Arbeitsblatt: Der arabische Frühling
Material-Details
Zusammenfassung eines Buches über die Vorgänge 2011
Geschichte
Politik
9. Schuljahr
5 Seiten
Statistik
94389
1110
36
17.02.2012
Autor/in
Ursula Häfeli
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Geschichte aktuell, Bez. Seengen 2012, hä Arabischer Frühling 2011 Hauptquelle: Tahar Ben Jelloun, Arabischer Frühling. Vom Wiedererlangen der arabischen Würde, 2011. In vielen arabischen Ländern herrschten seit Jahrzehnten Diktatoren mit willkürlicher Macht. Seit 2011 befindet sich die arabische Welt in einem gigantischen Befreiungsprozess. Lange Demütigungen, unerträgliche Willkür, Menschenverachtung, Unterdrückung und Günstlingswirtschaft brachten das Fass zum Überlaufen. Die Menschen strömten auf die Strasse, entschlossen, bis zum Ende durchzuhalten mit dem Ziel: Freiheit, Würde, Gerechtigkeit, Gleichheit, Ende der Korruption Ben Ali, Mubarak, Gaddafi,: alles Staatsoberhäupter, zum Teil sogar gewählt, verhielten sich aber seit langem wie absolute Monarchen und hielten sich mit Gewalt, Korruption und Lügen an der Macht. Sie betrachteten ihr Land jeweils als ihren Privatbesitz und häuften Unsummen von Geld und Gold an. Die europäischen Staatschefs schwiegen dazu überlege, warum: Kennst du eine ähnliche Situation aus der Vergangenheit? Tunesien Ehemalige Kolonie von Frankreich, seit 1957 unabhängig. Geschichte aktuell, Bez. Seengen 2012, hä 1987: Habib Bourguiba wurde durch den sogenannten medizinischen Putsch abgesetzt: Sein ehemaliger Innenminister Ben Ali zerrte den kranken Greis aus dem Bett und verkündete ihm, dass er nicht mehr Präsident sei. Ben Ali hatte zuvor 7 Ärzte gezwungen, Bourguiba Regierungsunfähigkeit zu attestieren. Habib Bourguiba hatte für Tunesien viel erreicht: • Frankreich die Unabhängigkeit abgerungen • Modernisierung, z.B. Fastenmonat Ramadan freiwillig • Frauenrechte, Polygamieverbot, Scheidung erlaubt • Trennung von Staat und Religion Ben Ali, der mit einer Coiffeuse verheiratete Offizier, setzte also Bourguiba ab und erklärte sich selbst zum Präsident. Anfangs behielt er den Reformkurs noch bei, zum Beispiel im Bildungswesen. Aber bald kam es zu willkürlichen Verhaftungen, Folter, Polizeifaschismus. Oppositionelle verschwanden spurlos, die internationale Presse wurde verboten, etc. Das alles unter dem Vorwand, gegen den Islamismus zu kämpfen. So wurde Ben Ali für den Westen (USA, Europa) zu einem Bollwerk gegen den Islamismus. Ben Ali konnte über 20 Jahre lang Tunesien zu seiner privaten Diktatur umformen, die er nach aussen als Demokratie erschienen liess: alle 5 Jahre liess er sich wiederwählen (99%!), Tunesien wurde zu einem beliebten Urlaubsziel, wenn Ben Ali in Europa auf Staatsbesuch war, wurde er von Chirac, Sarkozy, Berlusconi. beglückwünscht, Tunesien war das Musterbeispiel eines modernen arabischen Staates. Der Auslöser für die Revolution in Tunesien war ein 28-jähriger arbeitsloser Akademiker, der nach dem Tod seines Vaters für die Mutter und die Geschwister sorgen musste. Mit einem Handkarren verkaufte er wie viele andere Strassenhändler Gemüse und Früchte. Um an den Verkaufsplätzen geduldet zu sein, musste er Polizisten bestechen. Mohamed Bouazizi lehnte diese Bestechung ab, hatte ohnehin kein Geld dafür, also wurde er von den Polizisten immer wieder vertrieben. Am 17. Dezember 2010 fiel er besonders bösartigen Polizisten in die Hände, sie zerstörten