Arbeitsblatt: Die wahren Entdecker Amerika
Material-Details
Die wahren Entdecker Amerika
Geschichte
Mittelalter
7. Schuljahr
18 Seiten
Statistik
97419
923
20
15.04.2012
Autor/in
Benjamin Ninjasmoker
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Rätsel Kolumbus Vom Mythos zum Streitobjekt Er gilt als größter Entdecker aller Zeiten, als „Steigbügelhalter für die Eroberung Amerikas durch Europa, als Wegbereiter für den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht. Der Mythos Christoph Kolumbus lebt auch heute, 500 Jahre nach seinem Tod. Von dieser Karriere ahnte der „Admiral des Ozeans allerdings nichts, als er sich im Jahr 1492 mit drei Schiffen auf den Weg machte, um den Seeweg nach Indien zu erforschen. Gold, Gewürze und andere unermessliche Reichtümer hoffte er dort zu finden, sowie Ruhm und Macht für sich und Spanien. Entdeckt hat Kolumbus die sagenumwobenen Schatzkammern im Fernen Osten nie, obwohl er bis an sein Lebensende fest davon überzeugt war. Dafür aber eine bis dahin für Europäer unbekannte, faszinierende Welt jenseits des Atlantiks, die schon bald zur Anlaufstelle für Menschen aus ganz Europa werden sollte. Doch noch immer gibt die Person Kolumbus viele Rätsel auf. War er tatsächlich Genueser, wie immer behauptet wird? Wo liegt der berühmte Seefahrer begraben? An welcher Stelle betrat er erstmals die Neue Welt? Und vor allem: Wie war das wirklich mit der angeblichen Entdeckung Amerikas? Auf diese und viele andere Fragen suchen Wissenschaftler noch immer eine Antwort. Schiff aus Kolumbus Flotte Library of Congress 1 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Eine Vision wird Wirklichkeit Kolumbus und die Suche nach dem Seeweg nach Indien Die Schiffe vor der Abfahrt Library of Congress 3. August 1492, Palos de la Frontera, Spanien: Drei Schiffe liegen im Hafen der Kleinstadt bei Huelva vor Anker und warten auf das Auslaufen. Gerade mal 23 Meter lang ist das Flaggschiff der Flotte von Christoph Kolumbus, die „Santa Maria, noch kleiner sind die Karavellen Nina und Pinta. Dennoch haben sie Großes vor. Über den Atlantik sollen sie fahren, um den begehrten Seeweg nach Indien und China zu finden, wo angeblich Unmengen an Gewürzen, Gold und Edelsteinen auf die Seefahrer warten. So hat es jedenfalls der berühmte Forschungsreisende Marco Polo berichtet, der rund 200 Jahre zuvor auf dem Landweg dorthin gereist war. Und viele andere Händler und Entdecker nach ihm haben seine Aussagen bestätigt. Ein Traum geht in Erfüllung Für den 41jährigen Kolumbus geht mit der bevorstehenden Expedition ein Traum in Erfüllung. Schon seit Jahren hat er die Vision von Europa aus Richtung Westen zu segeln, wo er die Schatzkammern Asiens vermutet. Dass dort Land sein muss, steht für ihn außer Frage. Zu dieser Einschätzung ist er durch das Studium von Reiseberichten anderer Seefahrern und alten Überlieferungen gelangt. Und hatte nicht auch bereits Aristoteles vermutet, dass man von Gibraltar aus nur wenige Tage braucht, um über das große Wasser zu reisen und nach Asien zu gelangen? Er muss auch keine Angst davor haben, dass der Ozean plötzlich irgendwo zu Ende ist und die Schiffe mit Mann und Maus ins Nichts stürzen. Denn dass die Erde keine Scheibe ist, sondern eine Kugel, hat zwar noch niemand endgültig bewiesen, dies gilt aber unter Seefahrern und Wissenschaftlern längst als sicher. Nur die Kirche sperrt sich noch, dies anzuerkennen. Jetzt, wo es endgültig losgehen soll mit der Reise, blickt Kolumbus auf einen steinigen Weg zurück. Denn jahrelang hat niemand seiner Idee so Recht glauben geschenkt. Und gar eine teure Expedition auszurüsten und auf den Weg zu schicken, kam den Regenten in Portugal, England oder Frankreich, wo er um Unterstützung warb, überhaupt nicht in den Sinn. Auf der Suche nach Sponsoren Dies hat viele Gründe. König Johann der II. von Portugal und die von ihm konsultierten Experten beispielsweise halten Kolumbus Berechnungen über die Reisestrecke von den Kanaren bis nach Asien für falsch. Kolumbus, der seit 1477 in Lissabon lebt, schätzt sie lediglich auf knapp 5.000 Kilometer. Stimmt dies, sollte die Distanz mit den modernen Schiffen tatsächlich zu bewältigen sein. Aber dem portugiesischen Staatsoberhaupt ist das zu unsicher und er verfolgt zudem längst einen anderen Plan. Er will auf dem östlichen Seeweg nach Indien und China gelangen. Seit Jahren sind seine Seefahrer entlang des afrikanischen Kontinents immer weiter nach Süden vorgedrungen und 1487 gelingt es Bartolomeu Diaz sogar die Südspitze Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung, zu umsegeln. Damit könnte der Weg frei sein für Portugal nach Asien. Der Aufstieg des Landes zur wichtigsten Handelsmacht Europas auf den Meeren der Welt scheint nur noch eine Frage der Zeit. Warum dann ein Risiko eingehen und auf Kolumbus setzen? 