Arbeitsblatt: Theorie zur Sucht

Material-Details

Texte zur Sucht/Suchtverhalten/aus der Sucht rauskommen etc.
Lebenskunde
Drogen / Prävention
6. Schuljahr
11 Seiten

Statistik

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21.04.2011

Autor/in

Susanne Elias
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Was ist Sucht? Wann ist man süchtig? I. Was ist Sucht? Sucht ist eine psychische Störung mit Krankheitswert, keine moralische Schwäche und kein krimineller Zustand. • Sucht ist ein zwanghaftes Verhalten und kann sowohl an bestimmte Substanzen (stoffgebunden), als auch an bestimmte Verhaltensweisen gebunden sein. • Sucht bedeutet auch immer psychische Abhängigkeit, ob eine (physische) körperliche Abhängigkeit entsteht, hängt von den jeweiligen Substanzen ab. • Sucht ist ein prozesshaftes Geschehen und entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern über einen längeren Zeitraum, oft schleichend, die Übergänge sind fließend und für Angehörige und Betroffene schwer erkennbar. • Genuss, Missbrauch, Abhängigkeit: nicht jede Einnahme eines Rauschmittels führt zur Abhängigkeit. Genuss bezeichnet den „gesunden Konsum von Substanzen, ohne Druck, sie weiterhin zu gebrauchen. Der Missbrauch geht über den gewöhnlichen Gebrauch einer Substanz hinaus (z.B. um einen unliebsamen Gefühlszustand zu beseitigen), ist aber noch keine Abhängigkeit. • Sucht bedeutet Suche nach einem anderen Bewusstseinszustand. Es kommt zu chronischen oder periodischen Rauschzuständen, die mit (teils irreversiblen) Veränderungen des Gehirns einhergehen. Zu den typischen Kennzeichen von Sucht gehören: • Starker Wunsch oder eine Art Zwang die Substanz zu konsumieren bzw. das Verhalten auszuüben. • Erhöhung der Dosis um eine gleiche Wirkung zu erzielen, sind immer höhere Dosen erforderlich. • Kontrollverlust bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsumverhaltens. • Körperliche Entzugserscheinungen bei Absetzen/Reduktion des Suchtmittels • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen und Vergnügen zugunsten des Suchtmittels und erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen oder dem Verhalten nachzugehen. • Trotz schädigender Wirkung (z.B. körperliche Folgen) anhaltender Substanzkonsum. Der Begriff Sucht wurde lange Zeit vor allem mit körperlicher Abhängigkeit von Substanzen gleichgesetzt. Kriterien wie Toleranzentwicklung, Kontrollverlust und körperliche Entzugssymptome standen im Vordergrund. In der jüngeren Geschichte wird es allerdings immer üblicher den Begriff Sucht auch auf psychische und soziale Abhängigkeit sowie auf nicht substanzgebundene Süchte wie Spielsucht, Kaufsucht, Arbeitssucht,. auszudehnen. Um zu vermeiden, dass der Suchtbegriff beliebig verwendet wird, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nicht substanzgebundenen Süchten klare Grenzen zu ziehen und darauf zu bestehen, dass Sucht Krankheitscharakter hat und nicht mit Gewohnheit, oder der natürlichen Abhängigkeit von Nahrung, Kleidung,. gleichzusetzen ist. Süchtiger Konsum Der Begriff Sucht inkludiert sowohl physische, psychische als auch soziale Abhängigkeit. Allen Definitionen ist gemeinsam, dass sich das Phänomen der Sucht nicht von heute auf morgen einstellt, sondern einen dynamischen Prozess darstellt. Was unterscheidet die Sucht vom Genuss? Alles beginnt mit Genuss und die meisten bleiben auch dabei. Für einige aber wird der Genuss zur Sucht. Genuss Es gibt Vieles, das du geniessen kannst: Sport treiben, Musik hören, Fernsehen, im Internet chatten, lädele, Süssigkeiten, ein feines Essen, Getränke usw. Geniessen heisst, etwas tun, das dir Spass macht und ein gutes Gefühl gibt. Du machst es freiwillig und lässt dir dabei auch genügend Zeit. Missbrauch Kennst du Situationen wie diese? Du stopfst eine Tafel