch darstellen (Mindmap). Siehe Meyer 1991, S.72 Siehe Meyer 1991, S.79 8 Basis des behandelten Stoffes. S. wissen, was sie auf die Prüfung zu (OW) Zusammenhänge vertieft lernen haben. besprechen. Offene Fragen klären. Prüfungsstoff bekannt geben. L11 Prüfung L12 Was wollen die Neonazis am 1. August auf dem Rütli? Was wollen die Neonazis? Wer sind die Feindbilder der Neonazis? Wie schaffen die Neonazis ein Zusammengehörigkeitsgefühl? Was ist eure Meinung zu diesen? S. wissen, dass es heute in der Schweiz OW nationalsozialistische Bewegungen gibt. S. verstehen, dass Nazis, auch heute WK noch, Feindbilder brauchen. S. begreifen, wieso sich viele schwache EZ Persönlichkeiten von nationalsozialistischen Bewegungen angezogen fühlen. Anknüpfungsmöglichkeiten in den anderen Fächern Neben Geschichte habe ich auch Deutsch, Zeichnen und Religion Kulturen in meinem Fächerprofil. Diese Voraussetzung drängt Verknüpfungen mit den genannten Fächern auf, was ich jedoch als positiv empfinde. Ich finde es wichtig, dass die SchülerInnen nicht alleine gelassen werden mit den Eindrücken des Naziregimes und lege deshalb grossen Wert darauf, dass sie die Gelegenheit erhalten, darüber zu diskutieren und es zu verarbeiten. Ich werde nun auf Möglichkeiten der Verknüpfungen in den einzelnen Fächern eingehen: Der Deutschunterricht scheint mir ideal, um einen Gegenwartsbezug herzustellen und so zu verdeutlichen, dass es immer noch Nazis gibt. Nach der letzten Lektion des Themenblockes, 1210, möchte ich den SchülerInnen den Text über die heutigen Nazis der Schweiz, „Gutbürgerlich – Die Kinderstube vom Rechtsradikalen (KELLER 2002, S. 24) verteilen. Zuerst sollen sie den Text einmal selbst durchlesen, um einen Gesamtüberblick zu erhalten. Dabei sollen sie drei Fragen, die ich ihnen auf einem Arbeitsblatt verteile (Wie sind die Jugendlichen zu den Neonazis gestossen?, Was waren ihre Voraussetzungen?, Wie wird das Elternhaus der Jugendlichen beschrieben?) im Hinterkopf haben. In der Sozialform Partnerarbeit müssen die SchülerInnen die Fragen diskutieren und anschliessend ausformulierend beantworten. Nun werden die Antworten der Partnerarbeit in der Klasse verglichen. Durch die Diskussion in der Klasse sollen die SchülerInnen zur Einsicht gelangen, dass die heutigen Neonazis meist aus Schwäche den rechtsradikalen Organisationen beitreten. Weiter sollen sie 10 Siehe 12 im Kapitel „ Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen. 9 realisieren, dass die Individuen solcher Organisationen oft keine Unmenschen sind, die Dynamik in der Gruppe jedoch zu scheusslichen Taten führen kann. Das Zeichnen bietet sich förmlich an, einen eher visuellen Zugang zu der Thematik zu finden und aufzuzeigen, wie sich das Naziregime auf die Kunst auswirkte. Als Einstieg in der Zeichnungsstunde lege ich zwei Bilder auf11. Die Bilder eines Nazikünstlers und Dalis sind aus der gleichen Epoche, unterscheiden sich jedoch erheblich voneinander. In der Klasse besprechen wir nun die Unterschiede dieser Werke und versuchen, mit dem geschichtlichen Wissen über das Naziregime12, Zusammenhänge zu erkennen zwischen dem Regime und dessen Einfluss auf das künstlerische Schaffen. Technisch manifestiert sich dies durch die klare Strichführung und die Wahl der klaren Farbtöne, inhaltlich durch die Darstellung arischer Personen in Machtpositionen und der Verherrlichung von Gewalt. Im Fach Religion und Kulturen kann ich das Zitat „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral (WWW.ZIT.AT DIE GROßE ZITATE-SAMMLUNG 2005) auflegen. Dies soll idealerweise nach L513 geschehen. In der Klasse sollen dann Meinungen zu diesem Zitat zusammengetragen werden. Dies soll in der Form eines Brainstormings erfolgen. Nun sollen die SchülerInnen dieses Zitat in Vierergruppen diskutieren und sich auf eine gemeinsame Stellungnahme dazu einigen. In der Klasse soll nun je ein Gruppensprecher die Meinung seiner Gruppe erläutern. Ich frage die SchülerInnen, an was sie der Kern dieses Gedankens erinnere. Nun könnte eine