Arbeitsblatt: Auengebiet und ihre Lebensräume
Material-Details
Erläuterung Auengebiet mit Unterteilung.
Biologie
Anderes Thema
6. Schuljahr
3 Seiten
Statistik
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16.09.2011
Autor/in
Pascal Weber
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Auen und ihre Lebensräume Auen findet man im Überschwemmungsgebiet von Flüssen und Bächen. Nur Bereiche welche bei Hochwasser überschwemmt werden, rechnen wir somit zur Flussaue. Wo das nicht, oder nicht mehr der Fall ist, wird das Fehlen dieses beherrschenden Faktors früher oder später in der Artenzusammensetzung sichtbar. Ohne die periodischen Überflutungen wird die auentypische Vegetation mitsamt ihren tierischen Bewohnern verdrängt. Die vielfältigen Lebensräume der intakten Auen werden somit alle in irgend einer Form durch das Wasser beeinflusst. Tiere und Pflanzen, die in der Aue leben, müssen daher fähig sein, eine zeitweilige Überflutung ohne Schaden zu überstehen oder sich danach rasch erholen zu können. Sie müssen auch Trockenperioden von unterschiedlicher Dauer aushalten können. Es ist ein sich ständig verändernder Lebensraum. Bei diesen harten Lebensbedingungen ist es auf den ersten Blick erstaunlich, dass Flussauen eine so hohe Artenvielfalt aufweisen. Rund 40 Prozent aller in der Schweiz heimischen Pflanzenarten und 80 Prozent der über 3000 Tierarten finden hier ein Zuhause. Auf den zweiten Blick wird klar, dass eine Auenlandschaft mit ihren vielen, sehr unterschiedlichen Kleinstandorten, unzählige Nischen für eine reiche Tier- und Pflanzenwelt bietet. Je höher eine Pflanzengesellschaft über dem mittleren Flusswasserstand liegt, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit überflutet zu werden. Daher bilden sich in Abhängigkeit zum Gewässer folgende typische Lebensräume aus: Die Skizze zeigt schematisch die verschiedenen Lebensräume einer Aue. Flussbett Dieser Lebensraum ist ständig unter Wasser. Der ursprüngliche Lauf unserer Gewässer im Mittelland wies viele Mäander auf und die Flüsse transportierten viel Geschiebe. Die Flusssohle besteht daher aus Kies. Die Linienführung und die unterschiedliche Sohlenbreite schafft verschiedene Strömungsverhältnisse und Wassertiefen. So gibt es Bereiche mit langsam fliessendem Wasser, aber auch Bereiche mit starker Strömung. Fliessgeschwindigkeit und Wassertiefe sind neben Wasserqualität, Temperatur sowie Sohlenbeschaffenheit die hauptsächlichen Faktoren, die diesen Lebensraum prägen. Je nach Wetterlage ändern sich Wasserstand und Wasserführung und somit die Strömungsverhältnisse stark. Von Zeit zu Zeit kann sich sogar der Standort dieses Lebensraumes verschieben, dann wenn der Fluss bei Hochwasser sein Bett verlässt oder wenn er sein Bett mit Geschiebe aufgefüllt hat und sich einen neuen Weg sucht. Auf solche Ereignisse müssen Pflanzen und Tiere vorbereitet sein. Kiesbank Kiesbänke liegen bei Niedrigwasser an der Luft und können recht trocken sein, werden aber oft überflutet. Entstanden sind sie durch Ablagerung von Geschiebe, das beim nächsten Hochwasser auch wieder fortgeschwemmt werden kann. Eine trocken gefallene Kiesbank ist zuerst vegetationslos, aber Pionierarten (Rohrglanzgras, Knöterich-Arten) können sich aufgrund von nährstoffreichen Ablagerungen des Hochwassers rasch ansiedeln. Auf die ersten Siedler folgen rasch andere Pflanzen und Tiere. Es gibt eine Abfolge ( Sukzession) vom vegetationslosen Zustand über Pionierpflanzen bis zum Weidengebüsch. Zwischendurch kann ein Hochwasser den Entwicklungsprozess wegen der mechanischen Bearbeitung durch mitgeführte Steine zurückwerfen. Da unsere Gewässer meist soweit gezähmt wurden, dass sie kaum mehr neue Kiesinseln schaffen können, findet man nur noch wenige unbewaldete Kiesinseln. Weichholzaue Das