Arbeitsblatt: Sage Türst und Sträggele

Material-Details

Sage Türst und Sträggele
Deutsch
Leseförderung / Literatur
klassenübergreifend
3 Seiten

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21.04.2011

Autor/in

Rebekka Wiederkehr
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Türststrassen im Luzerner Land Märchen und Sagen 9 Überall im Kanton Luzern jagte einst der Türst. In Kriens nahm er seinen Weg durch die nunmehr verschwundene Klausengass. Er stürzte dort mit grossen und kleinen, alten und jungen Hunden vorbei. Ein Sigrist (Angestellter der Kirche), der ihn des Nachts gehört hatte, fand am Morgen vor dem Haus ein Hündchen der Schar ( Masse, Gruppierung). Er nahm das Tierchen in die Wohnung, um es zu pflegen. Am nächsten Abend kam die Schar wieder daher, hielt vor dem Hause und lärmte, bis der Sigrist das Hündchen herausreichte. In Horw, auf der Allmend, tobte einst der Türst die ganze Nacht. Am Morgen fand man auf dem Platze viele tausend Hundestapfen, und abseits lag einer der Hunde tot. Oft jagte der Türst in Wäldern und durch Bachbett, so im Entlebuch, im Wiggerntal, im Schiltwald, am Hundsrücken, im Würzenbachtobel bei Luzern, im Meggerwald, in Gunterswil und Seltenbach. Fast in jedem Ort des Kantons ist ein Weg, den der Türst benützt. Besonders wild geht es in den Fasten und Adventsnächten zu. Zu diesen Zeiten vernehmen die Leute das Bellen der Hunde, das Wiehern der Pferde, Schnauben, Stampfen, Grunzen, Kreischen, Rufen und Heulen des Heeres. In Escholzmatt gibt es eine Türstegg, in Hergiswil fliesst ein Türstbach. In Hergiswil hörte man oft eine grosse Schar kleiner Hunde vorbeirennen, einer aus der Meute ( Gruppe) sprang ihnen voraus und warnte die Leute, drei Schritte rechts vom Wege zu halten; wer nicht auswich, musste mitjagen. Meistens wurde das Wetter anders, wenn der Türst sich hören liess. Am Türstbach fand einer einst eine schnurrende Katze. Sie sträubte sich gegen den Mann, und dieser schlug mit dem Fuss nach ihr. Das Tier wuchs sofort zu einem fuderhohen Ungetüm auf, dem Mann schwollen die Füsse, und er lag lange Zeit krank darnieder. Auf dem Brestenberg bei Ettiswil muss man abends die Tennstore offen lassen, damit der Türst durch die Scheune jagen kann. Schliesst man die Tore aus Versehen, werden sie von unsichtbaren Gewalten aufgerissen. In Hohenrain jagt der Türst als grunzende Sau mit vielen kleinen Ferkeln. Wenn er ein Kind erwischt, frisst er es. Der Türst jagt zwischen Grossdietwil und Altbüron vom Nebensbergwald über den Rotbach nach dem Riserwald. In Egolzwil stürmt er nördlich vom Dorf gegen den Buchwald. Zwischen Nebikon und Altishofen geht er gegen den Flüggenwald. In Sursee musste im Küngenhaus ( Haus im Städtchen) in der Vorstadt die Türe offen stehen, der Türst jagte dort gegen die Suhre (Bach in Sursee). An vielen Orten errichtete man Bildstöcke und Kreuze wegen des Türsts. Zu Zinzerswil bei Buttisholz schützte eine alte Tafel, ein Marienbild, gegen das Gespenst. Der Bauer wollte einst die Tafel wegnehmen, aber nun umtobte die Jagd das Haus, und unter dem Vieh brachen Seuchen aus. Erst als die Tafel wieder aufgehängt wurde, zog Ruhe ein. In Grossdietwil war an einem Scheunentor ein altes hölzernes Kreuz befestigt, weil der Türst durch das Tenn jagte. Besonders wild tobte der Türst über die Bergegg zwischen Werthenstein und Entlebuch. Man errichtete deshalb die drei Kreuze, je in einer Entfernung, dass man vom einen das andere erblickte. Seither blieb der Türst aus. Wie der Türst an gewisse Strassen gebunden ist, hat er auch gewisse Zeiten für sein Treiben. Er kann in der Nacht nur von einer Betglockenzeit zur andern jagen. Kommt ein Hündchen aus Müdigkeit nicht mehr weiter und wird es am Morgen vom Glockenschlag ereilt, muss es liegenbleiben, bis die Glocke am Abend wieder läutet. In der Huben bei Grosswangen fanden die Knechte eines Morgens ein halbes Dutzend solcher Hündchen. Sie lagen wie