Arbeitsblatt: Anfänge des Stillebens
Material-Details
Arbeitstext
Bildnerisches Gestalten
Kunstgeschichte
10. Schuljahr
1 Seiten
Statistik
87396
974
1
29.09.2011
Autor/in
Diane Pianka
Land: Deutschland
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Arbeitsblatt 1 Die Welt der Dinge 1Phase Dinge in neuem Licht: Wahrnehmungen verändern sich Ebermann, Ulrich W. Die Welt der Dinge. Stillleben – Objekte – Installationen. Ernst Klett Schulbuchverlag Leipzig GmbH, Leipzig 2004. Uhlig,Wolfgang. Still eben.Ernst Klett Schulbuchverlag Stuttgart GmbH, 1986. Als Thema der Kunst war die Dingwelt den Menschen lange Zeit nicht geläufig. Im Mittelalter1 sah man das diesseitige Leben als eine Art Durchgangsstadium zum Jenseits, und so war die bloße irdische Wirklichkeit einer bildlichen Darstellung nicht wert. Die Kunst hatte die Aufgabe, christliches Heilsgeschehen zu vermitteln. Was die wenigen Gebildeten in der heiligen Schrift nachlesen konnten, war für die Masse der Analphabeten in Bildern aufgezeichnet. In der Malerei wurden die Motive – Darstellungen biblischer Überlieferungen oder Heiligenlegenden – oft vor einfarbigem Grund inszeniert. Die wichtigen Bildelemente wurden in ihrer Farbigkeit und Größe hervorgehoben, die weniger bedeutenden entsprechend untergeordnet dargestellt. Gegenstände oder Blumen hatten – wenn sie überhaupt dargestellt wurden eine symbolische Funktion, wie z.B. die Lilie in Verkündigungsszenen. Die Welt wurde als Buch Gottes aufgefasst, worin sich seine Allmacht offenbarte. Die Künstler bedienten sich dabei einer gänzlich unkörperlichen, schematisierten, dafür aber umso eindringlicheren Zeichensprache. Die diesseitige Welt trat erst im Übergang des Mittelalters zur frühen Neuzeit in der Kunst der Gotik2 wieder in die Bildwelt ein, indem Szenen nun in wirklichkeitsnahe Landschaften, in Innenräume oder städtische Umgebungen eingebettet wurden. Entsprechend verstanden die spätmittelalterlichen Betrachter die Gegenstände im Bild als christlichreligiöse Symbole. Für die zeitgenössischen Betrachter waren die Gegenstände Zeichen für die Anwesenheit Gottes. Der Kunsthistoriker Erwin Panofsky spricht von einem „versteckten Symbolismus der Dinge. 1 486 n. Chr. bis 1400 2 Gotik: Kunstepoche des Mittelalters (12.15. Jh.), die historisch in die Phase des Anwachsens der Städte in ganz Europa einzuordnen ist. Als Ausdruck des städtischen Selbstbewusstseins entstanden zahlreiche Rathäuser und zentral gelegene mächtige Kathedralen. Die gotischen Bauten zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass die Räume in mächtigen Höhen gesteigert wurden, was sich in einer besonderen Bauweise (Gewölbe, Verstrebungen) widerspiegelte. In der Malerei und Grafik erfolgte eine Hinwendung zum Naturalismus. 1 Arbeitsblatt 1 Die Welt der Dinge 1Phase Seit der Renaissance3 bestimmte die Auseinandersetzung mit der empirisch4 wahrnehmbaren Welt zunehmend die Arbeit von Wissenschaftlern und Künstlern. Im späten 15. Jahrhundert verstanden sich Künstler wie Albrecht Dürer oder Leonardo da Vinci (14521519) auch als Naturforscher und begannen, sich intensiv dem Naturstudium zu widmen. Vor diesem Hintergrund entstand etwa die Gewandstudie Dürers (Abb. 2) Die intensive Beschäftigung mit der wahrnehmbaren Welt in der Renaissance zeigt, dass sich nach und nach eine Wende in der Einstellung des Menschen zu seiner