seinen Karren, schlugen und bespuckten den jungen Mann. Er beschwerte sich bei den Behörden, wurde jedoch ignoriert. Da war es für Mohamed Bouazizi zu viel. Als man Ben Ali berichtete, ein Strassenverkäufer in einer kleinen Stadt habe sich vor dem Gouverneurssitz mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt, soll er gesagt haben: Soll er doch verrecken!. Es dauerte 2 leidvolle Wochen, bis Bouazizi starb. Am 27. Dezember 2010 demonstrierten die ersten. Ben Ali besuchte Bouazizi fürs Fernsehen im Spital, am 4. Januar 2011 starb Bouazizi, 10 Tage später gab Ben Alis Regime den Geist auf. Ben Ali floh und fand Zuflucht und Asyl in Saudi Arabien. Ägypten Ägypten ist das grösste arabische Land. Früher Kolonie Englands, dann Königreich. Seit 1952 Diktatur. Zuerst unter Gamal Abdel Nasser durch Militärputsch. Von 1970 bis 1981 war Anwar as-Sadat Staatspräsident. Geschichte aktuell, Bez. Seengen 2012, hä Er erhielt für seine Aussöhnungspolitik mit Israel 1978 den Friedensnobelpreis. Sadat fiel 1981 einem Attentat zum Opfer, durch einen Gegner seiner Politik. 1981 bis 2011: Hosni Mubarak Kifaya! Basta! Es reicht! Seit 2004 gab es Demonstrationen gegen • Einparteiensystem, 5 Amtsperioden • Ausbeutung • Nepotismus (Vetternwirtschaft), Korruption (Bestechung) • Zensur, Folter, Armeeterror Januar Februar 2011: Tausende gingen auf die Strasse, auf dem Tahrirplatz kam es zu Dauerdemonstrationen, in den ersten Tagen starben Hunderte durch die Polizei. Getragen wurde die Revolution von Jungen mit Internet, Facebook spielte eine wichtige Rolle. Es ist keine islamistische Revolution! Die Muslimbruderschaft (1928 gegründet, Opposition, 1957 von Nasser verboten) sprang auf den Zug auf, war nicht Initiant der Revolution. Die Revolutionäre wollten nichts anderes als Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Ende des Polizeiterrors, Anerkennung des Einzelnen. Auch viele Nachkommen von Auswanderern kehrten aus den USA, aus Europa oder Australien heim, um ein befreites Ägypten aufzubauen. Ein Jahr nach der Absetzung Mubaraks herrscht der Militärrat, das Volk ist noch lange nicht am Ziel. Mubaraks Vermögen (ca. 70 Milliarden US-Dollars) liegt zum Teil in europäischen Banken. Algerien Seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1962 herrscht in Algerien ein Militärregime. Ohne Armee geht hier gar nichts. Im Februar 2011 wurde nach 20 Jahren der Notstand aufgehoben! Das war ein Beschwichtigungsversuch seitens der Armee. Anlass dazu waren mehrere Selbstverbrennungen vor öffentlichen Gebäuden nach dem Vorbild des Tunesiers Bouazizi. Algerien hat nach wie vor ein schwieriges Verhältnis zum ehemaligen Mutterland Frankreich. Viele Algerier leben in Frankreich mit Identitätsproblemen. Geschichte aktuell, Bez. Seengen 2012, hä Mit dem Nachbarland Marokko bestehen Spannungen wegen Westsahara. Das Volk hätte gerne wieder friedliche Beziehung zu Marokko, aber die Armee schürt den Hass. 1991 gab es einen Bürgerkrieg mit 100 00 Toten. Jemen In mancher Hinsicht ist der Jemen im 7. Jahrhundert stecken geblieben, also vieles ist noch so wie zur Zeit des Propheten Mohammed, der den Islam gründete. Bis 1990 war des ein geteilter Staat: der islamische Nordjemen und der christlich-jüdische Südjemen. Ali Abdullah Salih (Nordjemen) ist seit 33 Jahren an der Macht. 