unregelmässige, weisslich-silbrige Kronendach der Silberweiden mit ihrem feinen Astwerk gibt der Weichholzaue ein urtümliches Aussehen. Die Weichholzaue liegt über dem Mittelwasserstand, wird aber bei jedem Hochwasser überflutet. Man findet deshalb häufig abgebrochene Äste, schiefe Stämme, frisch aufgeschüttete Kiesbänke und Treibgut als Überbleibsel einer solchen Überflutung. Es handelt sich um eine sehr dynamische Vegetationseinheit. Die Krautschicht wird oft überschwemmt und kann sogar weggerissen werden. Die Weichholzaue kann bis zu maximal 5 Monaten pro Jahr überflutet sein. Der Boden ist während einer langen Zeit jährlich wassergesättigt und es herrschen sauerstoffarme Verhältnisse vor, die keine biologische Aktivität mehr zulassen. Durch die periodischen Überschwemmung wird der Boden reichlich mit Nährstoffen versorgt und ist deshalb sehr fruchtbar. In der Schweiz findet man die Weichholzaue am Mittel- und Unterlauf von Flüssen, sowie an Seeufern. Dort bildet sie meist schmale Gehölzstreifen. Hartholzaue Bei jedem Hochwasser wird das Bodenniveau der Weichholzaue durch Ablagerung von Feinmaterial allmählich erhöht, bis es nur noch bei Spitzenhochwassern überflutet wird. In diesem am höchsten gelegenen Teil des Überschwemmungsgebietes findet man die Hartholzaue. Ihren Namen hat sie von den zahlreichen hier wachsenden, kräftigen und dauerhaften Baumarten erhalten. Im natürlichen Zustand trifft man auf einen vielschichtigen, oft mit Lianen verhangen Wald mit Dschungelatmosphäre. Es ist ein strukturreicher Lebensraum, in dem viele verschiedene Feuchtstandorte oft mosaikartig verzahnt zu finden sind. Es gibt feuchte Mulden und trockenere Kuppen mit ihrer typischen Vegetation. Auflandungen und periodische Hochwasser fördern diese Strukturierung. Das Hauptverbreitungsgebiet der Hartholzaue liegt im Tiefland, entlang der grossen Mittellandflüsse. Der Wasserhaushalt ist prägender Faktor der Hartholzaue, die typischerweise 10-20 cm über dem Grundwasserspiegel liegt. Der Boden kann je nach Jahreszeit sehr vernässt, aber auch recht trocken sein. Der Untergrund besteht aus durchlässigem Flussschotter und kann deshalb leicht austrocknen. Durch die periodischen Überschwemmungen ist der Boden sehr nährstoffreich und fruchtbar. Altarm, Tümpel, Giessen Ein sich selbst überlassener mäandrierender Fluss ändert seine Gestalt ständig. Auf der inneren Seite der Flussschleife findet Ablagerung von Material statt, auf der anderen Erosion. Daher sehen die beiden Hänge zu beiden Seiten einer Flussschlaufe sehr unterschiedlich aus: auf der Innenseite der flache Gleithang, auf der Aussenseite der steil abfallende Prallhang. Mit der Zeit verändert sich der Flusslauf durch die Ablagerung auf der einen und die Abtragung auf der anderen Seite ständig, bis nach vielen Jahren der Hals der Schlinge durchbrochen wird und das Wasser der kürzesten Verbindung folgt. Zurück bleibt eine nur noch wenig durchströmte Flussschleife, der Altarm. Dabei kann der Altarm ganz abgetrennt werden und als Stillgewässer langsam verlanden. Der Tümpel eines Altarms kann selbst in verschiedene Lebensräume unterteilt werden und ist ein wunderbarer Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die stehendes Wasser und Verlandungszonen benötigen. Altarme können, vor allem wenn sie noch jung sind, bei Hochwasser überflutet werden und sind feuchte bis nasse Lebensräume. Mit zunehmender Verlandung werden sie trockener. Die Skizze zeigt schematisch die Entstehung eines Altarms. In einigen Auen findet man auch Giessen. Das sind Grundwasseraufstösse welche oft in der Nähe von natürlichen Gewässern zu finden sind. Hier leben Tiere die hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen. Das glasklare Wasser aus den Giessen mündet schliesslich im Fluss.