Parallele zum Befinden der deutschen Bevölkerung nach dem ersten Weltkrieg gezogen werden. Ich erhoffe mir bei dieser Aufgabenstellung, dass die SchülerInnen sich besser in das deutsche Volk um 1929 hineinversetzen können. Feinplanung einer Lernsituation In meiner Feinplanung beziehe ich mich auf die Lektion L214, den Vertrag von Versailles. Einstieg: Ich erzähle den SchülerInnen vom Ende des 1. Weltkrieges, von den Siegermächten und von der Verlierermacht Deutschland. „Die Deutschen mussten den Versailler Friedensvertrag am 18. Januar 1919 unterschreiben, damit die Alliierten die Wirtschaftblockade gegen sie aufhoben. Die Siehe Anhang, „Nazibild und „Dali Die Zeichnungsstunde soll daher nach 9, siehe „Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen, stattfinden 13 L5 ist im Kapitel „Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen zu finden 14 L2 ist im Kapitel „Struktur der Unterrichtseinheit im Einzelnen zu finden. 11 12 10 Deutschen hatten also keine Wahl, den Vertrag so zu unterschreiben, wie er ihnen vorgelegt wurde. Die Staatsmänner Wilson, Clémenceau und George hatten den Friedensvertrag aufgesetzt um den Frieden in Europa zu sichern und um für den von den Deutschen verursachten Krieg entschädigt zu werden (vgl. MEYER 1991, S. 16ff). Die SchülerInnen sollen sich nun mit den genannten Staatsmännern auseinander setzten und eine fingierte Sitzung der drei nachstellen. Dies soll es den SchülerInnen vereinfachen, sich in die Lage der Alliierten hinein zu versetzten. Was ich von den SchülerInnen möchte, ist Folgendes15: Dass sie eine fingierte Diskussion der drei Staatsmänner führen und aufschreiben. Mögliche Punkte aufschreiben, die auf Grund der Zitate der dreien in den Versailler Vertrag genommen werden könnten. Meine Vorgaben: Die SchülerInnen sollen sich innerhalb der Gruppe absprechen, welchen Staatsmann sie in der Diskussion vertreten. Anschliessend sollen sie das Zitat „ihres Staatsmannes im Kapitel So entstanden die Friedensverträge16 und das Kapitel „Vor dem Krieg – nach dem Krieg17 lesen. Nun geht es darum, dass sich die SchülerInnen in die Lage der gewählten Person versetzen (GA) und versuchen, deren Perspektive einzunehmen. In einem weiteren Schritt müssen sie eine mögliche Diskussion der drei verschriftlichen, so dass sie diese nachspielen können. Die Diskussion der dreien soll als Ergebnis einen Vertrag hervorbringen, den die Deutschen anschliessend zu unterzeichnen hätten. Um diese eher schwierige Aufgabe zu lösen stehe ich den SchülerInnen beratend und motivierend zur Seite. Anschliessend an die Teamarbeit möchte ich von maximal drei Gruppen, dass sie ihre Diskussion der Klasse vorspielen. In der Klasse vergleichen wir anschliessend, was die einzelnen Teams für Forderungen an Deutschland stellen und vergleichen die Ergebnisse mit dem Versailler Vertrag von 1919. Ich möchte so erreichen, dass die SchülerInnen wissen, wie und warum die Alliierten die Deutschen in ihrer Entwicklung zurückwerfen wollten. Siehe Arbeitsblatt im Kapitel Materialien Siehe Meyer 1991, S. 16 17 Siehe Meyer 1991, S. 17 15 16 11 Am Schluss der Lektion zeige ich den SchülerInnen einen Bildessay18 über die Reaktion der Deutschen Bevölkerung auf den Versailler Vertrag. Reflexion Mit der Auswahl des Themas hatte ich keine Schwierigkeiten, auch die Relevanz zu begründen schien mir nicht sehr schwer zu sein. Etwas mehr Mühe bereitete mir, welche Unterthemen ich wählen sollte und wie diese zu gewichten seien. Dafür war es wichtig, dass ich mir die Bedeutung meines Geschichtsunterrichts für die Gegenwart vor Augen hielt, denn historische Erkenntnisse sind die Voraussetzung für vernünftiges Handeln (vgl. HEDIGER, 2005). Geschichte scheint mir ein ideales Gefäss zu sein, um, durch Gelerntes und der daraus resultierenden Erkenntnis, vernünftiges Handeln zu fördern. Eines der wichtigsten Ziele ist es, den SchülerInnen aufzuzeigen, dass eine Machtergreifung wie jene von Hitler unter gewissen Umständen wieder geschehen könnte. Durch die Wahl meiner