Schokolade in dich hinein, obwohl du eigentlich gar keinen Hunger hast. Du kaufst dir ein neues T-Shirt, aus lauter Frust über eine schlechte Note. Du hockst bis tief in die Nacht vor dem Computer, obwohl du dich mit FreundeInnen treffen wolltest. Im Moment hilft die Süssigkeit den Frust zu vergessen, das Fernsehen abzuschalten und Alkohol, die Zigarette oder der Joint zu entspannen. Kommt ein solches Verhalten aber regelmässig vor und benutzt du es, um Konflikten oder sonst unangenehmen Situationen auszuweichen oder diese zu vergessen, kann dieses Verhalten zur Gewohnheit werden (und damit gefährlich). Gewöhnung Gewöhnung heisst, dass du etwas immer wieder tust. Du kannst nicht mehr ohne weiteres davon lassen. Der Griff beispielsweise zur Zigarette geschieht ganz automatisch. Du bist dann erstaunt, dass dein Zigipäckli schon wieder leer ist. Sucht Beim Konsum von Suchtmitteln wird das anfänglich gute Gefühl immer schwächer. Um dieses Gefühl aufrecht zu erhalten, muss die Dosis gesteigert werden, sonst wirkt es nicht mehr und es können Entzugserscheinungen auftreten. Der süchtige Mensch kann nicht mehr frei entscheiden, ob er z. B. eine Zigarette rauchen möchte oder nicht. Die Einnahme des Suchtmittels oder die Ausübung der Suchttätigkeit wird zum Zwang. Sucht heisst also von etwas zwanghaft abhängig zu sein und zwar seelisch (psychisch) und meistens auch körperlich (physisch). Wie entsteht Sucht? Je intensiver sich die Forschung der Frage von Sucht und Abhängigkeit widmet, desto weniger ist eine alleinige Ursache in Sicht. Es scheinen immer mehrere Faktoren zu sein, die bei der Entstehung einer Sucht zusammenwirken, wobei es meist um eine Wechselwirkung der Persönlichkeit des Betroffenen, seinem sozialen Umfeld sowie der Beschaffenheit und Verfügbarkeit der Droge zu gehen scheint. Persönlichkeit und Lebenssituation Die beste Vorbeugung gegen eine Sucht (wie gegen jede Form psychischer Störung) ist sicherlich eine gesunde, stabile Persönlichkeit. Besonders Erfahrungen in den ersten Lebensjahren können das Selbstwertgefühl aber so brüchig und das Bild von sich selbst und den anderen so unsicher und zersplittert werden lassen, dass der Jugendliche oder Erwachsene dann das Leben nur durch die Zufuhr von „Gift ertragen kann. Der in der Drogenszene gebräuchliche Ausdruck „Gift für die ersehnte Substanz bringt gut zum Ausdruck, wie wenig die Betroffenen lebenswichtige Zuwendung erfahren konnten, ohne sie zugleich auch als gefährlich und schädigend zu erleben. Jede Krise in der aktuellen Lebenssituation bringt dann eine besondere Anfälligkeit für Suchtverhalten mit sich. Das soziale Umfeld Im sozialen Umfeld der Herkunftsfamilie erlebt jeder zuerst den Umgang mit Rausch- und Genussmitteln, hier vor allem mit den legalen Substanzen Alkohol und Nikotin, mit Medikamenten, und den Stellenwert von Arbeit, Essen, Einkaufen, Fernsehen etc. Ab der Pubertät wird die peer group, die Gruppe der Gleichaltrigen zum entscheidenden sozialen Maßstab. Erfahrungen in diesen sozialen Gruppen können den Einstieg zu einer Suchtkarriere bahnen bzw. vorhandene Tendenzen verstärken oder eben auch abschwächen. Die Droge Die verschiedenen Rauschmittel und die Art ihrer Anwendung haben natürlich unterschiedliche psychische und körperliche Wirkungen und können daher mehr oder weniger rasch abhängig machen. Sachlich richtige Information schützt hier vor allem Jugendliche und junge Erwachsene viel eher vor der Idealisierung von Drogen bzw. der Verleugnung der Gefahren als Mystifizierung und Verteufelung illegaler Substanzen. Darüber hinaus haben natürlich die Erreichbarkeit und soziale Akzeptiertheit einer Substanz Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob sie als Suchtmittel konsumiert wird. Viel mehr Menschen sind von legalen