Arbeitsblatt: Burgen Im Mittelalter

Material-Details

Beschreibung und Funktion der Burgen im Mittelalter
Geschichte
Mittelalter
7. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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11.03.2012

Autor/in

Denise Ortmann
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Herkunft und Funktion der Burgen Unsere Vorfahren, die Germanen, lebten zu Beginn des Mittelalters noch in schlichten Holzhütten. Steinbauten und alle Einrichtungen, die wir aus Gründen der Behaglichkeit nicht missen möchten, lernten sie erst in den römischen Städten an Rhein, Mosel und Donau kennen. Aber die Bekanntschaft bedingte bei ihnen in diesem Fall keine Übernahme. Viele römische Errungenschaften gingen für Jahrhunderte wieder verloren. Auch die Kastelle, die die Römer in den feindlichen Territorien errichten ließen, können nicht mit den mittelalterlichen Burgen verglichen werden. So scheint die Burg tatsächlich, geschichtlich gesehen, etwas ganz Neues darzustellen. Nur die Steinmauer könnte eventuell von den Mauern der römischen Städte abgeschaut worden sein. Noch im 6. Jh. lebten die Großen oder Fürsten des Merowingerreiches auf ihren Herrenhöfen, die sie manchmal mittels Palisadenzäunen schützen ließen. Erst in der spätmerowingisch-frühkarolingischen Zeit (8. Jh.) wurden zum ersten Male Burgen errichtet. Sie sollten größeren Schutz gegen äußere Feinde bieten, als Etappenstationen und als Stützpunkte für größere Feldzüge dienen, in Notzeiten die bäuerliche Bevölkerung aufnehmen und zum Zentrum der fürstlichen und königlichen Verwaltung und Herrschaftsausübung ausgebaut werden. Ihre Hauptfunktion lag im 8. 10. Jh. jedoch eindeutig im militärischen Bereich. So benutzte König Heinrich I. (König von 919 937) diese Befestigungen, um sein Reich und dessen Bewohner besonders gegen die gefährlichen slawischen Übergriffe zu schützen. Im 10. Jh. schossen die Burganlagen schließlich wie Pilze aus dem Boden, obwohl das Burgenregal, d.h. das Recht, Burgen zu bauen, zu den Hoheitsrechten des Königs zählte, und somit eigentlich nur dieser das Recht zum Bau der Befestigungsanlagen besaß. Die selbstbewußten Herzöge, Markgrafen und Grafen des 10. und 11. Jhs. ließen aber auch ohne königliche Genehmigung in ihren Herrschaftsgebieten fleißig neue Burgen errichten. Schließlich wurde ihnen und den geistlichen Großen im Jahre 1184 das Befestigungsrecht vom staufischen Kaiser Friedrich Barbarossa reichsrechtlich zugestanden. Mit der Entstehung des Reichsfürstenstandes und der Ausbildung der Landesherrschaft im 14. Jh. ging das Befestigungsrecht auch auf die Landesherren über, die nun ihrerseits vergeblich zu verhindern suchten, daß ihre landsässigen Adligen das Burgenregal unerlaubt anwandten. Die Burgen bestanden zu dieser Zeit meist nur aus einem Turm in einem ummauerten Hof. Um diesen Hof befand sich ein Graben, und hinter diesem wurden die Hütten der Burgleute errichtet, die ebenfalls durch einen Wall, einen Graben und/oder einen Palisadenzaun geschützt wurden. Im Hochmittelalter wurden die Burgen zu Kernpunkten von Herrschaften. Herzog Friedrich II. von Schwaben († 1147), der Vater Friedrich Barbarossas, überzog das gesamte Oberrheingebiet mit einem Netz von Befestigungsanlagen, um hier seine Landesherrschaft ausbauen zu können. Durch seine zahlreichen Burgengründungen stand er im Ruf, stets am Schwanze seines Rosses eine Burg mitzuführen. Der Erzbischof von Köln, die Zähringer Herzöge in Schwaben, die Landgrafen von Thüringen und viele andere Fürsten des Reiches ahmten ihn nach. Die meisten dieser königlichen und fürstlichen Burgen wurden aber nur selten oder nie von ihren Erbauern bewohnt. Ministeriale wurden mit ihrer Familie zum Burgendienst verpflichtet und hatten den Herrschaftsbereich abzusichern und zu erweitern. Im 11. und 12. Jh. wurden die Namen der Burgen zum Familiennamen der Ministerialen und kleineren Edelherren. Bei anderen adligen Geschlechtern wurde die Stammburg ebenfalls namensgebend für die Familie, z.B. die Stammburg der Staufer. In der Blütezeit der Burgen, im 11. 