Arbeitsblatt: Mordnacht von Luzern

Material-Details

Geschichtlicher Hintergrund
Geschichte
Schweizer Geschichte
klassenübergreifend
4 Seiten

Statistik

87004
1093
5
21.09.2011

Autor/in

Markus Riechsteiner
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Mordnacht von Luzern – auf den Spuren der Rotärmel Die Stadt Luzern zur Zeit der Rotärmel Ein eigentlicher «Gründungsakt» lässt sich für Luzern nicht ausmachen. Vermutlich lag am Ausfluss des Sees schon in römischer oder noch früherer Zeit eine kleine Siedlung. Das Kloster St. Leodegar im Hof besteht seit dem frühen 8. Jahrhundert und wird 840 erstmals urkundlich erwähnt. Rund um die Reussbrücke, welche die südlich gelegenen Dinghöfe mit dem Kloster verband, ist allmählich ein Markt von einiger Bedeutung entstanden. Im Übergang der Pfarrei vom Kloster im Hof an Luzern im Jahre 1178 sehen die Historiker die Geburtsstunde der Stadt. Die Eröffnung des Gotthardpasses um 1220 sorgte für neue Wachstumsimpulse. Vom Grendel über die Grabenstrasse bis zum Mühleplatz entstand in dieser Zeit ein erster turmbewehrter Mauerring, der auch die noch unbedeutende linksufrige Kleinstadt umfasste und seinen Abschluss gegen den See in der Kapellbrücke und im Wasserturm fand. 1291 kam Luzern durch Kauf an Rudolf von Habsburg. Gegen Beschränkungen ihrer Autonomie wehrten sich die Stadtbürger und schlossen 1332 einen ewigen Bund mit den Waldstätten. Das Jahr 1332 gehört zu den wichtigsten Daten der Schweizergeschichte. Die erstmalige auf Dauer angelegte und nicht nur vorübergehende Gleichberechtigung zwischen Stadt- und Landorten war für die Entwicklung der eidgenössischen Staatenwelt von grösster Bedeutung. Wahrscheinlich hat erst der Beitritt Luzerns das Überleben der jungen Eidgenossenschaft gesichert. In der Folge setzte eine rasche Entwicklung zum Stadtstaat ein. Der Sieg der Eidgenossen bei Sempach 1386 löste Luzern endgültig aus den Bindungen an Österreich und ermöglichte die Bildung des luzernischen Territorialstaates. Sichtbares Zeichen des Machtanstieges ist die Verlegung des Mauerrings nach aussen und die Entstehung der Museggmauer bis 1408. Der Luzerner Rat wurde nun auch Landesherr über 14 Vogteien oder Ämter. Am Ende des 18. Jahrhunderts regierte ein Patriziat von nur 29 namentlich genannten Geschlechtern den gesamten Stadtstaat. Aber Luzern war um 1800 trotz seiner dominanten Stellung als Zentrum der katholischen Schweiz und Mittelpunkt eines grossen Untertanengebietes immer noch eine Kleinstadt mit bloss 4300 Einwohnern. Quelle: Infoblätter von Luzern Tourismus Mordnacht von Luzern – auf den Spuren der Rotärmel Geschichtsdaten aus der Zeit der Rotärmel 1178 Gründung einer Leutpriesterei in der Peterskapelle und wahrscheinlich Stadtgründung 1210 werden die Luzerner zum ersten Mal Burgenses genannt 1220 ca. Eröffnung des Gotthardpasses; Luzern wird Umschlagsplatz vom Land zum Wasserweg und passnächste Stadt an der grossen Nord-Süd-Route 1223 kommen die ersten Barfüsser nach Luzern 1252 Geschworener Brief (Stadtfriede) 1274 nimmt Rudolf 1. von Habsburg die Stadt in Reichsschutz 1291 Übergang von Luzern an Habsburg 1332 schliesst Luzern einen Bund mit Uri, Schwyz, Unterwalden; Beitritt