als von illegalen Mitteln abhängig. Suchtursachen Ebenso wie eine Sucht nicht von heute auf morgen entsteht, gibt es auch nicht nur einen Grund für eine Suchtentstehung. Die Ursachen sind immer komplexer, verschiedene Einflüsse und Faktoren spielen zusammen. Psychoaktive Substanzen Pharmalogische Eigenschaften Art der Anwendung Konsumdosis Konsumdauer Konsumfrequenz PERSON Alter Geschlecht Konstitution Familiengeschichte Einstellungen Frühkindliche Entwicklung Selbstwert Problemlösungskompetenz Stressbewältigungsstrategien Umgang mit Gefühlen Genuss- und Liebesfähigkeit Bewertung der Droge SOZIALES UMFELD und GESELLSCHAFT Familie, Freunde Schulische/berufliche Situation Sozialstatus Freizeitmöglichkeiten Finanzielle Situation Bewertung d. Droge durch d. Gesellschaft Werbe- und Modeeinflüsse Gesetzgebung Konsumsitten, Verfügbarkeit Religion, Mobilität, Wirtschaft Was gibt es für Süchte? Nichtstoffliche Süchte Grundsätzlich wird zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten unterschieden. Die stoffungebundenen oder nichtstofflichen Süchte werden auch Verhaltenssüchte genannt. Die Sucht äußert sich in bestimmten Verhaltensweisen, die ebenfalls die Gesundheit schädigen oder schwer wiegende soziale Folgen haben können. Die bekanntesten sind: Spielsucht, Kaufsucht, Arbeitssucht, Internetsucht und Essstörungen wie Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating-Disorder (Esssucht ohne Erbrechen). Bei nichtstofflichen Süchten findet man eine ähnliche Suchtentwicklung wie bei stofflichen. Der Abhängige braucht den Kick, das Hochgefühl durch das Übermaß. Und er versucht das Hochgefühl immer wieder herzustellen. Je öfter er das tut, desto tiefer gerät er in die Abhängigkeit. Um der Gefahr der Beliebigkeit des Suchtbegriffs entgegenzuwirken, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nicht-substanzgebundenen Süchten eine klare Grenze zu ziehen und darauf zu bestehen, dass Sucht Krankheitscharakter hat. Sucht darf nicht einfach mit Gewohnheit oder Problemverhaltensweisen, die (noch) der willentlichen Kontrolle des Subjekts unterliegen gleichgesetzt werden. Von Sucht spricht man, wenn das zu Grunde liegende Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird (vgl.: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Suchtprävention in der Schule. Wien 2002). Wonach kann man süchtig sein? Süchtig werden kann man nicht nur nach Substanzen wie Alkohol, Nikotin und illegalen Drogen, sondern auch nach bestimmten Verhaltensweisen. Im Prinzip kann eine Sucht nach jedem menschlichen Verhalten entstehen. Süchte lassen sich einteilen in: 1. Substanzgebundene Süchte: Legale Stoffe: Alkohol Nikotin Koffein, Teein Schnüffelstoffe Verordnete Medikamente Illegale Stoffe: Opiate Kokain u. Crack Cannabisprodukte Halluzinogene Synthetische Drogen Nicht verordnete Medikamente 2. Nicht substanzgebundene Süchte: • Spielsucht • Computersucht/Internetsucht • Sportsucht • Kaufsucht • Arbeitssucht • Esssucht/Magersucht Verhaltensweisen mit Suchtcharakter können auch der Einstieg für stoffgebundene Abhängigkeit sein; so kann z.B. Arbeitssucht mit Nikotin-, Koffeinsucht und der Abhängigkeit von Aufputschmitteln einhergehen. Nicht stoffgebundene Süchte sind sozial anerkannt, es fällt dem Betroffenen eher leicht, den suchtartigen Charakter lange geheim zu halten. Polytoxikomanie (Mehrfachabhängigkeit): Viele Suchtkranke sind nicht nur von einer Substanz abhängig, oft liegt eine Mehrfach- und Mischabhängigkeit vor, z.B. von Alkohol und Tabletten. Wie kommt man aus der Sucht? Stationen auf dem Weg aus der Sucht: • Eingeständnis der Abhängigkeit Der erste, vielleicht wichtigste Schritt ist, die eigene Abhängigkeit zu erkennen und sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Zum Beispiel durch Test oder auch zur