13. Jh., dienten sie den Königen zur Festigung der Hausmacht, zur Repräsentation, als Stützpunkte des Königtums und als Verwaltungszentren für das Reichsgut und die Reichsrechte. Errichtet wurden die Burgen am liebsten auf Hügeln, steilen Abhängen oder auf einem schwer zugänglichen Felsen. Schließlich wollte man es den Angreifern so schwer wie möglich machen. So führte im allgemeinen auch nur ein schmaler Burgweg, auf dem gerade genügend Platz für eine Person oder höchstens für einen Karren war, zur Befestigungsanlage. Zudem wurde dieser Weg so angelegt, daß der Ankömmling seine schildentblößte Seite der Burg zuwenden mußte. Das gesamte Gelände sollte jedem Feind das Erreichen der Burg unmöglich machen. Hecken und Gräben wurden am Hang ebenso angelegt wie mit Reisig verdeckte Gruben, in denen gespitzte Pfähle auf die Hineinfallenden warteten. Fußangeln, verstreute, eiserne Tetraeder mit Widerhaken wurden im Unterholz versteckt, oder der Burghügel wurde zur besseren Überwachung einfach kahl geschoren. Die typischen Bauelemente einer Burg waren die Mauer mit den Wachttürmen und den verschiedenen Toren, der Bergfried, der Palas, die Doppelkapelle und die Wirtschaftsgebäude. Die Burgmauer wies schmale rechteckige Schießscharten auf, hinter denen sich in Mauernischen versteckt die Schützen mit Pfeil und Bogen befanden. Besaßen die Scharten seitliche Erweiterungen, wurden sie Schlüsselscharten genannt. Hinter ihnen verbargen sich die Armbrustschützen. Außerdem gab es an der Mauer noch einige Erker, die entweder auf Konsolen ruhten oder unten am Boden Öffnungen aufwiesen, durch die man Steine, Unrat, Exkremente und andere Unannehmlichkeiten auf die Feinde herabwerfen konnte. Zugang wurde dem Besucher durch mehrere Toranlagen gewährt. Oft unterschied man zwischen Außen-, Mittelund Innentor. Alle drei waren häufig mit Erkern, die Pechnasen genannt wurden, bewehrt und bestanden aus mehreren Bretterschichten, die mit Nägeln und Eisenbändern beschlagen und vorne oft noch mit Eisenblech versehen waren. So konnten sie von den Feinden nicht so schnell in Brand gesteckt werden. Zudem waren die dunklen, tunnelartigen Torhallen an den Seiten zusätzlich mit Schießscharten ausgestattet worden, und oben an der Decke befand sich das berüchtigte Mörderloch, von dem der eindringende Feind ebenfalls beschossen werden konnte. Am Ausgang des Tortunnels gab es schließlich noch das Fallgitter, das in seitlichen Mauerschlitzen verlief. Heinrich von der Aue, ein bedeutender Dichter des Hochmittelalters, berichtete von einer ganz besonderen Fallgittervorrichtung, bei der man aus Unkenntnis oder auch nur aus Versehen auf eine ganz bestimmte Stelle der Zugbrücke treten mußte, und schon schoß das Gitter herunter. Damit dem Gegner das Eindringen ins Burginnere noch mehr erschwert wurde, hatte man zudem ein Fallgitter konstruiert, bei dem jede Stange einzeln niederfiel. Sollte in diesem Fall der Feind einen Stein unter das Gitter gelegt haben, versagten höchstens ein oder zwei Stangen ihren Dienst. Somit war es für den Gegner unmöglich, mittels eines einzigen Steines die Abwehrfunktion des Gitters außer Kraft zu setzen. Verriegelt wurden die Tore durch mehrere Balken, die in Mauerschlitzen verliefen. Der Bergfried war der Hauptturm jeder Burg. Er überragte die gesamte Anlage und stellte die letzte Zufluchtsstätte bei einem Angriff dar. Seine Funktion als Wohnturm, den er in England und Frankreich fast das gesamte Mittelalter über besaß, hatte er in Deutschland