2 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Bruderkampf um die Vorherrschaft auf dem Meer Christoph Kolumbus Library of Congress Die aufstrebende neue Supermacht Portugal ist letztlich dann aber der Grund dafür, dass Kolumbus schließlich doch noch einen Gönner findet – Spanien. Königin Isabella und König Ferdinand waren lange Jahre mit einem Krieg gegen die Mauren beschäftigt, die große Teile des Landes in ihren Besitz gebracht hatten. Doch jetzt sind die Araber besiegt und vertrieben. Da bleibt Zeit für andere Dinge und die Erfolge des Nachbarn Portugal auf dem Meer sind ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb interessiert sich das Königspaar plötzlich auf einmal sehr für den Plan von Kolumbus. Zuvor hatte man ihn nach seiner Immigration nach Spanien im Jahr 1485 zwar immer wieder empfangen und angehört, aber dann hingehalten und auf später vertröstet. Obwohl auch spanische Experten an den von Kolumbus errechneten Reisedistanzen zweifeln, entschließen sich Isabella und Ferdinand zu Beginn des Jahres 1492 eine Expedition unter seinem Kommando auszurüsten. Die Verhandlungen zwischen dem Königspaar und dem erfahrenen Seefahrer drohen dennoch im letzten Moment zu scheitern, weil die Forderungen, die Kolumbus stellt, sehr hoch sind. Admiral des Ozeans will er werden und Vizekönig in allen von ihm für Spanien neu entdeckten Regionen jenseits des großen Teichs. Darüber hinaus beansprucht er noch zehn Prozent vom Gewinn durch die Edelmetalle und anderen Reichtümer, die er in Asien zu finden gedenkt. Isabella und Ferdinand akzeptieren aber schließlich doch zähneknirschend seine Bedingungen und besiegeln die Vereinbarungen mit ihm in einem Vertrag. Der Weg für Kolumbus ist endlich frei. 3 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Kurs Indien! Die erste Reise des Kolumbus Abfahrt am 3. August 1492 Library of Congress Als es am 3. August 1492 endlich losgeht, ist Kolombus zuversichtlich. Die drei Schiffe machen einen guten Eindruck und sind mit mehr als 120 Mann Besatzung sowie reichlich Vorräten bestückt. An Bord befinden sich auch Gold, Glasperlen, Gürtelschnallen und andere Geschenke, um die jenseits des Atlantiks lebenden Einheimischen günstig zu stimmen. Auch seine Reiseroute steht längst fest: Er will zunächst nach Süden segeln. Dort gibt es, das weiß er aus dem Studium von Reiseberichten und Logbüchern anderer Seefahrer, günstige Passatwinde und Meeresströmungen, die ihm und seiner Flotte möglicherweise schnell und sicher über den Atlantik helfen können. Doch die Fahrt steht zunächst unter keinem guten Stern. Schon nach drei Tagen bricht auf der Pinta ein Mast. Kolumbus muss mit seinen Schiffen auf den Kanaren Schutz suchen und den Schaden reparieren lassen. Zu seinem großen Ärger hält dies die Expedition für rund einen Monat in längst bekannten Gefilden fest, erst danach geht es weiter Richtung Westen ins Ungewisse. „Land in Sicht Noch sind die Matrosen guten Mutes. Doch je länger die Reise dauert und je weiter sich die Flotte von der Heimat entfernt, desto unzufriedener und ängstlicher werden sie. Um eine Meuterei zu vermeiden, redet Kolumbus mit Engelszungen auf sie ein, droht mit Gewalt und erinnert an die Reichtümer am Ziel der Reise. Zudem lässt er seine Männer bewusst im Unklaren darüber, wie viele Kilometer sie tatsächlich bereits gefahren sind. Kolumbus Landung in Indien Library of Congress Schließlich, nach zwei Monaten und neun Tagen auf hoher See können Kolumbus und die Besatzung endlich aufatmen: „Land in Sicht schallt es am 12. Oktober 1492 aus dem Ausguck im Mast. „Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht, von dem wir etwa acht Seemeilen entfernt waren. Wir holten alle Segel ein und fuhren nur mit einem Großsegel, ohne Nebensegel. Dann lagen wir bei und warteten bis zum Anbruch des Tages, der ein Freitag war, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache Guanahani hieß., beschreibt Kolumbus in seinem Bordbuch den historischen Moment. 4 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Kolumbus ist überzeugt davon, dass er in Indien oder zumindest doch auf einer der der Küste vorgelagerten Inseln angekommen ist. Die bisher zurückgelegte Reisestrecke stimmt in etwa mit seinen früheren Berechnungen überein. Wozu soll das Land daher gehören, wenn nicht zu Asien? Die ersten Einheimischen, die er sieht, sind freundlich, unbekümmert, zumeist jung und „alle sehr gut gewachsen, wie Kolumbus in sein Bordbuch vermerkt. Die rotbraunen Menschen gehören zum Volk der Tainos, das wie Kolumbus mit der Zeit feststellt, auch auf anderen Inseln der Region zu finden ist. Da Kolumbus sich in Indien wähnt, nennt er die Ureinwohner Indianer. Entdeckungen am laufenden Band Lange hält es Kolumbus und seine Männer nicht auf „San Salvador, wie er seine erste Entdeckung genannt hat. Denn die Tainos tragen zwar Goldschmuck, größere Mengen des Edelmetalls sind hier aber nicht zu erbeuten, wie eine sofort gestartete Suche ergibt. Die drei Schiffe segeln deshalb weiter Richtung Südwesten, sichten dabei Kuba und landen wenig später südöstlich davon auf einer gewaltigen Insel, die Kolumbus Hispaniola tauft. Die Santa Maria Library of Congress Allerdings ist die Ankunft dort so gar nicht nach seinem Geschmack. Denn sein Flaggschiff die Santa Maria läuft vor der Nordküste an einer Untiefe auf Grund und kann sich nicht mehr befreien. Besatzung und Ladung kann man mithilfe der dortigen Indianer zwar an Land retten, aber das Schiff selbst ist verloren. Aus den Überresten lässt Kolumbus die erste winzige spanische Siedlung in Übersee bauen, der er den Namen La Navidad gibt. Glücklich gerettet machen sich die Spanier anschließend sofort auf die Suche nach wertvollen Edelmetallen und Gewürzen. Und sie werden auch fündig. Zwar sind es nicht das sagenumwobene Goldland oder die Gewürzinseln, die man entdeckt hat, die ersten Kostproben reichen nach Meinung von Kolumbus aber aus, um nach Spanien zurückzukehren und den Erfolg