Arbeitsblatt: CH im 1.Weltkrieg

Material-Details

Zusammenfassung mit ein paar Fragen dazu
Geschichte
Neuzeit
9. Schuljahr
5 Seiten

Statistik

91645
452
7
26.12.2011

Autor/in

Roland Kissling
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Schweiz während des Ersten Weltkriegs «Le fossé» Gegensätze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz, wie sie im Phänomen des «Röstigrabens» zum Ausdruck kommen, stellen für die Schweiz kein Novum dar Für die Zeit des ersten Weltkrieges gingen Spannungen zwischen den beiden Landesteilen unter dem Begriff «fossé», oder «Graben» in die Geschichtsbücher ein Die Voraussetzungen vor Ausbruch des ersten Weltkriegs waren eindeutig die Deutschschweiz und die Westschweiz identifizierten sich stark mit dem jeweils gleichsprachigen Ausland Deutschlands Einfluss auf die Schweiz war gross, was am deutlichsten bei den Wirtschaftsbeziehungen zum Ausdruck kam Es lebten viele deutsche Arbeitskräfte in der Schweiz, der Import aus Deutschland stieg überdimensional, und deutsche Unternehmen wurden vermehrt in der Schweiz tätig Es stellte sich eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom nördlichen Nachbarn ein, die eine deutsche Zeitschrift sogar als Entwicklung der Schweiz zu einer wirtschaftlichen Provinz des Reiches beschrieb Weil viele deutschschweizer Studenten und Offiziere in Deutschland an Universitäten studierten, oder sich an Militärschulen ausbilden liessen, war der Einfluss Deutschlands auch auf geistigen, kulturellen und militärischen Gebieten sehr stark Viele westschweizer Offiziere und Studenten hatten ihre Erfahrungen auf gleiche Weise in Frankreich gemacht, und waren somit von den französischen Idealen geprägt Zudem wurde die wirtschaftliche Hegemonie Deutschlands in der Westschweiz als Bedrohung für die Unabhängigkeit und die Neutralität der Schweiz wahrgenommen Die «bewundernswürdige Einheit und Geschlossenheit», die der Bundesrat der Schweiz attestierte, entsprach also eher einem Wunschtraum als der Realität im Jahre des Kriegsausbruchs, gab es zwei Ereignisse, welche diese Gegensätze vertieften und zum «fossé», einem Graben zwischen den beiden Landesteilen führten Eines dieser Ereignisse war die Generalswahl Der Bundesrat, in dem sich eine deutliche deutschschweizer, und auch deutschfreundliche Mehrheit manifestierte (damals gab es erst einen westschweizer Bundesrat), schlug Ulrich Wille zur Wahl vor Dieser bewunderte die Stärke von Deutschlands Heer und galt generell als sehr deutschfreundlich und unneutral Wille pflegte viele freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland, war Pate eines der Grosskinder des deutschen Kaisers Wilhelm II und somit für die Vertreter der welschen Schweiz nicht tragbar Ihr Kandidat, Teophil Sprecher hatte Anfangs die besseren Aussichten gewählt zu werden In mehreren Unterbrüchen der Wahl, in denen gleich vier Bundesräte in den Fraktionen Druck zu Gunsten einer Wahl Willes ausübten, gelang es schliesslich, das Blatt zu wenden Wille wurde zum General gewählt Eine weitere Kontroverse löste der Kriegsbeginn aus Als Deutschland, um Frankreich anzugreifen, in Belgien einmarschierte, war die Empörung darüber vor allem in der Westschweiz sehr gross, und die Tatsache, dass Belgien denselben Neutralitätsstatus wie die Schweiz besass, machte die Angelegenheit noch brisanter Schliesslich hätte die Schweiz vom gleichen Schicksal betroffen sein können Man sah den Vorfall als Bestätigung, dass von Deutschland eine grosse Bedrohung der liberalen und demokratischen Ideale in Europa ausging Dadurch wurde die westschweizer Sympathie für die Alliierten, zu denen Frankreich gehörte, noch grösser In der Deutschschweiz