schon im Hochmittelalter verloren. Hier diente er nur noch als Wacht- und Verteidigungsturm und besaß im unteren Abschnitt eventuell noch ein Verlies für mögliche Gefangene. Das Repräsentations- und Wohngebäude des Burgherrn und seiner Familie stellte der Palas dar, der oft in enger Verbindung zur Doppelkapelle stand. Die Wirtschaftsgebäude, die im Gegensatz zu den bisher genannten Gebäuden nicht aus Stein, sondern aus Holz errichtet wurden, dienten zur Lagerung von Waffen, Öl, Pech, Bauholz und den Abgaben der zinspflichtigen Bauern. Der Küchenbau mit dem Backofen befand sich dabei wegen der hohen Brandgefahr etwas abseits von den anderen Gebäuden. Ebenso verhielt es sich mit der beheizbaren Badestube, auf die selbst kleinere Burgen nicht verzichteten und die besonders im Winter sehr begehrt waren, da nur die Kemenate, das Frauenzimmer, im Palas einen Kamin aufwies. Großer Beliebtheit erfreute sich dabei besonders das Dampfbad, das durch die Kreuzzüge im 12. Jh. vom Morgenland übernommen wurde. Zwischen der Kernburg und der Mauer befand sich noch ein schmaler Geländestreifen, Zwinger genannt. Hier übten sich die Knappen und Ritter in ihren sportlichen Übungen oder wurde der Burggarten mit seinen Obstbäumen, Rosen und Lilien oder Kräutern für medizinische Zwecke angelegt. Zuweilen ließ der Burgherr im Zwinger auch einen kleinen Privatzoo einrichten, indem er seine Löwen, Affen, Bären, Strauße, Kamele, Panther, Leoparden und Geparden unterbrachte, oder er legte hier einen Wildpark für seine Hirsche, Rehe und Wildschweine an. Spuren aus dem Burgenzeitalter findet man in unserer Landschaft viele: von Ortsnamen wie Regensburg oder Augsburg über Ruinenreste im Wald bis hin zu gut erhaltenen Festungen, die heute als Museum, Hotel oder auch noch als Wohnort für Privatleute dienen. Hoch oben auf einem Berg thront der mächtige Steinbau, eine Fahne flattert im Wind – da kann man sich gut vorstellen, wie die Ritter in ihren glänzenden Rüstungen den Berg zur Burg empor ritten und sich dort vielleicht zu einem Fest oder zu einem Kriegsrat trafen. WAS WAR EINE BURG? Eine Burg war ursprünglich ein Ort, an dem der Burgherr und seine Familie, seine Dienerschaft und, wenn die Burg groß genug war, auch die Dorfbewohner Schutz fanden vor Angreifern. Das Zeitalter der Burgen war das Mittelalter. Einen geeigneten Standort für eine Burg zu finden war gar nicht so leicht. Denn die Burg sollte schon durch ihre natürliche Umgebung vor Angreifern schützen. Also baute man Burgen vorzugsweise auf Hügeln oder Bergen oder am Wasser; wenn kein natürlicher Schutz da war oder dieser Schutz nicht ausreichend erschien, zog man einen künstlichen Wassergraben um die Burg. Wichtig war außerdem, dass ein Fluss oder eine Straße in der Nähe war, damit man an die Hauptverkehrswege angebunden war oder sie sogar kontrollieren konnte. WER DURFTE EINE BURG BAUEN? Die ersten Burgen aus dem 9. Jahrhundert wurden nur für die Verteidigung gebaut. Damals überfielen die Wikinger, Ungarn und Muslime das europäische Festland von fast allen Seiten. Deshalb errichteten die Könige Festungen entlang ihrer Grenzen, in denen die Krieger lebten, die das Land vor Angriffen schützten. Auch die Bewohner der umliegenden Dörfer fanden dort Schutz. Das war natürlich eine kostspielige Sache. Deshalb verpflichtete der König auch seine adligen Gefolgsleute zum Bau solcher Wehrburgen. DIE MOTTE Die frühen Burgen bestanden aus einem einfachen hölzernen Wohnturm, der auf einem künstlichen Erdhügel, der Motte, errichtet wurde. Diesem war oft eine Vorburg vorgelagert, in der sich die Unterkünfte der Krieger, eine Kapelle und die Stallungen befanden. Zum besseren Schutz wurde der Wohnturm mit einem Palisadenzaun aus etwa zweieinhalb Meter hohen, sehr spitzen Holzpflöcken umgeben. Der