der Mission zu verkünden. Am 16. Januar 1493 sticht der „Admiral des Ozeans in See. Allerdings muss er aufgrund des Verlusts der Santa Maria einen Teil seiner Männer auf Hispaniola zurücklassen. Die ersten rund 40 spanischen Siedler, die dort bleiben, bekommen die Order, in seiner Abwesenheit auf Expeditionen ins Landesinnere mehr Gold und andere Reichtümer aufspüren. Rückkehr als Held Die Rückreise des Kolumbus gelingt weitgehend problemlos. Am 15. März 1493 betritt er gut sieben Monate nach seinem Aufbruch in Palos wieder spanischen Boden und erlebt in der Folge einen wahren Triumphzug. Die wertvollen Güter und ein paar mitgebrachte Tainos scheinen alle Hoffnungen von Kolumbus und der spanischen Krone zu bestätigen. Über all, wo der Held auf dem Weg zum Königspaar, das in Barcelona residiert, hinkommt, wird er gefeiert. Und auch bei Hofe empfangen ihn Isabella und Ferdinand überschwänglich und verfolgen mit Begeisterung seine Berichterstattung. 5 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Für Kolumbus aber vielleicht noch wichtiger als aller Ruhm: Er darf eine zweite, diesmal viel größere Expedition ausrüsten. Indien oder eine Neue Welt? Kolumbus zweite und dritte Reise 17 Schiffe und 1.500 Mann Besatzung – im Vergleich zu seiner Pionierfahrt ist Kolumbus bei seiner zweiten Expedition über den Atlantik mit einer ganzen Armada unterwegs. Die Erwartungen sind durch seine Berichte allerdings ebenfalls gestiegen. Er soll Kolonien gründen, die Indianer missionieren, neue Gebiete für die spanische Krone entdecken und in Besitz nehmen und vor allem mehr Gold finden. Kolumbus unter Indianern Library of Congress Um seinen Auftrag auszuführen, haben ihm Königin Isobella und König Ferdinand Priester, Soldaten, aber auch Siedler und königliche Beamte mitgegeben. Doch schon bald macht sich Ernüchterung breit. Zwar geling der Sprung über den großen Teich erneut, doch außer einigen Inseln darunter Domenica, Montserrat, Antigua – finden sie nichts. Die Gier nach neuen Reichtümern bleibt weitgehend ungestillt. Darüberhinaus hat der „Vizekönig auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. So muss er feststellen, dass die auf der ersten Reise errichtete Festung auf Hispaniola bei kriegerischen Auseindersetzungen mit den Indianern völlig zerstört worden ist. Kein Spanier hat überlebt. Kurz entschlossen gründet er weiter östlich eine neue Siedlung mit dem Namen La Isabella. Ein Teil der 1.500 Mann Besatzung bleibt hier zurück, Kolumbus aber segelt weiter. Kuba, Jamaika und Puerto Rico sind die nächsten Stationen auf dem Weg durch die Inselwelt vor der, wie er noch immer glaubt, asiatischen Küste. Doch auch hier bleibt die Suche nach Gold weitgehend erfolglos. Von Herren und Sklaven Unzufrieden macht Kolumbus kehrt und segelt nach Hispaniola zurück. Hier erwartet ihn im September 1494 der nächste Schock. Die Siedlung Isabella befindet sich in einem desolaten Zustand. Unter den Kolonisten ist ein heftiger Streit entbrannt und zudem haben sich auch die Tainos gegen die Spanier aufgelehnt. Sie haben genug von den Weißen, die sie als Sklaven behandeln und zudem immer wieder gewalttätig werden. Um Ruhe zu schaffen und seine Macht zu sichern, führt Kolumbus im Frühjahr 1495 eine Strafexpedition in der Region durch, bei der äußerst brutal vorgeht und mehr als 1.500 Indianer gefangen nimmt. Ein Teil davon wird auf Schiffe geschafft und dann nach Europa deportiert. Viele Indianer sterben schon bei der Überfahrt. Wenige Monate später trifft zudem ein „Aufpasser von Isabella und Ferdinand auf Hispaniola ein. Er soll untersuchen, ob die Situation in den neuen spanisch kontrollierten Gebieten tatsächlich so chaotisch ist, wie Heimkehrer nach Spanien berichtet haben. 6 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Kolumbus bei Isabella Library of Congress Kolumbus segelt daraufhin im März 1496 in seine Wahlheimat zurück, um beim Königspaar vorstellig zu werden und seinen Kopf zu retten. Dies gelingt ihm mit Mühe, doch bis er eine neue Flotte bekommt und wieder nach Übersee reisen kann, vergehen nahezu 24 Monate. Keine Reichtümer in Sicht Als es am 30. Mai 1498 endlich mit acht Schiffen erneut losgeht, steht Kolumbus unter Zugzwang. Jetzt muss er beweisen, dass er tatsächlich den Seeweg nach Indien und China gefunden hat und es geht vor allem um eins: mehr Gold, viel mehr Gold. Denn die Expeditionen sind sehr teuer und seine Geldgeber, Isabella und Ferdinand, und die ganze spanische Öffentlichkeit wollen dafür endlich eine Gegenleistung sehen. Kolumbus wählt vermutlich auch deshalb eine etwas südlichere Route um nicht wieder auf den ihm bereits bekannten „Westindischen Inseln, wie seine Entdeckungen in Übersee längst genannt werden, zu landen. Tatsächlich findet er nach der Überfahrt aber zunächst wieder nur einige neue Eilande – unter anderem Trinidad und Tobago – bis er schließlich doch noch das Festland erreicht. Er stößt dort auf die gewaltige Flussmündung des Orinocos und erkundet auch die Küstengebiete weiter nördlich, ohne allerdings anzulanden und selbst den Fuß auf den neu entdeckten Boden zu setzen. Was hat er da bloß aufgespürt? Ist das tatsächlich Asien? Das was er vom Schiff aus erkennen kann, sieht ganz anders aus als erwartet. Oder ist dies vielleicht doch eine neue Welt? Doch Kolumbus verwirft diesen Gedanken und macht sich auf den Weg nach Hispaniola. 