von Weggis und Gersau 1333 1403 Neue Stadtbefestigung (Museggmauern) 1340 Gründung der ersten Schiffsgesellschaft mit Stapelplatz 1343 Bürgerauflauf (Mordnacht von Luzern; Sage vom Knaben und dem Ofen) 1380 Luzern erwirbt Weggis; die Entwicklung zum Stadtstaat beginnt 1386 Schlacht bei Sempach. Abwehr der Habsburgischen Wiedereroberungsversuche 1389 Friede mit Österreich Quelle: Infoblätter von Luzern Tourismus Mordnacht von Luzern – auf den Spuren der Rotärmel Die Legende vom Knaben und vom Ofen Ofen Ofen Als auch Luzern dem ewigen Bunde beigetreten war, da wohnten doch noch östreichisch Gesinnte in der Stadt, die erkannten sich an den roten Ärmeln, die sie trugen. Diese Rotärmel versammelten sich einer Nacht unter dem Schwibbogen, willens, die Eidgenossen zu überfallen. Und wiewohl sonst niemand um so späte Zeit an den Ort zu gehen pflegte, geschah es damals durch Gottes Schickung, daß ein junger Knab unter dem Bogen gehen wollte, der hörte die Waffen klirren und den Lärm, erschrak und wollte fliehen. Sie aber holten ihn ein und drohten hart: wenn er einen Laut von sich gebe, müsse er sterben. Drauf nahmen sie ihm einen Eid ab, daß er keinem Menschen sagen wolle; er aber hörte alle ihre Anschläge und entlief ihnen unter dem Getümmel, ohne daß man sein achtete. Da schlich er und lugte, wo er Licht sähe; und sah ein groß Licht auf der Metzgerstube, war froh und legte sich dahinten auf den Ofen. Es waren noch Leute da, die tranken und spielten. Und der gute Knab fing laut zu reden an: »O Ofen, Ofen!« und redete nichts weiter. Die andern hatten aber kein acht drauf. Nach einer Weile fing er wieder an: »O Ofen, Ofen, dürft ich reden.« Das hörten die Gesellen, schnarzten ihn an: »Was Gefährts treibst du hinterm Ofen? Hat er dir ein Leid getan, bist du ein Narr, oder was sonst, daß du mit ihm schwatzest?« Da sprach der Knab: »Nichts, nichts, ich sage nichts«, aber eine Weile drauf hub er an zum drittenmal und sagte laut: »O Ofen, Ofen, ich muß dir klagen, ich darf es keinem Menschen sagen;« setzte hinzu, daß Leute unterm Schwibbogen stünden, die wollten heut einen großen Mord tun. Da die Gesellen das hörten, fragten sie nicht lange nach dem Knaben, liefen und taten jedermann kund, daß bald die ganze Stadt gewarnt wurde. Mordnacht von Luzern – auf den Spuren der Rotärmel Rudolf 1. von Habsburg (römisch-deutscher König von 1273 bis zu seinem Tod 1291) Neben Heinrich I. und Friedrich I. war Rudolf die populärste Gestalt unter den deutschen Königen des Mittelalters. Rudolf gilt als erster Vertreter des Hausmachtkönigtums: der von den Kurfürsten gewählte König versuchte angesichts des geschwundenen Reichsgutes, durch Verbreiterung seiner Hausmacht seine Stellung im Reich zu stärken. So gelang es Rudolf, seine Stammlande durch Neuerwerbungen – zuletzt 1291 Luzern! zu vergrößern; in der Reichspolitik stützte er sich in erster Linie auf seine schwäbischen Besitzungen und die österreichischen Herzogtümer. Die Bevölkerung des Reiches war von Rudolfs Herrschaft bald enttäuscht, da der König immer neue Steuerleistungen verlangte. Quelle: www.bautz.de/bbkl/r/rudolf_i_v_ha.shtml (Biographisch-Bibliografisches Kirchenlexikon)