Arbeitsblatt: Gewürze

Material-Details

kleine Gewürzgeschichte
Geschichte
Anderes Thema
6. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

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789
9
14.07.2011

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Kleine Gewürzgeschichte Irgendwann merkten die Menschen, dass manche Pflanzenteile – Wurzeln, Blätter, Beeren oder Rinden – den Geschmack des Essens verbesserten. Während sich die Armen mit dem begnügen mussten, was sie in Feld und Wald an Würzigem sammelten, stürzten sich die Reichen auf alles, was von weit her kam. Mit verschwenderischem Würzen konnte man seinen Reichtum zur Schau stellen: Die alten Römer waren bekannt für Gewürzexzesse, und auch im Mittelalter herrschte ein Gewürzboom. 100 Taler gab man beispielsweise bei einem Hochzeitessen für die Ochsen aus, aber 420 Taler für die Gewürze. Besonders schick war es, auch noch den Fussboden mit Gewürzen zu bestreuen. Als der Preis für die exotischen Gewürze ins Astronomische stieg, war dies mit ein Grund, dass wagemutige Männer von Europa aus den Weg in die Gewürzländer suchten. Auf Verluste wurde keine Rücksicht genommen. Von Magellans Expedition rund um die Welt kehrten von 265 Männern gerade noch 18 zurück. Doch wenn von einer Flotte auch nur ein einziges Schiff reich beladen mit Gewürzen zurückkam, waren schon alle Kosten gedeckt, und es blieb erst noch ein saftiger Gewinn. Vom Pfefferland aus war es nur noch ein Katzensprung – um Ceylon herum – über den Indischen Ozean und durch die Meerenge von Malacca – bis zu den sagenhaften Gewürzinseln, den Molukken, der Heimat von Nelken und Muskat. Mit Glitter, bunten Perlen und Spiegelchen warben die Potugiesen zuerst um die Gunst der dortigen Fürsten für Tauschgeschäfte. Aber bald schon zeigten sie ihr wahres Gesicht. Sie unterwarfen eine Insel nach der anderen und bauten an allen wichtigen Stellen mächtige Festungen. Sie rafften an Gewürzen zusammen, soviel sie konnten, schickten Ladung um Ladung nach Europa und zerstörten so mit einem Schlag das uralte arabischindische Handelssystem. Für die Bewohner der malerischen Tropeninseln brach eine böse Zeit an: Sie mussten wie Sklaven in den Gewürzpflanzungen schuften. Kaum waren die Portugiesen Herren der Gewürzinseln geworden und damit eine Grossmacht in Europa, passierte das Übliche: Alle anderen Länder versuchten, ihnen den kostbaren Besitz zu entreissen, und die Inselwelt wurde zum Schauplatz heftiger Kriege. Schliesslich griffen die Holländer zu einer List: Sie versprachen den Fürsten auf den Gewürzinseln, die lästigen Portugiesen zu verjagen, allerdings müssten sie ihnen dabei helfen. Doch damit kamen die unglücklichen Einheimischen vom Regen in die Traufe. Eine Insel wurde sogleich als Gefängnis eingerichtet. Wer heimlich eine Muskatnuss pflückte, dem wurde die Hand abgehackt. Schmugglern drohte die Todesstrafe! Gab es eine zu grosse Ernte, verbrannten die Holländer die Überschüsse, denn nur solange die würzige Ware knapp war, erzielte sie einen hohen Preis. Aber natürlich gelang es trotzdem einigen Abenteurern, ein paar Nelken- und Muskatbäumchen herauszuschmuggeln. Sofort begann man, an verschiedenen Orten Plantagen anzulegen, und als diese anfingen, reiche Ernte zu tragen, war es mit dem Monopol auf die exotischen Gewürze vorbei. Heute ist vom einstigen Luxuswert der Gewürze (ausser bei Vanille und Safran) nicht mehr viel geblieben. Sie werden in so grossen Mengen angepflanzt, dass sie im Supermarkt billig zu kaufen sind. Doch die Preise können nur deshalb so niedrig gehalten werden, weil vor allem Frauen und Kinder zu lächerlichen Löhnen die aufwändige Pflückarbeit verrichten.