7 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Vom Helden zum Häftling Kolumbus Traum zerbricht Kolumbus und die Indios Library of Congress Auf Hispaniola hat mittlerweile Kolumbus Bruder Bartolomeo an der Südküste eine neue Siedlung gegründet – Santo Domingo. Doch auch diese Kolonie bereitet Kolumbus mit der Zeit zunehmend Kopfzerbrechen: Die Spanier sind mit ihrem Leben unzufrieden, weil sich die ihnen gemachten Versprechungen nicht erfüllen und die Indianer wollen nicht ohne Weiteres zum Christentum übertreten. Zudem kommt es immer häufiger zu gewalttätigen Übergriffen auf die Tainos. Verantwortlich dafür sind weiße „Desperados, die sich im Schlepptau von Kolumbus befinden. Sie interessieren sich nur für Gold und ihnen ist jedes Mittel Recht, um dies aufzuspüren. Kurz: es herrschen chaotische Verhältnisse. Nachdem das spanische Königspaar von der Situation Kenntnis erhält, schickt es einen neuen „starken Mann nach Übersee, Francesco de Bobadilla. Er räumt nach seiner Ankunft im August 1500 in der Kolonie auf und setzt Kolumbus als Gouverneur und Vizekönig ab. Dieser wird zusammen mit seinem Bruder sogar verhaftet, in Ketten gelegt und anschließend nach Spanien zurückgeschickt. Jede Menge Niederlagen Kolumbus legt Rechenschaft ab Dort angekommen, müssen die KolumbusBrüder vor dem Königspaar Rechenschaft ablegen. Es gelingt ihnen, Isabella und Ferdinand milde zu stimmen und zumindest aus der Haft entlassen zu werden. Die Absetzung aus allen seinen Ämtern jedoch bleibt bestehen. Darüberhinaus jedoch wartet auf Kolumbus in Spanien eine weitere niederschmetternde Botschaft: Der Portugiese Vasco da Gama hat Afrikas Kap der Guten Hoffnung umsegelt und den Seeweg nach Indien gefunden. Für Spanien und Kolumbus eine herbe Niederlage im Kampf um Macht, Reichtum und die Vorherrschaft auf dem Meer. Dennoch darf er noch einmal auf Expedition gehen. Im Mai 1502 macht er sich mit vier Schiffen auf, um die auf der letzten Reise entdeckte Festlandsküste weiter zu untersuchen. Irgendwo muss es doch eine Durchfahrt nach Indien und China geben, so glaubt er. Und vielleicht ist ja sogar eine erste 8 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Weltumseglung, und damit der Beweis, dass die Erde eine Kugel ist, möglich. Gelingt diese wären sein Ruhm und seine Ehre wiederhergestellt. Ruhmloses Ende Doch obwohl er von Honduras bis Venezuela eifrig sucht, erfüllen sich die Hoffnungen von Kolumbus nicht. Immerhin betritt er aber am 25. September 1502 im heutigen Costa Rica zum ersten Mal amerikanischen Festlandsboden – allerdings ohne zu ahnen, wo er tatsächlich ist. Er glaubt noch immer in Asien zu sein. Auch sonst wird die Reise für Kolumbus zu einer herben Enttäuschung. Auf Hispaniola ist er nicht mehr gern gesehen. Zudem zerfrisst der Holzbohrwurm die Planken seiner Schiffe, so dass er schließlich sogar im Juni 1503 auf Jamaika strandet und die neuen Herren auf Hispaniola um Hilfe anflehen muss. Die Retter treffen jedoch erst knapp ein Jahr später ein. 1504 schließlich kehrt Kolumbus nach Spanien zurück. Krank, verbittert, enttäuscht, ruhmlos und immer noch davon überzeugt, den Seeweg nach Indien entdeckt zu haben, stirbt er zwei Jahre später am 20. Mai 1506 in Valladolid. Kolumbus hat den Seeweg nach Indien nicht entdeckt. So viel ist klar. Vieles andere aus seinem Leben ist dagegen bis heute Gegenstand von Mythen, Legenden und Spekulationen. Vor allem seine Geburt und seine letzte Ruhestätte geben den Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Herkunft ungewiss Wo wurde Kolumbus geboren? Christoph Kolumbus war Genueser und damit eigentlich Italiener dies galt lange Zeit als Dogma, ist heute aber mehr als umstritten. Und auch sein Geburtsdatum liegt nach wie vor im Dunklen. Irgendwann zwischen August und Oktober 1451 muss er das Licht der Welt erblickt haben, so schätzen Historiker, da ein entsprechende Geburtsurkunde oder ein anderes amtliches Dokument fehlen. Kolumbus Library of Congress Doch wo fand das Ereignis statt? Zahlreiche Orte und Gemeinden bewerben sich um den Titel „Geburtsstadt von Christoph Kolumbus – nicht nur in Spanien und Italien, sondern erstaunlicherweise auch in Armenien oder Norwegen. Forscher und Stadtväter glauben in jedem dieser Orte ausreichende Indizien dafür zu haben, dass Kolumbus genau dort geboren wurde. „Siendo yo nacido en Genoba (frei übersetzt: ich wurde in Genoba geboren), behauptet Kolumbus selber in seinem Testament aus dem Jahr 1506. Viel mehr hat er nicht über seine Herkunft 9 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser preisgegeben. Er zog es Zeit seines Lebens vor, selbst seine Freunde und Bekannten über seinen Geburtsort im Unklaren zu lassen. Warum, ist unbekannt. Stadt oder Republik Genua? Doch was ist mit „genoba gemeint? Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Kolumbus aus der italienischen Hafenstadt Genua stammt. Dafür sprechen unter anderem schriftlich belegte enge Verbindungen des Seefahrers zum Genueser Bankhaus Banco di San Giorgio und zu verschiedenen Kaufleuten der Stadt. Dokumente beweisen zudem, dass ein Cristoforo Colombo zur fraglichen Zeit als Sohn eines Wollwebers in Genua sein Dasein fristete und später in Lissabon lebte. Ob es sich dabei um den berühmten Entdecker und Seefahrer oder einen Namensvetter handelt, ist jedoch unklar. Für die Kritiker der GenuaTheorie sind das alles keine Beweise. Die französische Stadt Calvi beispielsweise argumentiert, dass mit „genoba keineswegs die Metropole am Ligurischen Meer selber gemeint ist, sondern eher die gleichnamige Republik Genua. Zu dieser gehörte vom 13. Jahrhundert an bis weit nach Kolumbus unter anderem die gesamte Insel Korsika und damit auch Calvi. Kolumbus auf San Salvador Library of Congress In der dortigen Rue du Fil lebten bis ins 18.Jahrhundert Weber, die den Namen Columbus trugen. Kein Wunder, dass die Stadtväter an einem Haus eine Gedenktafel mit dem Hinweis: Geburtshaus des Christoph Colombos angebracht. Calvi bezeichnet sich selbst als Stadt des Colombos und wirbt damit auch um Touristen. Für diese Annahme spricht auch, dass nachweislich viele Calviner an Bord von Kolumbus Schiffen mitfuhren. Zwei von ihnen, die Brüder Minucci wurden später sogar zu Gouverneuren von Panama und Portobello ernannt. Auch Mallorca kommt in Frage „genoba das sind wir, behauptet auch ein Stadtteil von Palma auf Mallorca. Vor der Eingemeindung in die Touristenmetropole gab es hier einen kleinen eigenständigen Ort, der diesen Namen trug. Für eine spanische aber nicht unbedingt mallorquinische Herkunft von Kolumbus spricht zudem, dass er die meisten seiner Dokumente in kastilischer oder lateinischer Sprache verfasst hat. Kritiker der GenuaTheorie bringen zudem das hohe Bildungsniveau von Kolumbus und seine Vermählung mit einer Frau aus einem alten Adelsgeschlecht in Portugal im Jahre 1479 ins Spiel. Für einen ehemaligen einfachen Wollweber zur damaligen Zeit, so meinen Historiker, wäre das zumindest ein ungewöhnlicher Aufstieg. DNA-Tests sollen helfen Doch wer hat Recht? Vielleicht hilft bei der Antwort auf diese Frage ja ein neues Projekt der Universität von Granada. Die Forscher um Jose Antonio Lorente suchen in verschiedenen spanischen, italienischen und französischen Städten, die als Herkunftsort von Kolumbus in Frage kommen, nach Mitgliedern der Familien Colombo, Colon oder Colomb. Sie nehmen von ihnen Speichelproben und untersuchen diese mithilfe von DNATests. Das Erbgut der Freiwilligen, allesamt potentielle Nachfahren des Entdeckers, soll dann mit der DNA von Kolumbus Sohn Fernando verglichen werden. Dessen sterbliche Überreste befinden sich seit langem in der Kathedrale von Sevilla. 10 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Lorente und seine Kollegen wollen so einen genetischen Stammbaum der Familie Kolumbus erstellen, der zweifelsfrei nachweist, woher der große Entdecker und Seefahrer nun tatsächlich stammte. Pünktlich zum 500 Todestag von Christoph Kolumbus am 20. Mai 2006 sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen Sevilla oder Santo Domingo? Rätsel um die letzte Ruhestätte Kolumbus in der Neuen Welt Library of Congress Eine so große Ungewissheit wie um den Geburtsort von Kolumbus gibt es bei der Frage nach seiner letzten Ruhestätte nicht. Allerdings konkurrieren auch hier mindestens zwei Städte um den Ruhm und um die Echtheit der dort liegenden Knochen. Dies sind die spanische Metropole Sevilla und die größte Stadt der Dominikanischen Republik und der Karibik überhaupt, Santo Domingo. Begonnen hat das Verwirrspiel um die 500 Jahre alten Gebeine bereits kurz nach Kolumbus Tod am 20. Mai 1506 in der spanischen Stadt Valladolid. Dort wurde er zunächst auch beigesetzt. Wenige Jahre später jedoch überführte man den Leichnam von Kolumbus in ein Kloster nach Sevilla. Aber damit nicht genug: Gut drei Jahrzehnte später ließ Kolumbus Sohn Diego die sterblichen Überreste des Vaters in die Karibik auf die Insel Hispaniola überführen. Dort blieben sie in Santo Domingo angeblich für etwas mehr als zweieinhalb Jahrhunderte. Anschließend wanderten sie im Jahr 1795 vermutlich weiter in eine Kirche von Havanna und dann schließlich 1898 zurück nach Sevilla, wo sie in der Kathedrale bis heute begraben sind so weit zumindest die Theorie. Ob aber tatsächlich auf den verschiedenen Stationen immer die „richtigen Knochen verpackt und auf die Reise geschickt wurden, ist bis unklar und für viele Forscher mehr als fraglich. Jedenfalls reklamieren sowohl Sevilla als auch Santo Domingo den Besitz des Originals der sterblichen Überreste des Christoph Kolumbus für sich. Was tun? Grab wird geöffnet Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wollen spanische Forscher schon seit langem das Grab in der gotischen Kirche Santa Maria in Sevilla untersuchen. Dies scheiterte jedoch lange Zeit am Widerstand der katholischen Kirche, bis diese schließlich doch im Jahr 2004 ihr „o.k. gab. Nach dem Öffnen des Grabes war für die beteiligten Anthropologen schnell klar, dass es sich bei dem dort vorgefundenen Leichnam wohl kaum um Christoph Kolumbus handeln konnte. 11 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Nach Ansicht der beteiligten Wissenschaftler stammen die Knochen vermutlich von einem deutlichen jüngeren Verstorbenen und auch die Statur passte kaum zu dem von Kolumbus bekannten Erscheinungsbild. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten möglicherweise sogar um den ältesten Kolumbus Sohn Diego handelt. Endgültige Sicherheit soll jetzt aber ein DNATest bringen. Ein internationales Wissenschaftlerteam, an dem unter anderem Jose Lorente von der Universität Granada sowie Forscher vom MaxPlanck Institut für Anthropologie in Leipzig beteiligt sind, plant in Sevilla MitochondrienDNA aus den Knochen des angeblichen Christoph Kolumbus sowie seines Bruders und seines Sohnes isolieren und anschließend zu vergleichen. Stimmen die Proben überein, ist der Fall klar. Ansonsten wollen die Forscher nach Santo Domingo reisen und auch dort die notwendigen Analysen vornehmen. Dann könnte endlich wissenschaftlich erwiesen sein, wo sich die wertvollen Knochen wirklich befinden. Es sei denn beide Untersuchungsergebnisse sind negativ und bei keinem der beiden handelt es sich um den berühmten Seefahrer Rätsel über Rätsel Guanahani, Samana Cay und Playa Damas Ankunft auf Guanahani Library of Congress Geburtsort? Unbekannt! Letzte Ruhestätte? Unbekannt! Aber zumindest über die vier Reisen des Kolumbus weiß man aufgrund eines gut geführten Bordbuches doch alles, oder? Leider nein. Dies beginnt schon mit dem Ort, an dem Kolumbus zum ersten Mal seinen Fuß auf amerikanischen Boden setzte. Guanahani nannten die einheimischen Indios ihre Heimat, die der Entdecker mit seinen Leuten am 12. Oktober 1492 erreichte. Kolumbus aber hatte einen eigenen Namen für die BahamasInsel parat: San Salvador, so beschloss er, sollte sie von nun an heißen – Heiliger Retter. Ein San Salvador gehört zwar auch heute zu den Bahamas, ob es sich dabei allerdings um das von Kolumbus entdeckte Eiland handelt, ist mehr als ungewiss. Dies liegt wenigstens zum Teil daran, dass die Seeleute des ausgehenden 15. Jahrhunderts keine verlässlichen Positionsbestimmungen vornehmen konnten. Zwar besaßen sie bereits einen Magnetkompass und einen Jakobsstab, den Vorläufer der heutigen Sextanten, die mit den Karavellen zurückgelegte Strecke konnte jedoch trotzdem meist nur grob geschätzt werden. Hinzu kam, dass bei den Pionierfahrten damals keine Wissenschaftler mit an Bord waren, die die angelaufenen Ziele sachgerecht kartierten. Auch mögliche geografische Besonderheiten oder die Fauna und Flora blieben meist unerforscht und fehlen deshalb auf den Zeichnungen und in den oberflächlich Beschreibungen der Inseln. Samana Cay statt San Slavador? Trotzdem haben Wissenschaftler der National Geographic Society 1986 versucht, mithilfe der Logbücher von Kolumbus und Computern den Reiseweg der Flotte Puzzleteil für Puzzleteil zusammenzusetzen. Sie kamen zu dem Schluss, dass nicht das heutige San Salvador, sondern die 12 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser weiter südlich gelegene kleine Insel Samana Cay der Ort gewesen sein muss, an dem Kolumbus die Neue Welt erreichte. Endgültig bestätigt ist dies jedoch noch immer nicht. Andere Forscher tippen nach wie vor auf San Salvador. Unter anderem, weil man dort Münzen, Perlen und Gürtelschnallen gefunden, die nachgewiesenermaßen aus der Zeit von Kolumbus stammen. Auf der Suche nach Wracks Kolumbus Flotte Library of Congress Ähnlich schwierig wie die Suche nach dem Anlandungsort von Kolumbus gestaltet sich auch die Fahndung nach den Schiffen, die der Seefahrer im Verlaufe der Expeditionen aufgeben musste. Zwei Karavellen sind allein auf seiner vierten Reise vor der Küste Panamas auf der Strecke geblieben, darunter die „Viscaina. Kolumbus behauptet in einem Brief an den spanischen König Ferdinand, er habe das Schiff in der Bucht von Puerto Gordo, dem heutigen Portobelo, zurückgelassen. Vorher mussten die Matrosen fast alle Kanonen und Waffen auf die Viscaina bringen, damit die gesamte Besatzung Platz auf den beiden verbliebenen Schiffen fand. Archäologen um Donald Hamilton vom Institut für Unterwasserarchäologie der Universität Texas haben vor einigen Jahren in der Bucht von Playa Damas nahe Portobelo ein Schiffswrack am Meeresboden gefunden, auf das nach den ersten Untersuchungen die Beschreibung passt. „Es gibt bei diesem Wrack definitiv alle klassischen Eigenschaften eines spanischen Schiffswracks. Die Anker haben die typischen langen Schafte und sie haben Flunken, die auf der Seite herausragen. Das ist typisch spanisch. Ohne jeglichen Zweifel können wir sagen: Das Wrack ist spanischer Herkunft und definitiv von vor 1550. Jetzt ist natürlich die große Frage: Ist es von 1500, 1504, 1510 oder 1530? sagt Hamilton in der ZDFSendung „Tauchfahrt in die Vergangenheit: Kolumbus letzte Reise. Weitere Analysen sollen nun zeigen, ob es sich bei dem Schiff tatsächlich um die gesuchte Viscaina handelt. Aber das kann noch dauern, denn die Zusammenarbeit zwischen den panamesischen Behörden und den Forschern ist äußerst schwierig und erfordert nach Angaben von Hamilton viel Geduld. 13 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Die wahren Entdecker Amerikas Wikinger und Chinesen als Vorreiter? Grönland NASA Zeit seines Lebens ging Kolumbus davon aus, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Schon wenige Jahre später konnte jedoch Fernando Magellan bei seiner ersten Weltumseglung beweisen, dass Kolumbus irrte und er in einer Neuen Welt, in Amerika, gelandet war. Doch auch hier war er nicht der erste Europäer. Ein Wikinger auf Abwegen Grönland vor mehr als 1.000 Jahren. Dort, wo heute ein dichter allumfassender Panzer aus Schnee und Eis die Insel überzieht, war das Klima damals deutlich angenehmer und wärmer. Um zwei bis vier Grad Celsius höher als jetzt lagen die Duschschnittstemperaturen zwischen 900 und 1350 nach Christus – auf Grönland und auch in anderen Teilen Nordeuropas. Die Wikinger nutzten die guten Bedingungen, die sich ihnen boten, um zunächst Island zu besiedeln und dann noch weiter nach Nordosten vorzudringen. Erik der Rote, ein wilder