Arbeitsblatt: Ernährung
Material-Details
Hunger in der Welt
Lebenskunde
Anderes Thema
5. Schuljahr
1 Seiten
Statistik
98526
769
12
09.05.2012
Autor/in
frosch (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Hunger in der Welt In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Hungersnöte von weltweit durchschnittlich 15 im Jahr auf mehr als 30 angestiegen, die meisten davon in Afrika. Nur selten sind Hunger und Hungersnöte dabei allein auf ein Naturereignis zurückzuführen. Zunehmend sind sie die Folge politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fehlverhaltens. Verfügt ein Land über eine relativ stabile Wirtschaft und Regierung, ist es hingegen eher in der Lage, auch mit schwierigen natürlichen Bedingungen wie etwa einer Dürre fertig zu werden und ihre Folgen aufzufangen. Es kann sich um Krisenvorsorge und management kümmern. Ist ein Land bereits durch einen Konflikt oder wirtschaftlichen Zusammenbruch geschwächt, gibt es für solche Massnahmen keinen Raum. Ein Beispiel: In der sudanesischen Provinz Darfur spielt sich seit 2003 eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses ab. Grund dafür sind erbitterte Kämpfe zwischen Regierungsmilizen und den Rebellen in der Region. Bis Mitte 2005 hat dieser Konflikt etwa zwei Millionen Menschen aus ihren Heimatdörfern und damit von ihren Feldern und Viehherden vertrieben. Etwa 3,5 Millionen Menschen können sich nicht mehr selbst ernähren. Bereits im Jahr 2004 waren nur noch 20 Prozent der normalen Ernte eingebracht worden. Hunger und Mangelernährung sind allgegenwärtig, und das, obwohl Darfur in einem Gebiet liegt, in dem es eigentlich genügend Niederschlag und gute Ernten gibt. Gründe für den Hunger • Klimaveränderungen und Naturkatastrophen Wirbelstürme, Erdbeben, Überschwemmungen oder über Jahre ausbleibender Regen nehmen weltweit zu und betreffen immer mehr Menschen. Ökologische Zerstörung ist Mitauslöser für Naturkatastrophen. Auch weniger dramatische Widrigkeiten wie etwa eine hohe Niederschlagsunsicherheit können ohne Krisenvorsorge immer wieder zu Dürreperioden führen. • Fehlende Kreditmöglichkeiten Sie verhindern, dass Kleinstunternehmer wie Bauern, Handwerker oder Händler notwendige Produktionsmittel wie Saatgut, Ackergeräte oder Rohmaterial vorfinanzieren können. Damit verwehren fehlende Kredite Millionen armer Menschen die Chance, sich eine Existenz aufzubauen. • Kriege und Bürgerkriege In einigen Teilen der Welt sind Kriege und Bürgerkriege Hauptursache von akuten Hungersnöten und chronischem Hunger. Sie führen dazu, dass Millionen Menschen vertrieben werden. Felder können nicht mehr bestellt, Ernten nicht mehr eingebracht werden. Die Verminung von Kriegsgebieten wie in Angola oder Afghanistan erschwert den Wiederaufbau der Landwirtschaft und macht ihn in manchen Regionen schlicht unmöglich. • Schlechte Regierungsführung und fehlende Demokratie Sie sind hauptverantwortlich für gesamtgesellschaftliche Unterentwicklung und damit für die Verbreitung von Hunger und Armut. Viele Regierungen vernachlässigen Investitionen in Bildungs, Ausbildungs und Gesundheitseinrichtungen. • Mangelnde Infrastruktur Hohe Transportkosten, unzureichende Lagerungsmöglichkeiten, fehlende Straßen und Märkte sowie mangelnde Energie und Wasserversorgung begrenzen die landwirtschaftliche Produktivität. Sie verhindern, dass Nahrungsmittel verteilt und sinnvoll mit ihnen hausgehalten werden kann. Jedes Jahr verderben in den Entwicklungsländern Millionen Tonnen Getreide durch unzureichende Lagermöglichkeiten. • Hohes Bevölkerungswachstum In Verbindung mit niedrigen Erträgen in der Landwirtschaft führt ein hohes Bevölkerungswachstum zu einer schlechten Ernährungslage in manchen Ländern. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von 6,5 Milliarden Menschen auf etwa 9,1 Milliarden anwachsen. 95 Prozent dieses Wachstums wird in den Entwicklungsländern erfolgen. Wie lässt sich der Hunger bekämpfen? Hunger und Armut haben viele Ursachen, die oftmals komplex miteinander verknüpft sind. Deshalb kann es auch keine einfachen Lösungen für eine nachhaltige Verbesserung der Missstände geben. Eine Chance auf Erfolg besteht nur, wenn ernstzunehmende Bemühungen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene miteinander koordiniert werden. Dabei müssen gleichzeitig die Gründe für den Hunger wie auch seine Folgen bekämpft werden. Eine entscheidende Rolle spielen in diesem Zusammenhang: • die Verbesserung der Landwirtschaft in armen, ländlichen Gegenden • die Verbreitung von Wissen • die sofortige Nahrungsmittelhilfe für die Bedürftigsten. Wer kann was tun? • Die betroffenen Menschen selbst Sie sind die entscheidende Kraft zur dauerhaften Verbesserung ihrer Lebensumstände. Durch Selbsthilfe schaffen sich die betroffenen Menschen selbst Arbeitsplätze, Einkommen und Zukunftsperspektiven. Gemeinsam erarbeiten sie bessere Standards für ihre Gemeinden. Doch dazu müssen sie verstärkt an politischen Entscheidungsprozessen, die ihr Leben betreffen teilnehmen. Durch Interessenverbände können sich die Menschen eine Stimme geben und ihren Anspruch auf menschenwürdige Lebensbedingungen und sozialen Ausgleich erheben. • Die Regierungen der Entwicklungsländer Sie sind massgeblich für die Bekämpfung von Hunger und Armut in ihren Ländern verantwortlich. Durch eine verantwortungsvolle Politik müssen sie die Grundlage für bessere Lebensbedingungen und ein stabiles Wirtschaftswachstum schaffen sowie demokratische Strukturen fördern. Nur dann können auch die Bemühungen der Bevölkerung und internationale Unterstützung auf fruchtbaren Boden fallen. • Die Industrieländer Die Industrieländer können durch die Bereitstellung von Geld und Wissen zur Überwindung von Hunger und Armut beitragen. Eine der wichtigsten Aufgabe der Industrieländer ist der Schuldenerlass. Mehr Bildung – weniger Hunger? Die grosse Mehrheit der 852 Millionen chronisch unterernährten Menschen lebt in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer. Dies gilt ebenso für die etwa 860 Millionen Erwachsenen, die weder lesen noch schreiben können, und die 130 Millionen Kinder, die keine Schule besuchen. Hunger und Analphabetentum bzw. mangelnde Bildung sind Symptome extremer Armut. Unterernährung schadet der kognitiven Entwicklung und führt zu weniger Schulbesuch. Umgekehrt verringert mangelnde Bildung die Einkommensmöglichkeiten und trägt so direkt zu Hunger und Armut bei. Bildungschancen zu verbessern, ist einer der wirkungsvollsten Wege, Hunger zu bekämpfen. Denn sobald man schreiben und lesen kann, nimmt die Unterernährung ab.