tot auf dem Miststock. Der eine der Knechte nahm das schönste, weil es ihm gut gefiel, in den Stall und legte es dort aufs Heu. Es gab kein Lebenszeichen, als aber des Abends die Betglocke erklang, brach vor der Scheune ein Getümmel los, und ein grosser Hund schrie: Gib uns das Gragöri heraus! Dies rief er, bis sie ihm den kleinen Gefährten herausreichten. Der Türst ist eine Sagenfigur aus dem Luzerner Hinterland, die noch aus heidnischen (ungläubigen) Zeiten stammt. Er wird als höllischer Jäger bezeichnet, vor dem sich die Menschen an stürmischen, von Unwetter begleiteten Jahreszeiten hüten sollten. Er jagt in den stürmischen Monaten durch die Dörfer gefolgt von einer Herde von dreibeinigen Hunden, wobei der Leithund nur über ein Auge verfügt. Von Region zu Region gibt es andere Beschreibungen dieser Sagenfigur. Sträggelejagen Vielerorts im Lande war es früher Übung, dass junge Burschen in bestimmten Nächten eine Sträggelejagd nachahmten, indem sie einen von ihnen jauchzend und lärmend verfolgten. Der Rat von Luzern musste oft gegen dieses Sträggelejagen einschreiten. Im Entlebuch verschwanden einst alle Burschen, die eine solche Jagd veranstaltetet hatten. Beim Sträggelejagen zeigte es sich immer, dass einer mehr dabei war, als die Gesellschaft anfänglich zählte. Wie oft man auch die Probe machte, immer ergab sie einen Überzähligen. Und nie brachte man es heraus, welcher der Überzählige war. Im Entlebuch ahmten einst sieben Burschen am Schüpfer Berg die Sträggelenacht nach. Als sie des Treibens müde waren, beschlossen sie, in Türsts und der Sträggelen Namen auf einem Schlitten zu Tal zu fahren. Sie setzten sich auf den Schlitten und glitten ab. Wie einer zur Seite blickte und im weissen Schnee die Schatten zählte, sah er, dass acht Gestalten auf dem Schlitten sassen. Einer warf einen riesengrossen Schatten. Auch die andern zählten, als er sie darauf aufmerksam machte, dass einer zuviel unter ihnen sass. Der Schlitten fuhr unterdessen immer schneller. Die Burschen spürten, dass er den Boden nicht mehr berührte, und dass die Fahrt nun hoch in den Lüften ging. Da vergingen ihnen Übermut und Lustigkeit, Todesangst befiel sie, und sie gelobten, wenn Gott sie aus dieser Not erlöse, so wollen sie zum Dank eine Kapelle errichten. Kaum hatten sie das Gelübde getan, verloren sie die Besinnung. Als sie langsam wieder zu sich kamen, lagen sie neben dem umgestürzten Schlitten tief im Schnee, und als sie sich in der Gegend umsahen, fanden sie sich zu Füssen des Hügels, auf dem ihr Heimwesen stand. Die sieben Burschen gingen bedrückt nach Hause und machten sich unverzüglich an die Erfüllung des Gelübdes. Als sie den Grund zu der Kapelle zu legen begannen, stiessen sie auf einen ansehnlichen vergrabenen Schatz. Es war ein Topf voll alter Berner Taler. Sie verwendeten das Geld zum Bau der Kapelle, die darob schöner und grösser wurde, als die Gründer es vorgesehen hatten. Die Kapelle ist St.Josef geweiht und steht am Fuss des Schüpfer Berges. Die Sträggele Märchen und Sagen 9 In uralter Zeit, als die Menschen noch an Götter glaubten, versetzten oft wilde Geisterzüge die Leute in Schrecken. Wenn ein Mensch starb, so glaubte man damals, hauche er mit dem letzten Atemzuge seine Seele in den Wind. Mit diesen Seelen der Verstorbenen hauste Wodan der Götterfürst, im Volksmund auch Wüetis oder Türst genannt, in eimen Berge. Doch gab es auch Tage und Nächte, da er diesen Ort auf einem milchweissen, achtfüssigen Pferd verliess. Er ritt dann mit Windeseile hoch über Felder, Wälder und Wolken dahin. Sein blauer Mantel flatterte gespenstisch hinter ihm drein. Ihn begleiteten die Seelen der Abgeschiedenen als schreckliche Gestalten. Ohne Kopf, die Beine oft auf den Schultern tragend, auf zweibeinigen Pferden reitend oder auf Räder gebunden, die von selbst rollten, so wälzten sie sich hinter dem Gespensterfürsten her. Darunter mischten sich Raben und andere Totenvögel, vor