Arbeitsblatt: Osttimor
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Aktuelle Entwicklung mit Arbeitsaufträgen
Geographie
Asien
8. Schuljahr
3 Seiten
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24.02.2011
Autor/in
Andreas Huser
Land: andere Länder
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Die wechselhafte Geschichte Osttimors – Chronologie Der Spiegel Online – 7. Juni 1999 Jakarta Nach fast 24 Jahren indonesischer Besetzung steht Osttimor, bis 1975 eine portugiesische Kolonie, jetzt vor der Unabhängigkeit. Am 30. August entschieden sich 78,5 Prozent der Osttimoresen für die Eigenständigkeit. Für die Unabhängigkeit hatte die linksgerichtete GuerillaOrganisation Fretilin jahrelang in einem blutigen UntergrundKrieg gekämpft. Durch die brutale indonesische Besatzung verlor Osttimor (14.874 Quadratkilometer, rund 840.000 Einwohner) mit mehr als 200.000 Toten fast ein Viertel seiner Bevölkerung. Die wichtigsten Ereignisse in Osttimors Geschichte: 1702: Osttimor wird portugiesische Kolonie. 25. April 1974: Militärputsch in Lissabon führt zu Entkolonialisierungspolitik Portugals. 28. November 1975: Die linksgerichtete Fretilin proklamiert nach dem überstürzten Rückzug der portugiesischen Kolonialverwaltung und nach Bürgerkrieg Osttimors Unabhängigkeit. 7. Dezember 1975: Indonesiens Armee interveniert in Osttimor. 17. Juli 1976: Indonesien annektiert Osttimor als seine 27. Provinz. Dies wird von den Vereinten Nationen nicht anerkannt. Die Uno betrachtet Portugal weiter als rechtmäßige Verwaltungsmacht. () 12. November 1991: Indonesische Soldaten richten unter den Trauergästen der Beerdigung eines Unabhängigkeitsaktivisten in Osttimors Hauptstadt Dili ein Blutbad an. Indonesien bestätigte offiziell 51 Tote. Nach Augenzeugenberichten waren es mindestens 180. 20. November 1992: Festnahme des Rebellenführers Jose Alexandre Xanana Gusmao. Er wurde () zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Suharto milderte die Strafe unter ausländischem Druck auf 20 Jahre Gefängnis. Inzwischen ist der Oppositionspolitiker aus der Haft entlassen worden. () 21. Mai 1998: Suhartos erzwungener Rücktritt ebnet den Weg für eine politische Regelung der OsttimorFrage. Amtsnachfolger Bacharuddin Jusuf Habibie bietet Osttimor erstmals Autonomie an. () 30. August 1999: Volksabstimmung unter Uno Aufsicht über Autonomie oder Unabhängigkeit in Osttimor. ()78,5 Prozent () votieren für ein unabhängiges Osttimor. Wieder regieren Hunger und Macheten Marodierende Banden ziehen durch Osttimor, stecken Häuser in Brand, erschlagen Menschen. Ihr Machtkampf spiegelt die Verwerfungen der vergangenen Jahre. Der jüngste Staat der Welt ist schon wieder auf internationale Truppen angewiesen. 01. Juni 2006 Seit Wochen ziehen wieder marodierende Banden durch die Straßen Osttimors, stecken Häuser in Brand, rauben und töten. Mehr als zwei Dutzend Menschen starben bereits. Der internationalen Interventionstruppe gelingt es nur mühsam, des Chaos Herr zu werden. Mehr als 50.000 Menschen sind aus der Hauptstadt Dili geflohen, um aus der Distanz halbwegs sicherer Lager das Grauen zu verfolgen. An manchen Auffangorten sei die Versorgungslage so miserabel, daß die Flüchtlinge Gras äßen, berichtete Kirsty Sword Gusmao, die Frau des Staatspräsidenten, am Mittwoch. Die Gespenster der Vergangenheit schienen gebannt nun erlebt Osttimor, der jüngste Staat der Welt, nach nur sieben Jahren ein tragisches Dejavu. Statt Aufbruch und Hoffnung regieren wieder Hunger und Macheten. Die wohl schwerste Krise seit der Unabhängigkeit kündigte sich spätestens Ende vergangenen Monats an, als fast 600 Soldaten etwa 40 Prozent der Streitkräfte entlassen wurden und einen Aufstand begannen. Regierungsvertreter sprachen von nötigen Sparmaßnahmen, die Meuterer von politischer Willkür. Die meisten von ihnen stammen aus dem Westen der Insel und fühlen sich gegenüber den Kameraden aus dem Osten benachteiligt. Fragiles Gebilde Binnen kürzester Zeit schlossen sich bis zu 2000 Insulaner den Rebellen an, die bald die Bewohner der Hauptstadt in Angst und Schrecken versetzten. In der vergangenen Woche wußte sich die Regierung in Dili nicht mehr anders zu helfen, als Australien um militärische Hilfe zu bitten. Wie schon 1999, als die Lage in der damals noch zu Indonesien gehörenden Provinz eskalierte, stellte Canberra rasch eine multinationale Eingreiftruppe