2011 beschwichtigte er die Demonstranten mit dem Versprechen, nicht mehr zu kandidieren. Jemen ist ein sehr armes Land, aber es gibt eine gebildete Jugend mit Internet, die ihre Rechte fordern. Salih liess auf Demonstranten schiessen. Viele Jemeniten leben als Gastarbeiter in Saudiarabien. Fast alle Jemeniten kauen ein halluzinogenes Kraut, die Regierung unterstützt dies. Marokko Marokko ist ein Königreich. Seit 1999 ist König Mohamed VI. an der Macht. Er begann eine neue Ära, Mohamed wandte sich von der Politik seines Vaters ab: Keine Folter mehr, keine politischen Gefangenen, die Opfer von früher erhielten sogar Entschädigungen. Es gibt in Marokko eine gewisse Pressefreiheit. Die Korruption wird bekämpft. Dennoch steht einer kleinen reichen Minderheit eine Mehrheit von sehr armen Leuten gegenüber. Weitere Probleme sind die grosse Arbeitslosigkeit auch unter Akademikern und der vor allem auf dem Land herrschende Analphabetismus. Zudem machte eine jahrelange Trockenperiode das Überleben auf dem Land besonders schwer, so dass viele Bauern in die Städte zogen, wo die Slums wuchsen. Der König ist beliebt und tut sein Bestes: die Rechte der Frauen wurden bereits verstärkt, es gibt Strassen, Brunnen und Sozialwohnungen. Man darf hoffen, dass Marokko durch eine friedliche Reform modernisiert und demokratisiert wird. Libyen Unter allen arabischen Ländern, in denen Bürger Unrecht erlitten, ist Libyen noch ein Sonderfall: Das System Gaddafis liess nichts nach aussen dringen, kein Journalist konnte jemals die Situation in Libyen unabhängig beschreiben. Libyen ist genau genommen kein Staat, sondern eine Anhäufung von Klans. Es gab keine Regierung, kein Parlament, keine Parteien. Es gab nur Muammar al-Gaddafi. Selbst der Koran wurde ersetzt durch das Grüne Buch des Retters Gaddafi, es war gleichsam Verfassung und Bibel. Entstanden war dies aus der List eines jungen Offiziers: 1969 brachte Muammar al-Gaddafi das Land unter seine Gewalt und blieb als Diktator bis zu seinem gewaltsamen Tod im Zuge der Revolution von 2011. Geschichte aktuell, Bez. Seengen 2012, hä 1988 und 1989 war Gaddafi in Terrorattentate auf zivile Flugzeuge verwickelt und finanzierte Terrororganisationen. Die UNO verurteilte ihn dafür und verhängte jahrelangen Boykott. Gaddafi zahlte Entschädigungen in Milliardenhöhe und lieferte die angeblichen Schuldigen aus. Nach 2001 (9/11) distanzierte G. sich vom internationalen Terrorismus, arrangiert sich mit USA und Europa. Es gab auch Staatsbesuche in Europa bei Sarkozy und Berlusconi. Europa schloss wegen der grossen Ölvorkommen in Libyen die Augen. Gaddafi terrorisierte fortan sein eigenes Land, das er als sein Eigentum betrachtete. Er nahm immer mehr Drogen, vergriff sich an Journalistinnen, schlug seine Frau und trieb übertriebene Schönheitspflege: Haarimplantate, Haarfärbemittel. und verhielt sich zunehmend irre. Anfang 2011, ermuntert von den Revolutionen in Tunesien und Ägypten, erhob sich auch das libysche Volk. Gaddafi liess mit schwerem Geschütz auf die Demonstranten schiessen, die ein Leben in Würde und Freiheit forderten. Als sich Polizei und Militär den Demonstranten zuwandten, heuerte Gaddafi Söldner aus Schwarzafrika an, um seine Landsleute zu ermorden. Gaddafi erklärte, er werde nie zurücktreten und Libyen nie verlassen. (Seine Freunde in anderen Ländern wollten ihn ohnehin nicht aufnehmen). Nach langen blutigen Kämpfen und Tausenden Toten wurde Gaddafi getötet und sein als Nachfolger vorgesehener Sohn Saif al-Islam verhaftet.