Arbeitsblatt: Historisches Denken - Was heisst das?

Material-Details

12 kurze Texte zeigen, was „historisches Denken“ bedeutet.
Geschichte
Anderes Thema
6. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

84833
496
4
10.08.2011

Autor/in

Jonas Märki
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

„Historisches Denken – was heisst das? Du hast zwölf kurze Texte vor dir. Sie sollen dir zeigen, was „historisches Denken bedeutet. Vielleicht bist du vorerst überrascht, wenn du erfährst, dass man in Geschichte „anders denkt, als zum Beispiel in Mathematik. Wenn du zu lesen beginnst, merkst du aber rasch, dass alle diese Aussagen speziell sind. Sie passen nicht zur Naturlehre oder zur Musik. Sie sind auf Geschichte zugeschnitten. Deinen Eltern oder Grosseltern begegneten im Geschichtsunterricht nie solche Texte. Das zeigt, dass sich das Fach Geschichte weiterentwickelt – und der Geschichtsunterricht dazu. Wer sich mit Geschichte befasst, stellt fest, dass es nur etwas gibt, das gleich bleibt: Die Welt wandelt sich, verändert sich – positiv oder negativ. Hier die zwölf Texte: 1. Wenn du dich im Fach Geschichte mit der Vergangenheit beschäftigst, mit dem, was sich früher ereignet und entwickelt hat, solltest du stets nach den Ursachen fragen, nach dem „Warum?. Ebenso nötig ist die Frage nach den Folgen eines Ereignisses oder einer Entwicklung. 2. Es genügt nicht, bloss Wissen anzuhäufen und auswendig zu lernen, sondern du solltest in Geschichte stets herausfinden, worum es eigentlich geht, wo das Problem liegt: Was ist zu klären? Was muss ich herausfinden? 3. Der Rohstoff der Geschichte sind die Quellen. Selbst Historiker/innen müssen vieles übernehmen. Aber du solltest dir angewöhnen zu fragen, ob es Quellen für das und jenes gibt. 4. Wer sich anhand von Quellen und Darstellungen mit Geschichte befasst, muss sich bemühen, verschiedene Zugänge zu nutzen. Nach Möglichkeit solltest du auch Quellen beiziehen, die nicht miteinander übereinstimmen. 5. Ein Geheimprotokoll ist eine ganz andere Art von Quelle als ein Tagebuch. Auch wenn du eine Rede zum 1. August mit einem Gutachten von Experten vergleichst, stellst du grosse Unterschiede fest. Eine Quelle ist nicht einfach „eine Quelle. Du musst darauf achten, was für einen Typ Quelle du untersuchst. 6. Manche Leute meinen noch heute, im Zweiten Weltkrieg sei die Schweiz einzig und allein aufgrund der Neutralität (oder der Armee) nicht von den Nationalsozialisten erobert worden. Solche Auffassungen über Geschichte, von denen Fachleute eindeutig sagen können, dass sie falsch sind, bezeichnet man als Mythen. Gegenüber Mythen musst du besonders kritisch sein. 7. Wenn du mit Quellen arbeitest, solltest du versuchen, möglichst so vorzugehen, wie es die professionellen Historiker/innen tun. Du kannst dich dabei an die Formel AQUA halten. Das erste steht für „Autor/in, QU für „Quelle, das zweite für „Adressat/in. Im ersten Schritt untersuchst du die Quelle, im zweiten versuchst du sie zu beurteilen. 8. Besonders gut musst du dir beim Bearbeiten von Quellen überlegen, wer hier was erreichen wollte, was bei einer Tat (oder einer unterlassenen Tat!) für eine Absicht zu erkennen oder zu vermuten ist. 9. Besonders wertvoll ist die Frage, was für ein geschichtliches Bild wir uns von uns selbst machen – und was sich andere (zum Beispiel in einem anderen Land, in einer anderen Partei usw.) für ein Bild von uns machen. 10. Wenn du in einem Text, zum Beispiel in einer Projektarbeit am Ende deiner Schulzeit, etwas behauptest, musst du nicht nur sagen, wie du zu dieser oder jener Aussage gekommen bist. Du musst deine Aussage mit Hinweisen auch überprüfbar machen und darauf gefasst sein, dass jemand deine Meinung nicht teilt oder das Gegenteil behauptet. 11. Im Leben solltest du Vertrauen haben, in der Geschichte Zweifel! Nimm also nichts im Voraus einfach als „wahr hin. Zwar kann niemand alles und jedes selber überprüfen. Dennoch: Sei kritisch! Frage dich: Könnte es nicht auch anders gewesen sein? Lass dich also „unsicher machen! In Geschichte sind abwägende Aussagen oft besser als eindeutige. 12. Die Geschichte ist keine Einbahnstrasse, keine vorbestimmte Strecke ohne Abzweigungen. Die Menschen in einer Schule, in einer Gemeinde, in einem Land müssen nicht eine historische Strecke abspulen, die ihnen zugewiesen wurde. Sie haben Freiraum zum Handeln. Dieser Freiraum ist zwar für viele Menschen leider häufig klein. Meist ist er aber grösser, als man annimmt. Auch du kannst dich entscheiden, einmischen, handeln und so ein kleines Stück der Welt mitgestalten.