zusammen, der auch Neuseeländer, Malaysier und Portugiesen angehören, und entsandte sie auf die kleine Nachbarinsel. Doch auch den 2500 ausländischen Soldaten gelingt es kaum, die Gewalt einzudämmen. Zwar beruhigte sich die Lage am Mittwoch leicht, aber noch immer waren Schüsse in der Hauptstadt zu hören. Die Flüchtlinge, die nun wieder verstärkt Hilfslieferungen erhalten sollen, trauen sich noch nicht in ihre Häuser zurück. Daß eine Revolte von ein paar hundert Soldaten einen Staat an den Rand des Abgrunds führen kann, zeigt, wie fragil das Gebilde ist, das seit 2002 einen stolzen Sitz bei den Vereinten Nationen hält. Erst vor einem Jahr waren die letzten Soldaten der internationalen Schutztruppe abgezogen worden, die seit 1999 die Ruhe in dem von Guerrillakriegen zerrissenen Land aufrechterhalten hatte. Zahlreiche Entwicklungsorganisationen und politische Berater blieben auf der kleinen, verarmten Inselhälfte, die ohne Hilfe von außen nicht überlebensfähig ist. Die beschwerlichen Aufbauarbeiten werden überschattet von ungelösten ethnischen und religiösen Konflikten, die die mehr als 20 Jahre währende Besetzung durch Indonesien hinterlassen hat und von Rivalitäten, die innerhalb der neuen Führung aufgebrochen sind. „Wen kümmert? Hintergrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände ist ein Machtkampf in Dili, der die Spannungen und Verwerfungen der vergangenen Jahre widerspiegelt. Im Mittelpunkt steht Premierminister Mari Alkatiri, der als Muslim (arabischer Abstammung) vielen der überwiegend katholischen Osttimoresen ein Dorn im Auge ist. Die Befreiung von Indonesien bedeutete für viele Insulaner auch das Abschütteln einer islamisch dominierten Kultur. Nun wird Osttimor von einem Muslim regiert, der obendrein wenig Sensibilität für religiöse Belange zeigt. Unmut rief Alkatiri unter anderem hervor, als er den Religionsunterricht an den Schulen zum Wahlfach herabstufte. Als er auf die wachsenden Straßenproteste von Katholiken angesprochen wurde, sagte er: „Das macht mir keine Sorgen, weil ich weiß, daß ich sowieso in der Hölle landen werde also wen kümmert? Die katholische Kirche, die für mehr als 90 Prozent der knapp eine Million zählenden Einwohner spricht, kündigte schon jetzt offenen Protest an, falls Alkatiri im kommenden Jahr abermals zu den Wahlen antreten sollte. Womöglich noch heikler ist Alkatiris gespanntes Verhältnis zu Staatspräsident Xanana Gusmao, dem international bekanntesten Helden des Unabhängigkeitskampfs. Beide Politiker gehörten wie die meisten, die im modernen Osttimor Macht innehaben der „Revolutionsfront Unabhängiges Osttimor (Fretilin) an, die gegen die indonesische Besatzung kämpfte. Aber sie stützen sich auf unterschiedliche Fraktionen. Während Gusmao, der jahrelang in indonesischer Haft mit Diplomaten verkehrte, zur liberalen Mitte tendierte, hält Alkatiri, gestählt im afrikanischen Exil, an einer sozialistischen Ideologie fest. „Militär und Polizei sind praktisch in ein GusmaoLager und ein AlkatiriLager gespalten, sagt ein Beobachter aus Singapur. () In Osttimor ist der Präsident schwach und der Premierminister stark eine Konstellation, die Alkatiri mit einigem Druck während der Verfassungsberatungen durchgesetzt hatte. Weg aus der politischen Sackgasse () Außerdem kündigte er (der Premierminister) an, bis zu den Wahlen im kommenden Jahr im Amt zu bleiben. Zuvor hatten die Rebellen abermals seinen Rücktritt gefordert. Leutnant Gastao Salsinha, ein Anführer der aufständischen Soldaten, hatte gesagt, er sei „nicht glücklich über Gusmaos Entscheidung. Der Präsident hätte den Premierminister seines Amtes entheben müssen. Alkatiris Sturz scheint zum obersten Ziel der Meuterer geworden zu sein. In Canberra, wo nun mehr als in Dili über die Sicherheit in Osttimor entschieden wird, gibt man sich keinen Illusionen hin. Er rechne mit einer Stationierungsdauer von mindestens sechs Monaten, sagte der australische Streitkräftechef Angus Houston nach einer ersten Lageeinschätzung. Verteidigungsminister Brendon Nelson machte am Mittwoch zugleich die Grenzen des australischen Engagements deutlich: „Was in Osttimor passieren wird, hängt stark davon ab, daß die osttimoresische Führung einen Weg aus der politischen Sackgasse findet. Text: F.A.Z. (Frankfurter Allgemeine), 01.06.2006, Nr. 126 Seite 8 Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z., REUTERS