Selbsteinschätzung. Zum Beispiel folgender Test: Selbsteinschätzung: Bin ich PC- oder Online-süchtig? Untersuchungen aus den USA* zeigen, dass der Anteil von Online-Süchtigen unter Studierenden größer ist als in der Gesamtheit der Internetnutzer. Die Pathologische Nutzung von PC und world-wide-web führt zwar zu keinen körperlichen Problemen wie der Missbrauch von Substanzen wie Alkohol oder illegaler Drogen. Es kann aber zu massiver psychischer Abhängigkeit kommen, d.h. man braucht die Tätigkeit und die damit verbundenen Gefühle. Wenn Sie einschätzen möchten, ob Sie in Gefahr sind, in eine solche Abhängigkeit zu geraten oder bereits abhängig sind, dann beantworten Sie sich folgende Fragen** möglichst ehrlich: CHECK! • Bin ich oft länger als vorher beabsichtigt online? • Beschweren sich Menschen in meinem Umfeld über die Zeit, die ich im Internet verbringe? • Leidet meine Arbeit für das Studium unter der Zeit, die ich online verbringe? • Antworte ich ausweichend, wenn mich jemand fragt, was ich online mache? • Reagiere ich verärgert und aggressiv, wenn mich jemand stört, während ich online bin? • Kommt es häufig vor, dass ich nicht ausgeschlafen bin, weil ich mich spätabends noch einlogge? • Nehme ich mir vor, meine PC-/Internetzeit zu reduzieren, ohne dass mir dies wirklich gelingt? • Kommt es häufig vor, dass ich deprimiert, launisch oder nervös bin, während ich offline bin ein Zustand, der sich bessert, wenn ich wieder online bin? Bei mehr als drei Ja-Antworten muss man davon ausgehen, dass Ihre PC-/Internet-Nutzung problematische Züge angenommen hat und dazu führt, dass Sie andere für Ihr Leben wichtige Dinge vernachlässigen. • Suche nach Unterstützung Man ist seiner Sucht nicht alleine ausgeliefert – in Österreich gibt es medizinische, psychologische und sozialarbeiterische Unterstützung für Süchtige. •• • Kontakt zu einer Beratungsstelle Die einschlägigen Beratungsstellen (Siehe dazu Links und Adressen) bieten streng vertrauliche Gesprächsmöglichkeiten, um Information bekommen, die persönliche Situation erörtern und das weitere Vorgehen besprechen zu können. • Falls nötig körperlicher Entzug in einem Krankenhaus Zuerst wird bei substanzgebundenen Süchten immer ein körperlicher Entzug gemacht. Dies dauert ca. 2-3 Wochen und bedarf unbedingt einer professionellen Betreuung, um es nicht binnen kürzester Zeit zu einem Rückfall kommen zu lassen. • Bei schwerer Abhängigkeit: Stationäre Psychotherapie und Nachbetreuung Vor Beginn einer stationären Psychotherapie wird in der Regel die Motivation des Suchtkranken gründlich abgeklärt. Es werden deutlich Grenzen gesetzt und Signale gefordert, dass sich der Suchtkranke tatsächlich ändern will. • Ambulante Behandlung Bei noch nicht so weit fortgeschrittenem Suchtverhalten (soziales Netz noch vorhanden, Arbeit vorhanden) ist eher eine ambulante Psychotherapie vorzuziehen. • Rückfall Ein Rückfall ist nicht das Ende aller Bemühungen. Im Gegenteil, es ist damit zu rechnen, dass es in den meisten Suchtbehandlungen zu einem oder mehreren Rückfällen kommt. Sie geschehen in Momenten, in denen trotz bester Vorsätze und trotz besseren Wissens der eigene Wille nicht ausreicht und wieder der Griff zur Droge erfolgt. Es gehört zum Heilungsprozess einer Sucht, zu lernen, diese Rückfälle nicht zu verleugnen, sondern sie zu besprechen und dafür „gerade zu stehen. In der Sucht gefangen . Den Grad der Abhängigkeit kann man nicht an der getrunkenen Alkoholmenge messen. Der Trinker braucht jetzt jedoch regelmäßig eine gewisse Menge Alkohol um sein Sich-besserfühlen zu erreichen. Mit weniger Alkohol geht es nicht mehr. Es kommt durch die zunehmende Gewöhnung auch zu einer Dosissteigerung, die gesellschaftlich nicht mehr toleriert wird. Viele Alkoholkranke bemerken jetzt, dass sie die