Umgebung vollzogen hatte, die als unumkehrbarer Prozess einer „Rationalisierung 5 der Wahrnehmung und der Darstellungsfunktion von Bildern aufgefasst werden kann. Die Präsentation von Dingen als autonome6 Bildergegenstände, wie in dem Gemälde „Das Waffeldessert des französischen Barockmalers Lubin Baugin (Abb. 3), der auf einer im Ausschnitt gezeigten Tischfläche vor sehr dunklem Hintergrund nur ein Weinglas, eine Flasche und Waffeln inszenierte, bezeichnet man seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts als „Stillleben: Leben und Stillstand, zwei nur schwer zu koppelnde Begriffe, sind darin zu einem Kompositum7 verbunden. Die seit dem 18. Jahrhundert im romanischen Sprachraum bedeutungsgleich gebrauchten Termini „natura morta (italienisch) und „nature morte (französisch), übersetzt als „tote Natur, spitzen die scheinbare Doppeldeutigkeit noch zu. Zum Teil lässt sie sich aber auflösen, wenn man der Entstehungsgeschichte des Begriffes folgt: Im Niederländischen, das die Bezeichnung „stillleven ursprünglich prägte, bezieht sich das Wort „Leven auf das Modell: Die alten Meister haben nach dem „Leven, das heißt in Anwesenheit der Dinge gemalt. Das Adjektiv „still bezieht sich dabei auf das dem Maler unbeweglich vorliegende Objekt. 3 Renaissance (frz. Wiedergeburt): Seit dem 19. Jh. Wird die Bezeichnung als Epochenbegriff für die Zeit von etwa 1350 bis etwa 1530 verwendet. Sie markiert den Übergangn von mittelalterlichen zu neuzeitlichen Denk und Vorstellungsweisen. Wörtlich bedeutet Renaissance „Wiedergeburt im Sinne von „Wiedergeburt der Antike. Gemeint ist, dass eine verstärkte Auseinandersetzung mit philosophischen Schriften und Bildwerken der Antike einsetzte. Diese Auseinandersetzung führte letztlich zu der Vorstellung vom denkenden, die Welt deutenden Menschen im Mittelpunkt der Schöpfung. Künstlerisch äußerte sich das neue Selbstverständnis des Menschen etwa in der Entwicklung der Zentralperspektive und einer bis dahin ungekannten Wirklichkeitstreue der Darstellung. Als bedeutendste Künstler gelten Leonardo da Vinci, Michelangelo und Albrecht Dürer. 4 Empirisch: Es handelt sich um Verfahren, die real beobachtbare Ereignisse registrieren und messen, so dass die Ergebnisse objektiv und damit jederzeit wiederholbar sind. 5 Rationalisierung ist dann dadurch gekennzeichnet, dass bei einer Veränderung des Entscheidungsfeldes Maßnahmen geplant, realisiert und kontrolliert werden, um eine optimale Zielerreichung unter neuen Bedingungen zu ermöglichen. 6 Unabhängig/selbstständig in Verwaltung, Kultur und Politik 7 Eine Form der Wortbildung durch die Verbindung mindestens zweier selbstständig vorkommender Wörter. 2 Arbeitsblatt 1 Die Welt der Dinge 1Phase Als Stillleben bezeichnete Bilder sparen den Menschen Als Motiv zwar aus, doch sind die abgebildeten Dinge auf das menschliche Leben bezogen und geben Auskunft über die Art und Weise, wie Menschen mit Dingen umgegangen sind. Weil das neuzeitliche Stillleben als Bildgattung vor dem Hintergrund der in der christlichen Religion verankerten Gegenstandssymbolik entstand, lässt sich diese zunächst auch in den Bildern wiederfinden. Oft wurden die dargestellten Dinge – ihrer tradierten 8 symbolischen Bedeutung gemäß – als Hinweise auf den christlichen Glauben oder die Religionsausübung verstanden. 8 Überliefern, weitergeben, mündlich fortpflanzen 3