Geselle, der angeblich wegen Mordes aus seiner Heimat verbannt worden war, erreichte zusammen mit über 30 Männern auf seinem Schiff schließlich eine riesige Insel. Er fuhr die Küste entlang immer auf der Suche nach einem guten Lager und Siedlungsplatz. In einem tief in die Küste eingeschnittenen Fjord an der Wesküste entdeckten die Wikinger um das Jahr 975 schließlich fruchtbares Weideland. Erik der Rote nannte die Insel „grünes Land – Grönland. So schnell es ging holte er seine Familie und viele andere Wikinger nach und gründete eine Siedlung. Doch auf Grönland mangelte es an Bäumen für den Haus und Bootsbau. Da kam den Wikingern der Zufall zur Hilfe. Bjarne Herjolfsson, ein Holzhändler aus Norwegen, geriet bei seiner Fahrt von Island nach Grönland in einen schweren Sturm und wurde weit nach Westen in unbekannte Gefilde verschlagen. Plötzlich entdeckte er an einer auftauchenden Küste Wiesen und Wälder. Von Grönland nach Vinland Nachdem er sich nach Grönland zurück gekämpft hatte, berichtete er Erik von seinen Erlebnissen. Schon wenige Jahre später ging dann Leif Eriksson, der Sohn des GrönlandEntdeckers, der Sache auf den Grund. Zusammen mit einigen Männern an Bord seines Schiffes stach er Richtung Westen in See und sichtete schließlich in Höhe der heutigen BaffinInsel Amerika. Das sollte das versprochene Paradies sein? Nur Steine weit und breit. Doch Eriksson ließ sich nicht entmutigen und drang weiter nach Süden vor. Endlich entdeckten die Wikinger vor der Küste von Neufundland eine Bucht, in der es günstige Bedingungen mit mildem Wetter, Wäldern und üppigem Weideland gab. Sie tauften es Vinland, Weinland. Dort bleiben sie für Monate und bauten sogar eine kleine Ortschaft auf. Alles nur Sage oder Legende? Weit gefehlt. Die mehr als 400 Jahre lange Warmzeit haben Klimaforscher längst belegt. Und für die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger gibt es ebenfalls 14 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser archäologische Beweise. Der norwegische Forscher Helge Ingstadt grub an der Nordspitze Neufundlands bei AnseauxMeadows eine rund 1.000 Jahre alte nordische Siedlung aus. Die Bauweise der Häuser, aber auch einige gefundene Werkzeuge wie eine Nadel aus Knochenmaterial oder eine Spinnwirtel – ein Schwunggewicht einer Spindel – aus Speckstein überzeugten die Forscher: Kolumbus kam 500 Jahre zu spät. Entdeckten Chinesen Amerika? Immerhin noch mehr als 70 Jahre früher als der gefeierte AmerikaEntdecker Kolumbus kamen die Chinesen unter ihrem Admiral Zheng He als Zweite in die „Neue Welt – zumindest wenn die Theorie des Autors Gavin Menzies stimmt, die er in seinem Buch „1421 – Als China Amerika entdeckte vorstellt. Menzies hatte zuvor unzählige historische Dokumente gesichtet und dabei Widersprüche in der bisherigen Geschichtsschreibung entdeckt. Anhand von zahlreichen Indizien versucht er deshalb zu belegen, dass Zheng He in den Jahren 1421 bis 1423 eine Weltumseglung gelungen ist, bei der er alle Kontinente und auch Amerika zu Gesicht bekam. Doch das ist längst noch nicht alles. Nach Ansicht von Menzies besaßen die großen europäischen Seefahrer wie Kolumbus, Magellan oder Cook chinesische Karten, die sie bei ihren Entdeckungsfahrten erst auf die richtige Spur brachten. Unterstützung bekam Menzies durch den chinesischen Anwalt Liu Gang. Der präsentierte vor kurzem die Kopie einer uralten chinesischen Karte aus dem Jahr 1418, auf der bereits alle Kontinente zu erkennen sind. Unter Historikern unbestritten ist, dass es Zheng He tatsächlich gab und er mit seiner Flotte vermutlich auch weit herumgekommen ist. So soll er beispielsweise Borneo und vermutlich auch die Ostküste Afrikas bereist haben. Ob aber Menzies Theorie stimmt und ob die Karte von Liu Gang echt ist, bezweifeln sogar chinesische Forscher Kolumbus ein Held? Der Preis der Macht Kolumbus und die Indianer Library of Congress „Der Amerikaner, der den Columbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung schreibt Georg Christoph Lichtenberg in seinen Sudelbüchern, die zwischen 1765 und 1799 entstanden sind. Der Professor für Experimentalphysik und Naturwissenschaften in Göttingen notierte in seinen Heften, seine täglichen Einfälle und Beobachtungen und schuf so im Laufe der Zeit die berühmteste Aphorismensammlung der deutschen Literatur. Lichtenbergs Einschätzung von Kolumbus ist zwar despektierlich, aber durchaus nicht unbegründet. Sie wird von vielen Historikern und Amerikaforschern geteilt – zumindest aus heutiger Sicht. Denn für die Indianer Mittelamerikas und später auch des Rests der neuen Welt begann mit der Ankunft von Kolumbus und seinen Männern ein Überlebenskampf, der in den ersten 100 Jahren der spanischen Herrschaft in Amerika vermutlich fast 70 Millionen Menschen das Leben kostete. 