glaubte man trotzdem weiterhin an das Deutschtum und Proteste von Seiten der Landesregierung gegen den Angriff auf einen neutralen Staat blieben aus Der Grossteil des Bundesrates erwartete und erhoffte einen Sieg der Mittelmächte mit Deutschland Um der drohenden Spaltung der Schweiz entgegenzuwirken forderte der Schriftsteller Carl Spitteler in einer Rede dazu auf, nicht für eine der Kriegsparteien Stellung zu beziehen, sondern ein höheres moralisches Niveau, den neutralen «schweizer Standpunkt» anzustreben Der Genfer Professor Paul Seippels hielt als welscher Versöhnungsbeitrag eine Rede mit ähnlichem Ziel Die tagespolitischen Ereignisse in den folgenden Kriegsjahren waren jedoch für die Annäherung der beiden Landesteile nicht unbedingt förderlich tat Wille die Meinung kund, dass er mit einem Sieg Deutschlands rechne und ein Kriegseintritt der Schweiz auf dessen Seite von Vorteil wäre Schon etliche Jahre vor dem Krieg hatte es geheime Unterredungen zwischen hohen Militärpersonen der beiden Länder bezüglich einer militärischen Zusammenarbeit im Falle einer französischen Invasion in die Schweiz gegeben Ein Vertrag war bereits vorgefasst und hätte nur noch unterschrieben werden müssen, um einen Kriegseintritt der Schweiz auf Seiten Deutschlands zu bewirken Vom Bundesrat war nur Hoffmann, der sich schon besonders stark für die Wahl Willes eingesetzt hatte, über die Abmachungen informiert kam es zur Oberstenaffäre, die ebenfalls für grossen Aufruhr sorgte Zwei Nachrichtenoffiziere hatten den Militärattachés Deutschlands und ÖsterreichUngarns täglich militärische Informationen zukommen lassen Anfangs wurde versucht, die Affäre zu vertuschen, und ein Verfahren kam nur auf Druck der welschen Kantone und gegen den Widerstand Willes zu Stande Nachdem das Urteil äusserst milde ausgefallen war, wurden ohne das Wissen des Bundesrates präventiv Ordnungstruppen für einen allfälligen Einsatz in der Waadt bereitgestellt (Zu einer weiteren Verletzung der Neutralität und zu einem Höhepunkt der Spannungen in der Schweiz kam es durch die Hoffmann Grimm Affäre Der freisinnige Bundesrat Hoffmann versuchte in Zusammenarbeit mit dem sozialistischen Nationalrat Robert Grimm, der einen Gesamtfrieden anstrebte und die russische Revolution fördern wollte, einen deutschrussischen Frieden zu vermitteln, wodurch Frankreich und England an Deutschlands Westfront stärker unter Druck gekommen wären Als die Spionageaffäre bekannt wurde, löste sie national und international einen riesigen Sturm der Entrüstung aus Von englischer Seite warf man der Schweiz einen «break of neutrality» vor, und besonders in der Westschweiz kam es zu Massenpetitionen, Demonstrationen und Ausschreitungen gegen den «suprême scandale» Um die Wogen zu glätten musste Hoffmann zurücktreten Als zweiter Vertreter der welschen Schweiz wurde an seiner Stelle der Genfer Gustave Ador, der den Westmächten nahestand, gewählt Dadurch gelang es, das verlorengegangene Vertrauen der Alliierten wiederherzustellen und auch innerhalb der Schweiz entspannte sich die Lage deutlich Der Graben war wieder kleiner geworden Dass die Schweiz sich aus dem Ersten Weltkrieg heraushalten konnte, dürfte mehrere Gründe haben Keine der kriegsführenden Mächte hatte direkte Kriegsziele in der Schweiz Keine für die Kriegswirtschaft nutzbaren Rohstoffvorräte Als Durchgangsland war die Schweiz im Gegensatz zu früheren Konflikten (napoleonische Kriege) nicht von grossem Interesse Schwieriges Gelände (Berge), in dem Ortskenntnisse beim damaligen Stand der Kartografie und Navigationstechnik einen ausserordentlich grossen Heimvorteil bedeuteten Damals topmoderne Gotthardfestung und Sperren im Rhonetal machten die