allem der Steinkauz. Er rief: Ku-i-mit, ku-i-mit! Das bedeutete: Komm mit, komm mit! Wer diesen Ruf der Wiggle hörte, musste sich dem Geisterzug bald anschliessen. Das hiess, er werde in nächster Zeit sterben. Doch nicht nur Nacht- und Totenvögel begleiteten diesen grausigen Zug. Man hörte auch Pferde wiehern, vernahm Hufschläge und Peitschenknall; es kläfften Hunde, gellten Hörner und wilde Rufe und Befehle erschallten. Die Leute sagten dann: Die wilde Jagd, Wüetis (Wodans) Heer, fährt durch die Lüfte. Wer es hörte, musste die Fenster schliessen. Es konnte sonst leicht passieren, dass er einen Schlag erhielt, dass die gespenstische Luft sein Gesicht hoch aufschwellen liess, oder dass er sogar vom grässlichen Haufen mitgerissen wurde. Zu dieser Zeit lebte droben auf dem Emmenberg, auf einer Burg, ein übermütiges Edelfräulein, das eher mehr berüchtigt als berühmt war. Man nannte sie die Sträggele. Ob ihren ausgefallenen Ideen schüttelten die Landleute oft genug die Köpfe. Der hausfraulichen Tugenden und Pflichten spottete sie. Viel lieber galoppierte sie hinter den Jägern her über Felder und Gräben, durch Stauden und Wälder, um wie die Männer Speer und Pfeil nach einem Wild zu schleudern. Während alle, die sie kannten, ihr nicht gerade jungfräuliches Gebaren missbilligten, hatte allein ihr Verlobter Freude an ihrem rohen Treiben. Die Sträggele, eine hässliche Hexe, die angeblich seine Frau ist, kommt in einigen Sagen Türsts vor. Definition Sage Märchen und Sagen E 8 Der direkteste Weg von Deutschland nach Italien war der St. Gotthard. Doch ein Engpass oberhalb Göschenen war lange nicht zu bezwingen. Dieser Engpass heisst Schöllenschlucht. Hier die Geschichte, wie man diesen Engpass bezwungen hatte Die Sage von der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht Die Männer des Landes Uri kamen an ihrer Landsgemeinde (Versammlung) wieder einmal nicht vom Fleck, als sie darüber nachdachten, wie die Schöllenen zu bezwingen sei. Nach langem Schweigen riss dem Landschreiber die Geduld: Menschenhand kann dieses Werk nicht vollbringen. Wir müssen einen Vertrag mit dem Teufel schliessen. Entsetzen und Angst ergriff die Zuhörer, doch der Landschreiber machte sich nicht viel daraus. Vielmehr lächelte er hinterlistig, als er anerbot, den Handel mit dem Satan selber zu übernehmen. Landschreiber und Teufel waren bald einig: Der Teufel verpflichtete sich, die Brücke über Nacht aus dauerhaftem Gestein über die Reuss zu schlagen. Der Landschreiber versprach, der erste, der sie benutze, gehöre dem Erbauer, also dem Teufel. Und siehe, am anderen Morgen hatten die Urner ihre Brücke. Sie bestaunten das gelungene Werk und freuten sich. Als sie jedoch auf der anderen Seite den Teufel erblickten, der auf seinen Lohn wartete, graute (gruselte) es ihnen. Der Landschreiber aber war nicht verlegen. Er hatte einen mächtigen, grässlich stinkenden Ziegenbock mitgebracht. Diesen stiess er nun über die Brücke. Der Satan begriff sofort, dass er hintergangen worden war und zerriss das Tier in tausend Stücke. Als er sich daran machte, seinen Bau mit einem Felsbrocken wieder zu zerstören, machte ein buckliges Weibchen über sich und den Stein schnell das Kreuz. Da fuhr der Teufel mit fürchterlichem Getöse zur Hölle hinab. Die Teufelsbrücke damals Der 220-Tonnen-Stein Was ist eine Sage? Definition: und heute Kennst du Sagen? Welche? Was ist eine Sage? Definition: In einer Sage wird ein wundersames Ereignis erzählt. Meist hat sie einen wahren Kern. Doch durch die mündliche Erzählung über Generationen, weiss man heute nicht mehr genau, was daran wahr ist und was nicht. Merkmale Mündliche Überlieferung Kurze Erzählung Wundersames, fantastisches Ereignis wird erzählt, als wäre es tatsächlich geschehen Es kommen Personen, Jahrzahlen oder Orte vor, die es tatsächlich gegeben hat Man weiss nicht, was wahr ist und was dazugedichtet wurde Kanton Luzern wo der Türst überall sein Unwesen trieb