Arbeitsblatt: Textverstehen
Material-Details
Text
Deutsch
Textverständnis
7. Schuljahr
1 Seiten
Statistik
88399
1307
25
21.10.2011
Autor/in
Rose-Marie Michel
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Vergleichsarbeit 2009 DEUTSCH 7. Klasse Textblatt Esel: Wie stur sind sie wirklich? Schon immer stand der Esel im Schatten seiner vierhufigen Verwandten dem Zebra und dem Pferd. Sein schlechter Ruf, ein unverbesserlicher Dickkopf zu sein, eilt ihm überall voraus. Zu Unrecht! Denn Esel sind klug und leisten dem Menschen viele gute Dienste. 5 Zwei starke Kerle ziehen vorne am Halfter; zwei stemmen sich gegen das graue Hinterteil. Aber der Esel bewegt sich kein Stück. Das Langohr gilt allgemein als stur, widerspenstig und faul. Dabei lassen sich Esel schon seit über 6000 Jahren geduldig vor die Karren der Menschen spannen und schleppen in allen Weltgegenden ihre Lasten. Zeit, aufzuräumen mit alten Vorurteilen gegenüber einem der ältesten und doch ewig unverstandenen 1 Haustiere des Menschen. 0 Oh Schreck, eine Maus! Wittert ein Pferd Gefahr, so sucht es kopflos das Weite wie alle Fluchttiere. In der ebenen Steppe, der ursprünglichen Heimat der Wildpferde, hat sich dieser Reflex bewährt. In einer Geröllwüste aber empfiehlt sich für ein staksiges Huftier etwas mehr Besonnenheit! Und so erklärt sich, dass Esel, die in den gebirgigen Teilen Nordafrikas beheimatet sind, bei Gefahr wie angewurzelt stehen bleiben. Besonders 1 schnell könnten Esel ohnehin nicht fliehen: Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 5 Stundenkilometern. Damit sind sie gut 20 Stundenkilometer langsamer als Pferde. Ihren Reflex, bei Gefahr zu erstarren, haben die Esel auch nicht abgelegt, als die Etrusker sie vor etwa 3000 Jahren nach Europa brachten. Im Gegenteil: Zusätzlicher Stress, zum Beispiel durch Schläge oder Schreie der europäischen Eseltreiber, haben diesen Reflex 2 0 nur verstärkt. Und so standen die Esel sehr schnell in Verruf, unverbesserliche Dickschädel zu sein. Als sie später von den schnelleren und grösseren Pferden als Reittiere abgelöst wurden, sanken die Esel noch tiefer im Ansehen der Menschen. Während die Reichen hoch zu Ross ihren Jagd-Vergnügungen nachgingen, wurde der Esel zum Lastentier der ärmeren Bevölkerung. Im Ansehen standen Esel von da an ihren Besitzern gleich: Du armer Packesel, sagt man noch heute zu einem Menschen, der von 2 früh bis spät für andere arbeiten muss. 5 Dabei haben Esel den Pferden einiges voraus: Zum Beispiel können sie viel länger ohne Wasser und Nahrung auskommen. Schliesslich waren sie ursprünglich zähe Wüstenbewohner. Daher können Esel auch schwere Lasten über viele Kilometer hinweg durch trockenes Gebiet tragen. Ohne Probleme trägt ein Esel 20 Prozent seines eigenen Körpergewichts. Zudem kommt er in dem steinigen Gelände seiner Heimat viel sicherer 3 voran als andere Huftiere. Und trotz der harten Arbeit benötigen Esel nur drei Stunden 0 Schlaf am Tag. Mit ihrer Hilfe wurden zum Beispiel die Pyramiden in Ägypten gebaut. Aber auch noch heute leisten Esel den Menschen in Afrika gute Dienste: Dort sind Esel sogar oft der kostbarste Besitz einer Familie. Auf ihrem starken Rücken können sie schwere Wasserkanister von weit enfernten Brunnen transportieren oder ein krankes Kind zu einem der wenigen Krankenhäuser in der Gegend bringen. 3 5 Seit es in der Landwirtschaft Maschinen gibt, wurden Esel in den meisten Ländern als Lastenträger und Zugtiere in den Ruhestand geschickt. Packesel gibt es heute eigentlich nur noch in den ärmeren Mittelmeerländern und in Afrika. Aber Esel können viel mehr als Lasten schleppen: Sie besitzen nämlich ein hervorragendes Gedächtnis und lernen sogar schneller als Dressurpferde. Deshalb haben die Bauern in Amerika eine neue verantwortungsvolle Aufgabe für die Esel gefunden: Ihre angeborene Angst vor wilden 4 Raubtieren gepaart mit einem feinen Gehör und Geruchssinn macht Esel zu idealen 0 Viehhirten. Sobald der Herde Gefahr droht, legt ein Esel die Ohren an und ruft mit lautem Geschrei den Bauern herbei. Sein durchdringender Ruf ist auch aus weiter Ferne gut zu hören. Auch in Deutschland übernehmen Esel ehrenvolle Aufgaben. Zum Beispiel helfen sie in 4 5 der Eseltherapie behinderten Menschen dabei, sich in Geduld zu üben und mutiger zu werden. Ein besonderes Projekt wurde ins Leben gerufen: Behinderte Menschen lernen, wie man sich die Freundschaft der grauen Zottel Stück für Stück erarbeitet. Denn Esel gehorchen den Menschen nie blind. Wer ihr Vertrauen gewinnen möchte, muss zuerst ihre Körpersprache studieren: Sind die Ohren eines Esels aufmerksam nach vorne gerichtet, ist er neugierig. Dreht er aber die Ohren nach Aussen und stellt sie auf, signalisiert er Angst. Während der Therapie erfahren die Patienten, dass Eselschnauzen weich sind und 5 nicht zuschnappen. Am Ende trauen sich auch die Schreckhaftesten unter ihnen, eine 0 kleine Runde auf dem Rücken der Esel zu drehen. Und wer jetzt immer noch behauptet, Esel seien dumm und stur, ist selbst ein Dickschädel! 5 5 Text (leicht gekürzt) von Lena Ullrich aus dem Jugend-Magazin „GEOlino Dieses Textblatt musst du nicht abgeben. Es gehört in deinen Deutsch-Ordner, respektive in dein Deutsch-Heft; später wirst du die korrigierten und besprochenen Aufgabenblätter dazulegen.