Kontrolle über ihr Trinken verloren haben. Sie bemerken, dass mit ihnen und ihrem Trinkverhalten etwas nicht stimmt. Sie wissen genau, dass sie weniger trinken sollten. Sie versuchen Trinkmuster oder wollen einfach nur weniger trinken, aber das bringt es nicht. Entweder trinkt der Alkoholkranke seine Wohlfühlmenge oder er kann es auch gleich bleiben lassen. Aber jetzt aufzuhören mit dem Trinken würde heißen, auf die guten Gefühle, die ja durch den Alkohol NOCH da sind, zu verzichten. Sind die Verhältnisse des Alkoholkranken relativ geordnet, so kann sich diese Phase der Sucht über Jahre hinziehen. Die Sucht erzeugt die Sucht . Die Sucht fordert jetzt mehr und mehr ihren Tribut. Waren es früher die negativen Gefühle die weggetrunken werden sollten, werden jetzt die unangenehmen Gefühle, die durch die Sucht entstehen bekämpft. Der einstige Helfer Alkohol wird zur Ursache und wird wiederum mit Alkohol bekämpft. Der Alkoholkranke versucht jetzt nicht mehr, sich zu kontrollieren. Er kämpft nicht mehr gegen sein Trinkverlangen an. Der Betroffene sehnt sich nach den angenehmen Gefühlen, die ihn einst der Alkohol geschenkt hat, erreicht sie aber nicht mehr. Irgendwann begreift er, dass er sie nicht mehr bekommen wird und trinkt dann um sich zu betäuben. Durch den daraus folgenden seelischen, sozialen und gesundheitlichen Niedergang gelangt er an seinen individuellen Tiefpunkt. Der Alkoholkranke erkennt, dass es für ihn so nicht mehr weitergehen kann. Viele Niederlagen und der damit verbundene Leidensdruck lassen bei dem Suchtkranken die Erkenntnis reifen, dass es keine andere Rettung mehr gibt, als aufzuhören. Der Wille zum Aufhören kommt meist aus tiefster Verzweiflung. Diese Verzweiflung ist aber die Voraussetzung für eine dauerhafte Abstinenz. Der Weg aus der Sucht . Der Betroffene muss erkennen, dass es ihm nur besser gehen kann, wenn er sein Leben selbst in die Hand nimmt. Eine Therapie kann ihm dabei beispielsweise sehr helfen. Dort lernt er, sein Leben wieder selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben. Er muss sehr an sich arbeiten und seine in ihm schlummernden Fähigkeiten zu entdecken und sein neues Leben zu meistern. Ein ehemaliger Patient einer Fachklinik nannte das mal treffend: Drei Monate für ein besseres Leben. Warum kommt es zu Rückfällen? Wenn die Betroffenen nun so leidvolle Erfahrungen gemacht haben, warum kommt es dann immer wieder zu Rückfällen? Vom Verstand her wissen die meisten trockenen alkoholkranken, dass sie nichts trinken sollten. Was schmerzt, sind die Gefühle. Der trockene Alkoholkranke hat nicht vergessen, dass ihm der Alkohol einst angenehme Gefühle geschenkt hat. Was letztlich einen Rückfall auslösen kann ist individuell verschieden. Zunächst kommt es zu einem Spiel der Gedanken (beispielsweise: Könnte mir denn dieses eine Gläschen schaden?). Dieses Gedankenspiel löst den Kontrollverlust aus das soll heißen der Betroffene gibt es auf, sich zu kontrollieren. Dem eigentlichen Rückfall, dem ersten Schluck geht also ein gedanklicher Rückfall voraus. Durch die gedankliche Vorbereitung wird das eigentliche Trinken wieder in Gang gesetzt. Nicht der erste Schluck Alkohol selbst löst den Kontrollverlust aus, sondern umgekehrt, der Kontrollverlust löst den ersten Schluck aus. Versehentlich getrunken Rückfall? Es kann einem trockenen Alkoholkranken passieren, dass er versehentlich ein Stück Torte mit Alkohol isst oder zum falschen Glas greift. Dennoch sollte der Betroffene deshalb nicht in Panik verfallen, wenn es denn mal passiert ist und es WIRKLICH versehentlich war. Denn nur die gedankliche Vorbereitung löst den eigentlichen Rückfall aus. Dennoch sollten trockene Alkoholkranke sehr bewusst leben, denn durch den Alkoholgeschmack kann die Erinnerung an die guten Gefühle durch