Bergfried, von dem du vielleicht schon gehört hast, war zwar ebenfalls ein mächtiger Turm. Aber er diente nicht als Wohnturm, sondern er war die letzte Zuflucht, wenn die übrige Burg schon von den Feinden eingenommen war. Im Wohnturm waren der Wohnraum (die Kemenate) der Burgherrenfamilie, Vorratsräume und die große Halle untergebracht. Die Wachen auf dem Wehrgang konnten die weitere Umgebung gut überblicken und einen feindlichen Angriff oder Feuer melden. Motte und Vorburg waren durch eine Zugbrücke verbunden, die bei einem Angriff hochgezogen wurde. In der großen Halle spielte sich das Burgleben ab: Hier wurde gegessen, gefeiert, Ratsversammlungen wurden abgehalten und Recht gesprochen. Und nachts schlief die Dienerschaft in der Halle. Dieser Raum war der einzige, der mit Teppichen und anderen Kostbarkeiten ausgestattet war. Hier brannte auch ein großes Feuer, an dem sich alle wärmen konnten. DIE ERSTEN BURGEN AUS STEIN Ein Nachteil der ersten Burgen aus Holz war natürlich, dass sie leicht Feuer fingen. Ab dem 11. Jahrhundert entstanden deshalb immer mehr Burgen aus Stein. Jetzt wurden alle wichtigen Räume im Wohnturm untergebracht, der in der Regel drei Stockwerke hatte. Auch der Burgbrunnen befand sich darin. Eine Vorburg gab es nicht mehr. Der Eingang lag im ersten Stock und ließ sich so leichter verteidigen. Die bis zu vier Meter dicken Mauern boten genügend Schutz, auch vor Feuer. MEHR KOMFORT Mit der Zeit erwachte bei den Burgherren der Wunsch nach mehr Komfort. Im Wohnturm lebten die Menschen recht gedrängt. Es war überall recht zugig – die Fenster hatten keine Läden oder gar Fensterscheiben aus Glas! Und durch das offene Feuer war es auch sehr verraucht. Die Edelleute wollten außerdem ihren Reichtum und ihre Macht besser zur Schau stellen. Deshalb verlagerten sie ihre Privaträume und den Festsaal sowie die Schlafräume der Dienerschaft in eigene Gebäude im Burghof. Auch die Küche wurde aus Sicherheitsgründen in einem eigenen Gebäude untergebracht, denn von der Küche ging ständig Feuergefahr aus. Der Turm diente bald nur noch als Gefängnis oder als letzte Zuflucht bei einem Angriff. Die Burganlage entwickelte sich schon fast zu einem kleinen Dorf. Innerhalb der Burgmauern befanden sich Stallungen, ein oder zwei Kapellen, die Werkstätten verschiedener Handwerker wie des Zimmermanns, des Schmieds und des Pfeilbauers sowie ein Garten. VERTEIDIGUNGSANLAGEN Jetzt musste allerdings die Ringmauer um die Burg stärker gesichert werden: Die Mauern wurden höher und dicker und mit Wehrgängen und Wehrtürmen bestückt. Die Wehrgänge besaßen Gusserker. Und wenn Angreifer mit Hilfe von hohen Leitern oder Rolltürmen die Mauern bezwingen wollten, schüttete oder warf man siedendes Öl, heißes Pech oder Steine durch die Gusserker auf sie hinab. Das Burgtor hatte zu beiden Seiten Türme, in denen die Wachleute untergebracht waren. Schwere Torflügel, ein Fallgitter, eine Zugbrücke und manchmal noch ein Vorbau sicherten den Haupteingang der Burg gegen die Rammböcke der Angreifer. Lag die Burg nicht auf einem schwer bezwingbaren Hügel, dann wurden mehrere Ringmauern und manchmal auch noch ein tiefer Wassergraben um die Burg gezogen. Diese Burgen nannte man Kastellburgen. AUSKLANG DES BURGENZEITALTERS Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ließen die neuen Feuerwaffen nicht nur die Ritter, sondern auch die Burgen nutzlos werden. Die ehemaligen Burgherren planten nun keine Verteidigungsanlagen mehr, sondern ließen sich komfortable Herrenhäuser und Schlösser mit Gärten zum Lustwandeln anlegen. Aufgaben: 1. Erkläre, welchen Sinn und Zweck Burgen früher hatten. 2. Überlege, welche Möglichkeiten es gab, eine Burg zu erobern. 3. Stelle Vermutungen an, welche Folgen die Erfindung der Handfeuerwaffen für das Rittertum haben musste.