Schweiz als Durchmarschland zusätzlich unattraktiv Im Vergleich zur Bevölkerungszahl und Fläche sehr grosse Armee Mit anderen Worten Den Kosten und Risiken eines Angriffs auf die Schweiz hätte kaum ein militärischer bzw kriegswirtschaftlicher Nutzen entsprochen Solche Nützlichkeitserwägungen der kriegsführenden Mächte, nicht etwa die in der Schweiz gleichsam mythisch verklärte Neutralität waren also ausschlaggebend dafür, dass die Schweiz nicht angegriffen wurde Umgekehrt zeigt der deutsche Angriff auf das ebenfalls neutrale Belgien (dessen Pech es war, auf einer verlockenden Angriffsroute ins Herz Frankreichs zu liegen und reichlich über kriegswichtige Rohstoffvorräte (Kohle) zu verfügen) mit aller Deutlichkeit, dass die Neutralität eine Grossmacht nicht von einem Angriff abhalten konnte Die rohstoffarme, aber hoch industrialisierte und daneben vom Tourismus abhängige Schweiz war wirtschaftlich durch den Krieg stark betroffen Nur durch Verhandlungen mit beiden kriegsführenden Parteien konnte eine minimale Versorgung mit Rohstoffen sichergestellt werden Die Abhängigkeit von importierter Kohle führte während und nach dem Krieg zu einem Ausbau der Elektrizitätserzeugung aus (einheimischer) Wasserkraft Die Pionierrolle der Schweizer Bahnen bei der Umstellung von Dampflokomotiven auf Elektrolokomotiven ist weit gehend durch die Erfahrungen des Krieges bedingt Während des Krieges bewährte sich das Internationale Kommittee vom Roten Kreuz (IKRK) mit humanitären Leistungen, insbesondere einer Zentralauskunftsstelle für Flüchtlinge Dies wurde international durch die Verleihung des Friedensnobelpreises anerkannt Auf Anregung des Bundesrates wurden mit Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, ÖsterreichUngarn, und Belgien Abkommen geschlossen, die von bis zum Kriegsende verwundeten und kranken Soldaten beider Seiten eine Erholung in der Schweiz ermöglichten Soziale Spannungen und Generalstreik Rationierung und Teuerung Die Nahrungsmittel und Energieversorgung der Schweiz hing zu von Importen ab Trotz staatlicher Lenkungsmassnahmen (Getreidemonopol zur besseren Koordination und Rationierung ab führte der Krieg zu starker Teuerung Jeder Soldat leistete im Durchschnitt etwa Diensttage und erhielt in dieser Zeit weder Lohn noch eine Verdienstausfallentschädigung (diese wurde erst vor dem Weltkrieg eingeführt) Dies führte in den ärmeren Bevölkerungsschichten zu harten Notlagen Demonstrationen und Krawalle in der Schweiz kam es zu ersten linken Demonstrationen und Krawallen, Teile der Armee wurden gegen die eigene Bevölkerung zu Ordnungsdiensten eingesetzt Im Juni distanzierte sich die Sozialdemokratische Partei von der Landesverteidigung und die linke Presse begann, Vorkommnisse in der Armee zu kritisieren vielleicht etwas aufbauschend, aber nicht ganz unbegründet, wie sogar General Ulrich Wille zugeben musste Die Missstimmung im Volk und in der Armee gegen Ende des Aktivdienstes war einmal durch die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen, dann durch die mancherlei Unvollkommenheiten der Armee selbst verursacht Angeregt durch die russische Oktoberrevolution kam es in Zürich zu grösseren Krawallen, bei denen vier Personen getötet und verletzt wurden Eine ernsthafte Bedrohung der Demokratie entstand daraus jedoch nicht, weil die grosse Mehrheit des Volkes sehr wohl zwischen den Verhältnissen im zaristischen Russland und den eigenen unterscheiden konnte und offenbar auch die Erinnerung an die eigene Geschichte (Besetzung durch Napoleon nach der französischen Revolution, Freischarenzüge, Sonderbundskrieg) genügend wach geblieben war, um die Lust auf revolutionäre Experimente zu dämpfen Der Landesstreik () Die soziale Notlage war durch das bürgerliche Abblocken der an sich wohl begründeten linken Forderungen natürlich nicht gelöst Im Juni lebte schliesslich ein Sechstel der Bevölkerung unter dem Existenzminimum Bei Kriegsende rief das Oltener Komittee der Gewerkschaften einen landesweiten Generalstreik aus Bundesrat und Parlament blieben hart und ordneten einen massiven Armeeeinsatz an Die Streikleitung musste nach drei Tagen kapitulieren Im Sommer kam es zu weiteren Unruhen in Zürich und Basel, wobei neben der Armee auch Bürgerwehren zum Einsatz kamen Die Verbitterung und Entfremdung zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum verfestigte sich in den folgenden Jahren noch War also der Generalstreik von ein Misserfolg? Betrachtet man den Landesstreik als isoliertes Ereignis, so könnte man durchaus auf diese Idee kommen Allerdings gibt es knappe hundert Jahre später nicht eine einzige Forderung des Oltener Komitees, die unerfüllt geblieben wäre Was sich mit einem Generalstreik auf die Schnelle nicht erzwingen liess, wurde nach und nach auf dem ordentlichen demokratischen Weg mittels parlamentarischen Vorstössen, Volksinitiativen und nicht zuletzt konsequenter Überzeugungsarbeit doch noch durchgesetzt Die Einführung des Proporzwahlrechts Die politisch bedeutsamste Forderung die Umstellung vom Majorzwahlrecht [Wahl eines Kandidaten pro Wahlkreis] auf das Proporzwahlrecht [Wahl von mehreren Kandidaten im Verhältnis der abgegebenen Stimmen] wurde bereits eingeführt und zeigte sofort Folgen Die Freisinnigen hielten seit ununterbrochen eine erdrückende absolute Mehrheit im Nationalrat noch von Sitzen %) Bei den ersten Proporzwahlen blieben die Freisinnigen zwar mit Sitzen stärkste Fraktion, verloren aber ihre Mehrheitsstellung sehr deutlich (nur noch %) Obwohl ausser den Sozialdemokraten auch die neue Bauern Gewerbe und Bürgerpartei BGB vom neuen Proporzwahlrecht profitierte (also jene Kleinbürger, aus deren Kreisen die an der Niederschlagung des Generalstreiks beteiligten Soldaten rekrutiert worden waren) darf man das JA zur Proporzwahl Volksinitiative (nach zwei gescheiterten Versuchen und wohl auch als Quittung für das Abblocken der notwendigen Reformen durch die Freisinnigen und die Katholisch Konservativen interpretieren Die Grippeepidemie von Die schlimmste je bekannt gewordene Grippeepidemie wütete und forderte weltweit schätzungsweise Millionen Todesopfer Ihre grosse Ausbreitung ist zumindest teilweise auf den Krieg zurück zu führen (Verschleppung der Erreger aus den USA nach Europa durch US Soldaten, Mangelernährung und prekäre hygienische Verhältnisse) In der Schweiz erkrankte mehr als die Hälfte der Bevölkerung, die zivilen Spitäler waren ebenso überfordert wie der militärische Sanitätsdienst, zeitweise brach Panik aus, waren Tote zu beklagen, und nochmals je knapp Am meisten gefährdet waren Personen zwischen und Jahren Dass Soldaten der Grippe zum Opfer fielen, davon während des Einsatzes gegen den Generalstreik (Morel, a , ), führte zu heftigen politischen Auseinandersetzungen Warum gab es in der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges einen Graben zwischen der Deutsch und der Welsch Schweiz? Warum war Deutschlands Einfluss auf die Schweiz gross? Welche beiden Ereignisse zu Beginn des Weltkrieges vertieften die Spannungen zwischen den Landesteilen? Warum konnte sich die Schweiz aus dem Weltkrieg heraus halten? Wie könnte man die verschiedenen Gründe in einem Satz zusammen fassen? Wie und warum war die Schweiz aber stark vom Weltkrieg betroffen? Was führte in ärmeren Bevölkerungsschichten zu grosser Not? Warum kam es zu einem Generalstreik? Warum musste er abgebrochen werden?