Arbeitsblatt: Die zertanzten Schuhe
Material-Details
Märchen, Lesetext, vereinfacht für Ende 1. Klasse / Anfang 2. Klasse
Deutsch
Leseförderung / Literatur
1. Schuljahr
7 Seiten
Statistik
97910
1734
11
26.04.2012
Autor/in
Anna Hofer
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Die zertanzten Schuhe Es war einmal ein König. Der lebte auf einem grossen Schloss. Er hatte zwölf wunderschöne Töchter, die er alle sehr mochte. Doch was ihn böse macht, sind die Schuhe seiner Töchter. Denn jeden Morgen sind alle Schuhe zertanzt und kaputt. Jeden Morgen brauchen die Töchter neue Schuhe! Der König muss etwas dagegen unternehmen! Keine der zwölf Töchter sagt, wo sie in der Nacht tanzt. Darum lässt der König in seinem Land verkünden: „Wer herausfindet, wo meine Töchter in der Nacht tanzen, darf eine Tochter zur Frau wählen. Und er soll nach meinem Tod König werden. Wer dieses Rätsel lösen will, darf drei Tage und drei Nächte auf dem Schloss leben. Nach diesen drei Tagen muss das Rätsel gelöst sein. Löst er das Rätsel nicht, so darf er nie mehr einen Fuss in mein Königreich setzen. Der erste, der kommt, ist ein Prinz. Er bekommt gutes Essen, schöne Kleider und ein weiches Bett. In der Nacht soll er aufpassen, wo die Mädchen hingehen und tanzen. Doch er kann das Rätsel nicht lösen. Denn er schläft so tief und fest, dass auch das lauteste Getöse ihn nicht wecken kann. Am nächsten Morgen kann der Prinz dem König nicht erklären, warum die Schuhe Löcher in den Sohlen haben. Von nun an besuchen viele Burschen das Schloss und versuchen ihr Glück. Eines Tages kommt ein armer Soldat in das Königsreich. Er begegnet einer alten Frau. Sie fragt ihn: „Wo willst du denn hin? Der Soldat antwortet lachend: „Ich weiss es selber nicht recht. Vielleicht habe ich Lust, herauszufinden, wo die Königstöchter ihre Schuhe vertanzen. Und danach werde König. Die alte Frau meinte: „Das ist nicht so schwer. Du darfst den Wein nicht trinken. Und am Abend tust du so, als ob du fest am Schlafen wärst. Sie gab ihm ein Mäntelchen und sprach: „Wenn du das umhängst, so bist du unsichtbar. Schleich den zwölf Mädchen nach. Dem Soldat bleibt nun nichts anderes übrig, als sich mit diesen Ratschlägen beim König zu melden. Er bekommt gutes Essen, schöne Kleider und ein weiches Bett. Aber der Wein, den trinkt er nicht. Als es draussen Dunkel wird, legt er sich ins weiche Bett und fängt an zu schnarchen. Das hören die zwölf Königstöchter. Sie denken, dass der Soldat schläft. Nun holen sie aus ihren Schränken, Kisten und Kasten alle ihre prächtigen Kleider heraus. Die Königstöchter kontrollieren, ob der Soldat auch wirklich immer noch schläft. Und dann klopft die älteste an ihr Bett: Plötzlich öffnet sich eine weisse Tür. Alle zwölf Mädchen treten durch die Tür und verschwinden in weissem Licht. Aber der Soldat hat alles gesehen. Er hängt sein Mäntelchen um und folgt den zwölf Mädchen. Kaum ist er durch die Tür getreten, steht er in einem prächtigen Baumgang. Alle Blätter glänzen silberig. Und der Soldat bricht einen Zweig ab. Bald kommen die zwölf Töchter und der Soldat in einen anderen Baumgang. Alle Blätter glänzen golden. Und der Soldat bricht wieder einen Zweig ab. Am Schluss kommen die zwölf Töchter und der Soldat in einen dritten Baumgang. Alle Blätter glänzen wie Diamanten. Und der Soldat bricht wieder einen Zweig ab. Als der Baumgang zu Ende ist, stehen die zwölf Prinzessinnen vor zwölf Prinzen. Jeder Prinz nimmt eine Prinzessin an den Händen und führt sie in ihr Schloss. Der Soldat folgt ihnen leise und unsichtbar. Im Schloss tanzen sie, bis es draussen wieder hell wird. Und wieder sind alle Schuhe zertanzt und haben Löcher in den Sohlen. Während die Prinzessinnen sich von ihren Prinzen verbschieden, eilt der Soldat nach Hause. Er legt sich in sein weiches Bett und schnarcht. Als die Königstöchter zurückkommen denken sie, dass der Soldat nichts von ihrem Tanz mit den Prinzen weiss. Am nächsten Morgen fragt ihn der König: „Hast du herausgefunden, was meine Töchter in der Nacht machen? Der Soldat aber antwortet: „Ich bin mir noch nicht sicher. So schleicht er sich in der zweiten Nacht wieder zum Tanz, ohne dass ihn die Mädchen sehen. Auch nach dieser Nacht möchte er dem König noch nicht erzählen, was er herausgefunden hat. Und so schleicht er sich in der dritten Nacht wieder zum Tanz, ohne dass ihn die Mädchen etwas merken. Am dritten Morgen jedoch muss er dem König sagen, was er weiss. Der Soldat aber will die zwölf Prinzessinnen nicht verraten und antwortet: „Ich weiss, wo die Mädchen in der Nacht tanzen. Ich kann es auch beweisen. Aber wo das ist, verrate ich nicht. Er legt den silbernen Zweig, den goldenen Zweig und den diamantenen Zweig hin. Da sehen die Königstöchter, dass der Soldat die Wahrheit spricht. So erzählen sie ihrem Vater, wo sie in der Nacht tanzen. Der Soldat hat das Rätsel gelöst. Er wählt sich die älteste Tochter zur Frau. Und noch am gleichen Tag wird ein grosses Fest gefeiert. Der Soldat wird König und mit seiner Königin lebt er glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.