Unterthemen, habe ich die Machtergreifung der Nazis aus verschieden Perspektiven dargestellt, versucht ein Bündel von Gründen für dieselbe zu finden. Dies soll den SchülerInnen zeigen, dass geschichtliche Geschehnisse nicht eindimensional betrachtet werden können, sondern einer multikausalen Erklärung bedürfen. Ich denke, dass die Inhalte meiner Grobplanung diesbezüglich recht ausgewogen sind. Die Zielbereiche voneinander abzugrenzen war jedoch eine grosse Herausforderung für mich. Mir war nicht immer klar, wo die Grenze zwischen „grundlegender Arbeitswiese und „Orientierungswissen zu ziehen ist. Ich hoffe, dass sich nicht zu viele Grenzfälle als falsch zugeteilt erweisen. Hitler zu thematisieren fiel mir nicht leicht. Einerseits muss seine Persönlichkeit genau dargestellt werden, um die Wirkung seines Handelns und die Begeisterung, die er bei der Bevölkerung auszulösen vermochte, zu verstehen. Dabei muss man durchaus erwähnen, dass er auch gewisse Qualitäten hatte, um überhaupt in die Position des Bundeskanzlers zu kommen. Andererseits möchte ich es vermeiden, dass die SchülerInnen, diesen, auf Grund meiner Gewichtung, in einem zu positiven Licht sehen könnten. Die Frage, wie anspruchsvoll der Unterricht gestaltet werden soll hat mich beschäftigt und wird wohl auch in Zukunft ein Thema sein. Mein Ziel ist die dosierte Aus: „Der Brockhaus multimedial. Siehe auch im Kapitel Anhang „Proteste gegen den Friedensvertrag 18 12 Überforderung, doch was heisst das? Welche Ansprüche muss ich an meine SchülerInnen stellen, um meinem Ziel gerecht zu werden? Um diese Fragen beantworten zu können werde ich wohl ein paar Jahre Erfahrung als Lehrer benötigen. Aus meiner Perspektive als Student denke ich, dass ich an der oberen Grenze bin mit dem Schwierigkeitsgrad meiner Sequenzen. Das heisst, dass ich mir, je nach Klasse, überlegen müsste, ob ich einige Punkte weglassen soll. Eine weitere Frage, die ich mir stelle, betrifft die Gegenwartsbedeutung des Themas in meiner Planung: Obwohl ich versucht habe, viele Bezüge zur Gegenwart herzustellen, bin ich nicht sicher, ob diesen genug Beachtung geschenkt habe. 13 Quellenverzeichnis BILDUNGDIREKTION DES KANTONS ZÜRICH (Hrsg.)(2002): Lehrplan für die Volkschule des Kantons Zürich. Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich. DER BROCKHAUS MULTIMEDIAL (2005): Proteste gegen den Versailler Vertrag (abgerufen am 28.11.2005). GERST, HANS M./LANGENSTEIN, KONRAD/RYZLEWICZ, PETER/SPARN, WALDEMAR (1986): Geschichte Heute 9. Hannover: Schroedel Schulbuchverlag GmbH. HEDIGER, STEPHAN (2004, 31. März): Was ist Geschichte? – Wozu Geschichte? FACHDIDAKTIK GESCHICHTE 1 (GRUNDLAGEN), S. 9. KELLER, CHRISTOPH (2002, Nr. 29): Gutbürgerlich – Die Kinderstube vom Rechtsradikalen DAS MAGAZIN, S. 22. MEYER, HELMUT/SCHNEEBELI, PETER (1991): Geschichte der Gegenwart 3. Zürich: Lehrmittelverlag des Kanton Zürich. VON MURALT, LEONHARD (1947): Der Friede von Versailles. Zürich: Artemis-Verlag. WWW.ZIT.AT DIE GROßE ZITATE-SAMMLUNG (2005): Berthold (abgerufen am 22.11.05). 14 Brecht. Anhang Nazibild Dali Proteste gegen den Friedensvertrag 15 Materialien Arbeitsblatt Diese drei Männer haben den Friedensvertrag von Versailles aufgesetzt: Georges Clémenceau Woodrow Wilson David Lloyd George Ihr versucht nun, euch in die Lage der drei Männer hinein zu versetzen und stellt euren eigenen Friedensvertrag auf. Aufgabe: 1. Ich möchte nun, dass ihr euch entscheidet, wer welchen Staatsmann ihr spielen möchte. 2. Dann lest im Geschichtsbuch auf Seite 16 die Aussagen „eures Staatsmannes. Anschliessend auf Seite 17 das Kapitel „Vor dem Krieg – Nach dem Krieg lesen. 3. Versetzt euch nun in die Lage der Staatsmänner, und diskutiert zusammen, was in den Verträgen stehen könnte. Überlegt euch dabei, welche Interessen die drei Staatsmänner haben könnten. Schreibt eure Diskussion auf, damit ihr sie nachher der Klasse vorspielen könntet. 4. Überlegt euch, welche Punkte in den Friedensvertrag genommen werden könnten und schreibt auch diese auf: • • • • • 16