15 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Verantwortlich dafür waren unter anderem Hernan Cortez, der 1521 das Reich der Azteken in Mexiko eroberte, Franzisco Pizarro mit der Zerschlagung des InkaStaates 1531 und: Christoph Kolumbus. Denn schon in seiner Zeit als Vizekönig und Generalbevollmächtigter Spaniens in Westindien begann der Völkermord an den Einheimischen. Die Spanier um Kolumbus trieb auf ihren Expeditionen in unbekannte Gebiete weniger der Entdeckerdrang oder die Suche nach neuen „Schäfchen für die Herde Gottes, sondern oft eher die Gier nach Macht und Reichtum. So hatte Kolumbus laut Vertrag mit seinen Auftraggebern, dem spanischen Königspaar Ferdinand V. und Isabella I., die Aufgabe möglichst viele wertvolle Edelmetalle zu finden und mit nach Spanien zu bringen. Gier nach Gold Dementsprechend rücksichtslos gingen die Spanier von Beginn an zu Werke. Obwohl Ferdinand und Isabella ausdrücklich eine gute Behandlung der Indianer als zukünftige Christen gefordert hatten, hielt sich kaum jemand an diese Auflage. Spanien war weit und wer sollte schon als Richter auftreten. Darüberhinaus führte Kolumbus ein Regel und Abgabensystem für die neuen Kolonien Spaniens ein. Die Indianer auf Hispaniola mussten beispielsweise in regelmäßigen Abständen Gold abliefern, ansonsten wurden sie versklavt, ausgebeutet, misshandelt oder gar auf den Scheiterhaufen geschickt. Schon unter der Herrschaft von Kolumbus wurden zudem immer wieder einheimische Frauen von den Spaniern aus den Dörfern der Indios entführt und vergewaltigt, Aufstände schlugen die Spanier brutal nieder. Landraub und Strafaktionen waren an der Tagesordnung. Selbst für geringe Vergehen gegen die Obrigkeit gab es schwere Strafen wie das Abschlagen von Händen. Eingeschleppte Krankheiten taten ein Übriges dazu, dass die Ureinwohner der Karibik innerhalb von wenigen Jahrzehnten nahezu ausgerottet wurden. Mehrere hundertausend Tainos gab es beispielsweise vor der Ankunft von Kolumbus im Jahr 1492 allein auf der Insel Hispaniola wenige Jahre später waren nur noch wenige davon übrig. „Wir können hier als eine gewisse und wahrhafte Tatsache anführen, dass in obgedachten vierzig Jahren durch das erwähnte tyrannische und teuflische Verfahren der Christen, mehr als zwölf Millionen Männer, Weiber und Kinder auf die ruchloseste und grausamste Art zur Schlachtbank geführt wurden und wir würden in der Tat nicht irren, wenn wir die Anzahl derselben auf fünfzehn Millionen angäben, zieht der DominikanerMönch Bartolome de las Casas in seinem „Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder aus dem Jahr 1552 eine Bilanz von 60 Jahren weißer Herrschaft in der Karibik. 16 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Kult um Kolumbus Der Mythos lebt Kolumbus erobert neue Gebiete für Spanien Library of Congress Er wollte den westlichen Seeweg nach Indien und China entdecken, mit Gewürzen und Gold die spanischen Staatskassen und seine eigene Geldbörse füllen, als erster Mensch die Welt umsegeln. Nichts davon hat Christoph Kolumbus tatsächlich geschafft. Ja sogar für den Tod vieler Indios war er verantwortlich. Und auch die Ehre, dass der von ihm (wieder)entdeckte Kontinent Amerika seinen Namen trägt, blieb ihm versagt. Dennoch gilt er als der Entdecker schlechthin, sind Mythos und Kult um Kolumbus ungebrochen, dies haben beispielsweise die Feierlichkeiten im Jahr 1992 zum 500. Jahrestag seiner Amerikareise und Kinofilme wie „1492 – Die Vertreibung aus dem Paradies mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle gezeigt. Überall auf der Welt sind zudem Orte, Straßen, Universitäten, Schulen oder Brücken benannt. So heißen beispielsweise die Hauptstädte der U.S.Bundesstaaten Ohio und South Carolina nach dem berühmten Entdecker. Zudem gibt es im Ostküstenstaat Washington ein ColumbiaBecken nahe der KaskadenBergkette. Und in Südamerika trägt mit Kolumbien sogar ein ganzes Land seinen Namen. Wiederzufinden ist dieser Kult um den angeblichen Entdecker der Neuen Welt auch in Kunst und Literatur. Dichter und Denker, aber auch Musiker und Maler oder das einfache Volk würdigten die Leistungen des – unbestrittenen – Visionärs, großen Seefahrers und Entdeckers in zahlreichen Liedern, Gedichten, Bildern und Erzählungen. Ein Mann der sich Kolumbus nannt Volks und Kinderlied (Auszug) Ein Mann der sich Kolumbus nannt, War in der Schiffahrt wohlbekannt. Es drückten ihn die Sorgen schwer, Er suchte neues Land im Meer Friedrich Schiller Columbus (Auszug) Steure, muthiger Segler! Es mag der Witz dich verhöhnen Und der Schiffer am Steur senken die lässige Hand. Immer, immer nach West! Dort muß sich die Küste zeigen, Liegt sie doch deutlich undliegt schimmernd vor deinem Verstand Friedrich Nietzsche Der neue Columbus (Auszug) 17 Entdeckungen und Eroberungen Klasse P2b GS 2.Semester bei Herrn M.Oser Freundin! – sprach Columbus – traue Keinem Genueser mehr! Immer starrt er in das Blaue – Fernstes lockt ihn allzu sehr. Doch woher kommt diese ungeheure Popularität für Jemanden, der fast alle seine Ziele verfehlt hat? Mit den Reisen von Kolumbus sprengte Europa endgültig seine eigenen Grenzen und machte sich auf den Weg, die Welt zu entdecken und zu erobern. Afrika, Indien, China, Australien wurden von neuen Entdeckern und Seefahrern wie Vasco da Gama, Fernando Magellan, Francis Drake oder später James Cook angesteuert und erkundet. Und auch die Neue Welt, Amerika, hatte Kolumbus mit seinen Reisen endgültig in das Blickfeld der Menschen in Europa gerückt. Es begann ein wahrer Wettlauf auf die Gebiete jenseits des großen Teiches, der Spanien, aber auch Portugal im Laufe der Zeit nicht nur immer neue Kolonien, sondern auch das ersehnte Gold brachte. „Das Echo der Tat eines Kolumbus hallte jahrhundertelang wider, während das kollektive Bewußtsein sich innerhalb von Wochen an die Eroberung des Mondes wie an etwas beinahe Banales gewöhnte., so beschreibt Stanislaw Lem in seinem Buch Die vollkommene Leere die Bedeutung von Kolumbus und seinen Reisen. 18