Arbeitsblatt: Kamasutra

Material-Details

Lernauftrag (Text mit Fragen) zum Kamasutra
Lebenskunde
Sexualerziehung
2. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

96069
904
3
16.03.2012

Autor/in

Grotil (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Kamasutra Aufträge: 1. Bevor du den Text liest: Bestimmt hast du schon einmal vom Kamasutra gehört. Notiere einige Sätze in dein Heft, was du dir darunter vorstellst. Woher stammt es? Was steht drin? Wer hat es geschrieben? Wieso wurde es geschrieben? usw. 2. Lies den Text über das Kamasutra. Er ist eher kompliziert, lass dir also Zeit. Wörter, die dir Schwierigkeiten bereiten könnten, sind in Fussnoten (unten auf der Seite) erklärt. Frag, wenn dir weitere Begriffe unbekannt sind. 3. Notiere dir die „Eckdaten (wann wo von wem . verfasst) des Kamasutra in dein Heft. 4. Aus welchen Wörtern setzt sich Kamasutra zusammen? Was bedeuten sie? 5. Zeichne eine vertikale Linie in dein Heft, so dass du zwei Spalten erhältst. Schreibe in die linke Spalte einen Text, als was das Kamasutra gedacht war. Welche Funktion hatte es damals in Indien? Was bedeutete es? Schreibe in die rechte Spalte, als was es im Westen (miss)verstanden wird. 6. Schau dir nun deine Antwort auf die erste Frage nochmals an. Wo hattest du Recht, wo Unrecht? Woher kommen allfällige falsche Vorstellungen? Text Das Kamasutra wurde vermutlich zwischen 200 und 300 nach Christus geschrieben. Das Werk gilt als einer der einflussreichsten Texte der Weltkulturgeschichte zum Thema der erotischen Liebe. Der Inhalt geht über ein einfaches Erotiklehrbuch hinaus, auf das es gern reduziert wird. Das Kamasutra wurde in der westlichen Welt überwiegend als schlüpfriges Handbuch für Sexualpraktiken missverstanden. Der indische Kulturraum ist von starken sozialen Zuordnungen geprägt. Soziales Verhalten misst sich dort daran, was man in der eigenen Kaste1 tun darf und tun muss. Abweichungen vom Normverhalten werden sanktioniert. In allen Schichten und Kasten herrscht eine patriarchale2 und heterosexistische3 Ordnung, die allerdings in städtischen Zentren, in denen das Kamasutra entstand, ins Wanken geriet. Das Werk verstand sich als Anleitung für die erotisch-sexuelle und zugleich die ethische4 Lebenskunst und bietet sehr detaillierte und pragmatische Anleitungen und Stellungen beim Geschlechtsverkehr, wobei die homosexuellen Sexpraktiken nicht fehlen, aber den heterosexuellen klar untergeordnet werden. Bei der älteren Übersetzung ins Englische wurden sie jedoch schlicht weggelassen. Weiterhin beschrieben und reglementiert sind Partnerwahl, Machterhalt innerhalb der Ehe, der Ehebruch, die Prostitution und der Gebrauch von Drogen. Aufgrund der Beschreibung von vier Schlagarten beim Liebesspiel, sowie der zulässigen Körperregionen für Schläge gilt das Kamasutra als einer der ersten historischen Anleitungstexte mit BDSM5-Bezug. Im Text wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auf Schlägen basierende Spiele ebenso wie das Beissen und Kneifen beim Geschlechtsverkehr nur erfolgen darf, wenn diesbezüglich Einvernehmlichkeit zwischen den Partnern besteht. Als Grund hierfür führt der Text an, dass nicht alle Frauen derartige Praktiken als lustvoll empfinden. Das Kamasutra ist im höfischen Umfeld entstanden. Das Individuum galt damals in Indien wenig und die Religion alles. Deshalb ist das Kamasutra auch ein Aufbegehren gegen die totale 1 Die Kastenzugehörigkeit hatte in Indien bis vor einigen Jahrzehnten Auswirkungen auf alle Lebensbereiche einer Person. Je nachdem, in welcher Kaste (vergleichbar mit den europäischen Ständen im Mittelalter) man war, hatte man andere Pflichten oder Rechte. Man musste eine Person der gleichen Kaste heiraten, die Angehörigen der Kasten assen getrennt usw. 2 Das heisst, dass der Mann der Vater das Oberhaupt ist. 3 Das heisst, die Liebe oder der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau ist „richtiger „besser als derjenige zwischen zwei Frauen oder zwei Männern. 4 Die Frage, ob etwas richtig oder falsch ist. Jemanden zu seinem eigenen Vorteil zu täuschen ist unethisch; sich für einen Menschen in Not einzusetzen ist ethisch. 5 Der Begriff BDSM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage Discipline, Dominance Submission, Sadism Masochism zusammen. Er umschreibt eine Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen. Reglementierung jedes noch so kleinen Details des menschlichen Lebens durch die vielen uralten Schriften, die gesetzgebenden Charakter hatten. Kama bedeutet frei übersetzt ‚Verlangen‘ und ist ein unkeusches6 Wort. Es bedeutet nicht nur Liebe oder Sex, denn auch das Knurren des leeren Magens ist Ausdruck von Kama. Etwas potentiell erotisch-sexuelles zum Titel eines Lehrbuches zu machen, war im prüden Indien schon an sich eine Provokation. Durch die Kombination mit dem Wort Sutra7 im Titel erhob das Werk aber ausserdem den Anspruch, auf Augenhöhe mit den altehrwürdigen Werken zu stehen, die aus Sutras bestehen und die kulturelle Grundlage Indiens gelegt hatten, noch bevor es Schrift gab. Die gründliche, extrem systematische und in bestimmten Aspekten sogar realistische Darstellung kleinster Details der Suche nach einem geeigneten Sexualpartner mit Verführung, Ausübung und Beendigung entspringen nicht nur einem Bemühen um Aufklärung. Vielmehr ist diese akribische Darstellung und Reglementierung ein für alte indische Schriften typisches Merkmal. Da sich Sanskrit-Verse selbst in deutscher Übersetzung nicht sehr gut verkaufen, ist diesem Text durch die Verleger im Laufe der Zeit immer mehr erotisches Bildmaterial beigefügt worden, bis diese Bilder den überwiegenden Teil ausmachten und der Textanteil auf die Bildunterschriften reduziert wurde. Mit dieser profitorientierten Einstellung des „Sex sells hatte der Autor wenig im Sinn. Viel mehr ging es ihm darum, die Scheinheiligkeit der sanskrit-rezitierenden Pandits8 einerseits und die höfische Doppelmoral andererseits zu entblössen. Im altindischen Glauben, der dem Kamasutra zugrunde liegt, gilt es, im Leben drei „Güter zu erwerben: Dharma, das spirituelle Wohl durch Befolgung religiöser Richtlinien, Artha, materielle Güter und Reichtum und Kama, den sinnlichen Genuss. Höchste Priorität hat dabei Dharma, danach folgt Artha und schliesslich Kama; ein Gut mit niedrigerer Priorität darf nach dem Kamasutra den Erwerb eines höherwertigen Gutes nicht stören. 6 „Keuschheit ist (oft religiös motivierte) Enthaltsamkeit. Es geht dabei jedoch nicht nur darum, keine sexuellen Handlungen zu vollziehen, sondern sie nicht einmal zu wollen. „unkeusch kann hier in etwa mit unreligiös oder lasterhaft übersetzt werden. 7 kurzer, durch seine Versform einprägsamer Lehrtext aus Indien 8 indischer religiöser Gelehrter