Arbeitsblatt: Sternenwerkstatt Posten 5 Lös.

Material-Details

Werkstatt für die Adventszeit
Deutsch
Gemischte Themen
6. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

90621
472
1
04.12.2011

Autor/in

Isabella Fasnacht
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Sternenwerkstatt Posten 5 Lösung: DIE TRÄNEN DER MONDGÖTTIN Setze die Verben in der Klammer in die Vergangenheit (Imperfekt)! In jener Zeit vor allen Zeiten, in einer Welt, jenseits der heute bekannten, bevor sich alles zutrug, was die Geschichtsschreiber jemals aufschrieben, geschah es, dass sich der König des Winters sich seiner Einsamkeit bewusst wurde. Die Welt befand sich zu dieser Zeit in einer etwas anderen Position, und der Himmel darüber war ein anderer. Der König des Winters herrschte damals über ein vergleichsweise kleines Reich hoch im Norden. Es war ein stilles Land, erstarrt in Kälte unter dem zauberischen Wehen der Polarlichtschleier. Der Tag war nur ein kurzer, gleissender Schimmer über dem Horizont, dem Ende der Welt. Die Nacht aber regierte in Wahrheit über dieses Königreich, seine wahre Herrscherin war die kalt leuchtende Mondscheibe, sein Hofstaat die funkelnden Sterne. Eines Nachts sass der König des Winters in seinem pelzverbrämten Ornat und seiner eisfunkelnden Krone am Ufer des Nordmeeres und blickte still über die endlose, gefrorene Wasserfläche. Er fühlte sich einsam, denn er hatte keine Gefährtin an seiner Seite. Keine weiblichen Zärtlichkeiten erwärmten sein Herz, kein munteres Kindergeschrei brach die Stille. Die silberne Scheibe des Vollmondes stand über dem Eismeer, und eine leuchtende Strasse aus Mondlicht schien bis an den Horizont zu führen. Das helle Gesicht schien dem einsamen König zuzulächeln. Da rührte sich etwas in seiner Brust. Etwas zog mit süsser Gewalt an den Wurzeln seines Herzens, etwas Niegekanntes, Nieverspürtes, sehr Seltsames, nicht unangenehm, sondern süss und verlockend. Und es ging von dem weiss silbernen Gesicht aus, das über ihm schwebend die Nacht erhellte. Der einsame, alte Hagestolz hatte sich in die Mondgöttin verliebt, wie ein Jüngling! Wie aber sie gewinnen? So kalt und unnahbar wie sie da oben leuchtete! Der König seufzte tief und wollte seine neuerwachte Liebe schon als unerfüllbar aufgeben, da fiel ihm eindie Strasse über das Meer! Darauf konnte er ja wie auf einer Brücke zu seiner Geliebten gelangen.und dann, wenn sie gerade den Horizont berührte! Dann würde er sich vor ihr hinwerfen und ihr seine Liebe gestehen, ja, das wollte er! Er musste nur achtgeben, nicht über den Rand der Welt hinunterzustürzen. Schnell setzte er noch einen Eisbären als Regenten ein, und dann machte er sich auf, um nach seiner Liebsten zu suchen. Er wanderte und wanderte, tagelang, nächtelang. Bei Tag musste er darauf achten, die Richtung nicht zu verlieren, bei Nacht aber brauchte er nur dem Gesicht seiner Angebeteten zu folgen. Auch sie schien das Wandern viel Kraft zu kosten. Sie wurde von Tag zu Tag weniger. Aber sicherlich beeilte auch sie sich, um rechtzeitig an ihrer beider Treffpunkt anzukommen, ja so war es sicherlich, so musste es sein! Und wo, bitte sehr, war der Rand der Welt? So lange war er schon gewandert, und immer noch kein Ende in Sicht. Hier ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Dann aber geschah das Unfassbare. Die Mondgöttin war verschwunden, einfach weg. Ja, eigentlich war sie ja schon die Nächte vorher sehr schlank, um nicht zu sagen, klapperdürr gewesen. Jetzt aber war sie ganz offensichtlich einer zehrenden Krankheit erlegen. Wie furchtbar! Wie traurig! Oder hatte vielleicht ein Nebenbuhler sie entführt? Ja, dieser Gedanke schien dem verliebten Schneekönig sehr einleuchtend. Er musste sie retten, er durfte keine Zeit verlieren! Und so wanderte und wanderte er, über Meer und Land, durch Wüsten und Steppen, durch Wälder und über Berge. Und überallhin, wohin er auch kam, brachte er den Winter mit sich. Nach drei Tagen aber, in der Dämmerung der einfallenden Nacht erschien am Himmel wieder die Mondgöttin. Ganz schmal, ganz