Arbeitsblatt: Illustration
Material-Details
Illustration: Märchen vom Spiegel von Kurt Held
Bildnerisches Gestalten
Gemischte Themen
klassenübergreifend
1 Seiten
Statistik
71042
755
2
12.11.2010
Autor/in
Fabienne Dombois
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Thema: Illustration zu „Das Märchen vom Spiegel Vorgehen: -Lese das Märchen genau durch. -Unterstreiche beim zweiten Durchlesen Szenen Gegenstände, bei denen in Dir spontan Bilder auftauchen. -Skizziere ins Heft verschiedene Bildideen, die einen bestimmten Ausschnitt des Märchens illustrieren (verbildlichen). -Entscheide Dich für eine Bildidee und entwerfe sie fein auf einem A4/A3 Zeichenpapier. -Die Technik zur Bildgestaltung kannst Du frei wählen (Bsp. Farbstift, Aquarell, Neocolor, Tusch, Mischtechnik .) Material: -Skizzenhefte -Bleistift -Versch. Zeichen- Malmittel -A4/A3 Zeichenpapier Zeitrahmen: 3-4 Doppellektionen Kriterien: Bildaussage Bildidee Bildaufteilung Komposition Technische Lösung Umsetzung Das Märchen vom Spiegel Kurt Held In einem Restaurant hing ein Spiegel. Es gingen viele Menschen an ihm vorbei und spiegelten sich. Sie wollten alle wissen, wie sie aussahen. Der Spiegel nahm ihre Gesichter in sich auf und schluckte sie hinunter. Er sagte kein Wort. Er dachte aber sehr viel und ärgerte sich oft. Er konnte auch ihre Gedanken lesen, er war ein ganz besonderer Spiegel. „Die Menschen irren sich alle, dachte er. „Die einen bilden sich ein, schön zu sein, und dabei sind sie hässlich und die anderen glauben, hässlich zu sein, und dabei sind sie oft recht hübsch. Keiner sieht sich richtig. Aber wozu soll ich ihnen das sagen und zu sprechen anfangen. Sie würden mir doch nicht glauben. Wenn sie Hüte und Kleider vor ihm ausprobierten, so fragten sie ihn unaufhörlich: „Was steht mir am besten? Wie bin ich am schönsten? Der Spiegel war geduldig und schwieg, aber er dachte: „Wie eitel sie alle sind. Es ist nicht gut, dass ich da bin. Schliesslich bekam der Spiegel Magenweh von den vielen gespiegelten Menschen, er konnte sie nicht mehr verdauen. Er geriet immer mehr in Zorn über ihre Eitelkeit, und zuletzt wurde er trübe und blind. Die Leute putzten und polierten mit Tüchern an ihm herum. „Was hat er nur? fragten sie. „Er spiegelt nicht mehr gut. Er taugt nichts mehr. Er ist alt. Sie nahmen ihn ab und stellten ihn in eine Ecke. Da dachte der Spiegel: „Ich will ein wenig an die frische Luft gehen, Vielleicht wird mir dann besser. Er lief auf die Strasse und ging an den Häusern entlang. Die Autos, die an ihm vorbeifuhren, spiegelten sich und sagten: „Seht, jetzt fahren die Autos schon auf dem Bürgersteig. Wir vermehren uns immer mehr. Die Firmen- und Reklameschilder nickten erfreut, die kleinen Bäume, die an den Strassenecken standen, winkten übermütig ihren Spiegelbildern zu: „Wir sind bald ein richtiger Wald. – Und die vielen, vielen Menschen, die vorüberkamen? Kein einziger sah den Spiegel, sie sahen alle nur sich selbst und riefen: „Ei seht, da kommt ein Mensch, und der gleicht mir aufs Haar. Dem Spiegel wurde immer schlechter. „Ich will nicht länger spiegeln, sagte er zu sich, „es ist besser für die Menschen und die Dinge. Wenn sie sich selber nicht mehr sehen können, schauen sie sich vielleicht gegenseitig genauer an und werden gütiger zueinander. Der Spiegel ging aus der Stadt hinaus, Er ging in den Wald und kam auf eine grosse Sandhalde. Dort blieb er stehen. „Hier werde ich bleiben, sagte er und spie alles aus, was er jemals gesehen hatte, und dann zerplatzte er. Keiner konnte mehr erkennen, dass er jemals ein Spiegel gewesen war. Er war wieder Sand geworden, denn daraus hatte man ihn gemacht. Aber die Menschen hängten sich einen neuen Spiegel auf, Es hat nicht genützt, dass der alte geplatzt ist.