den Alkohol geweckt werden. Folgen von Sucht und Coabhängigkeit Folgen von Sucht – check your drugs! Jeder Missbrauch von Substanzen ist gefährlich, jede Sucht hat mehr oder weniger katastrophale Folgen für den daran Erkrankten, für seine Umgebung, für die Gesellschaft: Körperliche Krankheit bis hin zur Lebensgefahr durch Überdosierung, chronische Schäden an inneren Organen, Anfälligkeit für Verletzungen, Unfälle, Infektionen. • Psychische Schäden wie Depression, Schlafstörungen, Konzentrations-störungen, Verlangsamung bis hin zum Delir und zur völligen Zerrüttung der Persönlichkeit. • Soziale Konsequenzen wie Schulden, Arbeitslosigkeit, Kriminalisierung, Verlust alter Freunde, Streit bis hin zur Gewalt in der Familie. Oft ist es möglich, zwar nicht die Abhängigkeit oder den Missbrauch von Substanzen zu verhindern, aber doch die damit verbundenen Gefahren zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem folgende Maßnahmen: • Generell der Ersatz (die Substitution) von gefährlicheren durch weniger schädigende Drogen. Um nur Beispiele zu nennen: Bier ist weniger schädigend als Spirituosen, die Abhängigkeit von Alkohol birgt weniger Gefahren als eine Opiatsucht, legal kontrollierte Opiatabgabe ist illegalem Heroinkonsum zu bevorzugen usw. • Das Vorhandensein „sauberen Bestecks, d.h. desinfizierter Spritzutensilien schützt intravenös Drogenabhängige von Krankheiten wie Hepatitis und AIDS. • Illegale Drogen, die am Schwarzmarkt erworben werden, können gefährlich verunreinigt sein, in der Dosis des Wirkstoffes gefährlich schwanken oder unerwartete Substanzen enthalten. Dies gilt besonders für „Ecstasy, „Speed und LSD. Es gibt Initiativen, die mit mobilen Labors www.checkyourdrugs.at checkyourdrugs.com z.B. auf Techno-Veranstaltungen präsent sind. Hier können vom Konsumenten illegal erworbene Substanzen getestet werden. Was ist Coabhängigkeit Coabhängige Personen stehen der süchtigen Person nahe und erschweren in ihrem Bestreben, nur das Beste zu wollen und „in bester Absicht zu handeln, die Selbstständigkeit bzw. Loslösung des Betroffenen. Süchtige Verhaltensweisen werden dadurch gefestigt und noch verstärkt, der alkoholabhängige Mann verändert z.B. sein Trinkverhalten nicht, da ihn seine Frau immer in der Arbeit entschuldigt. Typische coabhängige Verhaltensweisen • Verantwortung für den Abhängigen übernehmen • Sein Verhalten entschuldigen oder rechtfertigen • Ihm Belastungen abnehmen oder ersparen wollen • Sein Verhalten kontrollieren wollen • Die Realität seiner Sucht verleugnen Typischerweise coabhängige Gefühle • „Ohne mich bricht alles zusammen • Sich schwer zu tun, eigene Bedürfnisse zu spüren • Mit dem eigenen Befinden stark von der Situation des Süchtigen abzuhängen • Nicht mehr ein und aus zu wissen • Angekündigte Konsequenzen nicht wahr machen zu können Wie reagiere ich als Angehöriger nicht coabhängig oder: Helfen durch Nicht-Helfen • Zugewandte Konsequenz: ein JA zur Person ein NEIN zur Sucht. • Betroffenen die Verantwortung für sich selbst übergeben: die Sucht nicht vertuschen, keine Entschuldigungen erfinden, z.B. nicht am Arbeitsplatz anrufen und krank melden; der Abhängige soll Konsequenzen der Sucht selber spüren. • Sich nicht erpressen lassen, Grenzen setzen. • Hilfe in Anspruch nehmen; in Form von Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen und Fachleuten. • Nur Aktionen ankündigen, die man auch bereit ist, zu setzen: z.B. nur dann eine Scheidung androhen, wenn man tatsächlich dazu bereit ist. • Eigene Bedürfnisse wahrnehmen: z.B. Freizeitinteressen nachgehen, „selber nicht zu kurz kommen. • Raus aus dem Schneckenhaus gehen: versuchen, ohne Beschönigung über die eigenen Nöte zu sprechen. • Keine Blitzheilung erwarten. • Tätigkeiten, die man früher getan hat, wieder aufnehmen.