dünn, aber immerhin, sie war nicht entführt worden, das war ja schon ein Hoffnungsschimmer! Hinter dem Schneekönig aber, ganz unbemerkt von ihm, versank die Welt in Eis und Schnee. Wo vorher dichte Wälder, wildreiche Steppen und fruchtbare Auen gewesen waren, tummelten sich nun Mammuts und Schneelöwen. Sonne, Leben und Wärme zogen sich immer weiter in den Süden zurück. Fröhlich murmelnde Bäche erstarrten in Schweigen, Flüsse vereisten, Meere erfroren, die Gezeiten erstarben. Die Geschichtsschreiber in kommenden Jahrtausenden sollten das dann die Eiszeit nennen, aber so weit war es damals lange noch nicht. Gerne hätte der einsame König die Menschen, die er unterwegs traf, nach der Wohnung der Mondgöttin gefragt. So viele verschiedene Menschen gab es da! Braune, Gelbe, Schwarze, Fell und Seidengekleidete, Jagende, Früchteessende, Fischer.Aber alle nahmen schnellstens reiss aus vor ihm, denn er brachte Kälte mit sich, Eis und Schneesturm hüllten ihn ein wie ein wehendes Gewand. Traurig und müde schleppte er sich immer weiter. Nur die Hoffnung, seine nächtliche Geliebte doch noch zu finden, hielt ihn aufrecht. Zuletzt war sie wieder, wie schon so oft, zu Kräften gekommen, voll und rund stand sie am Himmel, und dennoch wirkte sie irgendwie traurig. Der König des Winters streckte seine Arme nach ihr aus und rief sehnsuchtsvoll: Oh, meine Geliebte, warum kann ich dir niemals näherkommen? Halte doch inne in deiner Wanderung, lass dich endlich, endlich umarmen! Keine Antwort. Aber, was war das? Träumte er? Aus den Augen der Mondgöttin fielen Tränen, schimmernd wie Perlen fielen sie auf den hartgefrorenen Boden, und wo sie hinfielen, schmolz das Eis und die Erde erblühte. Dann ertönte leise, zarte Musik. In ihr war alles, was Leben bedeutet: das Rieseln von Schmelzwasser, das Prasseln des Regens, das Murmeln der Quellen, das Tosen der Brandung und das Rauschen des Blutes in den Adern. In die Musik hinein erklangen Worte, leise und dennoch machtvoll, die Mondgöttin sprach: Kehr um, König des Winters, kehr heim in dein Reich. Du behauptest, mich zu lieben und bringst doch meinen Geschöpfen den Tod. Mein sind die Wasser des Lebens, sie gehorchen meinem Gesetz, dem Gesetz des Wachsens und Schwindens, dem Gesetz der Gezeiten. Ich tanze den immerwährenden Tanz des Lebens, und ich kann keinem gehören, wäre er auch ein mächtiger König wie du. Aber, ich will dir eine meiner Töchter geben, um deine Einsamkeit zu lindern. Aber, nun kehre heim und gib meinen Geschöpfen das Leben wieder. Sammle meine Tränen auf und lasse sie auf deinem Weg zurück in den Norden zur Erde fallen. Der König liess verzagt die Arme sinken und sah sich um. Tatsächlich, es stimmte! Überall, wohin er auch gegangen war, war seinen Fussspuren der Winter gefolgt. Was hatte er da nur angerichtet? Schnell sammelte er alle Tränen der Mondgöttin ein, die er nur finden konnte und wandte seine Schritte wieder nach Norden, seiner Heimat zu. Dabei vergass er nicht darauf, überall die Mondtränen auszusäen. Bald erklangen überall wieder die Lieder der Bäche und Flüsse, und die Wasser der Tiefe rauschten auf. Das Leben kehrte wieder. Alles fing wieder von vorne an, bald darauf wurde die Landwirtschaft wurde erfunden, die Technik machte unerhörte Fortschritte, doch das ist eine andere Geschichte. Der Weg war sehr, sehr weit, aber eines Tages kehrte der König des Winters in sein Reich, hoch im Norden zurück, wo er schon erwartet wurdevon einer wunderschönen, jungen Frau. Ihr Haar fiel ihr silberblond über die zarten Schultern, ihre Haut war weiss, ihre Lippen blühendrot und noch dazu weich und warm. Das stellte der König gleich darauf fest, als sie ihn zärtlich umarmte und küsste. Dem verblüfften König wurde ganz unschneeköniglich warm ums Herz. Die Tochter der Mondgöttin wurde zur Königin des Nordens, an der Seite ihres Königs. Seither heisst es von einem, der sich freut, wie er: „Er freut sich wie ein Schneekönig. Die Schwiegermutter aber, die Mondgöttin wachte freundlich hier wie überall über die Wasser des Lebens, und das tut sie noch heute.