Arbeitsblatt: Tipps fürs Vorlesen
Material-Details
Einige Tipps zum Vorlesen von Hörbuchautor Rufus Beck
Deutsch
Vorlesen / Vortragen / Erzählen
8. Schuljahr
1 Seiten
Statistik
95231
974
6
01.03.2012
Autor/in
Jott Bee
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Tipps vom Hörbuchsprecher Rufus Beck (Herr der Ringe, Harry Potter, etc.) Gutes Vorlesen ist Kopfarbeit. Am besten funktioniert es, wenn sich der Vorleser dem Buch und den Charakteren öffnet. Man kann nicht distanziert lesen. Wenn man als Vorleser überzeugen will, muss man sich auf die Geschichte einlassen. Insofern hat gutes Vorlesen nur zum Teil mit Talent oder einer guten Stimme zu tun. Das Wichtigste sind das Denken und die Fantasie. Die Zuhörer merken, wenn man etwas unbedacht oder fantasielos vorliest. Dann wird es langweilig. Gutes Vorlesen ist eben, wenn sich keiner langweilt. Gegen die Aufregung beim Vorlesen habe ich ein einfaches Mittel. Ich teile den Text, den ich vorlesen muss, gedanklich immer in kleine Portionen ein. Denn wenn man einen langen Text vorzulesen hat, ist man ja meistens deshalb aufgeregt, weil man so einen Berg vor sich sieht, den man bewältigen muss. Dann wird man leicht nervös und kurzatmig. Deshalb ist es ganz wichtig, dass man den Text in verschiedene Abschnitte unterteilt und sich beim Lesen Zeit lässt. Man liest etwas, macht gedanklich und beim Lesen eine Pause, wenn zum Beispiel ein Punkt kommt oder ein Absatz zu Ende ist, und fängt danach in Ruhe mit dem nächsten Abschnitt an. Denn als Vorleser muss ich dem Zuhörer ja auch die Zeit lassen, das Gehörte zu verstehen. Die Pausen sind wie Trommelwirbel. Die machen die Geschichte spannend. Und rhythmisch, wie Musik. Wenn man sich mal verspricht, macht das auch nichts – um solche kleinen Pannen kümmere ich mich gar nicht. Man darf sich als Vorleser nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wenn man sich von einem kleinen Patzer irritieren lässt, wird man aufgeregt, verspricht sich womöglich wieder, wird noch aufgeregter – das ist ein Teufelskreis. Dabei ist es überhaupt nicht schlimm, wenn man sich mal verhaspelt. Man muss einfach nach vorne gucken, sich auf die nächsten Sätze konzentrieren und in Ruhe weiter lesen. Dann fallen die meisten Versprecher den Zuhörern auch kaum auf. Diese Vorleseregeln gelten für mich eigentlich immer – egal, ob ich im Studio oder zu Hause im Kinderzimmer vorlese. Entscheidend ist, dass den Erwachsenen das Vorlesen Spass macht. Man muss es geniessen. Dann geniessen die Zuhörer, in diesem Fall die Kinder, das auch. Kinder spüren, ob aus Pflichtgefühl vorgelesen wird oder mit Freude und Begeisterung. Eigentlich gilt das nicht nur fürs Vorlesen, sondern für alles im Leben: Man muss Spass haben an dem, was man tut.